Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 09.-15.12.2019

buy the dips: Kollaps-Gefahr durch die Mutation einer guten Strategie

Die aktuelle Börse hat schon etwas Historisches. Nicht wegen der Rekorde, nicht alleine wegen dieser gigantischen Schere zwischen Schein und Sein. Was ich so noch nicht erlebt habe, ist vor allem der immense Grad der Verzerrung bei der Wahrnehmung des Geschehens. Selten haben so viele so bereitwillig an der Realität vorbeigeschaut, um denen zu folgen, die genau das rosa Szenario predigen, das die Masse hören will: Alles ist gut. Es wird nichts passieren. Und es wird sogar alles noch viel besser. Also kauft, ihr Lieben, kauft …

Das hat meiner Meinung nach drei Gründe. Der eine liegt in der Psyche des Menschen an sich, der andere in der zunehmenden Behäbigkeit in unserer Zeit und der dritte in einer Berichterstattung, die genau diese beiden Elemente ausnutzt.

keep it simple: Die Tendenz zu den einfachen „Wahrheiten“

Die Masse der Börsenanalysen folgt einem simplen Prinzip: Man schaut sich an, was passiert ist und sucht dann passende Argumente dazu. Was nicht passt, landet im Papierkorb. Simples Argument bei Nachfragen: Wenn das, was im Papierkorb gelandet ist, wichtig gewesen wäre, hätten die Kurse ja darauf reagiert. Und wenn die Richtung der Kurse aufwärts weist, was der Mehrheit der potenziellen Zuschauer/Leser/Hörer ja entgegenkommt, hebt man den Daumen und verlängert die positive Tendenz in die Zukunft.

Solche „Analysen“ werden gerne genommen, denn a) ist es genau das, was die Masse hören will, nämlich, dass sie in Zukunft noch mehr Geld verdient und alles zum Besten steht, b) sind solche Berichte schön kurz und unkompliziert, weil sie ohne „wenn, dann“ und „einerseits, andererseits“ daherkommen. Das reduziert die nötige Zeit der Aufmerksamkeit. Ganz wichtig.

Denn die Zahl derer, die noch bereit oder überhaupt imstande sind, sich länger als fünf Minuten auf ein komplexeres Thema zu konzentrieren, schwindet meiner beruflichen ebenso wie privaten Erfahrung nach im Eilzugtempo. Alles, was an Artikeln über drei Minuten Lesezeit in Anspruch nimmt, wird von vielen gleich von vornherein weggeklickt. Es sei denn, es sind genug spannende Bilder dazwischen. Mit denen ich hier an diesem frühen Punkt des Marktkommentars aber noch nicht dienen kann, so dass ich, das gebe ich zu, fahrlässig einkalkuliere, dass einige jetzt bereits aussteigen.

Aber zurück zum Thema. Irgendjemand hat vor langer Zeit schon mal festgestellt, dass die einfachen Erklärungen nicht immer die Wahrheit widerspiegeln. Aber sie kommen eben am besten an. Im Zweifel glaubt derjenige, der mit der Komplexität einer Problematik überfordert ist, die simpelste „Wahrheit“, vor allem, wenn sie plausibel verpackt wird und genau das beinhaltet, was der Adressat sich wünscht. In unserem Fall: immer weiter steigende Kurse.

Sicher, das gilt nicht für die „Shorties“, die Bären. Aber nach einem Jahr Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt entgegen der Rahmenbedingungen dürften die an der Börse aktuell langsam unter Artenschutz stehen und fallen deshalb einfach nicht ins Gewicht. Zusammengefasst: Der Standard der „Analysen“ in Sachen Aktienmarkt ist kurz, entspricht genau den Wünschen der Mehrheit der potenziellen Konsumenten der Analyse und verzichtet auf eine breite Darstellung des Für und Wider zu Gunsten des „Zurechtbiegens“ der Fakten entsprechend der Kursbewegung. Das geht schnell und wird gerne genommen.

Der „Tilt“-Faktor: Warum die Realität an der Börse aktuell „out“ ist

Das wirklich schräge an der derzeitigen Entwicklung ist, dass dieser Hang zu bequemen „Wahrheiten“ gerade dadurch noch gefördert wird, dass die tatsächliche Lage an der Börse aktuell so extrem kompliziert und nicht minder extrem gefährlich ist. Normalerweise sollte man denken, dass das die Investoren dazu bringt, besonders genau hinzusehen. Aber es ist genau andersherum. Und zwar, weil der Level an Komplexität ebenso das Erfassbare überschritten hat wie der Level des Risikos.

