15 Fragen an Börsenprofi Robert Halver

"Man kann nicht verhindern, reich zu werden"

Ausgewählte Trader beantworten unseren standardisierten Fragebogen. Die Vergleichbarkeit der Fragen und die Unterschiedlichkeit oder eben die Ähnlichkeit der Antworten zeichnen dieses Interviewkonzept aus. Heute antwortet uns Robert Halver, Börsenexperte und Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. 

 

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Guten Tag Herr Halver, die LYNX Broker-Redaktion freut sich sehr, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit uns nehmen. Vielleicht können Sie sich uns zu Beginn vorstellen 

Mein Name ist Robert Halver, ich bin Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG. 

Jeder erfolgreiche Trader oder Anleger hat zu Beginn seiner Laufbahn als „Lehrgeld“ mindestens ein, wenn nicht gar mehrere Konten „platt“ gemacht, so hört man immer wieder. Können Sie auch auf schmerzhafte Niederlagen zurückblicken und was haben Sie daraus gelernt? 

Natürlich, es gab viele Blasen bzw. viele Blasen die geplatzt sind, Stichwort „Neuer Markt“ und „Immobilienblase“. Man ist oft genug nicht bereit, frühzeitig auszusteigen, sondern versucht, Investments längerfristig zu halten. Das heißt, auch ich habe Leichen im Keller, aber das gehört dazu, ansonsten wäre man eine Maschine und kein Mensch.  

 

Wie verarbeitet man das psychologisch oder wie lernt man aus seinen Fehlern? 

Wichtig ist, dass meine Verluste ein gewisses Budget nicht überschritten haben, sodass man es verkraften konnte. Natürlich tun sie weh, wenn sie realisiert werden. Aber ich sage auch, wie es so schön heißt: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weitergehen.“ 

Was glauben Sie, warum sind Sie als Trader erfolgreich in diesem Geschäft geworden und haben letztendlich den Durchbruch geschafft, während viele andere letztlich scheitern? 

Man braucht seine eigene Anlagestrategie. Für mich ist sehr wichtig, zu erkennen, dass die Konjunktur und die Unternehmensgewinne keinesfalls einen Dax-Stand von 13.000 Punkten und mehr erklären können. Da muss man schon mehr in die „dunkleren“ Ecken gehen. Geldpolitik und Politikpsychologie, das sind die massiven Unterstützer der Aktienmärkte. Es ist sehr wichtig, sich immer in die Lage von Politikern zu versetzen. Man muss sich überlegen, was würde ich tun, wenn ich mit Nachnamen Merkel, Draghi oder Trump heißen würde, was wären meine Schritte? Dann hat man die Märkte besser im Griff, als wenn man nur sieht, dass die Unternehmensgewinne steigen. 

Haben Ihnen Vorbilder oder Mentoren geholfen, Ihren Weg zu finden? 

Vorbilder sind wichtig, aber man muss auch klar sagen, den Vorbildern sollte man nicht „nachäffen“. Man muss sein eigenes Anlageleben führen. Das heißt, ich bin beispielsweise ein großer Fan von Warren Buffet, er ist großartig, gar keine Frage, aber ich muss da meine eigenen Erfahrungen machen. Jeder braucht seine gewisse Zeit, Erfahrungen zu sammeln und eine persönliche Anlagephilosophie zu entwickeln. Diese sollte man jeden Tag abklopfen und sich fragen, stimmt sie noch? Zusätzlich sollte man sich selbst eine Legende sein, das ist wahrscheinlich das Beste, was man machen kann.  

Mit welchem bekannten Trader oder welcher Investmentlegende würden Sie denn gerne einmal einen Kaffee trinken? 

Da gibt es viele! Für mich ist wichtig, was die Persönlichkeiten denken. Ich würde lieber – nicht weil ich ihn persönlich mag – mit Herrn Trump reden und mich ein bisschen in seinem „unternehmerischen Geist“ bewegen können, rausfinden was er vor hat, was er denkt, wie er Amerika wieder auf Vordermann bringen will. Das macht zwar nicht er, das macht seine Mannschaft. Nochmal, ich bin persönlich kein großer Freund von ihm, aber dieses Unternehmerische ist glaube ich wichtig, um ein Land wie Amerika nach vorne zu bringen. Wir haben in Europa leider zu viele pastorale Gesundbeter, die nicht bereit sind, die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Und man sollte auch in puncto Trump immer das Eine vom Anderen trennen, hier die Moral und da der Erfolg. 

Wie sieht ein normaler Tagesablauf im Leben von Robert Halver aus?    

Es gibt auf der einen Seite Disziplin, morgens reinkommen und schauen, was haben die asiatischen Märkte gemacht, sich in einer Anlagekonferenz darüber verständigen, ob sich Dinge verändert haben, sich fragen, müssen wir etwas adjustieren? Und dann verbringe ich meinen Tag mit dem Schreiben von Artikeln, hin zum Entwickeln von Anlageempfehlungen, bis die amerikanische Börse aufmacht. Auf der anderen Seite gibt es natürlich immer mehr Tage, wo es eben nicht planmäßig verläuft. Wir haben seit 2008 eine „neue“ Anlagewelt. Es gibt nicht mehr die geregelten Märkte, falls es sie jemals gegeben hat. Heute macht die Politik sehr viel Unsinn, die Nachrichtenlage ist so, dass jeden Tag eine andere Sau über das Börsenparkett gejagt wird, was man auch berücksichtigen muss. 

Das soziale Umfeld von Arbeitskollegen oder Kunden fehlt bei den meisten Berufs-Tradern. Viele sind deshalb auch in sozialen Netzwerken unterwegs, um sich mit Trader-Kollegen auszutauschen. Sehen Sie sich als beruflichen „Lone wolf“ bzw. wie gehen Sie mit diesem Thema um? 

