Der Versuch, den Nasdaq 100 wieder in Fahrt zu bekommen, scheiterte im Verlauf der letzten Woche an wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der darauffolgende Abverkauf des Freitags wirkt, als hätten die Bullen das Ringen jetzt endgültig verloren. Aber noch ist das nicht der Fall.
Ein Minus von 2,88 Prozent ist nichts, was man beim Nasdaq 100 alle Tage zu sehen bekommt. Und hätte es nicht kurz vor dem Handelsende noch, vermutlich ausgelöst durch Short-Trades eindeckende Bären, Käufe gegeben, wäre der Abschlag noch deutlich größer ausgefallen. Aber so mancher bullische Trader mag sich schon jetzt bedient fühlen, immerhin war der Anlass der erneuten Kursschwäche einer, der die Kaufargumente seit Ende März ins Fundament trifft:
Ob Meta, Alphabet oder Amazon, die Investitionssummen in KI sind derart massiv gestiegen, dass die Bilanzen anfangen, Sorgen zu bereiten. Wenn der Cashflow erst einmal negativ wird und die Summe, die man in KI steckt, trotzdem weiter angehoben wird, während zugleich die Refinanzierung angesichts der gestiegenen Zinsen teurer wird, dann ist das etwas, das Anleger nervös machen kann. Zudem wackeln dadurch die immensen Erwartungen an das Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen, die die KI-Expansion faktisch ermöglichen sollen: Halbleiterproduzenten, deren Zulieferer, Energietechnikunternehmen und so manche mehr. Und da hatte man, vor allem bei einigen Chip-Aktien, bereits ein rasantes Wachstum über Jahre hinaus in den Kursen eingepreist.
Jetzt also beginnt diese Blase zu platzen. Zumindest hat das den Anschein. Aber ist damit die Abwärtswende des Nasdaq 100 wirklich besiegelt? Das Chartbild meldet: nein. Und die Rahmenbedingungen deuten nur ein „vielleicht“ an. Noch ist der Ofen für die Bullen also nicht aus. Vorausgesetzt, der Abgabedruck endet zügig. Wie stellt sich die charttechnische Lage dar?
Expertenmeinung: Der Abverkauf des Freitags war zwar intensiv, zwei wichtige Unterstützungen wurden dabei aber erst einmal gehalten. Zum einen die Supportzone 28.200/28.570, die das untere Ende einer Handelsspanne markiert, die seit Mai das Geschehen dominiert und aus welcher der Nasdaq 100 nur zweimal kurz ausgebrochen ist. Zum anderen die aktuell bei 27.927 Punkten verlaufende, sich der vorstehenden Zone nähernde 200-Tage-Linie. Solange diese beiden Unterstützungen halten, bleibt die Chance für einen dynamischen Schwenk nach oben grundsätzlich erhalten.

Ein Schwenk, der aus fundamentaler Sicht nicht völlig abwegig wäre … wenngleich er derzeit alles ist, nur nicht sicher. Denn das Risiko, dass sich die Großinvestoren in Sachen KI übernehmen und durch einen gewissen „Rückbau“ geplanter Investitionen die großen Erwartungen, die man an Aktien mit Bezug zu Halbleitern und dem Bau von Rechenzentren hatte, zurechtgestutzt werden, ist durchaus gegeben. Aber wenn man sich ansieht, wie erheblich das Gros dieser Aktien in den vergangenen Monaten bereits korrigiert hat, könnten Anleger auch zu dem Schluss kommen, dass es langsam genug sein könnte mit den Abgaben. Zumal die Bilanzen der wichtigsten KI-Investoren jetzt auf dem Tisch liegen und vom Markt bereits entsprechend – mehrheitlich negativ – bewertet wurden.

Doch die Sache steuert jetzt erst einmal auf einen entscheidenden Termin zu, dessen Auswirkungen auf das Thema KI und den Aktienmarkt insgesamt völlig offen sind: die morgen anstehenden US-Zwischenwahlen. Denn die Forderung, die KI-Expansion in geregelte Bahnen zu lenken und, wo es sinnvoll erscheint, zu regulieren, die seitens der Demokraten vehement vertreten wird, könnte in dem Fall, dass diese die Mehrheit in ggf. sogar beiden Kammern des Kongresses erreichen, Druck auf diesen Sektor ausüben, der die Korrektur verlängert. Sollten indes Trumps Republikaner besser abschneiden als man im Augenblick vermutet, könnte das bullische Lager in Sachen KI aufatmen, denn dort sind die kritischen Stimmen weniger laut und werden zudem bislang vom US-Präsidenten ignoriert.
Wie diese Wahl ausgeht, könnte am Mittwoch klar sein, muss es aber nicht. Nachzählungen und Anfechtungen könnten, es wäre keineswegs das erste Mal, ein klares Ergebnis und damit eine Wegweisung für den Aktienmarkt Tage und im schlimmsten Fall sogar Wochen hinauszögern. Hier steuern wir also kurzfristig auf eine Art „Wundertüte“ zu … im Vorfeld der Wahlen erst einmal gezielt defensiv zu agieren, dürfte daher kein Fehler sein!
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.10.2026 um 15:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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