Damit liegt man oft falsch. Denn die Rohöl-Kurse gehorchen keineswegs nur der reinen Angebot-/Nachfrage-Entwicklung. Eine Prognose ist daher immer ein Abwägen zwischen Realität und Projektion, zwischen der echten Nachfrage und der Spekulation. Und wenn dann noch geopolitische Spannungen hinzukommen, die in den vergangenen Jahren bekanntlich massiv Einfluss auf den Ölpreis nahmen, oder die OPEC gezielt die Preise beeinflusst, wird die Situation für Verbraucher und Investoren erst recht herausfordernd. Dieser Markt hat es also in sich. Aber eines ist er für uns Anleger damit nie: langweilig!
Inhalt
Investoren wie Konsumenten gleichermaßen beschäftigt dabei derzeit vor allem eine Frage: Welche Folgen hat die unstete Wirtschaftspolitik, die seit Januar 2025 in Washington betrieben wird? Wird sie das Wachstum der Weltwirtschaft behindern und in der Folge den Ölpreis deutlich drücken oder führt die Vorgehensweise der US-Regierung am Ende doch zu mehr Wachstum, auch über die USA hinaus? Zu dieser Frage unten mehr, zunächst ein grundsätzlicher Überblick:
Was bewegt den Ölpreis?
In erster Linie sind es die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft, die für die grundsätzliche Trendrichtung entscheidend sind. Diese bestimmen die Nachfrage nach Rohöl und Benzin, Kerosin oder Heizöl. Auf der anderen Seite ist es das Angebot, das auf die Kurse einwirkt. Dabei spielt die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) eine wichtige Rolle. Allerdings stellen auch Länder, die nicht der OPEC angehören, beispielsweise Russland, die USA und Norwegen, in Bezug auf das Angebot und damit letzten Endes auf die Preisbildung eine zunehmend wichtige Größe dar. Vor allem die USA haben ihre Förderung in den vergangenen Jahren immens ausgebaut und sind mittlerweile das Land mit der höchsten Fördermenge an Rohöl von allen.
Das zweite Element ist die Spekulation am Rohstoffmarkt. Am Ende ist es die dortige Angebot-/Nachfrage-Situation, die den Kurs bestimmt. Dabei ist die reale Nachfrage nach Rohöl zwar ein wichtiges Element. Aber wenn große Spekulanten massiv über den Terminmarkt Long oder Short gehen, dominieren sie und nicht die ökonomischen Rahmenbedingungen für diesen Moment den Trend. Wichtig ist dabei (das ist auch ein entscheidender Aspekt, wenn es um eine Prognose für den Ölpreis geht), dass diese Spekulation sich an der realen Nachfrage-Entwicklung bzw. deren Perspektiven orientieren kann, aber nicht muss!
(Mehr Fakten und Informationen zum Thema Rohöl finden Sie in diesem Beitrag: „Rohöl – Fakten und Handelsmöglichkeiten“)
Sehen wir uns einmal, Stand Februar 2026, die vier entscheidenden Aspekte an, die den Ölpreis im Jahr 2026 beeinflussen könnten. Konkret sind das die Wachstumssituation weltweit, die Angebotsseite, die politische Entwicklung und vor allem der Faktor der Spekulation.
