Börsenblick

Zurück Oktober Weiter
Zurück 2018 Weiter

PG&E: Risikoloses Investment ohne Downside?

PG&E Corp. (Pacific Gas and Electric Corp.) ist einer der führenden Stromversorger in Kalifornien und versorgt mehr als 5,4 Millionen Kunden mit Elektrizität und mehr als 4,3 Millionen mit Gas.

Das Unternehmen ist der weltweit größte private Eigentümer von Wasserkraftwerken und besitzt mehr als 170 Staudämme.
Das Portfolio umfasst aber nahezu die komplette Bandbreite zur Energiegewinnung, darunter auch Kernkraft, Erdgas, Öl sowie Solaranlagen.

Neben der Energiegewinnung betreibt das Unternehmen auch ein eigenes Versorgungsnetz für Strom und Gas mit Zehntausenden Kilometern an Strom-Hauptlinien, Hunderten Verteiler- und Umschaltstationen sowie Gasspeichern.

Brände in Kalifornien

Im Oktober 2017 brachen in Nordkalifornien eine ganze Reihe von Waldbränden aus und gerieten außer Kontrolle. Nie zuvor in der Geschichte hat Kalifornien schlimmere Brände erlebt, dabei ist sind sie im US-Bundesstaat Kalifornien eher Normalität.
In diesem Fall wurden aber mehr als 10.000 Gebäude zerstört und die Schadenssumme dürfte die Vorjahre bei weitem übertreffen.

Anschließend wurden mehrere Schätzungen veröffentlicht. Demnach belaufen sich die Schäden der Feuersaison im ganzen Bundesstaat auf 8 bis 13,5 Mrd. USD. Nach Angaben des California Department of Insurance dürften es nahezu 12 Mrd. USD gewesen sein.

Es musste ein Schuldiger gefunden werden und der war PG&E. Angeblich hätten überhitzte Anlagen des Unternehmens die Waldbrände ausgelöst. Wie gewöhnlich in den USA läuft nun eine Klagewelle und PG&E muss entsprechende Rückstellungen bilden.

Selbst bei einer oberflächlichen Betrachtung sollte aber klar sein, dass PG&E zumindest nicht für alle Brände verantwortlich sein kann, die an verschiedenen Orten mehr oder minder gleichzeitig ausgebrochen sind.

Den Ermittlungen zufolge gab es 19 Brandherde. Darunter auch der Standort Tubbs, der für 60-70% aller Schäden verantwortlich gemacht wird und PG&E zugerechnet werden könnte.

In diesem Fall könnten die Waldbrände PG&E zwischen 7,2 und 8,4 Mrd. USD kosten.

Wie groß ist das Abwärtspotenzial?

Natürlich folgte ein Kurssturz. PG&E hat umgehend auf die Probleme reagiert und schlussendlich auch die Dividende ausgesetzt.

Das hat den Abverkauf weiter beschleunigt, denn zahlreiche Investoren wie Dividenden- und Pensionsfonds waren schlichtweg gezwungen zu verkaufen.
Wie so oft könnte der Abverkauf übertrieben sein.

In den USA ist wohl keine Branche so stark reguliert wie Versorger. Selbst der Return on Equity ist festgelegt. Dementsprechend sind Erträge und Gewinne sehr gut prognostizierbar und die Fehlervarianz gering. Daher lohnt der Sektor auch nur selten für Trades oder Investments, denn eigentlich sind die Aktien durchweg fair bewertet.

Der Wert von Versorgern lässt sich recht einfach berechnen, wenn man die Differenz zwischen Kapitalrendite und Kapitalkosten betrachtet.
Lägen beiden Werte gleich auf, sollte ein Versorger zumindest noch so viel Wert sein, wie seine Asset Base abzüglich Schulden. Im Falle von PG&E wären das knapp 36 Mrd. USD. Der Börsenwert liegt aber nur bei 24,5 Mrd. USD.

PG&E hatte aber immer eine positive Rendite. Der operative Gewinn hat sich in den letzten zehn Jahren schließlich mehr als verdoppelt.

