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Euro/US-Dollar: Bremst sich das US-Wachstum selbst aus?

Der Euro rutscht ab, der US-Dollar legt zu. Das wird dem US-Präsidenten so knapp vor den Wahlen ebenso wenig gefallen wie der steigende Ölpreis. Denn natürlich propagiert die US-Regierung wie alle anderen Regierungen auch, dass eine starke, eigene Währung erwünscht und auch angemessen sei, denn der feste US-Dollar ist ein unmittelbares Abbild des starken Wirtschaftswachstums. Je fester der Greenback, desto besser läuft es im Land. Was stimmt. Aber die Sache hat einen Haken:

Ein fester US-Dollar ist zugleich ein Indiz dafür, dass dieses Wachstum gebremst wird. Der US-Dollar legt gegenüber dem Euro und anderen Währungen deswegen zu, weil die Erwartung immer weiter um sich greift, dass die US-Notenbank die Leitzinsen noch relativ oft und auch über die neutrale Zone um drei Prozent hinaus anheben könnte.

Grund ist die Inflation, die längst deutlich über die Zielzone um zwei Prozent gelaufen ist. Solange das so bleibt und die US-Konjunktur nicht spürbar abgewürgt wird, ist mit steigenden Zinsen zu rechnen. Was aber bedeutet, dass Regierung, US-Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen höhere Refinanzierungskosten hinnehmen müssen. Teurere Kredite wären angesichts des äußerst moderaten Tempos der Leitzinserhöhungen eigentlich weniger problematisch, würden nur eine sanfte Bremsung verursachen. Eigentlich. Aber:

Dieses US-Wachstum fußt auf immer mehr Verschuldung und niedrigeren Steuern. Der US-Staatshaushalt steht vor einem gewaltigen Loch. Die Idee, dass niedrigere Steuern so viel mehr Wachstum generieren, dass am Ende doch mehr Steuern eingenommen werden, ist eine Milchmädchenrechnung, die bislang nicht aufgeht.

Und viele Kredite von Unternehmen und Privathaushalten, das bescheinigen viele US-Volkswirte, sind nicht gerade stabil unterfüttert. Eine Anpassung des Zinses nach oben kann daher zu platzenden Krediten führen, die Neuverschuldung massiv ausbremsen und damit auch das Wachstum.

Dass der US-Dollar zulegt, ist dabei nur ein Nebeneffekt, weil die klassische Denkweise der Devisentrader lautet, dass diejenige Währung stärker werden muss, in deren Währungsraum die Zinsen attraktiver sind und ggf. noch attraktiver werden. Und das sind, im Vergleich zur Eurozone, wo man weiterhin mit der Zinswende zaudert, eindeutig die USA. Aber der schwache Euro führt auch dazu, dass die Gewinne der US-Exporteure unter Druck geraten, weil der US-Dollar im Ausland teurer wird – und damit auch die US-Waren.

Der schwache Euro nützt dafür den exportorientierten Unternehmen in Europa. Auch das ist etwas, das dem US-Präsidenten so nahe an den in vier Wochen anstehenden Midterm-Elections nicht gefallen kann. Was bedeutet:

Chart auf Wochenbasis vom 08.10.2018, Kurs 1,1489 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Das bisherige Jahrestief von 1,1301 US-Dollar pro Euro kommt wieder näher, die große Trendwende des Euro nach unten wird damit wieder greifbarer. Und sollte dieses Tief, das mit dem „Trump-Peak“ von 1,1299 US-Dollar korrespondiert, das am Morgen nach der US-Wahl vor zwei Jahren erreicht wurde, unterboten werden, wäre der Weg nach unten aus charttechnischer Sicht erst einmal frei.

Aber der US-Dollar ist eben immer auch ein Politikum, daher muss man, wenn man unter 1,1299 US-Dollar Short-Positionen aufbauen oder ausbauen würde, immer gewärtig sein, dass die US-Regierung ein Interesse hat, den Euro stark und den US-Dollar schwach zu reden … und das kann jederzeit der Fall sein. Enge Stoppkurse wären daher auf der Euro-Short-Seite zwingend!

Chart auf Tagesbasis vom 08.10.2018, Kurs 1,1489 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

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