Bayer könnte durch den Iran-Krieg doppelt und dreifach unter Druck kommen. Bisher spiegelt sich diese Gefahr nicht im Kurs wider.
Das spricht Bände
Es macht sehr viel mehr Spaß, eine positive Analyse zu einem Unternehmen zu verfassen, als umgekehrt. Es ist jedoch so, dass eine Warnung mitunter mehr bewegen kann.
Derzeit befinden sich Bayer-Aktien mit einem Gesamtwert von etwa 30 Milliarden Euro in den Depots von Anlegern, mehrheitlich Kleinanleger.
Großaktionäre sucht man bei Bayer nahezu vergeblich. Die größten Anteilseigner sind Unternehmen wie BlackRock, die nicht selbst an Bayer beteiligt sind, sondern nur Aktien für ihre ETF-Kunden halten.

Der größte echte Aktionär ist der Staatsfonds von Singapur (Government of Singapore Investment Corporation), der immerhin knapp 4 % am Unternehmen hält.
Dass sonst niemand Interesse hat, spricht Bände.
Im Endeffekt geht es mit der Aktie seit Jahren tendenziell bergab. Auch das spricht Bände. Von kurzfristigen Problemen kann keine Rede sein.
Ein Fiasko
Die Entwicklung der vergangenen Jahre lässt sich nicht auf einen einzelnen Auslöser reduzieren – vielmehr ist sie das Ergebnis mehrerer struktureller Fehlentscheidungen und externer Belastungsfaktoren, die sich gegenseitig verstärken.
Ein zentraler Wendepunkt war die Übernahme von Monsanto im Jahr 2018. Strategisch sollte damit die Marktposition im Agrargeschäft massiv gestärkt werden. Rückblickend hat sich dieser Schritt jedoch als Fiasko erwiesen.
Mit Monsanto übernahm die Bayer AG nicht nur ein profitables Saatgut- und Pestizidgeschäft, sondern auch erhebliche juristische Altlasten. Insbesondere die Klagewelle rund um das glyphosathaltige Produkt „Roundup“ entwickelte sich zu einem finanziellen Desaster. Milliardenrückstellungen, Vergleiche und anhaltende Unsicherheit belasten das Unternehmen bis heute.
Doch die Probleme gehen tiefer. Auch operativ zeigt sich seit Jahren eine gewisse Schwäche. In der Pharmasparte fehlen echte Blockbuster, die auslaufende Patente kompensieren könnten. Während Wettbewerber innovative Medikamente auf den Markt bringen, kämpft Bayer mit einer vergleichsweise dünnen Pipeline.
Das ist längst nicht das einzige Problem
Forschung ist teuer und Bayer fehlt seit der Übernahme von Monsanto das Kapital. Statt es in die Forschung stecken zu können, wurden erhebliche Mittel vor Gericht verbrannt.
Hinzu kommt die Agrarsparte, die stark von externen Faktoren abhängig ist: schwankende Rohstoffpreise, Wetterbedingungen und politische Regulierungen. Gerade in Europa werden Pflanzenschutzmittel zunehmend strenger reguliert, was das Wachstum zusätzlich bremst. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck durch internationale Konzerne.
Ein weiterer Aspekt ist die hohe Verschuldung, die aus der Monsanto-Übernahme resultiert.
Die dafür anfallenden Zinsen schränken den finanziellen Spielraum zusätzlich ein und haben das Unternehmen faktisch dazu gezwungen, Geschäftsbereiche zu verkaufen. Das drückt natürlich den Konzernumsatz und -gewinn.
Warum 40 Euro eine Gelegenheit sein könnte
All das spiegelt sich im langjährigen Kursgeschehen wider. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende Schwächephase, sondern um eine strukturelle Krise, die bis heute anhält.
Zuletzt hat sich der Kurs dennoch erholt und genau aus diesem Grund könnte jetzt ein geeigneter Zeitpunkt sein, um von Bord zu gehen.
Wer schon länger investiert ist, könnte jetzt bei 40 Euro aussteigen. Das ist wohl ohne jede Frage besser als bei 20 Euro, wo die Aktie noch vor einigen Monaten stand.
Denn realistisch betrachtet gibt es aktuell aus meiner Sicht relativ wenig Gründe für steigende Kurse. Den derzeitigen Prognosen zufolge soll in diesem Jahr ein Gewinn von 1,84 Euro je Aktie erzielt werden.
Bayer kommt demnach auf ein KGVe von 21,8. Für einen kriselnden Konzern mit allerlei Altlasten ist das üppig.
Das gilt insbesondere mit Blick auf die Straße von Hormus und die Energiepreise.
Bei Risiken und Nebenwirkungen
Die Produktion in der Chemie- und Pharmabranche ist energieintensiv. Wenn Öl und Gas teurer werden, steigen auch die Herstellungskosten. Gleichzeitig verteuern sich Vorprodukte und Transporte. Margen geraten unter Druck, ohne dass sich die Preise beliebig an Kunden weitergeben lassen.
Hinzu kommt die strukturelle Schwäche des Standorts Europa. Energie ist hier schon heute teurer als in vielen anderen Regionen. Ein weiterer Preisschub würde diesen Nachteil verschärfen.
Brent Oil wird aktuell beispielsweise zu 103,78 USD gehandelt, WTI jedoch zu 97,34 USD. Eine Differenz von 7 % ist nicht unerheblich und schwächt lokale Unternehmen im Wettbewerb.
Hinzu kommen mögliche Probleme bei der Rohstoffversorgung. Die Straße von Hormus ist nicht nur ein zentraler Knotenpunkt für Öl und Gas, sondern auch ein wichtiger Transportweg für Agrarrohstoffe und chemische Vorprodukte wie Naphtha und Düngemittel.
Bayer könnte daher doppelt unter Druck kommen. Bisher spiegelt sich diese Gefahr nicht im Kurs wider.
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