Ich bin auf Social-Media-Kanälen unterwegs, aber nur begrenzt. Mir ist das direkte Wort immer lieber. Ich bin beim Börsenstammtisch, in Deutschland und in Europa viel auf Reisen, da kennt man seine Leute, die man auch haben muss, um etwas zu erfahren. Und das muss auch erwähnt werden, in Berlin werden die Entscheidungen politischer Art getroffen und wenn man sich dort aufhält und da jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, dann ist das sehr von Nutzen.  

Was bedeutet Ihnen Trading bzw. eigenständiges Anlegen und was ist für Sie das Schönste daran? 

Das ist mein Metier, ich liebe es! Das verwirrt immer meine Familie, ich komme eigentlich aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Ich sage immer, mein Opa würde noch einmal sterben, wenn er wüsste, dass ich Banker geworden bin. Aber ich finde das Anlegen, das Analytische und Politische einfach toll. Man hat relativ schnell, auch für sich selbst, nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich, den Erfolg oder Misserfolg und kann sagen, ob die Anlagestrategie richtig gewesen ist oder nicht. Das macht den Reiz aus.  

Was würden Sie denn beruflich machen, wenn das mit dem Trading nicht geklappt hätte? 

Ich finde Landwirtschaft interessant, aber das wäre nicht der Bereich, in dem ich mich wiedergefunden hätte. Wenn ich nicht das mit der Finanzbranche gemacht hätte, ich weiß es nicht… Ich glaube, ich kann nur das (lacht).  

Hatten Sie in Ihrer Karriere irgendwelche besonderen Ereignisse, an die Sie bisher Ihr ganzes Leben denken? 

Es gibt immer Ereignisse. Die Passion für Aktien habe ich entdeckt, als ich damals nicht das ganze Geld von der Kommunion in Staatspapiere steckte, sondern auch in RWE Aktien. Getreu dem Motto, wenn man schon in Aktien investiert, dann in etwas Stabiles. Ich komme aus der rheinischen Ecke, da ist der Tagebau und da ist RWE in aller Munde. Die Dividende war immer großartig, das hat mich für die Aktie begeistert. Ich weiß nicht mehr, wer das Wertpapier für mich gekauft hat, ich war damals noch minderjährig, aber ich habe so lange darauf bestanden, bis es endlich mit dem Erwerb der Aktie geklappt hat. Ich fand es immer toll, die Rauchschwaden an diesen Kohlekraftwerken zu sehen und da auch am Unternehmen beteiligt zu sein.      

Jeder Trader oder Anleger braucht einen individuell passenden Handels-Stil basierend auf Techniken, Märkten und Zeitrahmen. Wie sieht Ihr Stil aus, nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie Ihre Trades aus? 

Der Stil ist, sich selbst zu überlegen, welche Ingredienzien bzw. Zutaten es gibt, um erfolgreich zu sein. Das ist jedoch sehr einfach formuliert. Man braucht Jahre, um zu erkennen, wie die Stricke laufen. Für mich ist mittlerweile klar, ich muss die Politik und die Geldpolitik verstehen. Dann habe ich auch die Psychologie ganz klar eingefangen, denn beide Formen verfahren nach einem bekannten Zitat von Martin Luther: „Aus einem verzagten Hintern kommt kein fröhlicher Furz.“ Solange uns Geldpolitik und Politik nicht enttäuschen, bin ich für die Aktienmärkte positiv gestimmt. 

Welche Wünsche und Ziele haben Sie als Trader/Anleger und im privaten Bereich? 

Es soll natürlich der Familie gut gehen. Das private Umfeld ist sehr wichtig, da man sozusagen eine „Parallelwelt“ hat, in der man sich ausruhen kann. Beruflich, ist das was ich mache, mein Traumberuf und ich hoffe, dass ich ihn noch lange ausüben kann.  

Welche Hobbys begeistern Sie, d.h., wie verbringen Sie tradingfreie Tage am liebsten? 

Ich sammele historische Münzen, das finde ich toll. Zusätzlich brauche ich ab und zu meine Ruhe. Ich kenne das noch damals von meinem Großvater, als wir ganz früh morgens in den Wald gegangen sind. Das mache ich ab und zu noch, leider geht keiner von der Familie mit. Ich mache das dennoch sehr gerne, denn diese Ruhe ist einfach herrlich.  

Welche Tipps geben Sie unerfahreneren Kollegen oder Lesern mit auf den Weg? 

Zwei Tipps: Erstens, sollte man aus dem Dunstkreis des Zinsvermögens rauskommen. Die Deutschen lieben Zinsvermögen. 80 Prozent der Deutschen investieren ihr Geld zu 80 Prozent in Zinsvermögen. Das ist bei den niedrigen Zinsen fatal und wird auch in Zukunft nicht besser werden. Das Zweite ist, neugierig auf die Anlageform zu sein. Also keine Angst vor Alternativen in Form von Aktien zu haben. Auch regelmäßige Ansparpläne sind das Einfachste, das Banalste, aber auch das Genialste Anlageinstrument, das man haben kann. Gerade bei hohen Indexständen, wie dem Dax mit über 13.000 Punkten, kann man sein Vermögen im Laufe der Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, vermehren. Wer lang genug anspart, kann nicht verhindern, reich zu werden. Warum sollte man sich diesen Vorzug entgehen lassen?  

Robert Halver, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen und uns ein wenig Einblick in Ihre Welt gegeben haben.  

Das Interview als Video:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

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