Alleine der Faktor BrExit überfordert an der Börse aktuell alle. Inklusive der Politik, was die Sache nicht besser macht. Niemand kann wirklich absehen, wie die Konsequenzen des BrExit in einem Jahr aussehen werden, ob mit oder ohne Vertrag. Die Folgen des Versuchs, sich aus dem über Jahrzehnte gesponnenen Spinnennetz der EU heraus zu kämpfen, sind nicht überschaubar. Weswegen es auch keine Einigung gibt.

Mit dem Handelskrieg ist es nicht anders. Es geht endlos hin und her und niemand könnte auch nur eine der entscheidenden Fragen beantworten: Wann ist der Zirkus vorbei? Wie sähe eine Einigung dann aus? Wird es dann auch tatsächlich einen positiven Effekt auf die Weltwirtschaft geben, wann und in welcher Größenordnung?

Und die Schuldenblase? Durch die Nullzinspolitik haben sich über Jahre gewaltige Schuldenberge aufgetürmt. Bei Regierungen, aber vor allem bei Privathaushalten und Unternehmen. Alleine deswegen können die Zinsen nicht wieder steigen: Ein Anstieg würde dazu führen, dass die Kredite wie Dominosteine kippen, wie es 2008 passiert war. Aber was passiert, wenn das Kartenhaus doch zusammenfällt? Und was passiert, wenn die Nullzinsen bleiben und Rentenlücke und ein Einbruch am Aktienmarkt zusammenkommen?

In allen Fällen bleibt also die Frage offen, was passiert, wenn einer dieser Gefahrenherde hochgeht … oder alle auf einmal. Und ab einer gewissen Größenordnung greift ein Selbstschutzmechanismus: Man blendet das nicht mehr erfassbare Risiko aus. Kleine Gefahren werden angegangen, die ganz großen aber nicht. In den Köpfen macht es einfach „Tilt“, als hätte man gegen einen Flipper getreten.

Dadurch reduzieren sich viele auf die scheinbar einfachen Wahrheiten: Der BrExit ist keine Gefahr mehr, der Deal mit China ist nur eine Frage der Zeit und wird unstrittig „great“, die Schuldenblase ist Einbildung und, ach ja, die Aktien sind natürlich wie immer an der Börse aktuell gerade spottbillig. Die Konsequenz sehen wir in den Charts. Hierzu beispielhaft der Dow Jones:

Börse aktuell: buy the dips: Kollaps-Gefahr durch die Mutation einer guten Strategie - Entwicklung Dow Jones von November 2016 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Ich habe Ihnen das US-Index-Flaggschiff hier seit dem Wahlsieg von Donald Trump Anfang November 2016 auf Wochenbasis abgebildet. Wir sehen zum einen, dass der Index immer weiter zulegt. Wir sehen aber auch, dass die Phasen starker Abverkäufe, hoher Schwankungen und damit die Phasen der Nervosität weniger bzw. sukzessiv kleiner werden. Anfangs zweifelte noch niemand, so sehr hatte die abrupte Aufwärtswende am Tag nach der Wahl nach anfänglicher Panik gewirkt. Erst Anfang 2018 wurde klar, dass Trumps Kurs äußerst riskant war. Das führte zu heftigen Verwerfungen. Aber seit Weihnachten 2018 steigen die Kurse unter deutlich abnehmenden Schwankungen gegen die Rahmenbedingungen, denn:

Die größte Gefahr von allen ist, dass es bislang nicht schiefgeht!

Die werden eben mittlerweile ausgeblendet. Und dass die Akteure an der Börse aktuell einfach weiter kaufen, obwohl die Rahmenbedingungen kritisch sind und kritischer werden, dient den Käufern nunmehr als Beweis dafür, dass diese Risiken übertrieben werden oder irrelevant sind. Sie nehmen also den Effekt des eigenen Ausblendens der Gefahr, nämlich Käufe und steigende Kurse, als Beweis dafür, dass die Gefahr nicht existiert. Das ist verrückt, aber solange es funktioniert, nimmt kaum jemand wahr, wie absurd dieses Denken und Handeln ist. Aber gerade das führt zum größten aller Gefahrenpunkte.

