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Die Dynamik, mit der der deutsche Aktienmarkt ins neue Jahr gestartet ist, ist beeindruckend. Und während der TecDAX 2025 unter „ferner liefen“ zu finden war, ist er diesmal ganz vorne mit dabei. Aber keine Rallye dauert ewig … das wird auch für diese gelten.
Ein Plus von knapp sechs Prozent seit dem letzten Kurs 2025, und das in nur sieben Handelstagen, da kann man wirklich nicht meckern. Der Vorschlag in der Analyse vom 18. Dezember, dass man dieses „Aschenputtel“ im Auge behalten sollte, hat sich also erst einmal als sinnvoll erwiesen. Aber auch, wenn das Bild auf charttechnischer Ebene hervorragend aussieht, sollte man sich zugleich fragen, auf welcher Basis diese Rallye entstanden ist. Doch zunächst zur Charttechnik:

Der TecDAX hat zu Jahresbeginn gleich zwei mittelfristig bedeutsame Widerstände herausgenommen. Zum einen die obere Begrenzung des Juni-Abwärtstrendkanals, zum anderen die knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie. Sehr positiv ist, dass es unmittelbare Anschlusskäufe gab. Noch scheint die Zahl derer, die diesen Kurslevel bereits als ausreichend einschätzen, um Kasse zu machen, also gering zu sein. Positiv ist auch, dass der Index gleich noch das markante Zwischenhoch vom Oktober bei 3.796 Zählern überwand. Und die – nicht überraschend – überkauften markttechnischen Indikatoren auf Tagesbasis stehen einem bald möglichen bullischen Crossover der 20-Tage- über die 200-Tage-Linie gegenüber. Gelänge das, könnte das die heißgelaufene Markttechnik zumindest teilweise ausgleichen.

Auch im langfristigen Bild präsentiert sich das Chartbild durch diesen starken Einstieg in das Börsenjahr bullisch. Die Verteidigung der wichtigen Unterstützungszone 3.394/3.490 Punkte im November nach einem erfolgreichen Test der im Monatschart schwarz abgebildeten 1.000-Tage-Linie wird jetzt nach einem eher müde verlaufenen Dezember durch eine lange, grüne Kerze von einer defensiven in eine offensive Gemengelage umgewandelt. Zumindest, sofern dieser Januar nicht nur stark startet, sondern auch stark endet. Und das ist offen genug, um auf der Hut zu bleiben.
Expertenmeinung: Denn was die Rahmenbedingungen angeht, hat sich seit dem Zwischentief des Novembers ja nichts Nennenswertes verändert. Das Wachstum bleibt schwach, die Verbraucher sind weiter sehr zurückhaltend, der starke Euro drückt auf die Margen der Exporteure, in Sachen Leitzinssenkungen muss man sich vorerst nichts mehr erhoffen und die geopolitische Lage sorgt unverändert für Verunsicherung.
Zwar hat der TecDAX den Vorteil, dass sich hier viele Aktien finden, bei denen man im Vorfeld keine großen Erwartungen eingepreist hatte, so dass deren Bewertungen im Bereich zwischen „eher günstig“ und „fair“ liegen. Aber bei dieser Rallye zogen nahezu alle TecDAX-Titel mit, gerade einmal drei liegen im bisherigen Jahresverlauf leicht im Minus … und wieder ist es die teuer bewertete und hoch spekulativ gewordene Hensoldt-Aktie, die das Zugpferd des Index stellt.
Jetzt, im Zuge dieser schon weit gelaufenen Rallye, deren „zweites Bein“ ja bereits am 18. Dezember startete, haben die Kursgewinne die Argumente, die für einen höheren TecDAX sprechen, relativiert, eben weil er jetzt einen Gutteil dessen, was er hätte nachholen können bzw. müssen, auch nachgeholt hat. Ein Anlauf an den langfristigen Widerstandsbereich 3.995/4.010 Punkte wäre zwar möglich, vielleicht auch ein wenig mehr. Aber da der „Aschenputtel-Bonus“ des Nachholbedarfs jetzt ein gutes Stück kleiner geworden ist, sollte man die Unterseite nicht aus den Augen lassen.
Eine Korrektur ist jederzeit möglich und wäre auch kein Problem … es sei denn, der Index würde dabei den Kreuzunterstützungs-Bereich 3.640/3.695 Punkte durchbrechen. Dann würde aus „bullisch“ umgehend „kritisch“.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.01.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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