Ölpreisprognose – Ausgangslage Februar 2026 (1): Die ökonomischen Aspekte
Blicken wir einmal auf die vergangenen fünf Jahre zurück: Die seit Sommer 2021 sukzessiv aus dem Ruder gelaufene Inflation wurde auch durch einen immensen Anstieg der Rohstoffpreise verursacht. Dieser wiederum fußte auf einer zeitweiligen Verknappung des Angebots, weil die im Zuge der Corona-Lockdowns spürbar reduzierte Ölförderung nur schrittweise wieder angehoben wurde, während die Industrie weltweit versuchte, die durch diese Lockdowns verursachten Einbußen aufzuholen. Dafür war aber zu wenig Energie und Material vorhanden bzw. wegen der Überforderung der Logistik nicht zeitgerecht zu bekommen – das trieb den Ölpreis höher. Im Verlauf des Jahres 2022 kam ein weiterer Faktor hinzu:

Der Beginn des Ukraine-Konflikts und die damit verbundene Verunsicherung darüber, wie sich die Versorgungslage durch die Sanktionen gegen den großen Ölförderer Russland verändern würde, trieben den Kurs der wichtigsten Ölsorten im ersten Halbjahr 2022 zunächst noch weiter nach oben. Aber dann kam schon der nächste Faktor ins Spiel, der den Kurs der wichtigsten Rohölsorten wiederum drückte:
Die angehobenen Leitzinsen als Maßnahme zur Bekämpfung der zu hohen Inflation bremsten das Wachstum in den USA und vor allem in Europa. Zugleich kam die chinesische Wirtschaft nach den Corona-Jahren aufgrund des in die Bredouille geratenen Immobilienmarkts nicht so sehr wieder in Fahrt, wie sich die meisten Ökonomen und Investoren das vorgestellt hatten.
Und jetzt hat ein weiterer, wichtiger Einflussfaktor das Ruder übernommen: die drastischen Einfuhrzölle, die von der US-Regierung verhängt wurden. Zwar ist es den meisten Ländern gelungen, die zunächst extrem hohen Zölle auf weniger dramatische Levels zu drücken. Aber mit dem wichtigsten Handelspartner der USA, mit China, ziehen sich die Verhandlungen hin. Und dort gilt noch ein sehr hoher Einfuhrzoll, so dass der Warenverkehr zwischen den USA und China 2025 deutlich niedriger ausfiel als in den Vorjahren. Weniger Warenverkehr bedeutet weniger Energieverbrauch in diesem Bereich – das bedeutet, dass die Nachfrage nach Rohöl sukzessiv sinken könnte – sofern nicht zugleich das Angebot deutlich reduziert wird. Dazu der nächste Punkt
Ölpreisprognose – Ausgangslage Februar 2026 (2): Die Angebotsseite
Als die Weltwirtschaft im Frühjahr 2020 fast zum Stillstand kam, brach der Ölpreis massiv ein. Die OPEC+, d. h. die Organisation erdölexportierender Länder plus Russland, nahm daher im Mai 2020 eine radikale Förderkürzung um ganze zehn Millionen Barrel pro Tag vor. Die USA, die nicht in einer solchen Gruppierung organisiert sind, reduzierten die Förderung ebenfalls massiv.
2024 lag die weltweite Fördermenge zwar wieder auf dem vormaligen Rekordlevel, das in den Jahren 2018 und 2019 erreicht worden war, das sind um die 103 Millionen Barrel pro Tag. Für 2025 liegen noch keine Daten vor, Schätzungen sehen bislang jedoch eine leichte Steigerung auf 105 bis 106 Millionen Barrel am Tag, aber:
Offenbar waren der OPEC und Russland, allgemein als „OPEC+“ bezeichnet, die Preise nach der Korrektur der Panik-Preise nach Beginn des Ukraine-Konflikts schon zu weit abgerutscht. Im Herbst 2022 hatte man bereits die Fördermengen reduziert, um zu verhindern, dass die da für die Anbieter noch ideal hohen Preise zu weit absinken. Und ab dem Sommer 2023 war die tägliche Fördermenge seitens der OPEC+-Länder mittlerweile um gut zwei Millionen Barrel gegenüber den Vorjahren reduziert.

Doch dann änderte sich die Vorgehensweise der OPEC: Die Organisation steigert die Fördermenge seit April 2024 wieder, was in Kombination mit dem Einfluss der Zölle zu einem Abstieg des Preises geführt hat.
Aber der Ölpreis ist nicht nur von der unmittelbaren Angebot-/Nachfrage-Situation abhängig. Oft spielen die Politik indirekt und geopolitische Spannungen direkt in die Preisentwicklung mit hinein … und die Spekulation, zu der wir gleich auch noch kommen. Zunächst der politische Aspekt:
Ölpreisprognose – Ausgangslage Februar 2026 (3): Der Faktor der Politik
Die Politik spielt bei der Entwicklung des Ölpreises keine permanente Rolle, kann aber jederzeit durch bestimmte Ereignisse oder die Reaktionen darauf starke Kursbewegungen auslösen. Dabei sollte man sich nicht darauf verlassen, dass der alte Börsenspruch „Politische Börsen haben kurze Beine“ immer zutrifft – es kommt darauf an, was passiert.
