Während die Automobilbranche auf Masse setzt, geht Ferrari den entgegengesetzten Weg. Die Strategie scheint aufzugehen. Weniger ist mehr.
Warum Ferrari kein klassischer Autobauer ist
Ferrari gehört zu den ikonischen Marken dieser Welt und galt auch an der Börse für lange Zeit als Dauerläufer.
Der Löwenanteil, rund 80 %, des Umsatzes kommt aus Fahrzeugen und Ersatzteilen. Der eigentlich interessante Hebel liegt aber woanders: in der Personalisierung. Rund 40 Prozent der Käufer nutzen das “Tailor Made”-Programm und zahlen dafür im Schnitt 50.000 bis 100.000 Euro extra auf den Basispreis.
Das Geschäftsmodell von Ferrari basiert auf einem einzigen, konsequent durchgehaltenen Prinzip: Die Produktion wird gezielt begrenzt, damit die Nachfrage das Angebot immer übersteigt.
Das unterscheidet das Unternehmen grundlegend von anderen Autobauern und gleicht einem Prinzip, das wir sonst nur aus einer anderen Branche kennen: Luxusgütern.
Aus meiner Sicht sollte man das Unternehmen daher eher als Luxusgüterkonzern einstufen und mit den Bewertungen in dieser Branche vergleichen und nicht mit Autobauern.
Drei Jahre Wartezeit und kein Rabatt
Denn kein anderer Autobauer dieser Welt dürfte einen Auftragsbestand vorweisen können, der Ende 2025 bereits bis Ende 2027 gereicht hat (SEC Filing).
Jährlich verlassen weniger als 14.000 Fahrzeuge die Werkshallen. Wer heute einen Ferrari bestellt, wartet fast drei Jahre. Kein Händlerrabatt, kein Lagerfahrzeug, keine Verhandlung.
Das führt zu einer für die Autobranche unerhörten Marge von fast 30 % – und auch aus diesem Grund ist Ferrari eben kein einfacher Autobauer, sondern ein Luxusgüterkonzern mit einem Börsenwert von etwa 62 Milliarden Dollar.
Das macht Ferrari zu einem der wertvollsten Automobilkonzerne der Welt, wertvoller als Großkonzerne wie VW oder Nissan, die Millionen von Autos herstellen.
Das schlägt sich auch in den Zahlen wider. In den zurückliegenden zehn Jahren konnte der Umsatz von 3,11 auf 7,15 Mrd. Euro massiv gesteigert werden. Abgesehen von 2020 gab es kein einziges Jahr, in dem das Unternehmen nicht gewachsen wäre.
Gleichzeitig hat die Profitabilität spürbar zugenommen und die Zahl der ausstehenden Aktien wurde von 189 auf 178 Millionen Stück reduziert. Dadurch hat sich der Gewinn in dieser Zeit von 2,22 auf 8,96 Euro je Aktie vervielfacht.
Weniger Autos, mehr Umsatz – wie geht das?
Die gesamte Automobilindustrie kämpft um Margen zwischen fünf und zehn Prozent. Ferrari verdient mit einem Bruchteil der Stückzahlen fast das Dreifache.
Der Nettogewinn lag im letzten Jahr bei 1,6 Milliarden Euro, das Ergebnis je Aktie kletterte um 8 % auf 8,96 Euro je Aktie.
Die Verschuldung abseits von Finanzierungen für die Kunden tendiert in Richtung null.
Das letzte Geschäftsjahr zeigt, wie gut die Strategie „Value over Volume“ funktioniert. Profitabilität schlägt Stückzahl.
Im Geschäftsjahr 2025 lieferte Ferrari weniger Fahrzeuge aus als im Jahr zuvor und erzielte trotzdem ein Umsatzplus von 7 %, einen Anstieg des operativen Ergebnisses um 12 % und einen Anstieg des Gewinns um 6 %.
Höhere Preise, ein besserer Produktmix und mehr Personalisierung reichen aus. Ferrari muss nicht mehr Autos bauen, um mehr zu verdienen. Es klingt absurd, ist aber die Realität.
Pläne bis 2030: Analysten zu pessimistisch?
Bis 2030 peilt Ferrari rund neun Milliarden Euro Umsatz an, bei einer EBITDA-Marge von mindestens 40 Prozent und einem kumulierten freien Cashflow von etwa acht Milliarden Euro über fünf Jahre.
Die ursprünglichen Ziele für 2026 wurden bereits 2025 erreicht — ein Jahr früher als geplant. Das sagt einiges über die Verlässlichkeit des Managements.
Gleichzeitig zeigen sich die Prognostiker erstaunlich pessimistisch. Seit dem Börsengang konnte Ferrari den Gewinn durchschnittlich um 16 % p.a. steigern. Im laufenden und den kommenden beiden Geschäftsjahren wird dem Unternehmen jedoch nur ein Anstieg des Gewinns um jeweils 8 – 9 % zugetraut.
Das ist sicherlich nicht schlecht, aber weit unter dem, was Ferrari in der Vergangenheit erreicht hat. Es wäre daher gut möglich, dass die Erwartungen zu niedrig sind.
Sollten die derzeitigen Schätzungen doch richtig sein, kommt Ferrari auf eine forward P/E von 31,2.
Seit dem Börsengang vor etwas mehr als zehn Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 39,4.

Bei dem Chart handelt es sich um die Notierung in Euro an der Heimatbörse in Italien. Kunden von LYNX Broker können Ferrari aber auch in US-Dollar an der NYSE handeln.
Ferrari ist zum langjährigen Aufwärtstrend zurückgekommen und daran vorerst abgeprallt. Gelingt jetzt ein Anstieg über 300 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 325 und 342 Euro.
Antizyklische Anleger könnten einen Anstieg nahe dem Aufwärtstrend erwägen. Fällt Ferrari jedoch unter den Aufwärtstrend, muss mit weiteren Verlusten in Richtung 245 oder möglicherweise sogar 214 Euro gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.04.2026 um 10:55 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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