Die Nachfrage nach Fisch steigt weltweit schneller, als die Ozeane liefern können. Sind Aquakulturen die Lösung? Bakkafrost vor möglichem Rekordgewinn.
Überfischte Ozeane: Wenn die Natur an ihre Grenzen stößt
Eine steigende Weltbevölkerung, der zunehmende Wohlstand in vielen Schwellenländern und ein höherer Fischkonsum in den Industriestaaten sorgen dafür, dass immer mehr hochwertiger Fisch nachgefragt wird.
Besonders Lachs profitiert von diesem Trend, da er als gesundes, eiweißreiches Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren gilt. Gleichzeitig wächst in vielen Industrieländern das Gesundheitsbewusstsein, wodurch Fisch zunehmend Fleisch ersetzt.
Hinzu kommt, dass die natürlichen Fischbestände seit Jahrzehnten unter Druck stehen. Viele Meeresregionen gelten als überfischt, sodass der Fang wildlebender Fische kaum noch ausgeweitet werden kann. Die Weltmeere stoßen an ihre biologischen Grenzen, während die Nachfrage nach Fisch kontinuierlich steigt. Aquakultur entwickelt sich deshalb zur wichtigsten Quelle für zusätzliches Fischangebot.
Mittlerweile stammt mehr als die Hälfte aller für den Verzehr produzierten Fische aus Zuchtbetrieben.
Aquakultur als Lösung – aber nicht ohne Engpässe
Doch der Ausbau neuer Zuchtkapazitäten ist nicht problemlos möglich. Geeignete Standorte für die Lachszucht sind knapp, Umweltauflagen werden strenger und Genehmigungen für neue Anlagen sind vielerorts nur schwer zu erhalten.
Dadurch wächst das Angebot deutlich langsamer als die Nachfrage, was übergeordnet zu steigenden Preisen führt.
Bakkafrost ist einer der weltweit führenden Produzenten von Atlantiklachs und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab.
Das Unternehmen mit Sitz auf den Färöer-Inseln kontrolliert nahezu jeden Schritt der Produktion – von der Herstellung des Futters über die Aufzucht der Jungfische bis hin zur Verarbeitung, Vermarktung und dem Vertrieb des fertigen Lachses. Diese vertikale Integration sorgt für eine hohe Qualitätskontrolle, stabile Lieferketten und eine vergleichsweise gute Kostenkontrolle.
Das Kerngeschäft besteht in der nachhaltigen Zucht von Atlantiklachs. Die Fische wachsen in den kalten, sauerstoffreichen Gewässern der Färöer-Inseln auf, die als einer der besten Standorte für die Lachszucht gelten.
Ergänzt wird das Geschäft durch Aktivitäten in Schottland, wodurch Bakkafrost seine Produktionsbasis verbreitert und zusätzliche Absatzmärkte erschließt.
Turnaround-Signale: Warum das Bild gerade dreht
Verkauft wird der Lachs sowohl als Frischfisch als auch in veredelter Form an den Einzelhandel, die Gastronomie und die Lebensmittelindustrie in Europa, Nordamerika und Asien.
Unter dem Strich konnte Bakkafrost den Umsatz in den letzten zehn Jahren von 3,20 auf 7,01 Mrd. dänische Kronen (DKK) deutlich steigern.
Die Umsatzentwicklung wird jedoch durch die schwankenden Lachspreise stark verzerrt, was auch immer wieder auf die Profitabilität durchschlägt. Darüber hinaus kam es vor allem in Norwegen zu politischen Eingriffen, um die zeitweise rasant gestiegenen Gewinne der Fischfarmen abzuschöpfen.
Dieser Zyklus hat auch im vergangenen Jahr wieder zugeschlagen. Unerwartet hohe Produktionsmengen innerhalb der Branche haben zu sinkenden Lachspreisen geführt.
Gleichzeitig hatte das Unternehmen mit einer erhöhten Fischsterblichkeit in Schottland zu kämpfen, wodurch der Gewinn von Bakkafrost um 53 % auf 12,32 NOK je Aktie (der Haupthandelsplatz der Aktie ist Norwegen / Oslo) eingebrochen ist.
Rekordgewinn möglich?
Dem Management zufolge hat man die Probleme in Schottland inzwischen im Griff. Gleichzeitig wird mit einer Normalisierung des Lachsmarktes gerechnet.
Daher wird im laufenden Geschäftsjahr ein Rekordergebnis von 27 NOK je Aktie erwartet.
Die laufenden Entwicklungen sprechen dafür, dass der Turnaround in vollem Gange sein dürfte.
Die Produktionsmengen lagen in den letzten drei Quartalen wieder stabil bei etwa 30.000 TGW (Tons Gutted Weight, ausgenommene Fischmasse). Gleichzeitig hat sich die Profitabilität wieder deutlich verbessert.
Das operative EBIT kletterte in dieser Zeit von 22 auf 295 und dann auf 544 Mio. DKK.
Das Ergebnis konnte im ersten Quartal von -0,10 auf 5,17 DKK je Aktie gesteigert werden.
Sollten die Konsensschätzungen erfüllt werden, wird Bakkafrost mit einer forward P/E von 15,1 bewertet. In der Regel wird Bakkafrost mit einer P/E von über 20 gehandelt. Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E sogar bei 25.
Daraus ergibt sich eine interessante Gesamtkonstellation. Der erwartete Gewinnsprung scheint noch nicht eingepreist worden zu sein.

Der Chart bezieht sich auf die Notierung in Euro mit dem Ticker 6BF. Kunden von LYNX Broker können die Aktie aber auch an der Heimatbörse in Oslo handeln.
Gelingt jetzt eine Rückkehr über die 38 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 42 – 44 Euro einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 50 oder 60 Euro.
Fällt die Aktie hingegen unter 35 Euro, könnte die untere Aufwärtstrendlinie nahe 33 Euro angesteuert werden. Darunter würde sich das Chartbild weiter eintrüben.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 06.07.2026 um 11:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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