Dass diese „kurzen Beine“ auch mal äußerst lang sein können, beweist die derzeitige Situation ja wie keine andere.
Der Angriff Russlands auf die Ukraine Ende Februar 2022 war, wie der nachfolgende Chart zeigt, Auslöser für einen immensen Anstieg des Ölpreises. Der sich dann zwar erst einmal moderierte, aber politische Entscheidungen im Zuge dieser Krise hatten und haben weiterhin direkte Auswirkungen auf den Kurs. Der Umgang mit russischen Ölexporten, die Suche nach Alternativen durch höhere Lieferungen anderer Förderländer, die „Förderpolitik“ der OPEC – all diese Einflüsse auf den Ölpreis sind auf politische Entscheidungen zurückzuführen.

Und aktuell ist es die unerwartet kompromisslos und zugleich nicht auf die Folgen bedacht wirkende Wirtschaftspolitik der derzeitigen US-Regierung, die erheblich Einfluss auf die Börsen und dort auch auf den Ölpreis nimmt. Denn wie weiter oben bereits beschrieben, beeinflussen hohe Einfuhrzölle in die USA und entsprechende Gegenmaßnahmen der betroffenen Staaten den Warenfluss, die Lieferketten und letztlich auch die Nachfrage nach Gütern deutlich und können damit den Bedarf an Rohöl reduzieren. Dass man damit derzeit rechnet, deutet die vorherrschende, übergeordnete Abwärtstendenz an, die Sie im vorstehenden Chartbild erkennen.
Aber auch die Iran-Problematik spielt, als weiteres geopolitisches Element, eine Rolle. Der kurze, wenngleich bald wieder zurückgenommene Kurssprung im Sommer 2025 belegt das ebenso wie der aktuell erneut leicht anziehende Ölpreis als Reaktion auf ein erneutes, militärisches Eingreifen der USA in Bezug auf den Iran.
Ölpreisprognose – Ausgangslage Februar 2026 (4): Das wichtige Element der Spekulation
So stark die Impulse durch die Angebotsseite, die Politik und die konjunkturellen Perspektiven auch sind: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Preisbildung bei Rohöl letztlich an der Börse vorgenommen wird. Es ist daher am Ende die dortige Relation zwischen Käufern und Verkäufern, die die Kurse bewegt. Und ob jemand auf der Käuferseite tatsächlich ein „Abnehmer“ ist, sprich, das über den Future gekaufte Rohöl wirklich abnehmen wird oder nur aus rein spekulativen Gründen Long geht, die Position vor der Abrechnung des Futures neutralisiert und damit gar kein „echtes“ Öl beziehen will, ist egal: Einen kurstreibenden Effekt hat beides. Sehen wir uns das anhand eines Charts über einen längerfristigen Zeitraum an:

Hier sehen Sie den langfristigen Kursverlauf des Ölpreises in Relation zum marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500). Oft verlaufen die Trends parallel, was logisch ist, da das weltweite Wirtschaftswachstum für beide Assets gleichermaßen eine Orientierung ist. Aber es gibt auch Phasen, in denen der Ölpreis völlig gegensätzlich läuft.
Am extremsten war das 2008 der Fall, als der Aktienmarkt längst einbrach, der Ölpreis aber förmlich explodierte. Das ist ein markantes Beispiel dafür, wie groß die Rolle der Spekulation beim Ölpreis sein kann. Der Kurs wurde damals förmlich durch die Decke getrieben, stieg auf im Vorfeld ungeahnte Rekorde, bevor er dann 2009 implodierte, den negativen Rahmenbedingungen doch noch folgte. Aber auch in den Jahren 2013/2014 und 2023/2024 liefen Aktienmarkt und Ölpreis gegensätzlich, ohne dass das von der Angebot-/Nachfrage-Situation oder der Politik her zwingend gewesen wäre.
