Künstliche Intelligenz braucht nicht nur Chips und Rechenzentren, sondern vor allem eines: Strom. Constellation Energy könnte einer der größten Profiteure sein.
Microsoft, Meta, Amazon und jetzt auch noch Google
Constellation ist der größte Energieproduzent und der größte Betreiber von Kernkraftwerken in Nordamerika. Zuletzt hat der Konzern mehrere milliardenschwere und auf Jahrzehnte angelegte Verträge mit Google und Amazon abgeschlossen, um Rechenzentren mittels gezielter Reaktor-Modernisierungen zuverlässig mit Atomstrom zu versorgen.
Nach der Übernahme von Calpine verfügt das Unternehmen über rund 55 GW Erzeugungskapazität aus Kernenergie, Gas, Wasserkraft, Wind, Solar und Geothermie. Rund 10 % der US-amerikanischen „sauberen“ Stromerzeugung stammen von Constellation.
Für die Investmentstory ist jedoch die Kernenergie entscheidend. Die Reaktoren produzieren praktisch rund um die Uhr und sind damit eine geeignete Ergänzung zu einer Stromwelt, in der gleichzeitig der Verbrauch von Rechenzentren explodiert und Unternehmen ihre CO₂-Emissionen reduzieren wollen.
Microsoft hat das Potenzial früh erkannt. Der Konzern schloss einen langfristigen Stromabnahmevertrag für die Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Three Mile Island Unit 1 mit einem Gesamtwert von rund 1,6 Mrd. USD.
Das Kraftwerk soll als Crane Clean Energy Center wieder ans Netz gehen und über Jahrzehnte zuverlässig CO₂-freien Strom liefern.
Meta folgte diesem Vorbild mit einem weiteren langfristigen Vertrag. Der Konzern sicherte sich über 20 Jahre rund 1.121 MW Strom aus dem Clinton-Kernkraftwerk in Illinois. Der Vertrag soll den Weiterbetrieb des Reaktors langfristig absichern und umfasst zudem eine Leistungssteigerung.
Der nächste Milliarden-Deal
Amazon folgte mit einem langfristigen Vertrag über 690 MW und einem Gesamtwert von etwa 3,0 Mrd. USD. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Kapazität, sondern auch um die Aufrüstung eines bestehenden Reaktors. Genau das macht das Geschäftsmodell so interessant: Constellation muss nicht zwangsläufig neue Kernkraftwerke bauen. Bestehende Anlagen können modernisiert, leistungsfähiger gemacht und länger betrieben werden.
Google geht nun denselben Weg. Der Suchmaschinen-Gigant hat mit Constellation eine Vereinbarung über insgesamt 3.590 MW und mit einem Gesamtwert von 4,3 Mrd. USD abgeschlossen. Herzstück ist ein 20-jähriger Abnahmevertrag über 890 MW zusätzlicher Nuklearleistung. Dafür sollen elf Reaktorblöcke in mehreren Bundesstaaten aufgerüstet werden. Die ersten zusätzlichen Mengen könnten bereits ab 2028 verfügbar sein.
Das ist mehr als ein weiterer Stromvertrag. Es zeigt, dass die großen Technologiekonzerne beginnen, ihre Energieversorgung langfristig abzusichern. Für Google, Amazon und Microsoft ist Strom inzwischen ein strategischer Produktionsfaktor. Wer Rechenzentren für KI betreibt, benötigt eine zuverlässige Stromquelle – und das 24 Stunden am Tag.
Constellation bietet dafür eine ziemlich attraktive Lösung. Aber für Constellation selbst sind langfristige Abnahmeverträge mit finanzstarken Kunden ebenso attraktiv.
Dadurch ändert sich die Rechnung deutlich
Constellation kann die Leistung bestehender Reaktoren durch sogenannte Uprates erhöhen. Der dafür notwendige Kapitalbedarf ist wesentlich geringer als der Neubau eines Kernkraftwerks und die Umsetzung ist zudem auch deutlich schneller möglich.
Das bedeutet im Klartext: KI verändert die Wirtschaftlichkeit von Kernkraftwerken. Durch Rechenzentren steigt die Nachfrage und tendenziell steigen auch die Strompreise.
Noch wichtiger ist aber, dass KI-Anwendungen einen Stromverbrauch erzeugen, der rund um die Uhr anfällt. Langfristige Abnahmeverträge können die Stromabnahme teils über Jahrzehnte absichern.
Dadurch dürften gleichzeitig die Profitabilität und die Planbarkeit steigen.
Umso erstaunlicher ist es, dass der Kurs von Constellation Energy in den letzten Monaten spürbar zurückgekommen und von über 400 auf unter 250 USD gesunken ist.
Der jüngste Deal mit Google hat jedoch einen Kurssprung ausgelöst und könnte der Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung sein.
Aus fundamentaler Sicht wäre das vermutlich ebenfalls gerechtfertigt. Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis in diesem Jahr um 29 % auf 12,16 USD je Aktie steigen.
Constellation Energy kommt demnach auf eine forward P/E von 24,7.
Für einen Versorger ist das nicht gerade wenig, aber die Rahmenbedingungen und Wachstumsraten sind besonders.
Darüber hinaus scheinen die derzeitigen Schätzungen für das kommende Jahr zu niedrig zu sein. Womöglich werden die Prognostiker nach dem neuen Deal mit Google nochmal nachjustieren, aber bisher wird für 2027 „nur“ ein Anstieg des Gewinns um 9 % auf 13,20 USD je Aktie erwartet.
Da Constellation Energy die Erwartungen zuletzt mehrfach deutlich übertroffen hat, liegt die Vermutung nahe, dass die Schätzungen zu niedrig sind.

Gelingt jetzt ein nachhaltiger Ausbruch über 300 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 325 oder möglicherweise 350 oder 375 USD.
Für antizyklische Anleger wäre hingegen der Bereich zwischen 275 und 250 USD interessant.
Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie jedoch nicht unter 225 USD fallen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 07.10.2026 um 10:51 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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