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Gestern Nachmittag legte der Kochboxen-Lieferant HelloFresh überraschend vorläufige Ergebnisse zum zweiten Quartal vor und fügte diesen Zahlen noch eine aktualisierte Geschäftsjahres-Prognose hinzu. Die sich, wie der Chart zeigt, als kalte Dusche erwiesen.

Eigentlich hätte man ja nicht erwarten dürfen, dass HelloFresh, das mit seinen Kochboxen einen nicht unbedingt billigen und vor allem nicht zum Grundbedarf der Konsumenten zählenden Service anbietet, in einem Umfeld, in dem geopolitische Spannungen, steigende Kreditkosten und eine aus dem Ruder gelaufene Inflation auf Gemüt und Geldbeutel der Verbraucher drücken, kräftig wachsen könnte. Im Gegenteil, man könnte sogar behaupten, dass man mit eher schwachen Zahlen hätte rechnen müssen.

So gesehen war das, was HelloFresh da am Mittwochnachmittag vorlegte, eigentlich ziemlich unspektakulär. Der Umsatz im zweiten Quartal ist nach diesen Vorab-Berechnungen von 1,56 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf jetzt 1,96 Milliarden Euro gestiegen, das um Sonderfaktoren bereinigte EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) wird um 140 Millionen betragen. Beides liegt gemäß HelloFresh sogar marginal über den Marktprognosen.

Aber aufgrund einer „signifikanten Veränderung der makroökonomischen Lage“ senke HelloFresh trotzdem die Gesamtjahresprognose, die seit Dezember 2021 bestand. Das währungsbereinigte Umsatzwachstum soll jetzt zwischen 18 und 23 Prozent liegen, da hatte man ursprünglich 20 bis 26 Prozent avisiert. Der Ausblick für das bereinigte EBITDA wurde von 500 bis 580 Millionen Euro auf 460 bis 530 Millionen zurückgenommen. Also eine Reduzierung der Gewinnerwartung von weniger als zehn Prozent … und eine Aktie, die daraufhin mit einem Minus von 9,41 Prozent aus dem Handel ging, nachdem sie am Tageshoch noch satte acht Prozent im Plus gelegen hatte: Wie geht das zusammen?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur HelloFresh Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Gar nicht, wenn man es logisch betrachten wollte. Zumal man ja wie gesagt eigentlich damit hätte rechnen müssen, dass HelloFresh eine Wachstumsprognose, die aus dem Dezember 2021 stammt, in einem Umfeld wie diesem nicht auf Dauer würde halten können. Dafür war diese Anpassung des Ausblicks nach unten sogar moderat – der Kurseinbruch war es nicht. Aber das dürfte eben der Punkt sein: Logisch sollte man eine Reaktion bei einer ehemaligen „In-Aktie“, die sehr stark von unerfahrenen Anlegern gekauft wurde, auch nicht angehen. Diese Reaktion war vor allem emotional befeuert … und damit ist auch, trotz der Vehemenz der Verkäufe, fraglich, ob dieser Selloff mittelfristig richtungweisend sein wird.

Unter dem Strich wäre die Aktie mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von ca. 26 bis 27 für 2022 nach der angepassten Prognose nicht einmal teuer, sollte das Wachstum, wenn auch mit gebremstem Tempo, weitergehen. Wenn man sich überlegt, dass Marktteilnehmer Ende November noch fast 100 Euro für die Aktie zu bezahlen bereit waren und HelloFresh damals eindeutig überbewertet war, ließe sich jetzt konstatieren: Hier ist sehr viel, womöglich zu viel, Pessimismus im Kurs eingepreist. Aber:

Aus charttechnischer Sicht liegt das Kind jetzt eben erst einmal im Brunnen. Der Versuch, aus dem April-Abwärtstrend auszubrechen, wurde dadurch ins Gegenteil verkehrt, indem mit diesem Abverkauf sogar die kurzfristigen Aufwärtstrendlinien unterboten wurden. Damit wäre ein Test des bisherigen Jahrestiefs bei 27,02 Euro durchaus denkbar. Und dessen Unterschreiten zumindest nicht ausgeschlossen. Und da sich eine überzogen negative Sicht der Dinge ebenso hartnäckig halten kann wie blinder Optimismus, wäre es sinnvoll, erst dann an einen Long-Trade zu denken, wenn diese gestern nicht bezwungene Abwärtstrendlinie bei aktuell 33,20 Euro in einem nächsten Anlauf überboten wurde und damit klar wird, dass die Käufer sich von diesem Selloff nicht ins Bockshorn jagen ließen.

HelloFresh-Aktie: Chart vom 20.07.2022, Kurs 29,94 Euro, Kürzel HFG | Online Broker LYNX
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