Kabel sind ein langweiliges Geschäft. Oder vielleicht auch ein Schlüsselprodukt für Elektrifizierung, Strom, Rechenzentren und KI.
Kabel sind plötzlich Gold wert
Prysmian ist der größte Kabelhersteller der Welt. Was sich im ersten Moment nach einem langweiligen Geschäft anhört, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Schlüsseltechnologie.
Prysmian sitzt an mehreren langfristigen Wachstumstrends gleichzeitig und profitiert dabei nicht nur von neuen Kraftwerken, sondern vor allem davon, dass Strom und Daten immer transportiert werden müssen.
Der wichtigste Treiber ist der Ausbau der Stromnetze. Mehr Elektromobilität, Wärmepumpen, Industrie, erneuerbare Energien und Rechenzentren erhöhen den Strombedarf. Gleichzeitig sind viele Netze veraltet und müssen modernisiert, verstärkt und erweitert werden.
Neue Wind- und Solaranlagen entstehen zudem häufig weit entfernt von den Verbrauchszentren. Strom muss deshalb über größere Distanzen transportiert werden. Prysmian liefert dafür Lösungen entlang der gesamten Kette – von Nieder- und Mittelspannung bis zu Hochspannungs- und Unterseekabeln.
Besonders attraktiv ist das Geschäft mit Hochspannungs- und Seekabeln. Beim Anschluss von Offshore-Windparks oder bei Stromverbindungen handelt es sich um komplexe Projekte, die komplette Systeme, die Planung, Engineering, Fertigung, Installation und teilweise auch Wartung umfassen.
Schaufelverkäufer für Strom und KI
Prysmian bietet all das aus einer Hand an und verfügt dafür unter anderem über eigene Kabelverlegeschiffe. Der Konzern ist daher weit entfernt von einem simplen Kabelhersteller und vielmehr ein Anbieter kritischer Infrastruktur.
Prysmian selbst verfolgt inzwischen ausdrücklich das Ziel, vom Kabelproduzenten zum Lösungsanbieter zu werden.
Das gilt auch im Zusammenhang mit dem KI-Boom. Rechenzentren benötigen nicht nur riesige Mengen Strom, sondern auch leistungsfähige elektrische und optische Infrastruktur.
KI treibt den Bau von Rechenzentren, Rechenzentren erhöhen den Strombedarf und dieser wiederum erfordert zusätzliche Netze, Kabel und Verbindungen. Prysmian profitiert somit sowohl von der Energie- als auch von der Datenseite.
Die Konzernsparte konnte zuletzt mehrere langfristige Vereinbarungen mit Rechenzentrums- und Technologiekunden abschließen.
Darüber hinaus läuft ein massiver Ausbau der Glasfaser- und Optikkapazitäten.
Strom und Daten werden zum Wachstumsmotor
Stromnetze müssen leistungsfähiger werden, Elektrifizierung schreitet voran und gleichzeitig steigt der Bedarf an Rechenleistung und Datenübertragung stark.
Prysmian wird damit zunehmend zu einem „Schaufelverkäufer“ für zwei der wichtigsten Infrastrukturtrends der kommenden Jahre und Jahrzehnte: Elektrifizierung und Digitalisierung/KI.
All diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass die Wachstumsdynamik in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Der Gewinn hat sich seit 2021 nahezu vervierfacht.
Die aktuelle Korrektur könnte jetzt die Gelegenheit bieten, auf diesen Zug aufzuspringen. Denn der Kursrückgang lässt sichnicht ohne Weiteres mit einer Verschlechterung des operativen Geschäfts erklären.
Aus meiner Sicht war die Aktie vor allem hoch bewertet und überkauft. Nach der starken Rallye war eine Korrektur nicht überraschend.
Die letzten Quartalszahlen sind jedenfalls erfreulich ausgefallen. Der Umsatz konnte auf Jahressicht von 4,88 auf 6,02 Mrd. Euro gesteigert werden. Das organische Wachstum lag bei 9,4 %.
Das Nettoergebnis verbesserte sich von 274 auf 323 Mio. Euro, was einem Anstieg um 18 % entspricht.
Kabel für die nächste Ära
Es ist möglich, dass sich die gute Entwicklung in Zukunft fortsetzen wird. Im Halbjahresbericht wurde zwar kein Update zum Auftragsbestand geliefert, doch es ist denkbar, dass er weiter gestiegen ist. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 lag der Auftragsbestand bei 17 Mrd. Euro.
Der größte Belastungsfaktor dürfte die laufende Übernahme von Atkore für 3,8 Mrd. USD sein. Atkore produziert unter anderem Kabelkanäle, Leitungsführungssysteme, Conduits und weitere Komponenten für elektrische Installationen. Das Unternehmen passt also nahtlos in das Produktportfolio von Prysmian.
Darüber hinaus verfolgt Prysmian schon seit Jahren eine aktive M&A-Strategie, um den Konzern weg vom reinen Kabelgeschäft und hin zu höherwertigen, integrierten Lösungen zu entwickeln.
Seit 2018 wurden drei Milliardenübernahmen durchgeführt. Ein weiterer Zukauf ist daher alles andere als eine Überraschung.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 12 % auf 4,80 Euro je Aktie steigen und ein neues Rekordniveau erreichen. Prysmian kommt demnach auf ein KGVe von 24,6.

Das scheint vertretbar zu sein, vor allem, wenn die hohen Erwartungen für die Zukunft erfüllt werden. Demnach wird eine Beschleunigung der Wachstumsdynamik erwartet. In den kommenden beiden Geschäftsjahren soll das Ergebnis jeweils um 20–24 % steigen.
Dadurch könnte das KGV im kommenden Jahr bereits auf knapp unter 20 sinken.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.09.2026 um 15:19 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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