Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 13.-19.07.2020

Wenn Vernunft dumm und Unvernunft vernünftig erscheinen

Es geht schon wieder los. Wir sehen am Aktienmarkt Entwicklungen, die man aus der Börsengeschichte bereits kennt, würde man hinsehen. Die Zeit vor 1929. Die Zeit vor 2000. Oder vor 2008. Bemerkenswerte Parallelen tun sich da an der Börse aktuell auf. Aber genau hinzusehen ist etwas, das viele gar nicht wollen. Das Ergebnis: Wer vernünftig denkt und disponiert, wird dafür bestraft, wer Dummes tut, verdient. Aber damit kann man durchaus umgehen … indem man so klug ist zu tun, was die Dummen tun, aber rechtzeitig von Bord geht, bevor das Schiff den Eisberg rammt.

In den Jahren vor dem Beginn der großen Depression 1929 bis 1932 feierte Dummheit fröhliche Urstände. Man konnte alles am Aktienmarkt unterbringen. Unternehmen mit wohlklingenden Namen, die nur den kleinen Makel hatten, nichts oder noch nichts herzustellen? Immer her damit. Schachtel-Konstrukte, in denen Fonds in Fonds investierten, deren Hautinvestmentgebiet Fonds waren? Klingt gut, wurde gekauft. Investieren auf Kredit? Aber natürlich, nur Dummköpfe taten das nicht. Es war allgemeiner Konsens, dass jetzt jeder reich werden könne. Auch ohne sich mit der Börse auszukennen, denn am Ende würde ohnehin alles steigen.

Was dann passierte, war aus heutiger Sicht folgerichtig. Damals aber sahen das nur die Wenigsten. Und man sollte sich hüten, das darauf zu schieben, dass „die Menschen damals“ es nicht besser wussten. Wir reden hier von einer Phase, die nicht zwei-, dreitausend Jahre zurückliegt, sondern keine hundert Jahre.

„Nichts gelernt“ ist kein Phänomen früherer Zeiten

In den Jahren 1998, 1999 und 2000 begann sich die „Gewissheit“ durchzusetzen, dass alte Bewertungsmodelle nicht mehr gelten. Niemand bekam eine schlüssige Antwort auf die Frage, warum das denn so sein solle. Die Antwort waren für nahezu alle die Kurse: Die steigen immer weiter, also musste es ja stimmen, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Eine Zeit, in der alle spielend leicht reich werden würden. Man kaufte Aktien von Unternehmen, die kaum mehr vorweisen konnten als einen Namen, aber das Zauberwort „Internet“ sorgte dafür, dass viele dachten, da könne man nichts falsch machen. Man lag falsch, wie wir im folgenden Chart des Nasdaq Composite Index sehen, in dem die meisten der damaligen „Wunder-Aktien“ gelistet waren.

Wie konnte das nur passieren? Hatte man aus dem Fall 1929 nichts gelernt? Immerhin lag der doch nur 70 Jahre zurück und war relativ gut dokumentiert! Die Frage blieb einem im Hals stecken, als 2007 die Subprime-Blase platzte und der Aktienmarkt, ob in den USA oder bei uns in Europa, monatelang so tat, als wäre nichts. Als würde ein zusammengebrochener Immobilienmarkt keine Auswirkungen auf die US-Wirtschaft insgesamt haben, auf die Weltwirtschaft schon mal gar nicht. Zumal dieses Liedchen von Politikern, Finanzindustrie und sogar Notenbanken vorgesungen wurde. Und wieder konnte man im Nachhinein nur verständnislos bis hysterisch lachen: Das war doch vom ersten Moment an völlig auszuschließen: Die Rezession, die kam, was vorhersehbar. Und diesmal waren es nur acht Jahre seit dem letzten Mal, in dem dumme Aktionen zuerst gut gingen und dann am Ende doch bestraft wurden. Acht Jahre, nicht 70.

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach. Solche Phasen, in denen der Markt den Kontakt zur Realität verliert, sind komplett emotional verursacht und werden auch über die ganze Zeit nur von Emotionen gesteuert. Ich wurde 1999 wie 2007 wüst beschimpft, als ich davor warnte. Der Basistenor dabei: Ich würde zu denen gehören die verhindern wollen, dass „wir einfachen Sparer“ auch mal was vom Kuchen abbekommen, indem ich die Kurse nach unten rede und den kleinen Mann vom Aktienkauf abhalte. Der Knackpunkt ist:

Das Goldrausch-Phänomen

Wenn Menschen, die sonst wenig bis gar nichts mit der Materie zu tun haben, den Eindruck erhalten, sie könnten ohne Arbeit mit wenig Geld ein Vermögen machen, indem sie einfach nur tun, was die anderen tun und ggf. ein wenig Kredit aufnehmen, um ihre „Basis“ zu vergrößern, geht es um den Traum vom großen Geld. Dem Geld, das sonst nie erreichbar wäre. Da setzt die Ratio aus. Und zwar nachhaltig, zumal es da um Personen geht, die ja weder Erfahrung noch Fachkenntnisse haben, was den Aktienmarkt angeht. Die Methode: Einfach das machen, was die anderen auch machen. Was dabei herauskommen kann, zeigt beispielhaft der folgende Chart:

Tesla, eine Aktie, die an der Börse aktuell durch die Decke geht, mitten in einer Rezession (die man in vergleichbaren Phasen 1929, 2000 und Anfang 2008 ja noch nicht einmal hatte!) auf neue Rekorde schießt und den Nasdaq 100-Index meilenweit unter sich lässt. Tesla, von der die Analysten derzeit schätzen, dass man da vier bis fünf Dollar pro Aktie im laufenden Jahr Gewinn schaffen könnte. Tesla, die in diesem Jahr bisher 270 Prozent gestiegen ist, obwohl die Auslieferungen des ersten Halbjahrs mit 179.000 Fahrzeugen nur im Schnitt des Vorjahres liegen. Tesla, von der die Käufer glauben, aber eben nicht wissen, dass man da in Kürze Geld wie Heu machen wird und das jetzt für 2020 (im Fall eines Eintreffens dieser o.a. Gewinnprognose) bei 365 liegende Kurs/Gewinn-Verhältnis deshalb „günstig“ ist. Tesla, bei der die Analysten mit ihren Kurszielen nicht nachkommen, der Durchschnitt liegt immer noch bei 780 US-Dollar. Tesla, die durch diese Kaufpanik von der Marktkapitalisierung der am höchsten bewertete Autobauer der Welt ist.

Das ist dasselbe Phänomen an der Börse aktuell, dass man bei den Goldrausch-Phasen erlebt hat, nicht nur in den USA, überall dort, wo scheinbar Gold, Silber, Diamanten quasi nur aufgelesen werden mussten. Es entsteht ein Sog, der Menschen, die eine Chance sehen, aus ansonsten unverrückbaren, kleinen Verhältnissen herauszukommen, dazu bringt, völlig unvernünftig, ja dumm zu handeln. War den Goldsuchern in Kalifornien oder Alaska klar, dass viele sterben würden? War ihnen klar, dass es nur die waren, die Schaufeln und Pickel verkauften, die wirklich reich werden würden? Nein, den meisten war absolut gar nichts klar. Es lockte nur eines: Geld. So wie vor 1929. So wie vor 2000. So wie vor 2008. So wie heute.

Natürlich sind diejenigen, die an der Börse aktuell wie wild kaufen, die Rezession und vor allem die offene Frage, wann die überstanden sein wird, ignorieren, nicht „dumm“, sie handeln nur so. Einfach, weil Geld auch die Wahrnehmung korrumpiert. Es ist ganz und gar nicht überraschend, dass vor allem diejenigen, die gerade erst eingestiegen sind, in diese relativ wenigen stark steigenden Aktien an der Börse aktuell, ihr eigenes Handeln wütend gegen Warnungen verteidigen. Je größer das Risiko ist, das man eingeht, desto eher neigt man dazu, es herunterzuspielen.

Diesmal ist alles anders? Das heißt es jedes Mal!

Natürlich dürfte das schiefgehen. Das Argument, dass diesmal ja alles anders sei, kommt immer. Und ist, natürlich, immer fadenscheinig, nur jedes Mal ein bisschen anders formuliert. So wird momentan argumentiert, dass so viel Geld seitens Regierungen und Notenbanken in den Ring geworfen wurde, dass das alles heilen wird, ja muss. Es wird zudem argumentiert, dass an der Börse aktuell die neuen Rekorde der Nasdaq der Beweis seien, dass die Krise eigentlich schon überstanden sei, sonst wäre der Nasdaq 100 nicht da, wo er jetzt steht.

Und natürlich sind diese Argumente Unsinn. Das Geld der Regierungen und Notenbanken sollte primär dazu dienen, die Kreditblase am Platzen zu hindern. Denn wenn das passiert, das Kartenhaus des Wachstums auf Pump zusammenbricht, wäre nicht viel zu retten. Aber es muss das Wachstum nicht wiederbeleben. Das hängt an den Konsumenten. Die müssen wieder Geld ausgeben wie zuvor, am besten noch mehr. Was sie, zumindest bis jetzt, nicht tun. Denn die Verbraucher sind mehrheitlich keine Aktionäre, ihnen fehlt es daher am Goldrausch-Zweckoptimismus.

Außerdem haben wir jetzt bereits eine Rezession, in den vorgenannten Beispielen früherer Jahrzehnte kam die erst zusammen mit der Baisse am Aktienmarkt, weil das erodierende Vermögen dazu führte, dass immer mehr Menschen auf die Konsumbremse traten. Die Hausse soll auch vorgaukeln, dass das diesmal unnötig sei, sicher. Aber die nicht unter Kontrolle gebrachte Pandemie ist nicht angetan, das auch alle glauben zu lassen und wieder große, nicht zwingend nötige Anschaffungen zu tätigen.

