Börsengang Virgin Galactic: Dieser IPO ist ein großes Abenteuer

Den charismatischen britischen Milliardär Richard Branson und seine Virgin Group kennt wohl auch hierzulande fast jeder. Ob das Musiklabel Virgin oder später V2 Records, Virgin Cola oder Virgin Racing, irgendwo hat jeder schon zumindest „Sichtkontakt“ mit den vielfältigen Unternehmungen des Milliardärs gehabt, dem es seit jeher auch die Fliegerei angetan hat. So hat Branson mehrere Rekord-Ballonfahrten unternommen … und jetzt geht es ins Weltall.

Virgin Galactic: Kaufen oder Finger weg?

Das Projekt ist aus den Medien bekannt: Branson will mit dem SpaceShip Two, einem Raumflugzeug, das mit einem Trägerflugzeug (dem White Knight) gestartet wird, zahlende Kunden ins Weltall befördern. Kommerzieller Weltraumflug, das ist ein Projekt, bei dem er nicht alleine ist: Auch Tesla’s Elon Musk (SpaceX) und Amazon’s Jeff Bezos (Blue Origin) greifen nach den Sternen. Aber:

Für 250.000 US-Dollar mit dem SpaceShip Two ins All

Branson will bereits 2020 mit dem ersten Flug starten – und wird selbst mit an Bord sein. Ebenso will Chamath Palihapitiya, der Chef von Virgin Galactics Partnerfirma Social Capital Hedosophia (IPOA), die dem Unternehmen die „Hülle“ für den Börsengang bereitstellte (dazu gleich mehr) mitfliegen. Und der von der NASA kommende Galactic-CEO George Whitesides ebenfalls.

Etwa 200.000 bis 250.000 US-Dollar (die Angaben variieren je nach Quelle) kostet ein Ticket für einen solchen Flug, der etwa dreieinhalb Stunden dauern und sechs Minuten im Weltraum und damit in der Schwerelosigkeit beinhalten wird. Die maximale Flughöhe wird bei voller Belegung um 110 Kilometer liegen (über 100 Kilometern beginnt laut Definition der Bereich des Weltalls). Sechs Passagiere kann ein SpaceShip Two aufnehmen. Und vorgebucht und angezahlt sollen derzeit bereits 600 Tickets sein.

Das klingt faszinierend und ist es zweifellos auch. Aber ist das „große Abenteuer“ der Weltraumflüge auch ein einträgliches Abenteuer für Aktionäre? Lohnt es, sich Aktien von Virgin Galactic ins Depot zu legen?

Das ist wirklich „Venture Capital“

Das ist eine Frage der Risikobereitschaft. Derzeit macht Virgin Galactic natürlich noch keinen Gewinn. Erst, wenn die ersten zahlenden Passagiere ins All fliegen, werden nennenswerte Einnahmen generiert, bislang gab es im Vorfeld nur zwei Flüge im Auftrag der NASA. Das Minus lag im ersten Halbjahr bei netto 90 Millionen US-Dollar. Aber:

Zum einen hat der Börsengang dem Unternehmen neues Geld in die Kasse gespült, da hat Virgin Galactic nach eigenen Angaben 450 Millionen US-Dollar erzielt. Zum anderen ging dem Börsengang der Zusammenschluss mit der kalifornischen Investmentfirma Social Capital Hedosophia Holdings voraus, die damit die Kapitalbasis verbreitert: Für ihren Anteil von 49 Prozent hat das Venture Capital-Unternehmen 800 Millionen US-Dollar eingebracht. Richard Branson behält mit seinen verbleibenden 51 Prozent die Kontrolle.

Interessant ist auch, dass der Flugzeugriese Boeing angekündigt hat, sich bei Virgin Galactic zu engagieren und zunächst ein strategisches Investment um die 20 Millionen US-Dollar zu tätigen. Dennoch:

Ob, und wenn ja wann, Virgin Galactic zu einem profitablen Unternehmen wird, ist schlicht nicht vorhersagbar. Die Risikofaktoren:

  • Werden genug interessierte, wohlhabende „Abenteurer“ solche Flüge buchen?
  • Werden andere Unternehmungen wie z.B. SpaceX womöglich ebenfalls in diese Richtung aktiv, um ihre Projekte zu finanzieren?
  • Wird es möglich sein, die Kosten so spürbar zu senken, wenn die Zahl der Flüge steigt, dass klar schwarze Zahlen und Dividenden erreichbar werden?

Man kann es absolut nicht vorhersagen. Aber wo wären solche in die Zukunft weisenden Fragen bei einem Unternehmen, das sich für seine Projekte Geld an der Börse holt, sicher zu beantworten? Das sind nun einmal Risiken, die ein Investor immer in Kauf nimmt, wenn er Chancen wahrnehmen will, die ein solches ungewöhnliches Unternehmen bietet. Das ist letzten Endes bei weniger faszinierenden Geschäftsfeldern wie veganen Burgern oder Mitfahrzentralen nicht allzu viel anders. Nur hat das erste Unternehmen, das mit dem Ziel privater Raumflüge an die Börse gegangen ist, einen ganz besonderen Zauber des Abenteuers.

Aber jetzt zum Börsengang selbst. Denn der war alles andere als ein normales IPO (initial public offering). Was ein Anleger sofort feststellte, wenn er das Kürzel von Virgin Galactic „SPCE“ (was natürlich für „Space“ steht) eingab:

Virgin Galactic – Ein ungewöhnlicher Börsengang

Denn da stellte man fest: Nanu, diese Aktie existiert ja schon seit über zwei Jahren? Wie kann man da von einem Börsengang sprechen?

