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Akorn: DIE Gelegenheit nach -58% Überreaktion

Akorn ist ein Generikahersteller und hat sich auf komplexe Produkte spezialisiert.
Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet verschreibungspflichtige Generika und Markenprodukte, sowie freiverkäufliche (OTC) Verbrauchergesundheitsprodukte und Tierarzneimittel.

Übernahme gescheitert

Wie bereits in der Analyse zu Fresenius dargelegt, ist die Übernahme geplatzt. Eigentlich lag bereits eine Einigung vor. Der Kaufpreis für Akorn betrug 34 USD je Aktie, beziehungsweise 4,75 Mrd. USD.

Fresenius hatte dann überraschend einen Rücktritt von der Übernahme angekündigt und schwere Vorwürfe erhoben. Akorn habe der US-Arzneimittelbehörde FDA demnach wissentlich gefälschte Testergebnisse vorgelegt. Selbst von Betrug durch den Vorstand des US-Konzerns war die Rede.

Es ist also kein Wunder, dass die Aktie anschließend eingebrochen ist. Die Betrugsvorwürfe belasten Akorn auch über die geplatzte Übernahme hinaus. Es ergibt also durchaus Sinn, dass die Papiere heute tiefer stehen, als vor der Übernahme.

Doch wie tief ist gerechtfertigt?

Rechnen wir mal

Ohne die Fundamentaldaten auch nur in Betracht zu ziehen, lässt sich bereits eine Rechnung anstellen. Der Übernahmepreis hätte bei 34 USD gelegen, aktuell notiert die Aktie bei 5,36 USD.

Eine Revision des Urteils erscheint derzeit zwar unwahrscheinlich, ist aber dennoch möglich. Der Richter selbst hat den Fall als schwierig bezeichnet. Billigt man diesem Szenario eine Chance von 16% oder mehr zu, ist die Aktie mehr als 5,36 USD Wert.
Geht man beispielsweise von einer 20%igen Chance aus, wäre die Aktie bereits 6,80 USD Wert.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Anpassung des Übernahmepreises.
Es wäre auch kein abschließender Erfolg für Akorn nötig, bereits ein Sieg in der nächsten Instanz würde zu einem Kurssprung führen.
Es gibt also durchaus einige Optionen, die die Aktie beflügeln könnten. Man sollte diese Möglichkeiten aber eher als „Bonus“ sehen und sie wären auch eher Begründungen für einen Trade.

Wer hier langfristig einsteigen möchte, sollte auch ohne positive Entwicklungen vor Gericht überzeugt sein.

Was ist die Aktie also Wert?

Bis 2016 hat das Unternehmen eine beeindruckende Entwicklung vollzogen und den Umsatz binnen weniger Jahre mehr als verzehnfacht. Damals lag der Umsatz bei 1,12 Mrd. USD.
Im zurückliegenden Geschäftsjahr sank der Umsatz allerdings auf 0,84 Mrd. USD und der Gewinn brach von 1,47 auf -0,20 USD je Aktie ein. Man muss Akorn allerdings zugutehalten, dass der Cashflow weiter positiv war. Darüber hinaus hatte die gesamte US-Generikabranche zuletzt Probleme.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres lag das Ergebnis bei -0,93 USD je Aktie und ein Großteil des Verlustes fiel im zweiten Quartal an.
Der Umsatz ist von 452 auf 375 Mio. USD eingebrochen, ebenfalls mit fallender Tendenz.
Es sieht also alles Andere als gut aus.

Für das Gesamtjahr wird ein Verlust von -1,16 USD je Aktie erwartet, was knapp 145 Mio. USD entsprechen würde. Ende des zurückliegenden Quartals hatte man noch Barmittel in Höhe von 296 Mio. USD. Zahlungsschwierigkeiten sollten also vorerst nicht eintreten. Die Nettoverschuldung liegt bei knapp über 500 Mio. USD.

Die Gesamtsituation ist schwer einzuschätzen, doch es gibt handfeste Hinweise, dass sich ein vorsichtiger Einstieg lohnen könnte.
Das Unternehmen wurde von Fresenius sicherlich genau unter die Lupe genommen. Nach den Worten von Fresenius-Chef Sturm hat man „so tiefgreifend geprüft, wie es rechtlich ging“. Es sei die „intensivste Due Diligence“ gewesen, die er bei Fresenius mitgemacht habe.

Selbst wenn der Übernahmepreis dennoch viel zu hoch war und man getäuscht wurde, könnte der innere Wert von Akorn näher bei 34 USD, als man derzeit erahnen könnte.
Die Zulassungen sind weiterhin vorhanden und die Produkte am Markt. Ein Verkauf von einzelnen Produktionslinien oder Unternehmensteilen könnte Hunderte Millionen bringen.

Die offensichtlichste Möglichkeit wäre eine Veräußerung der 2013 für 640 Mio. USD übernommenen Hi-Tech Pharmacal. Würde man nur den gleichen Preis wie damals erzielen, entspräche das ziemlich genau dem aktuellen Börsenwert von Akorn.

Charttechnik und ein bisschen mehr

Für Trader bieten sich mehrere Setups an. Man muss aber schon etliche Jahre zurückgehen, um eine Unterstützung zu finden. Denn Akorn war lange Zeit ein Überflieger, wuchs schnell und wie immer in diesen Fällen war die P/E am Ende unrealistisch hoch.

Zuletzt notierte die Aktie 2011 auf diesem Niveau, damals erwirtschaftete man einen Umsatz von 137 Mio., in diesem Jahr dürften es wohl über 700 Mio. USD werden. Auf dieser Basis wäre man also spottbillig und das dürfte wohl auch das Hauptargument für Käufe darstellen.

Die psychologisch bedeutende Unterstützung bei 5,00 USD ist in Griffweite und scheint bereits erste Wirkung zu zeigen. Die erste Panik sollte verflogen sein, und solange diese Marke hält, besteht durchaus die Chance auf eine Erholung in Richtung 6,50 USD. Über 6,50 und vor allem 6,90 USD käme es zu prozyklischen Kaufsignalen.

Fällt der Wert hingegen unter 5,00 USD, kommt es zu einem Verkaufssignal mit einem möglichen Kursziel bei 3,50 USD.

Es muss weiterhin mit erhöhter Volatilität gerechnet werden, die Positionsgröße sollte entsprechend angepasst werden.

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