Wenn die Trader glauben, dass ihnen nichts passieren kann, erhöhen sie die Risiken. Warum denn auch nicht, es geht ja sowieso immer nur nach oben. Sie erhöhen das Volumen, die Hebel und, ebenso eine Konsequenz vermeintlicher Sicherheit, lassen die Risikoabsicherung schleifen. Und sie beginnen, unüberlegter zu handeln. Erneut mit dem Argument, dass es doch sowieso über kurz oder lang neue Hochs gibt.

Daher könnte man also jederzeit auf den Zug aufspringen oder, noch viel cleverer und in manchen Medien ja schon fast als Mantra propagiert, in fallende Kurse hinein kaufen, denn da kommt man viel billiger an etwas, was in Kürze ohnehin neue Hochs erzielt: buying the dips nennt sich das. Glauben einige zumindest. Dazu gleich mehr.

Genau dieses Verhalten kann entscheidend dazu beitragen, dass der Aktienmarkt nicht plötzlich mal deutlich korrigiert, sondern im schlimmsten Fall implodiert. „buy the dips“ ist eine Strategie, die durchaus Sinn ergibt, wenn man es richtig macht. Aber was da von nicht wenigen an der Börse aktuell empfohlen wird, ist nicht die richtige Vorgehensweise, sondern blanker Irrsinn.

buy the dips: Eigentlich ist das eine sinnvolle Sache

„Buying the dips“, in Rücksetzer hinein kaufen, ja, das ist eine sinnvolle Strategie, wenn man damit nicht verbindet, blind ins fallende Messer zu greifen. Was bedeutet diese Strategie? Nehmen wir uns noch einmal den Dow Jones vor:

Börse aktuell: buy the dips: Kollaps-Gefahr durch die Mutation einer guten Strategie - Entwicklung Dow Jones von Juni 2019 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Am Dienstag vergangener Woche kam es in der Unterstützungszone, die sich aus den Hochs vom Juli und September zusammensetzt, zu einer Wende. Der Index schloss zwar trotzdem im Minus, landete aber am Ende auf dem Level des Eröffnungskurses und damit oberhalb dieser Unterstützungszone. Danach zog der Index wieder an. Wer also im Bereich dieser Supportzone kaufte bzw. am Folgetag, nachdem man sehen konnte, dass diese Zone verteidigt wurde, hat alles richtig gemacht. Das ist „buying the dips“ gewesen. Und ja, das kann man machen, denn:

Wenn man sieht, dass es gelingt, Unterstützungen zu verteidigen, ist das Chance/Risiko-Verhältnis für wieder anziehende Notierungen relativ gut. Und man kann, das ist entscheidend, einen engen Stop Loss knapp unter diese Unterstützungszone platzieren und so das Risiko klar begrenzen. Genauso kann man das z.B. bei einem Test der 200-Tage-Linie oder einer Aufwärtstrendlinie tun. Drei Dinge sind entscheidend, um es richtig zu machen:

  • Kauf nahe an einer Unterstützung und zwar dann, wenn erkennbar wird, dass diese verteidigt wird und das funktioniert.
  • Platzieren eines engen Stop Loss knapp unter eben dieser entscheidenden Unterstützung oder, wenn der Kurs kurz darunter gerutscht war, unter dieses Verlaufstief.
  • Anwendung dieser Vorgehensweise immer nur innerhalb eines übergeordneten, intakten Aufwärtstrends, nie in Seitwärtsbewegungen oder Abwärtstrends!

Aber genau daran halten sich gerade unerfahrene Anleger, deren Zahl zunimmt, nicht. Die haben noch nie miterlebt, wie es läuft, wenn etwas mal so richtig schiefgeht und halten sich daher nicht an diese Sicherheitsvorschriften. Das ist vergleichbar mit jemandem, der gerade seinen Führerschein gemacht hat, auf ein 150 PS-Motorrad springt und, weil er ja alles voll im Griff hat, im T-Shirt und ohne Helm davonbraust. Und ebenso wie bei diesem Beispiel gilt auch, wenn man die an der Börse aktuell immer mehr um sich greifende Mutation von „buying the dips“ verfolgt: Das geht nur einmal schief, dann aber richtig!

buy the dips: Wie man es auf keinen Fall machen darf!

