Während viele Anleger noch auf den Turnaround bei Carl Zeiss Meditec warten, setzt der Großaktionär ein klares Zeichen und nutzt die niedrigeren Kurse für Zukäufe.
Großaktionär greift zu
Die Carl Zeiss AG ist die Konzernmutter der Carl Zeiss Meditec AG und vereint zahlreiche Geschäftsbereiche, darunter Halbleiteroptik, industrielle Messtechnik, Mikroskopie, Augenoptik und Medizintechnik. Die Carl Zeiss AG ist nicht börsennotiert.
Die Carl Zeiss Meditec AG ist hingegen eine börsennotierte Tochtergesellschaft, an der die Carl Zeiss AG die Mehrheit der Anteile, etwa 59 Prozent, hält.
Das Unternehmen konzentriert sich ausschließlich auf Medizintechnik, insbesondere auf Lösungen für die Augenheilkunde sowie chirurgische Visualisierungssysteme. Obwohl Meditec operativ eigenständig arbeitet, profitiert das Unternehmen von der Technologie, der Marke und den Forschungsressourcen des Zeiss-Konzerns.
Für Investoren ist diese Unterscheidung entscheidend. Mit einer Investition in die Carl Zeiss Meditec AG beteiligt man sich ausschließlich am Medizintechnikgeschäft. Die hochprofitablen Bereiche der Carl Zeiss AG, insbesondere das Halbleitergeschäft, sind nicht Teil der börsennotierten Gesellschaft und bleiben Anlegern daher verschlossen.
Kommt jetzt der Turnaround?
Umgekehrt sieht das aber anders aus. Die Carl Zeiss AG scheint den Kursverfall der Tochter für sich nutzen zu wollen und hat bekanntgegeben, dass Aktien von Carl Zeiss Meditec im Wert von bis zu 200 Millionen Euro über die Börse gekauft werden sollen.
Je nach Kursentwicklung könnte das ausreichen, um nahezu ein Zehntel aller ausstehenden Aktien zu erwerben. Beim aktuellen Börsenwert wären es etwas mehr als 8 %.
Die Beteiligung der Carl Zeiss AG an Carl Zeiss Meditec könnte dadurch von 59 auf 67 Prozent steigen.
Carl Zeiss zufolge steht der Großaktionär uneingeschränkt hinter dem Unternehmen und bringt durch die Zukäufe ihre langfristige Unterstützung für die Carl Zeiss Meditec AG und deren weiteres Wachstum zum Ausdruck.
Die Carl Zeiss AG betont, dass mit der beabsichtigten Aufstockung keine über die Erhöhung der Beteiligungsposition hinausgehenden Ziele verfolgt werden. Insbesondere ist weder der Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags oder eines sonstigen Unternehmensvertrags noch die Durchführung anderweitiger Strukturmaßnahmen, wie etwa eine Beendigung der Börsennotierung (Delisting) oder vergleichbare Maßnahmen, beabsichtigt.
Der Turnaround lässt bislang auf sich warten
Abgesehen von der Konzernmutter hat kürzlich auch ein Insider zugeschlagen. Peter Kameritsch ist seit Dezember 2025 der Vorsitzende des Aufsichtsrats und hat am 28. Mai bei einem Kurs von 25,90 Euro 2.000 Aktien gekauft.
Beide Seiten scheinen davon überzeugt zu sein, dass bei Carl Zeiss Meditec ein Turnaround bevorstünde oder dass das angekündigte Maßnahmenpaket Früchte tragen könnte.
Erfolge sind auch dringend nötig, denn mit dem Ergebnis und mit dem Kurs von Carl Zeiss Meditec geht es inzwischen seit mehreren Jahren abwärts.
Das Konzernergebnis dürfte in diesem Jahr das vierte Mal in Folge sinken, in Summe von 3,29 auf voraussichtlich 0,90 Euro je Aktie.
Bisher liefern die Halbjahreszahlen jedoch keinerlei Hinweise auf einen möglichen Turnaround.
Der Umsatz ist in den ersten sechs Monaten von 1,05 Mrd. auf 991 Mio. Euro gesunken, was einem Rückgang von -5,7 % entspricht (bereinigt um Währungseffekte von -1,0 %).
Gleichzeitig ist die bereinigte EBITA-Marge von 10,7 auf 6,1 % erheblich gesunken.
Kosten senken, Strukturen verändern, Profitabilität steigern
Daher hat der Vorstand ein Maßnahmenpaket zur Zukunftssicherung und Wiederherstellung einer angemessenen Ertragskraft beschlossen.
Zu diesem Zweck will Carl Zeiss Meditec nachhaltige Kosten-, Struktur- und Portfoliomaßnahmen implementieren und Ergebnisverbesserungen von mehr als 200 Mio. Euro p.a. bis zum Geschäftsjahr 2028/29 gegenüber dem laufenden Geschäftsjahr 2025/26 anstreben.
Für dieses Ziel sind verschiedene Maßnahmen geplant: Optimierung der Lieferketten im Einkauf, die Bereinigung schwächer profitabler Produkte im Portfolio, stärkerer Fokus im Bereich Forschung und Entwicklung durch Verlagerung von Tätigkeiten in kosteneffiziente Länder zur Erlangung einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur sowie Reduktion der Verwaltungskosten durch Personal- und Sachkostensenkungen.
Im Rahmen dieser Maßnahmen können in den nächsten drei Jahren bis zu 1.000 Stellen in der weltweiten Organisation betroffen sein.
Das bedeutet, dass mehr als ein Sechstel der Mitarbeiter betroffen sind.
Dem stehen rund 40 Mio. Euro p.a. an zusätzlichen Infrastrukturkosten gegenüber, unter anderem infolge der Einführung eines neuen ERP- und Customer-Relationship-Management-Systems, dem Abschluss eines Mietvertrags für den High-Tech-Standort Jena sowie dem Anstieg von Shared-Services-Kosten im Verbund mit der Zeiss Gruppe.
Der Weg zurück wird teuer
Unter dem Strich verbleibt demnach ein Einsparvolumen von 160 Mio. Euro pro Jahr. Bis dahin dürfte es allerdings teuer werden, denn die Maßnahmen werden bis zum Geschäftsjahr 2028/29 Einmalaufwendungen und Investitionen in Höhe von insgesamt bis zu 150 Mio. Euro verursachen.
Der Ausblick bleibt daher verhalten. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Umsatz um 1 bis 3,5 % auf 2,15 – 2,20 Mrd. Euro sinken.
Die Die bereinigte EBITA-Marge wird, nach Abzug von Sondereffekten, die mindestens im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ausfallen werden, zwischen 8 bis 10 % erwartet.
Das bedeutet im Klartext, dass Carl Zeiss ein EBITA von etwa 196 Mio. Euro erzielen wird, welches aber durch negative Sondereffekte im „mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ belastet wird.
Unter dem Strich könnte demnach ein EBITA von etwa 150 Mio. Euro erzielt werden. Im Vorjahr lag das EBITA bei 258 Mio. Euro.

Aus technischer Sicht sind dennoch Stabilisierungstendenzen erkennbar. Mit dem Anstieg über 28,50 Euro wurde sogar ein Kaufsignal ausgelöst. Sollten sich Anschlusskäufer finden, könnte das eine Erholung in Richtung 31 oder 35,50 Euro einleiten.
Der nächste harte Widerstand liegt bei 40 Euro.
Übergeordnet bewegt sich die Aktie jedoch in einem stabilen Abwärtstrend. Sinkt der Kurs wieder unter 28,50 Euro, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 08.07.2026 um 11:19 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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