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Volatilität schaukelt sich oft immer weiter auf, das erleben wir in diesem turbulenten März beim DAX. Was nicht wundern darf: Durch eine wichtige Supportzone gefallen, zugleich noch über einer noch wichtigeren Linie, da liegen viele Nerven blank. Aber das ist nicht hilfreich.
„Wehe, wenn sie losgelassen, wachsend ohne Widerstand“, schrieb Friedrich Schiller in seinem „Lied von der Glocke“. Das passt durchaus zur derzeitigen Situation an den Aktienmärkten im Allgemeinen und beim DAX im Besonderen.
Dieser Beitrag basiert auf dem gestrigen Xetra-Schlusskurs des DAX. Da war es gelungen, ein am Tagestief etwa 300 Punkte ausmachendes Minus nahezu vollständig aufzuholen. Knapp eine Stunde nach diesem Handelsende notierte er schon wieder gut ein halbes Prozent tiefer. Und wo der deutsche Leitindex den Mittwoch beginnt, während Sie diesen Artikel dann lesen: Am Dienstagabend konnte das niemand vorhersehen, denn derzeit ist unser DAX einfach nicht einzufangen. Warum gebärdet sich der Index wie im Tollhaus?
Expertenmeinung: Weil die Nerven derjenigen, die sich in diesen Sog steigender Volatilität haben hineinziehen lassen, immer dünner werden. Immerhin, es geht um viel in diesen Tagen. Der Konflikt der USA und Israels mit dem Iran hat Folgen für alle. Und niemand weiß, wie das weitergeht. Da wundert es nicht, wenn nervöse Akteure jeder Nachricht hinterherlaufen, sei sie positiv oder negativ. Und mehr noch: Man neigt dazu, mitzuziehen, wenn die Notierungen auf einmal schlagartig nach oben oder unten ausbrechen, alleine weil es eine wegweisende Nachricht gegeben haben könnte, die das ausgelöst hat.
Das Problem dabei: Manche erreichen Nachrichten deutlich schneller als andere. Und bei derartigen Schwankungen, wie wir sie in diesen Tagen sehen, können wenige Minuten eine Menge ausmachen. Also neigen immer mehr Trader dazu, bei starken Schüben zu glauben, dass andere, die die Bewegung losgetreten haben, etwas wissen, was sie selbst noch nicht wissen, und folgen dem Kursschub. Wenn wir uns indes den DAX auf Intraday-Basis über die vergangenen fünf Handelstage ansehen, darf man festhalten:

Eine wirklich einbringliche Idee ist das nicht, denn bisweilen kommt man schon zu spät, wenn man zwei, drei Minuten nach Beginn eines Auf- oder Abwärtsschubes auf den Zug aufspringt … und ob es nicht gleich danach genauso rasant in die Gegenrichtung geht, weiß man nie.
Wobei zwei weitere Aspekte im Hinterkopf sein sollten: Zum einen, dass sich in den letzten Wochen gezeigt hat, dass selbst auf den ersten Blick klar wirkende „Fakten“ schon eine Stunde später dementiert oder durch andere Entwicklungen konterkariert werden können. Zum anderen, dass der Terminmarkt-Handel auch beim DAX nicht unwesentlich mit Handelsprogrammen bestritten wird, die sekundenschnell einem Signal auf ultra-kurzfristiger Ebene folgen, den Wert der Nachricht, die das ausgelöst hat, aber nicht beurteilen.
Irgendwann wird aus diesem immer hektischer werdenden Auf und Ab ein großer Schub nach oben oder unten, der für diejenigen, die ihn „erwischen“, sehr profitabel sein kann. Der Haken dabei: Wenn es bis dahin zu oft zu kurzfristigen Bullen- oder Bärenfallen kommt, kann man womöglich schon froh sein, wenn man die dadurch eingefahrenen Verluste mit dem großen Schub wieder herausholt. Aber was sollte man denn sonst tun, statt immer schneller zu traden, weil der Markt immer hektischer wird?
Das genaue Gegenteil wäre einen Gedanken wert. Sich aus dem Getümmel herauszulösen und den Blick auf das übergeordnete Bild zu richten, ist ohnehin immer sinnvoll. Wenn auch, das muss man einräumen, gar nicht so leicht.

Wenn man vom Intraday- auf den Wochenchart wechselt, sieht man zwar, dass der DAX auf dieser Zeitebene keineswegs unstrukturiert wirkt: Er ist aus der im Mai 2025 etablierten Handelsspanne nach unten herausgerutscht, notiert zugleich aber noch über der im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendlinie. Der DAX wäre jetzt auf mittelfristiger Ebene bärisch. Um wieder in neutrales Terrain zu gelangen, müsste er in diese Handelsspanne zurück. Ein „großes“, bärisches Signal würde indes erst generiert, wenn diese 2022er-Trendlinie bei derzeit knapp 21.000 Punkten gefallen ist.
Aber wenn man sich auf dieses grobe Bild reduziert, muss man folgerichtig auch in Sachen eigener Aktivitäten einen Gang zurückschalten. Und sich dieser so ansteckenden Hektik zu entziehen, fällt keineswegs jedem leicht. Sich das zu überlegen, kann sich indes lohnen, denn es gibt ja nicht umsonst diesen uralten Börsenspruch: Hin und Her … macht Taschen leer.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.03.2026 um 21:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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