Was man derzeit sieht, ist kein behutsames Abwarten auf eine Aufwärtswende an wichtigen Supportmarken, um dann mit engem Stopp ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis zu nutzen. Nein, immer mehr kaufen einfach mal, wenn es rein subjektiv, je nach individuellem Grad der Gier und Blauäugigkeit, weit genug abwärts gegangen ist. Diese Leute greifen also in ein fallendes Messer statt zu warten, bis die Klinge wieder nach oben zeigt. Und das tun gerade die Unerfahrenen, weil es wirklich seine Zeit braucht, um sich zur Disziplin zu zwingen, da ein Tief (ein Hoch ebenso, natürlich) nun mal erst dann als sichere Wendemarke erkennbar ist, wenn es längst zur Wende kam.

Ich sehen das in den Medien immer wieder: Da steht irgendein angeblicher Experte vor einem Schaubild, zeigt einfach auf die Tiefs eines Kursverlaufes und erklärt, dass man, wenn man da gekauft hätte, X oder Y Prozent Gewinn in kurzer Zeit gemacht hätte. Da wird nie erwähnt, dass man hätte hellsehen müssen, um an dem Tag, an dem das Tief erreicht wurde, wissen zu können, dass das auch wirklich das Tief sein wird. Es wird auch so gut wie nie erwähnt, dass man das bitte nicht in einem Abwärtstrend tun soll. Die Menschen werden schlicht nur gierig gemacht. Gehen wir einmal gut zehn Jahre zurück, ins Jahr 2008:

Börse aktuell: buy the dips: Kollaps-Gefahr durch die Mutation einer guten Strategie - Entwicklung Dow Jones von Juni 2008 bis März 2009 | Online Broker LYNX

Hier sehen wir, was diesen Griff ins fallende Messer so vernichtend machen kann, wenn es einmal oder, wie im Fall 2008, gleich mehrmals schiefgeht. Der Punkt ist doch: Wenn ich einfach mal Long gehe, während die Kurse noch fallen, kaufe ich blind. Ich weiß nicht, ob ich nahe am Tief kaufe, ich hoffe es nur. In den Chaos-Phasen im ersten und vierten Quartal 2018 dürften viele weit, weit oberhalb der Tiefs des Dow Jones Long gegangen sein. Nur ging die Sache da eben nochmal gut. Am Ende lag man trotzdem im Gewinn, man musste nur relativ kurze Zeit warten. Und hat dadurch aus diesem Fehler nichts lernen müssen.

Der Chart zeigt indes, dass man mit dieser Mutation des „buying the dip“ 2008 ein ums andere Mal vernichtende Verluste erlitt. Ich habe im unteren Bereich des Charts in Rot auch die Umsätze eingeblendet. Es gab drei Phasen, durch schwarze Balken markiert, in denen es nach einem kräftigen Abstieg auf einmal zu deutlich höheren Umsätzen kam. Das deutet an, dass da viele die Hand aufhielten. Und ja, das hielt die Abwärtsbewegung dann auch jedes Mal für kurze Zeit auf. Aber eben nicht auf Dauer: Es ging jedes Mal über kurz oder lang noch deutlich tiefer (man achte auf die Werteskala, um die Dimension dieser Baisse zu erfassen).

Und dann, Anfang 2009, stiegen die Umsätze in unmittelbar fallende Kurse hinein und nicht wie vorher nach einem Abverkauf. Das erst war der finale Ausverkauf. Und zwar der Ausverkauf derer, die dachten, leichtes Geld zu machen, indem sie einfach mal in fallende Kurse hinein kaufen. Und damals half es eben nichts, einfach mal eine Zeitlang Geduld zu haben. Bis der Dow Jones auch nur den oberen des im Chart abgebildeten Bereichs wieder erreichte, verging eine lange Zeit. Und das Hoch habe ich da gar nicht mit drin, das lag im Oktober 2007 bei knapp 14.200 Punkten!

Warum die Mutation von „buy the dips“ die Katastrophe auslösen kann

Und jetzt übertragen wir das, was damals passierte, auf die heutige Situation. Damals ignorierte man die Gefahren und die Reichweite des Platzens der US-Immobilienblase und der daraus entstehenden Subprime-Krise. An der Börse aktuell ignoriert man eine Aktienmarktblase, eine Schuldenblase und das Risiko einer weltweiten Rezession nebst kaum lösbarer Probleme im internationalen Handel durch freundliche Mithilfe der US-Regierung. Das ist aber nur ein Punkt.

