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Die Trader gingen mit zahlreichen offenen Fragen ins Wochenende. War das Minus des Euro Stoxx 50 im Wochenverlauf der Lage angemessen, überzogen … oder könnte das dicke Ende erst noch kommen? In solchen Fällen bietet das Chartbild meist Antworten, so auch hier.
Oft hilft es, einen Schritt zurückzutreten, sich aus dem hektischen Getümmel innerhalb der Handelssitzungen zu lösen und außerhalb der Handelszeit Lage, Perspektive und das übergeordnete Chartbild miteinander abzugleichen. So könnte es in einem Anleger-Leitfaden stehen. Nur funktioniert das nicht immer. Denn in einer Gemengelage wie der derzeitigen ist nicht nur die Perspektive unklar, sondern sogar die aktuelle Lage.
Denn wie sich die Situation bei der Energieversorgung angesichts der jetzt zu umgehenden Transportwege darstellt, ist nicht wirklich klar. Es kommt darauf an, wie lange sich der Nachschub verzögert und in welchem Umfang. Inwieweit sich die Kämpfe im Iran auf andere Länder ausweiten, weiß auch noch niemand. Hinzu kommt, wenngleich kurzfristig bei manchen aus dem Fokus gerutscht, die Frage: Was ist mit den US-Zöllen in den kommenden Monaten? Und wie entwickelt sich das Verhältnis zu China, wie ist die Lage dort, in diesem so wichtigen Absatzmarkt? Mal von der US-Konjunktur abgesehen, die mit den am Freitag vorgelegten, düsteren Arbeitsmarktdaten auch zum Problem werden könnte.
Aber hinter bzw. vor alldem steht ein „könnte“. Die einen befürchten, die anderen hoffen. Damit kommt man in Bezug auf die Frage, ob es mit dem bisherigen Rücksetzer im Euro Stoxx 50 bereits getan ist oder dies erst der Anfang einer größeren Abwärtsbewegung ist, auf keinen grünen Zweig. So gesehen bleibt als sinnvolle Lösung nur, Charttechnik und Rahmenbedingungen voneinander zu lösen und komplett den Vorgaben des Chartbilds zu folgen. Was indes im Fall des europäischen Leitindex auch durchaus machbar ist, denn hier finden wir reichlich Ankerpunkte, die als Wegweiser dienen können.
Expertenmeinung: Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Euro Stoxx 50 die im November etablierte Aufwärtstrendlinie gleich zu Beginn der vergangenen Woche klar unterboten hatte. Dann versuchte man unübersehbar, den aus den Zwischenhochs der Monate November und Dezember bestehenden Unterstützungsbereich 5.795 zu 5.818 Punkte zu verteidigen, was letzten Endes am Freitag dann aber misslang. Kurzfristig ist der Index damit bärisch. Aber noch nicht auf der mittelfristigen Ebene, denn:

Dazu müsste die jetzt näher gekommene 200-Tage-Linie (am Freitag bei 5.603 Punkten) sowie die darunter wartende, breite Supportzone zwischen 5.471 und 5.568 Punkten unterboten werden. Dann wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht in den Bereich 5.155/5.190 Zähler frei und ein auch mittelfristig relevantes Abwärts-Signal entstanden.

Bevor man dann aber gleich „Land unter“ ausruft, sollte man mit Blick auf das längerfristige Chartbild auf Wochenbasis auch die in das Jahr 2024 zurückreichende, bis 5.050 Punkte nach unten reichende Unterstützungszone mit einbeziehen. Bis knapp über 5.050 Zähler könnte eine Korrektur also reichen, falls die nächstliegenden Unterstützungen fallen. Darunter wären dann sogar 4.400 bis 4.500 Punkte und damit ein Anlauf an die untere Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals, in den der Euro Stoxx 50 jetzt wieder hineingerutscht ist, möglich. Sicher ist das aber in keiner Weise, ich würde nicht einmal das Wort „wahrscheinlich“ verwenden wollen, denn da derzeit derart viele Fragen offen sind, ist nur eines klar:
Der Weg nach oben ist steiniger geworden. Wie weit es indes nach unten geht, ist nicht vorhersagbar. Andererseits: Man muss es ja auch nicht vorher wissen und damit das Unmögliche einfordern. Es reicht, wenn man sich „step by step“, immer am Chartbild entlang, vorantastet.
Nächster Halt laut charttechnischem Fahrplan wäre die Zone 5.471 zu 5.603 (letzteres ist die 200-Tage-Linie). Hält diese Zone, sollte man mit Short-Trades umgehend langsam machen. Fällt sie, bleibt der Trend bärisch. Mehr kann man aktuell aus der Gemengelage nicht herausholen, aber wer weiß, dass man an der Börse nie sicher sein kann, was morgen ist, kann mit solchen Schritt-für-Schritt-Wegweisungen der Charttechnik auch gut leben.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 08.03.2026 um 22:22 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