Darüber hinaus beschränkt sich die selektive Wahrnehmung der Bullen nicht nur auf die Rahmenbedingungen. Wer auf Gipfelstürmer wie Tesla, amazon.com, Netflix & Co. verweist, schaut am breiten Markt einfach vorbei. Denn der bietet keineswegs Argumente, dass der Himmel voller Geigen hängt. Wir sehen im folgenden Chart, dass es eben die Nasdaq alleine ist (was sehr an die Zeit vor dem Platzen der „Dot.Com-Blase“ 2000 erinnert), die davon zieht. Der breite Markt in Form des NYSE Composite bleibt gegenüber Ende 2019 klar im Minus. Der Dow Jones, der sich etwas besser schlägt, ringt seit Wochen darum, wenigstens wieder über seine 200-Tage-Linie zu gelangen.

Und der blanke Wunsch nach viel Geld ohne Aufwand … das allein reicht nicht, das Ruder der Rahmenbedingungen an der Börse aktuell herumzureißen. Die Rahmenbedingungen und die Aktienmärkte haben eine Schere gebildet, die sogar größer sein könnte als Anfang 2008. Aber!

Bis jetzt geht das eben gut. Bis jetzt sind es die, die offenbar Dummes tun, die Geld verdienen. Wer rational und vorsichtig agiert, wäre weggeblieben oder nach der ersten Gegenreaktion wieder ausgestiegen. Wer auf Basis des Verstands etwas riskieren wollte, wäre womöglich Short gegangen … und hätte Verluste kassiert. Verluste, wo diejenigen, die den Verstand einfach vor die Tür setzen, Gewinne machen. Das ist frustrierend, wirkt ungerecht und wie eine unlösbare Situation. Oder?

Wie agiert man auf einer Leiter ohne Sprossen?

Nein, mit einer solchen Gemengelage kann man auch als rational agierender, besonnener Marktteilnehmer zurechtkommen. Überlegen wir mal: Richtig ist zwar, dass eine solche Rallye an der Börse aktuell, die ohne Fundament daherkommt, jederzeit in sich zusammenbrechen kann. Es ist, als würde diese Aufwärtsbewegung auf einer Leiter stehen, die eigentlich gar keine Sprossen hat. Sobald diejenigen, die von der ewigen Hausse träumen, mal nach unten sehen, kann es sofort vorbei sein. Denn eines ist der Mehrzahl derer, die immer weiter kaufen, traditionell gemein:

Sie wissen unterbewusst selbstverständlich um die Risiken, ahnen, dass ihre Argumente nicht tragen. Aber sie sagen sich: Solange es klappt, mache ich mit. Ich muss doch nur verkaufen, wenn die anderen auch aussteigen. Und das ist genau der Ansatz, den man nutzen kann, denn:

Im Prinzip ist das ja richtig so, nur können Menschen, die emotional und nicht rational agieren, nicht einfach von eben auf sofort auf besonnenes Handeln umschalten, will meinen: Sie reden sich ein, dass sie zügig aussteigen würden. Aber sie tun es meist nicht.

Auch in der Phase Februar/März war das meist nicht der Fall, obwohl man … eigentlich … ahnen durfte, dass die Kurse auch ohne das Corona-Problem zu hoch gelaufen waren. Trotzdem kenne ich extrem viele, die nicht ausgestiegen sind. Das ist die typische Reaktion: Statt „fight“ oder „flight“ stellt man sich tot, schaut weg und hofft, wenn man wieder hinschaut, ist der Spuk vorbei.

Aber was, wenn man wirklich täte, was sich andere nur vornehmen? Warum sollte man denn nicht einfach dem Trend an der Börse aktuell folgen, sich aber im Gegensatz zu den meisten, die auf der Leiter ohne Sprossen immer höher klettern, konsequent mit Stop Loss-Verkaufsorders absichern, die man dann auch konsequent entlang der relevanten Chartmarken nachzieht? Selbst der scheinbar senkrecht nach oben laufende Nasdaq 100 bietet da gute Ankerpunkte in Form eines doppelten Leitstrahls aus April-Aufwärtstrend und 20-Tage-Linie, wie der vorstehende Chart zeigt.

Wirklich auszusteigen, wo andere es sich nur vornehmen und es dann doch nicht tun, ist in meinen Augen der Schlüssel. Denn eines weiß man aus der Geschichte der Börse eben auch: Wenn so viele die Bodenhaftung verlieren, kann es dauern, bis sie auf dem Bauch landen. Das kann schon heute mit einem Schlag vorbei sein. Aber es kann eben auch noch Monate so verrückt weitergehen. Also, warum nicht konsequent dem Trend an der Börse aktuell folgen, sich dabei ebenso konsequent absichern und so auf vernünftigem Weg von der Unvernunft anderer profitieren?

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

 

Marktkommentar vom 13.07.2020, Charts vom 10.07.2020, Quelle marketmaker pp4

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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