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TKMS steht sinnbildlich für den neuen Rüstungszyklus in Europa. Das Unternehmen erlebt einen beispiellosen Nachfrageboom.
TKMS in der Schlüsselposition
Thyssenkrupp AG hat 49 Prozent seiner Marine- und Rüstungssparte abgespalten und die Anteile an die eigenen Bestandsaktionäre ausgeschüttet.
TKMS ist einer der weltweit führenden Anbieter von maritimen Verteidigungslösungen. Das Produkt- und Dienstleistungsportfolio umfasst die Konstruktion, Entwicklung und Produktion konventioneller U-Boote, Überwasserschiffe der Marine sowie maritimer Software und Elektroniksysteme. Darüber hinaus bietet TKMS umfassende Lifecycle-Services wie Wartung, Instandsetzung und Modernisierung an.
Während viele Industrieunternehmen mit schwankender Nachfrage kämpfen, profitiert der Marinekonzern von einem strukturellen Wachstumstrend: der weltweiten Aufrüstung der Seestreitkräfte.
Das Herzstück bildet das U-Boot-Geschäft, das rund die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Weitere 25 Prozent entfallen auf Überwasserschiffe wie Fregatten und Korvetten. Das verbleibende Viertel steuert die Elektroniksparte Atlas Elektronik bei, die Sonarsysteme, Torpedos, Marineelektronik und Kampfmanagementsoftware entwickelt und mehr als 40 Marinen weltweit beliefert.
Dadurch verkauft TKMS nicht nur Plattformen, sondern liefert zunehmend komplette Systemlösungen aus einer Hand.
Auftragsflut unter Wasser
TKMS ist Weltmarktführer bei konventionellen U-Booten und gilt als technologischer Maßstab für nicht-nukleare Diesel-Elektro-Boote sowie luftunabhängige Antriebssysteme. Diese Technologie ermöglicht lange Tauchzeiten bei gleichzeitig geringer Ortbarkeit und ist für viele Marinen attraktiver als deutlich teurere nuklearbetriebene Alternativen.
Rund 60 Prozent aller U-Boote der NATO wurden in Kiel gebaut, dem einzigen deutschen Standort für den U-Boot-Bau.
Der Eintritt in das U-Boot-Geschäft erfordert jahrzehntelanges Know-how, hochspezialisierte Ingenieurskompetenz und enge politische Beziehungen. Neue Wettbewerber haben es daher extrem schwer. Gleichzeitig wächst die Nachfrage weltweit. Die sicherheitspolitischen Spannungen in Europa, Asien und dem Indopazifik führen dazu, dass zahlreiche Staaten ihre Flotten modernisieren oder ausbauen.
Diese Entwicklung spiegelt sich bereits in den Geschäftszahlen wider. In den vergangenen vier Geschäftsjahren stieg der Umsatz von 1,70 auf 2,17 Milliarden Euro.
Noch beeindruckender entwickelte sich die Profitabilität. Das operative Ergebnis (EBIT) vervierfachte sich von 25 auf 106 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie legte im gleichen Zeitraum von 0,17 auf 1,65 Euro zu.
Warum TKMS zum strategischen Engpass wird
Noch wichtiger als die aktuelle Ertragslage ist jedoch der Blick auf die Auftragsbücher. Zuletzt lag der offizielle Auftragsbestand bei 20,6 Milliarden Euro und damit beim Vielfachen eines Jahresumsatzes.
Damit ist die Auslastung von TKMS auf Jahre hin gesichert.
Berücksichtigt man bekannte, aber noch nicht offiziell verbuchte Aufträge, unter anderem von der deutschen und norwegischen Marine, dürfte der sogenannte weiche Auftragsbestand bei etwa 30 Milliarden Euro liegen.
Zusätzliche Fantasie bietet Kanada. Dort läuft ein milliardenschweres Beschaffungsprogramm für bis zu zwölf neue U-Boote mit einem Volumen von rund 13 Milliarden Euro. TKMS gehört gemeinsam mit Hanwha Ocean aus Südkorea zu den verbliebenen Finalisten. Sollte der Auftrag nach Kiel gehen, würde sich die ohnehin hervorragende Auftragslage nochmals deutlich verbessern.
