ALADDIN: Bringt dieses Super-Programm den Crash?

Es dürfte nicht viele Anleger geben, die ALADDIN kennen. Nicht die Figur aus Tausendundeiner Nacht, sondern ein gigantisches Computerprogramm, das vom US-Finanzdienstleister BlackRock betrieben wird. Aber so wenig bekannt ALADDIN auch ist, dieses System hat die Macht, dem Aktienmarkt eine ewige Hausse zu bescheren … oder ihm den Crash zu bringen.

Und es hat den Anschein, als würde ALADDIN jetzt vermehrt Signale senden, die spielend all die Bemühungen, die Trendwende von DAX, Dow Jones & Co. trotz zunehmender Risiken zu verhindern, platzen lassen können. Denn ALADDIN betrachtet die Lage, wie sie ist. Und sie ist, was den Aktienmarkt angeht, zusehends brenzlig. Bevor wir uns ALADDIN ansehen, zunächst zu der Frage: Wer ist BlackRock?

BlackRock ist nicht irgendein Vermögensverwalter … BlackRock ist ein Gigant

Der 1988 gegründete Vermögensverwalter BlackRock könnte manchen von Ihnen deswegen kürzlich begegnet sein, weil der Kandidat für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz für BlackRock Deutschland tätig ist. Weniger bekannt ist indes, wie gewaltig das Vermögen ist, das BlackRock verwaltet:

Ende letzten Jahres lag das von BlackRock weltweit verwaltete Vermögen bei etwa 6,3 Billionen US-Dollar, umgerechnet zum Kurs Ende 2017 waren das 5,55 Billionen Euro. Also 5550 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands lag 2017 bei „nur“ 3,68 Billionen Euro.

Um andere Vergleichsgrößen zu bemühen: In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 setzte die New York Stock Exchange, die Börse mit den höchsten Umsätzen der Welt, 13,7 Billionen US-Dollar in Aktien um. Und die Staatsverschuldung der USA liegt derzeit bei gut 21 Billionen US-Dollar. 6,3 Billionen sind also kein Pappenstiel.

ALADDIN: Das Auge, das alles sieht

Um diese gigantischen Summen zu verwalten, bedient sich BlackRock eines Helfers namens ALADDIN. Das ist die Abkürzung für „Asset, Liability and Debt and Derivative Investment Network. Dieses Programm ist kein Handelsprogramm, es kauft oder verkauft also nicht, es bewertet nur die Gesamtsituation für die einzelnen Märkte und Positionen und gibt Empfehlungen aus, wie man mit diesen Positionen verfahren sollte.

Das heißt, dass die verantwortlichen Manager sich ALADDINs Rat auch widersetzen könnten. Aber das Programm ist mittlerweile wirklich wie ein Auge, das alles sieht. Man darf annehmen, dass dessen Empfehlungen konsequent umgesetzt werden.

ALADDIN besteht aus vielen Tausend Großrechnern, die auf mehrere, weitgehend unbekannte Standorte verteilt sind. Das System führt pro Woche die unglaubliche Zahl von 200 Millionen Berechnungen durch. Dabei wird das System durch einen Stab von (vermutet) etwa 2.000 Spezialisten unterstützt und geführt.

In die Berechnungen fließt nahezu alles ein, was auch nur ansatzweise von Belang sein könnte, beginnend mit Zinsumfeld, politischer Gemengelage, Bilanzen oder Konjunkturdaten aller Art bis hin zu Auffälligkeiten im Konsum oder in sozialen Netzwerken. Und, natürlich, auch die chart- und markttechnische Situation der einzelnen Märkte. Oder, kurz und bündig: ALADDIN beobachtet und bewertet einfach alles.

Diese Daten ermöglichen es ALADDIN, nicht nur permanent den aktuellen Wert der verwalteten Vermögenswerte zu berechnen und zu überwachen. Das System erstellt Analysen, wie sich z.B. die Kurse am Aktienmarkt wahrscheinlich entwickeln würden, wenn dieser oder jener Parameter sich verändert … und das für alle der überwachten Parameter.