Es war zwar tatsächlich ein Börsengang, aber einer der ungewöhnlichen Art, denn Virgin Galactic entschied sich, dazu ein sogenanntes „SPAC“, ein „Special Purpose Vehicle“ in Form einer börsennotierten Firmenhülle zu verwenden. Was bedeutet das?

Das heißt, dass seit dem 28. Oktober Virgin Galactic unter dem Symbol SPCE als die Aktie an der Börse gehandelt wird, die bis dahin die Aktie des Ventura Capital-Unternehmens Social Capital Hedosophia Holdings mit dem Symbol IPOA war, mit dem sich Virgin Galactic vorher zusammengeschlossen hat.

Das ist ein unüblicher, aber natürlich erlaubter Weg, der den Vorteil hat, dass man sich den großen Zeitaufwand und die hohen Kosten spart, die ein normales initial public offering, sprich IPO, mit sich bringen. Für den Anleger ist die Sache damit aber recht knifflig.

Es ist schon richtig, man kann Virgin Galactic auf einmal einfach an der Börse kaufen. Aber es ist sehr irritierend, dass die Aktie somit über Nacht einen Kurs hat, der vorher der Bewertung der Anleger für die Social Capital Hedosophia Holdings entsprach! Und dass das ein Problem ist, sieht man, wenn man sich die Charts betrachtet:

Vor dem „Abenteuer Weltall“ steht das „Abenteuer Kursbildung“

Der erste Chart zeigt, dass Social Capital Hedosophia Holdings bereits 2017 an die US-Börse ging, aber kein allzu bewegtes Börsenleben hatte, der Kurs bewegte sich kaum. Leben kam erst in dem Moment in den Kurs, als die ersten ahnten, dass Virgin Galactic womöglich diese Aktie „übernehmen“ könnte. Das führte dazu, dass der Kurs vor allem in der Woche vor diesem ungewöhnlichen Börsengang, d.h. in der Woche vom 21. bis 25. Oktober, kräftig zulegte. Aber:

Das waren eben Vorkäufe von Marktteilnehmern, die wussten, dass sie dann ab der kommenden Woche automatisch bei Virgin Galactic dabei sein würden. Was es aber durch diesen Weg des Börsengangs nicht gab, war ein vom Unternehmen fixierter Ausgabepreis. Das heißt, dass niemand so recht sagen konnte, was die Virgin Galactic-Aktie denn wohl wert sein könnte. Und das gilt natürlich auch jetzt.

Das führt dazu, dass die Aktie wild hin und her schwankt. Das sieht man besonders gut an diesem folgenden Chart, der den Kurs auf 15-Minuten-Basis ab dem Freitag, den 25. Oktober darstellt, der also mit dem letzten Tag beginnt, bevor die Social Capital Hedosophia Holdings-Aktie auf einmal zur Virgin Galactic-Aktie wurde:

Ganz zu Beginn des Börsenlebens von Virgin Galactic am Montag, den 28. Oktober stieg die Aktie zwar. Aber dann begann der Verkaufsdruck, der den Kurs am Donnerstag, den 31. Oktober in der Spitze um 15 Prozent drückte. Es gab keine Nachrichten, die das hätten auslösen können. Auch seitens der Analysten ist es ruhig, denn denen fehlt, was den Anlegern auch fehlt: Ausreichende Fakten und Erfahrungswerte, um die Aktie zu bewerten und einen fairen Preis zu benennen! Was bedeutet:

Bevor Virgin Galactic das große Abenteuer der Weltraumflüge starten wird, müssen die Anleger vorher das große Abenteuer der Kursbildung bestehen. Was zu folgendem Fazit führt:

Fazit: Besser erst einmal abwarten

Alles um diese Aktie ist ungewöhnlich und faszinierend: Das Abenteuer Weltraum. Die weiteren Möglichkeiten über solche „Touristenflüge“ hinaus, die sich da bieten könnten. Der „Paradiesvogel“ Branson. Die ungewöhnliche Art des Börsengangs. Und die völlig offene Frage, ob und wann dieses Unternehmen Virgin Galactic einmal schwarze Zahlen schreiben wird.

Ja, Virgin Galactic ist auch als Aktie ein großes Abenteuer. Und natürlich geht es hier um ein Wagnis. Wer hier einsteigt, investiert nicht, sondern spekuliert. Das bedeutet, dass man hohe Schwankungen einkalkulieren muss und auch die Möglichkeit, dass Virgin Galactic scheitern könnte und das eingesetzte Kapital in Richtung Totalverlust taumelt. Es kann aber auch ganz anders kommen und diese Aktie zu einer Kursrakete werden. Nur tendenziell wohl noch nicht in den kommenden ein, zwei Jahren.

Was wir in jedem Fall anraten würden: Nicht sofort auf den Zug aufspringen, denn der liegt alles andere als stabil auf den Schienen, wie unsere Charts der Aktie zeigen. Erst sollte sich hier etwas Ruhe einstellen. Eine Handelsspanne von über 40 Prozent in einer Woche ist ein Zeichen, dass da niemand so recht weiß, wo er die Aktie ansiedeln soll … und dass das Thema kurzfristige Zocker anlockt, die derzeit offenbar mit Short Selling auf den Kurs drücken.

Besser wäre, noch ein paar Wochen abzuwarten, sich den Kurs ebenso wie die Nachrichtenlage und wohl auch die ersten Bewertungen von Analysten anzusehen und dann zu entscheiden, ob man bei diesem großen Abenteuer mit dabei sein will!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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