Es stellt sich vielmehr die Frage, wann und wie der enorme Auftragsbestand abgearbeitet werden soll.
Die größte Herausforderung wird die Erweiterung der Produktionskapazitäten sein.
Aufträge bis zum Sankt Nimmerleinstag
Die hohe Nachfrage gibt TKMS aber auch eine bessere Preissetzungs- und Verhandlungsmacht. Dieser Faktor dürfte neben der Expansion erheblich zu steigenden Gewinnen beitragen.
Derzeit wird erwartet, dass TKMS den Gewinn in diesem und den kommenden beiden Geschäftsjahren jeweils um mehr als 20 % steigern wird.
Dieses „Problem“ hat sich mit dem heutigen Tag abermals verschärft. Das Bundesverteidigungsministerium hat das von Verzögerungen geprägte F126-Fregattenprogramm gestoppt und stattdessen angekündigt, künftig acht Meko-Fregatten mit einem Wert von mehr als 12 Milliarden Euro von TKMS beschaffen zu wollen.
Bereits im März war die Anschaffung von vier Meko A-200 als Übergangslösung angekündigt worden.
Die Meko-Plattform zählt zu den erfolgreichsten Exportprodukten des Unternehmens und gilt als besonders zuverlässig.
Die F126 hat sich hingegen auf allen Ebenen als Rohrkrepierer erwiesen. Auch abseits von der Kostenexplosion und den jahrelangen Bauverzögerungen gab es immer wieder Kritik an der F126.
Das beginnt beim Grundkonzept des Schiffs. Die F126 ist mit einer Verdrängung von 10.000 Tonnen zu groß für viele Aufgaben und für einen echten Krieg zu schlecht bewaffnet.
Rohrkrepierer seit Tag 1
Dazu kommt ein unklarer Schwerpunkt im Einsatzprofil. Die F126 soll gleichzeitig U-Boote jagen, Luft- und Seeziele bekämpfen, Spezialkräfte unterstützen und weltweit lange Missionen fahren. Genau diese Vielzweckrolle wurde immer wieder kritisiert: Das Schiff könne vieles ein bisschen, aber nichts wirklich gut.
Die F126 wurde in einer Phase konzipiert, in der Stabilisierungseinsätze, lange Auslandseinsätze und geringe Intensität im Vordergrund standen. Nach der sicherheitspolitischen Wende durch den Ukraine-Krieg wird jedoch stärker auf klassische Landesverteidigung und Abschreckung im NATO-Rahmen gesetzt.
In diesem neuen Umfeld wirkt das ursprüngliche Konzept für Kritiker teilweise „aus der Zeit gefallen“.
Die Meko-Familie scheint in vielen Bereichen klar überlegen zu sein. Die Schiffe sind deutlich günstiger, kleiner, modularer und seit Jahrzehnten erprobt. Viele Komponenten sind standardisiert, was Wartung, Ersatzteilversorgung und Modernisierung vereinfacht.
Darüber hinaus ist die Meko-Architektur für klassische Seekriegsrollen ausgelegt und kann je nach Ausstattung für Luftverteidigung, U-Boot-Jagd oder Überwasserbekämpfung optimiert werden.
Als Reaktion auf diese Neuigkeiten hat die TKMS-Aktie deutlich zugelegt. Der heutige Großauftrag der deutschen Marine übersteigt schließlich den Börsenwert des Kieler Konzerns.

Mit dem Anstieg über 77 Euro wurde ein Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 80 und 82,50 Euro ausgelöst.
Ein Angriff auf den korrektiven Abwärtstrend wäre ebenfalls denkbar. Darüber würde sich das Chartbild deutlich aufhellen.
Fällt die Aktie unter 77 Euro zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan. In diesem Szenario muss mit einem erneuten Rücksetzer in Richtung 70 Euro gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.06.2026 um 15:27 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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