Und genau da könnte sich jetzt, Anfang Dezember 2018, einiges tun. Die Entwicklung des Handelskriegs entgeht ALADDIN ebenso wenig wie die auffällige Abkühlung des Wachstums nahezu aller Volkswirtschaften außerhalb der USA. Dort wiederum dürfte dieses Super-Programm negativ werten, dass die Lage am US-Immobilienmarkt sich eintrübt, die Verschuldung steigt, mehr und mehr Unternehmen die Folgen des von der US-Regierung losgetretenen Handelskriegs spüren. Hier nur drei von vielen anderen Aspekten, die das System jetzt negativer stimmen dürften:

Was ALADDIN jetzt in Alarmstimmung bringen dürfte

In den USA kam es Anfang Dezember zu einer Invertierung der Zinskurve, zunächst noch in den kurzen Laufzeiten. Wir sehen im folgenden Chart, dass die Rendite der US-Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit über die der US-Staatsanleihen mit fünf Jahren Laufzeit stieg. Dabei fielen die Renditen der US-Anleihen, weil die Nachfrage nach US-Bonds stark zunahm, während der US-Aktienmarkt zugleich kräftig unter Druck geriet.

Das ist deswegen ein Alarmsignal, weil dieses Phänomen anzeigt, dass die Investoren erwarten, dass die US-Notenbank die Leitzinsen nicht weiter anheben, sondern senken wird, weil das Wachstum sich nicht so entwickelt wie gedacht. Durch sinkende Zinsen werden die jetzt erreichten Anleihe-Renditen aber vorläufig die höchsten sein, die zu bekommen sind … und sinken die Renditen in Zukunft, würde man mit US-Anleihen zugleich neben einem guten Zins auch noch Kursgewinne erzielen. Genau das ist der Moment, wo die Anleihen zur gefährlichen Konkurrenz für Aktien werden. Und der Chart zeigt: Die beiden Male, dass die Zinskurve in den USA seit 2000 invertierte, waren zugleich die Phasen, in denen eine Baisse am Aktienmarkt begann: 2000 und 2007.

Was ALADDIN ebenso alarmieren dürfte ist, dass die Inflation, in der Eurozone und in den USA, wie hier im Chart dargestellt, über den Inflationsprognosen liegt. Das Problem dabei ist: Die US-Notenbank hat ein Inflationsziel um zwei Prozent. Derzeit liegt die Inflation aber darüber, was hieße: Eigentlich müsste die US-Notenbank die Leitzinsen weiter anheben, um die Inflation in Schach zu halten. Aber das wiederum würde das US-Wachstum ausbremsen. Beides aber, ob ausufernde Inflation oder abgewürgtes Wachstum, wäre für den Aktienmarkt negativ.

Als drittes Beispiel haben wir hier das Problem der fehlenden Marktbreite an der Wall Street. Der Aufwärtstrend der letzten knapp drei Jahre steht schon seit Anfang 2017 auf immer dünneren Beinen. Wir sehen im Chart hier in grün den Dow Jones, in rot den Anteil an Aktien an der New York Stock Exchange, die über ihrer 200-Tage-Linie (gleitender Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 200 Tage) notieren und damit mittelfristig als bullisch anzusehen wären. Obwohl sich der Dow Jones Ende November immer noch nahe seines Rekordhochs befand, fiel die Zahl der über der 200-Tage-Linie notierenden Aktien zuletzt auf nur noch 29 Prozent. Das bedeutet, dass immer weniger Aktien diesen Aufwärtstrend tragen, während der breite Markt längst nach unten abgedreht hat. Was heißt: Der schöne Schein des Dow Jones trügt, die eigentliche Situation ist bereits deutlich negativer. Das ist etwas, was manchem Anleger entgehen mag. Aber nicht ALADDIN.

Und vieles, was sich nicht grafisch darstellen lässt, fließt natürlich ebenso ein … beispielsweise das steigende Risiko eines scheiternden BrExit oder die zusehends aggressive Vorgehensweise der US-Regierung.

Es sind nicht nur die BlackRock-Billionen, die ALADDIN behütet!

