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TecDAX: Favoritensterben … was ist die Ursache?

Der DAX steigt, der TecDAX bricht einfach nach unten weg – das ist ungewöhnlich. Und jetzt taucht dieses Phänomen schon den zweiten Tag in Folge auf, was noch seltener ist. Bekommen die Bären hier bald ihren Einsatz? Ist das die Vorstufe zu einer größeren Baisse?

Das ist zwar möglich, aber nicht wegen dieser beiden Tage mit höchst ungewöhnlicher Schwäche. Denn dass der TecDAX in einem ansonsten charttechnisch bullischen Aktienmarkt so sehr aus der Reihe tanzt, liegt an einem nur auf den ersten Blick verblüffenden „Favoritensterben“.

Am Mittwoch war es unter anderem der Überflieger Evotec, der wegbrach. Gestern wurden mit Nemetschek und Wirecard die beiden Spitzenreiter in der bisherigen Jahresperformance massiv gedrückt, Nemetschek mit -12,79 Prozent sogar nahezu pulverisiert. Dass ausgerechnet die Super-Performer auf einmal – und allesamt ohne neue Nachrichten – derart heftig unter Druck geraten, kann kein Zufall sein. Aber was steckt dahinter?

Im ersten Moment könnte man sich der Gewohnheit vieler Investoren, auch großer Adressen, entsinnen, im Fall einer kritisch werdenden Gemengelage die Barreserven hochzufahren, indem man bei den am besten gelaufenen Aktien gewinne mitnimmt, statt Verlustpositionen konsequent zu verkaufen. Was eine typische emotionale Entscheidung ist, denn man fühlt sich einfach besser, wenn man Gewinne realisiert, statt ein Minus zu verbuchen.

Aber warum sollte das nur beim TecDAX so sein, während der DAX zeitgleich massiv zulegt und an der Wall Street am Donnerstag auch der Technologiesektor der Nasdaq stieg? Es muss also einen anderen Grund geben. Und den gibt es auch:

Den heutigen Abrechnungstermin an der Terminbörse. Grob formuliert machen diejenigen, die anderen Optionen verkaufen, die sogenannten „Stillhalter“, am meisten Gewinn, wenn die von ihnen verkauften Optionen wertlos verfallen. Bei Aktien wie Evotec, Nemetschek und Wirecard dürften äußerst viele auf trendkonforme Call-Optionen gesetzt haben.

Wären diese Aktien bis heute zur Abrechnung weiter gestiegen, hätten die Stillhalter diese Aktien an die Call-Besitzer liefern müssen und kräftig Verlust gemacht. Wenn die Aktien aber rechtzeitig wegbrechen, verfallen viele Call-Optionen wertlos. Und wenn man bedenkt, dass die meisten Stillhalter große Adressen sind, die imstande sind, solche Aktien zu bewegen, liegt es nahe, dass diese Abverkäufe ganz gezielt vorgenommen wurden. Was wiederum heißt:

Diese Schwäche des TecDAX könnte nur sehr kurzfristiger Natur sein. Denn sobald die Abrechnung der Optionen heute zum Handelsende vorüber ist, ist dieses Argument, diese Aktien und in ihrem Schlepptau automatisch den TecDAX zu drücken, vom Tisch. Es ist gut möglich, dass Evotec, Nemetschek, Wirecard und andere, gut gelaufene und plötzlich unter Druck geratene Aktien ihre Verluste ab Montag wieder aufholen. Aber Vorsicht, „möglich“ heißt nicht „sicher“:

Dass DAX, Dow Jones und der S&P 500 auf einmal wie geschnitten Brot laufen, ist auch auf diesen Abrechnungstermin, der nicht umsonst seinen Spitznamen „Hexensabbat“ trägt, zurückzuführen. Wenn diese wie magisch steigenden Indizes kommende Woche wieder nach unten drehen, kann das die Erholung des TecDAX ausbremsen.

Denn eines ist klar: Die Gemengelage ist nicht bullisch, sondern von Unsicherheit geprägt. Handelskrieg, Brexit, die Problemzonen Türkei und Italien, der wieder spürbar anziehende Euro zum US-Dollar: All das sind Argumente, die dazu führen können, dass Investoren bei stark gestiegenen Aktien und Indizes das erreichte Niveau für Verkäufe nutzen könnten. Und allzu weit entfernt liegt die mittelfristig entscheidende Unterstützungszone des TecDAX nicht:

Chart auf Wochenbasis vom 20.09.2018, Kurs 2.824,77 Punkte, Kürzel TDX

Zwischen 2.630 und 2.730 Punkten verlaufen zahlreiche mittelfristig relevante Unterstützungslinien. Würde der TecDAX diesen Bereich mit Schlusskursen unter 2.600 Punkten hinreichend deutlich durchbrechen, wäre damit ein massiv bärisches Signal entstanden. Und was die Oberseite angeht, kann die relative Schwäche zum DAX zwar schnell verschwinden.

Aber das kann auch passieren, indem der DAX nach dem Abrechnungstermin dem TecDAX nach unten folgt. Daher wäre es riskant, auf eine Erholung des TecDAX zu setzen, ohne dafür entsprechende Belege im Chart zu sehen. Das Minimum wäre die Eliminierung der beiden letzten schwachen Tage und der Rebreak über die 20-Tage-Linie durch Schlusskurse über 2.950 Punkte. Unterhalb dieses Niveaus bliebe der TecDAX für eine mittelfristige Wende anfällig.

Chart auf Tagesbasis vom 20.09.2018, Kurs 2.824,77 Punkte, Kürzel TDX

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