Bullish Percent Index (BPI)

Die Marktlage durch einen externen Indikator erkennen

„Externer Indikator“, geben Sie es zu: Dieser Begriff hat Ihr Interesse geweckt. Darüber hinaus ist vielen von Ihnen bekannt, dass ich gegenüber „klassischen Indikatoren“ eine recht kritische Haltung einnehme. Warum das so ist? Sagen wir es einmal so: Wie soll ich zusätzliche Informationen aus einem Indikator ziehen, wenn dieser nur eine mathematische Ableitung und damit eine Informationsverkürzung der Kursbewegung ist?

Was bringt es mir, wenn ich von einer Kursbewegung einen Durchschnitt bilde und diesen analysiere. Da ist es doch viel erfolgversprechender, sich gleich die Kursbewegung „vorzunehmen“ oder?

Anders stellt sich die Lage beim Bullish-Percent-Index dar. Hier werden zusätzliche Informationen in die Betrachtung mit eingebracht, die eben nicht nur aus der bereits sichtbaren Kursbewegung abgleitet werden.

Im Detail

Mit Hilfe des Bullish-Percent-Index wird die Information über den Anteil der Aktien in einem Point&Figure-Kaufsignal zu allen Werten des betrachteten Index in eine Beurteilung der Marktlage „umgemünzt“. Der Zustand eines Index wird also mit Hilfe einer zusätzlichen Information ermittelt. Es wird nicht auf den Kursverlauf des Index zurückgegriffen.

Der Bullish-Percent-Index ist wie folgt definiert:

Es handelt sich um das täglich berechnete Verhältnis der Aktien in einem Point and Figure Kaufsignal zu allen Werten des betrachteten Index. Die so erhaltene Datenreihe wird wiederum zu einem Point and Figure Chart mit der Kästchengröße von zwei Prozentpunkten und einem Reversal von Drei.

Bullish Percent Index / S&P500

Führt man das für den S&P500 durch, ergibt sich folgendes Bild:

Beurteilung des Bullish-Percent-Index

  • Notiert der Bullish-Percent-Index über 70%, so ist der Markt als überkauft zu betrachten und weitere Kurssteigerungen auf breiter Front sind recht unwahrscheinlich.
  • Notiert der Bullish-Percent-Index unter 30%, so ist der Markt als überverkauft zu betrachten und weitere Kursverluste auf breiter Front sind recht unwahrscheinlich.

Allerdings ist diese Art der Betrachtung noch sehr grob und für meinen Geschmack nicht ausreichend definiert. Der Bullish-Percent-Index kann sechs verschiedene Zustände einnehmen, die ich in der weiteren Folge kurz beschreiben werde.

Bear-Alert

Der BPI muss über 70% gestiegen sein und danach mindestens ein Reversal erzeugt haben, dass den Bullish Percent erneut unter 70% führt. Dabei darf die letzte O-Säule nicht unter einer vorhergehenden liegen.

Bei einem Bear-Alert ist sollten keine neuen Longpositionen eröffnet werden und bestehende Longpositionen enger abgesichert werden.

Bear-Confirmed

Bei einem Bear-Confirmed unterschreitet die aktuell O-Säule die vorhergehende um ein O. Ein Bear-Confirmed bei Werten über 70% ist bedrohlicher für Longpositionen, als wenn diese Formation bei Werten unter 40% auftritt.

Hier sollten die Longpositionen geschlossen werden. Bevor allerdings Shortpositionen eröffnet werden, sollte der Chart des betreffenden Index auf Verkaufssignale untersucht werden.

Hinweis: Diese Formation ist umso mehr ernst zu nehmen, je höher der BPI notiert.

Bear-Correction

Diese Formation tritt dann auf, wenn nach einem Bear-Confirmed ein Reversal auftritt. Sie tritt nur dann auf, wenn sich der BPI über 30% befindet.
Unter 30% würde es sich um einen Bull-Alert handeln.

Shortpositionen eng absichern, erste Werte mit hoher relativer Stärke auf die Watchlist setzen.

Bull-Alert

Diese Formation ähnelt der Bear Correction. Allerdings muss der BPI vor Ausbildung des Reversals unter 30% notieren.

Bei einem Bull-Alert sollten Sie Shortpositionen schließen und erste Werte mit hoher relativer Stärke kaufen.

Bull-Confirmed

Bei einem Bull-Confirmed überschreitet die letzte X-Säule die vorhergehende. Das Signal ist umso aussagekräftiger, je tiefer der BPI notiert.

Bei einem Bull-Confirmed könnten weitere Werte mit hoher relativer Stärke gekauft werden. Shortpositionen sind völlig obsolet.

Bull-Correction

Hier erfolgt nach dem Bull-Confirmed ein Reversal. Sie sollten die Longpositionen halten und den Stopp nach Moneymanagement platzieren.

Hinweis: Der BPI muss unter 70% notieren, oder sein Rücksetzer nicht unter 70% führen, sonst würde es sich um einen Bear-Alert handeln.

Kommen wir noch einmal auf den Chart des Bullish-Percent-Index des S&P500 zurück. Nun sollte es Ihnen nicht schwer fallen, den dort gezeigten Zustand zu identifizieren. Es handelt sich um ein Bear-Alert. Denn der Anteil der Aktien in einem Point&Figure-Kaufsignal ist erst über 70% gestiegen, um dann wieder darunter zu fallen.

Disclaimer

Dieses Handbuch über Point and Figure ist nach bestem Wissen und Gewissen formuliert. Eine exakte Korrektheit und Vollständigkeit kann nicht gewährleistet werden. Damit entbindet Sie dieses Handbuch nicht davon, in Zweifelsfragen, insbesondere wenn hierbei wirtschaftliche Einbußen drohen, beispielsweise bei einem Vermögensberater oder Börsenexperten nachzufragen. LYNX führt keine Wertpapierberatung durch. Keine der Formulierungen, Aussagen, Wörter oder Erläuterungen in diesem Handbuch stellt eine Handelsempfehlung seitens LYNX dar.