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Hella: Was ist hier denn los? Bullen auf der Flucht

Hella GmbH & Co. KGaA zählt zu den 40 größten Automobilzulieferern weltweit und ist auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik spezialisiert.

Der Bereich Automotive entwickelt, produziert und vertreibt das Unternehmen zahlreiche Lichttechnik- und Elektronikprodukte für Automobilhersteller und -zulieferer. Das Produktsortiment umfasst beispielsweise Fahrerassistenz-Systeme, Batteriesensoren, oder adaptive Licht-Systeme. Im Bereich Aftermarket bietet Hella Artikel für den unabhängigen Fahrzeugteilehandel und Werkstätten an. Der Geschäftszweig Special Applications hingegen fokussiert sich auf Produkte für Baumaschinen-, Spezialfahrzeuge- und Bootshersteller, sowie Kommunen und Energieunternehmen.

Langfristige Entwicklung und das laufende Geschäftsjahr

Im Jahr 2014 erfolgte der Börsengang und seitdem hat das Unternehmen eine erfreuliche Entwicklung vollzogen. Der Umsatz konnte von 5,34 auf 7,06 Mrd. Euro gesteigert werden und das Ergebnis kletterte von 2,23 auf 3,50 Euro je Aktie.

Bis Anfang des Jahres gehörte Hella zu den Börsenlieblingen, denn der Kurs konnte sich binnen weniger Monate mehr als verdoppeln. Doch das Fahrwasser scheint unruhiger zu werden.

Da das Geschäftsjahr bei Hella im Mai endet, liegen bisher nur die Zahlen für das erste Quartal 2018/19 vor.
Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 10% auf 1,79 Mrd. Euro und das Ergebnis stieg sogar um 16% auf 0,86 Euro je Aktie. Von dieser Seite gibt es also wenig Negatives zu berichten.

Probleme hat man dennoch, denn der Ausfall eines chinesischen Lieferanten für Spritzguss-Komponenten dürfte das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr wohl deutlich belasten.

Im Sog

Darüber hinaus steht die gesamte Branche aktuell unter Druck und auch Hella kann sich dem Sog nicht mehr entziehen. Der weltweite Automarkt scheint ein Plateau auszubilden und zahlreiche Autobauer und Zulieferer mussten bereits ihre Prognose kappen. Wachstum kann man vorerst wohl nicht mehr erwarten.

Weitere Warnhinweise bieten Eigentümerfamilie und Vorstand. Der Vertrag von CFO Ollig wurde nicht verlängert und die Familienaktionäre kündigten bereits im Mai einen Verkauf von 12,5% der Anteile an. Das Aktienpaket hatte damals einen Wert von mehr als 700 Mio. Euro.

Fundamentale Bewertung und Ausblick

Im Fall von Hella ist das laufende Geschäftsjahr noch lange, wie bereits angesprochen liegen bisher nur die Daten für ein Quartal vor. Die Zahlen waren zwar gut, doch die Warnzeichen sind offensichtlich und wurden auch kommuniziert.

Seit dem Börsengang lag das Gewinnwachstum bei 12% p.a. und in diesem Jahr liegt die Konsensschätzung bei einem Plus von 16%.
Ein Großteil der Analysten scheint die Aussagen des Vorstands vollkommen zu ignorieren. Immerhin wurde bereits eine „deutlichen“ Belastung Ergebnisses kommuniziert.
Daher erscheint die Markterwartung nur schwer zu rechtfertigen und es drohen bei den nächsten Quartalszahlen weitere Enttäuschungen.

Geht man davon aus, dass die optimistischen Prognosen dennoch erfüllt werden können, kommt Hella im laufenden Geschäftsjahr auf ein KGV von 10,3 und eine Dividendenrendite von 2,8%.

Das erscheint auf den ersten Blick nicht allzu hoch, gerade im Vergleich zum Wachstum. Eine Fortsetzung in dieser Geschwindigkeit darf aber auch angezweifelt werden. Darüber hinaus zeigt der Branchenvergleich, dass Hella hier eher auf eine Premiumbewertung kommt.

Das KGV von Continental liegt bei 10, ElringKlinger unter 9, Leoni unter 8 und Schaeffler auf unter 7. Natürlich sind die Produkte und Unternehmen nicht identisch, es zeigt aber welche Bewertungen derzeit bei den Zulieferern normal sind.
Die Zahlen beziehen sich in allen Fällen auf das laufende Geschäftsjahr. Der Unterschied ist nur, dass dieses bei Conti & Co bereits weitgehend abgeschlossen ist und die Zahlen daher Fakt sind. Bei Hella sieht das anders aus.
Es gibt also eine ganze Reihe von Gründen, warum die Aktie vorerst wohl eher meiden sollte.

Charttechnik

Ein Blick auf den Chart stützt diese These. Die Aktie hat mit dem Bruch der Unterstützung bei 44 Euro gerade erst ein Verkaufssignal ausgelöst. Das erste Kursziel liegt zwischen 38 und 39 Euro.
Da der Abverkauf aber sehr steil ist, sollte hier zumindest eine Gegenbewegung erfolgen. Können die Bullen den Support allerdings nicht nachhaltig verteidigen, könnte es noch eine Etage tiefer gehen, möglichweise bis 36 oder 32,25 Euro.

Kommt es hingegen zu einer Erholung, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie 44 und 46,50 Euro vorerst ein Ende finden dürfte.

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