Seit 2008 ist genug Zeit vergangen, um viele vergessen zu lassen, was ihnen damals den Garaus machte. Eine Lehre aus etwas zu ziehen ist ja sowieso vieler Menschen Sache nicht. Da wird erst einmal allen anderen die Schuld gegeben, wodurch der Lerneffekt bei null liegt. Was, mit Verlaub, nicht wundern kann, wenn die Politik einem das weltweit vormacht. Hinzu kommen immer mehr Anleger, die damals noch nicht dabei waren und deshalb gar nicht wissen, wie groß die Risiken an der Börse aktuell sind.

Und als drittes toxisches Element haben wir einen heute noch einmal weit schnelleren Handel unter noch höheren Volumina und immens viel mehr Derivate mit hohen Hebeln als 2008.

Und in einem solchen Umfeld glauben immer mehr Leute, dass sie einfach mit geschlossenen Augen zugreifen können und in Kürze automatisch ob vorprogrammierter, neuer Hochs einen Gewinn erzielen. Na fein. Aber wenn es nur das alleine wäre. Da das, wie schon erläutert, die Risikobereitschaft erhöht, nimmt der Anteil an Derivaten bei solchen Aktionen zu. Aber mit den meisten Derivaten kann man es eben nicht aussitzen, wenn man nicht zufällig das Tief erwischt hat. Da muss man raus oder man verliert eventuell mehr als den Einsatz. Da diese Derivate aber den Gesamtmarkt immer mit beeinflussen, hieße das:

Wenn es nur einmal nicht klappt, wenn an wichtigen Punkten keine Wende gelingt und dann viele aus ihren Derivate-Positionen aussteigen müssen, reißt das die Kurse blitzschnell in die Tiefe. Zumal wir heute eine zunehmende Dominanz computergesteuerter Handelsprogramme sehen, die ohne Wenn und Aber auf Short drehen, wenn vitale Supports brechen. Denn das sind keine, wie man es gerne hört, „Kaufprogramme“, die können auch anders!

Die Gefahr wächst daher mit jedem Mal, mit dem die Leichtsinnigen mit ihrem blinden Griff in fallende Kurse davonkommen. Und das führt dazu, dass die großen Adressen am Markt, die genug Kapitalmacht haben, um bei einigermaßen normalen Umsätzen aktiv mitsteuern zu können, das auch tun und keine Korrektur zulassen. Weil sie wissen, was passieren kann, wenn die Märkte zu weit abrutschen. Dazu abschließend mal der Blick hinüber zum marktbreiteren S&P 500-Index. Der ist deswegen wichtig, weil auf ihn das größte Volumen an Derivaten im Vergleich zu anderen US-Indizes läuft. Wenn es um entscheidende Supportmarken geht, muss man daher vor allem dort hinsehen.

Börse aktuell: buy the dips: Kollaps-Gefahr durch die Mutation einer guten Strategie - Entwicklung S&P 500 von Mai 2017 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Wir sehen, dass dieser S&P 500 im Verlauf der letzten Woche präzise an der über die vorherigen drei Hochs zu konstruierenden Hausse-Begrenzungslinie gedreht hat. Was nebenbei einen „Hanging Man“, ein Warnsignal, auf Wochenbasis nach sich zog. Das zeigt, dass dieser Turnaround in der Vorwoche kein Zufall war. Und hätte er wirklich auf „good news“ aufgebaut, wären die nicht genau in dem Moment aufgetaucht, als diese Supportlinie erreicht wurde. Das war ein „buying the dips“, das gutging, das aber auch aktiv angeschoben wurde, damit es ja nicht schiefgeht. Wenn das aber auch nur einmal richtig daneben geht, ist nichts mehr unmöglich, daher:

Hier spielen immer mehr mit immer heißerem Feuer. Natürlich sollte man an der Börse aktuell trotzdem dem Trend folgen, solange er hält. Aber nicht blind, nicht waghalsig, sondern im Bewusstsein der Risiken, was hieße: Achten Sie darauf, in allen Positionen konsequent abgesichert zu sein und meiden Sie waghalsige Zockerei. So vermeiden Sie, was anderen dann blühen würde: Einen blitzschnellen Meltdown, von dem sich das Depotkonto nicht mehr erholt.

Mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Börsenwoche

Ihr

Ronald Gehrt

* Chartquelle marketmaker pp4

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren..

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

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