Anfang 2025 war dieser Gleichlauf zwischen Aktienmarkt und Ölpreis zeitweilig wieder zu sehen, basierend auf der Sorge, dass die Kombination aus geopolitischen Spannungen und der aggressiven US-Wirtschaftspolitik die Weltwirtschaft in Turbulenzen stürzen könnte, die Aktienmarkt und Ölpreis gleichermaßen negativ tangieren. Aber aktuell ist die Spekulation bereits wieder aktiv: Während Rohöl seinen Abwärtstrend beibehält, hat man am Aktienmarkt die Bedenken längst wieder abgeschüttelt. Dass der Ölpreis nicht mit nach oben gedreht hat, deutet indes an, dass man hier momentan eher den Fakten folgt, als der Aktienmarkt das derzeit tut.
Wäre der Faktor der Spekulation nicht so erheblich, wäre eine Ölpreisprognose einfacher, wenngleich „einfacher“ alleine wegen der aktuell kaum absehbaren Entwicklung des Wachstums und der unberechenbaren Entwicklungen auf politischer Ebene nicht „einfach“ heißt. Aber der Spekulationsfaktor ist eben erheblich und erfordert deswegen für Anleger, die sich bei Rohöl engagieren, noch höhere Aufmerksamkeit.
Ölpreisprognose : Glaskugel vs. Charttechnik – Folgen Sie dem Trend!
Gerade im Bereich der Commodities (d. h. Rohstoffe) folgen die charttechnisch orientierten Trader Trends konsequent und reizen diese nicht selten extrem aus. Wenn sich ein klares charttechnisches Signal zeigt und sich danach ein Trend etabliert hat, kann der sehr weit führen, über das hinaus, was man aus rein rationaler Sicht erwarten würde.
Derzeit sehen wir hier einen konstanten Abwärtstrend, der durch die Verunsicherung, die von der US-Wirtschaftspolitik ausgeht, unterfüttert wird. Extreme Kursbewegungen hat das zwar bislang nicht ausgelöst, aber gerade am hochvolatilen Rohöl-Markt sind aus dem Stand auftretende, dynamische Impulse keine Seltenheit – zuletzt haben wir das im Zuge der kurzen, militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran im Sommer 2025 erlebt. Auf solche starken Bewegungen im Vorfeld zu setzen, hieße indes, eine Wette einzugehen, denn hier ebenso wie in anderen Börsenbereichen kann man nie wissen, welche Nachrichten kommen könnten, die den Kurs überraschend stark beeinflussen.

Und gerade, weil man eine Glaskugel bräuchte, um vorhersehen zu können, wie sich die Rahmenbedingungen in den kommenden Monaten darstellen werden und was die Trader daraus machen, würde sich letzten Endes nur eine Lösung als sinnvoll anbieten, wenn es um die Frage geht, in welche Richtung man sich beim Rohöl-Trading orientieren könnte:
Konsequent dem Trend bzw. den charttechnischen Signalen zu folgen. Vor allem, weil ein Spruch beim Ölpreis noch öfter zutrifft als z. B. am Aktienmarkt: Unverhofft kommt oft!
Fazit unserer Ölpreis-Prognose 2026:
Es würde sich anbieten, ohne vorgefasste „Marktmeinung“ in das Trading von Rohöl zu gehen. Die Trends können bisweilen verblüffend dynamisch und weitreichend ausfallen und müssen, das haben die vorstehenden Charts gezeigt, nicht immer rational sein, d. h., den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Und auch, was diese Rahmenbedingungen angeht, gilt: Was heute richtig ist, könnte morgen schon falsch sein. Grundsätzlich würde man daher besser fahren, wenn man konsequent dem Trend und nicht persönlichen Vermutungen folgt.
Informationen zum / zu den auf dieser Seite genannten Produkt(en) finden Sie hier: PRIIPs / KIDs CME Futures
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.02.2026 um 15:51 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.