Der innere Wert sollte also bei mehr als 36 Mrd. USD liegen. Selbst wenn man die aber diese Zahl und die maximale Schadenssumme von 8,4 Mrd. USD als Grundlage nimmt, ergibt sich zum Börsenwert eine Lücke von knapp 13%.

Daraus folgt, dass quasi kein Abwärtspotenzial mehr vorhanden ist. Ganz im Gegenteil, selbst im schlechtesten Fall und unter Annahme der konservativsten Rechengrößen ist man 13% mehr Wert.

Was wäre auf der Oberseite zu holen?

In der oben angeführten Rechnung werden zahlreiche positive Faktoren für PG&E absichtlich ignoriert, um darzustellen, dass die Aktie auch im negativsten aller Szenarien unterbewertet sein könnte.

In der Vergangenheit wurden „schuldige“ Versorger aber ohnehin nur mit einem Teil der zuvor angeführten Schadenssumme belangt. Der Gouverneur von Kalifornien hat sich bereits auf die Seite von PG&E geschlagen und eine Änderung der Gesetzgebung angeregt, um die Haftung von Versorgern zu begrenzen.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass dem Unternehmen nur eine Teilschuld zugesprochen wird usw.

Die möglichen 8,4 Mrd. USD wären darüber hinaus einmalig und Vorsteuer und würde am Ende wohl nur 6,4 Mrd. USD kosten. Ein realistischer Abschlag musste also ganz offensichtlich unter der Schadenssumme liegen. Denn schließlich kann man die Verluste steuerwirksam geltend machen.

Dennoch hat eine mögliche Schadenssumme von 8,4 Mrd. USD zur Vernichtung von 12 Mrd. USD Börsenwert geführt.

An der Profitabilität und den Einkommensströmen von PG&E hat sich indes nichts geändert. Ist der Rauch erst verflogen, dürfte die Dividende wieder aufgenommen werden und bei der üblichen Ausschüttungsquote nördlich von 4% liegen.

Daher sollte man davon ausgehen, dass man mittelfristig wieder zu einer branchenüblichen Bewertung zurückkehren kann. Die P/E liegt hier im Durchschnitt bei 17,2 und im Median bei 17,6. PG&E war historisch selten mit weniger als 14 bewertet.

Je nachdem ob ein negatives oder ein positives Szenario greift, ergibt sich daraus ein fairer Wert der Aktie zwischen 52 und 70 USD. Kapitalverluste scheinen langfristig hingegen unwahrscheinlich.

Großinvestoren kaufen seit Monaten

Eine ganze Reihe von Valueinvestoren scheint zum selben Schluss gekommen zu sein. Jedes Quartal werten wir für Sie knapp 70 Großinvestoren aus dem Value-Bereich aus. Gleich ein halbes Dutzend dieser Branchengrößen ist in den letzten Monaten zu vergleichbaren Kursen eingestiegen.
Darunter Seth Klarman, David Tepper und Howard Marks.

Gerade bei Seth Klarman sollte man hellhörig werden. Kaum ein anderer Investor ist so sehr auf Sicherheit bedacht. Meist hält er 40-50% Cash und schlägt den Markt dennoch um Längen.

Charttechnik

Auch von dieser Seite gibt es Unterstützung. Die Panik ist verflogen und der Wert hat ein Doppeltief ausgebildet. Alles unterhalb von 45 USD ist nun eine klare Kaufzone und man sollte sich über Rücksetzer freuen.

Gelingt ein Ausbruch über 48,30 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit ersten Kurszielen bei 51,50 und 54,30 USD.

20181004-pge-risikoloses-investment-ohne-downside20181004-pge-risikoloses-investment-ohne-downside-wochenchart

Auch interessant:

DAX: Was kommt nach dem Gemetzel? | LYNX Marktkommentar
DAX: Erholung oder Korrekturphase? Interview mit Stefan Scharffetter | LYNX fragt nach
LYNX Videotutorials - Erstellen eines Demokontos
Handeln über LYNX: Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • niedrige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN