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Der Euro Stoxx 50 schoss gestern zur Mittagszeit binnen zehn Minuten um 5,25 Prozent nach oben. Der Anstieg führte ihn aus einem kräftigen Minus heraus weit ins Plus. Am Ende blieben ein Zugewinn von 1,33 Prozent zum Freitag … und viele offene Fragen.
Die Nachricht, dass Donald Trump das Bombardement iranischer Energieversorgungsanlagen für fünf Tage aussetzen werde und man sich in Verhandlungen befände, sorgte für einen Satz nach oben, der auffallend an den erinnert, mit dem im April vergangenen Jahres auf das „Zurückrudern“ in Sachen der absurd hohen und nicht minder absurd hergeleiteten US-Zölle reagiert wurde. Auch damals startete ein Tag mit dramatischen Abschlägen und am Ende stand ein Plus, weil man sich sagte: Mr. Trump wird immer darauf achten, dass ihm die Börsen nicht wegkippen, denn dies und der Benzinpreis sind in den USA entscheidende Faktoren. Für den Konsum ebenso wie für die Wählergunst.
Beides wirkte am Montag in der Tat auf einmal wieder im Lot. Und ob an der Wall Street oder an den Eurozone-Börsen: Man reagierte sofort. Schneller, als man imstande gewesen wäre, die Sache durchzudenken und zu hinterfragen. Aber es gab allerhand, was man da hinterfragen könnte bzw. müsste:
Mit wem wird da angeblich gerade verhandelt? Mr. Trump sprach von einer Top-Person, obwohl er Tage zuvor behauptet hatte, der Iran wolle „einen Deal machen“ aber die USA hätten niemanden, mit dem sie reden könnten. Medien wollten am Montag herausgefunden haben, dass es sich um den iranischen Parlamentspräsidenten handele. Aber es sind die Revolutionsgarden, die dort derzeit die Fäden ziehen. Die jedoch haben Verhandlungen abgelehnt. Und ein Parlamentspräsident kann den USA ihre Forderung nach einer ungefährdeten Passage durch die Straße von Hormus nicht erfüllen.
Was zu der Frage führt: Was gedenken die USA zu tun, wenn die neue Fünf-Tage-Frist abgelaufen ist? Letztlich gäbe es derzeit nur die Alternativen einer weiteren Eskalation oder eines Zurückfahrens der militärischen Aktivitäten und Forderungen. Was nach den Tönen der vergangenen Wochen aber wie eine Niederlage wirken würde. Davon abgesehen: Was tut dann Israel?
Expertenmeinung: Der Euro Stoxx 50 reagierte extrem, wie alle Aktienindizes. Unser Chart auf Fünf-Minuten-Basis, der allein den Verlauf am gestrigen Montag abbildet, verdeutlicht das. Er reflektierte damit einen prozentual zweistellig zurückkommenden Ölpreis. Aber dass der dort bleibt oder sogar weiter fällt, ist angesichts der o. a. offenen Fragen alles, nur nicht in Stein gemeißelt. Davon abgesehen, dass auch die jetzt zurückgekommenen Preise am Ölmarkt hoch genug wären, um die Weltwirtschaft drastisch zu bremsen.

Dieser Kurssprung basierte auf extremen Reaktionen auf extreme Aussagen, die indes auf dünnen Beinen daherkommen. Viele dürften alleine deswegen gekauft oder ihre Short-Positionen eingedeckt haben, weil sie diesen Kurssprung sahen – ohne zu wissen, was dahintersteckt. Ein Kurssprung, der zusätzlich durch automatisch ausgelöste Stop-Loss-Orders der Bären intensiviert wurde. Wir sind, es war zu erwarten, mitten drin in einer „Trump-Börse 2.0“, in der alles, was aus dem Weißen Haus kommt, für starke Reaktionen sorgt, die aber oft Momentaufnahmen bleiben. Was auch für diesen Intraday-Turnaround des Euro Stoxx 50 gelten könnte, nicht nur aufgrund der „Wackligkeit“ des Auslösers, sondern auch mit Blick auf die Charttechnik.
Die Ausgangslage war ein europäischer Leitindex, der am Freitag unter die 200-Tage-Linie auf ein neues Jahrestief gefallen war und dadurch in der wichtigen Unterstützungszone 5.467 bis 5.568 Punkten gelandet war. Durch diese war er am Montagvormittag mit nächstem Kursziel 5.155/5.197 Punkte durchgerutscht. Diesen Ausbruch nach unten vermochte der gestrige Intraday-Turnaround abzufangen. Aber was aus Bärensicht misslang, ist aus Bullensicht noch kein Sieg, denn:
Dadurch ist noch nicht einmal die 200-Tage-Linie zurückerobert worden. Und erst, wenn die darüber wartende Zone 5.795/5.818 und die in Kürze diesen Bereich verstärkende 20-Tage-Linie bezwungen wären, könnte man den Euro Stoxx 50 wieder als bullisch einordnen. Und angesichts der Unwägbarkeiten, die diese „Trump-Börse“ mit sich bringt, wäre ein Vorgriff auf einen solchen charttechnischen Befreiungsschlag, vorsichtig formuliert, ziemlich verwegen!

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.03.2026 um 21:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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