Sie sehen: Wenn dieses Programm Alarm gibt, dann IST an der Börse Alarm. Denn hier geht es um eine Summe, die viereinhalb Monaten Umsatz an der New York Stock Exchange entspricht. Scheinbar. Aber in Wirklichkeit geht es um noch mehr!

Denn ALADDIN arbeitet auch als „Söldner“. BlackRock gewährt über 170 institutionellen Investoren wie Pensionsfonds, Banken oder Versicherungen Zugriff auf die ALADDIN-Systeme. Und dadurch kommen noch einmal geschätzte 15 Billionen Euro hinzu. Was bedeutet:

Insgesamt überwacht ALADDIN über 20 Billionen Euro und damit tatsächlich mehr Kapital als die USA Schulden haben! Und diese Summe entspricht ungefähr zehn Prozent aller Vermögenswerte weltweit! Es dürfte klar sein, dass die Aktienmärkte sofort massiv unter Druck geraten, dass es zum Crash kommen kann, wenn dieses Super-Programm den Ausstieg empfiehlt, denn dieses Signal erhalten dann ja alle diese Vermögensverwalter gleichzeitig!

Und das würde dann keineswegs nur die Wall Street tangieren, nur, weil ALADDIN und BlackRock in den USA sitzen. BlackRock hält im Schnitt gut fünf Prozent der Aktien der deutschen DAX-Unternehmen. Stand Frühjahr 2018 lag BlackRocks direkte oder indirekte Beteiligung an den DAX-Unternehmen zwischen 2,68 Prozent bei Beiersdorf bis hin zu 8,62 Prozent bei Vonovia.

Fazit: Vorsicht vor der 08/15-Schuldzuweisung!

Das wirkt, als wäre Wohl und Wehe des Vermögens aller Anleger weltweit von einem geheimnisvollen, allmächtigen Netz aus Tausenden Computern abhängig, das uns allen das Vermögen aufzehren könnte, wenn es nur wollte. Das ist aber eigentlich Unsinn, denn:

Es ist zwar angesichts der kritischer werden Gemengelage mal wieder Mode geworden, die Computer dafür verantwortlich zu machen, wenn die Aktienmärkte ins Trudeln geraten. „Verkaufsprogramme“ werden sie dann genannt. Und schon da liegt der eigentlich für jeden offenkundige Fehler:

Computergesteuerte Handelsprogramme können nicht nur verkaufen. Natürlich kaufen sie auch. Und die Hausse der letzten Jahre wurde von eben diesen Käufen getragen und am Leben erhalten – und keiner hat sich beschwert. Aber diese Programme bewerten die Lage emotionslos. Sie tun, was ihnen vorgegeben wurde. Und das ist genau das, was man als erfahrener Investor auch tun würde. Dass sie verkaufen, wo eigentlich jeder verkaufen müsste, stößt nur denen sauer auf, die solche Signale regelmäßig ignorieren, weil sie nur steigende Kurse als „richtig“, fallende hingegen als „falsch“ ansehen. So aber ist man kein tauglicher Investor – derartige Tiraden gegen Handelsprogramme sind dummes Zeug.

Wenn ALADDIN erkennt, dass es unbedingt ratsam wäre, zu verkaufen, dann basiert das auf mehr Daten, als ein Mensch aufnehmen und im Geiste verarbeiten könnte. Dieses System mag ob der Dimension des verwalteten Vermögens ein Gigant sein. Aber die Furcht vor diesem Programm liegt vor allem darin, dass nicht jedermann Zugang zu ihm hat und dieses „Superhirn“ mehr weiß, als wir alle jemals wissen könnten. Grundsätzlich ist es aber nur ein besonders umfassendes, computergesteuertes Handelsprogramm. Das System kann nichts dafür, dass die Summe des „angeschlossenen“ Kapitals mittlerweile so gewaltig ist, dass es die Börsen binnen Stunden in einen Crash treiben könnte. Das könnte man bestenfalls dem Hüter des Systems, BlackRock, vorwerfen. Aber was wäre das für ein Vorwurf: Man würde von BlackRock ja fordern, ein immens effektives Werkzeug nicht zu benutzen, nur, weil andere es nicht haben!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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