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DAX: Die Wahrheit über die Handelskrieg-Rallye

Es ist meist so, dass wenig beschlagene Kommentatoren eine Kursbewegung als Basis dafür nehmen, wie sie diese dem Publikum begründen sollen. Im Fall des Dienstags führt dieser Weg indes zu höchst unsinnigen Argumentationen. Der DAX erzielte ein Plus von einem halben Prozent. Das charttechnisch nicht unwichtig war, vor allem aber kam es unerwartet. In der Nacht lagen die Taxierungen für den DAX zeitweise unter 12.000 Punkten. Und wäre er darunter gerutscht, es hätte angesichts der in der Nacht gegen 00:30 Uhr aufgetauchten Meldung niemand gewundert.

Eine Meldung, die besagte, dass Donald Trump tatsächlich im Vorfeld der geplanten, nächsten Gesprächsrunde mit China weitere chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegt hat und diese von zehn Prozent ab kommenden Montag automatisch auf 25 Prozent ab Anfang 2019 steigen werden. Dass China zurückschlagen würde, war klar. Und das passierte auch am Nachmittag. Was wiederum dazu führte, dass Trump avisierte, dass er auch alle verbliebenen chinesischen Importe mit Strafzöllen belegen werde, sollte China diese Gegenmaßnahmen wirklich umsetzen.

Diese Sache läuft aus dem Ruder. Der Schaden, den die Wirtschaft nehmen wird, wird nicht nur die USA und China treffen, dazu ist die Weltwirtschaft viel zu eng verwoben. Und die Höhe des Schadens ist nicht vorhersagbar. Eine negative Entwicklung, verbunden mit einer immensen Unsicherheit: Nichts könnte negativer für die Aktienmärkte sein. Aber der DAX stieg, Hand in Hand mit den US-Börsen.

War damit zu rechnen? Nein. Aber dass so etwas passiert, ist dennoch gar nicht so selten. Denken wir daran, dass auch ein Wahlsieg von Donald Trump im Vorfeld als Katastrophe angesehen wurde, die Kurse auch zunächst einbrachen, als er die Wahl wider Erwarten wirklich gewann, die Aktienmärkte dann aber rasant nach oben drehten. Nicht, weil man auf einmal kollektiv die Meinung über Trump änderte. Und man ist jetzt ebenso wenig der Ansicht, dass dieser eskalierende Handelskrieg doch seine guten Seiten hätte. Denn er hat keine. Es sind die Mechanismen der Märkte, die dieses „Wunder“ hervorgerufen haben. Aber von denen spricht in den Kommentaren zu diesem Tag kaum jemand. Und das ist gefährlich.

Wenn man sich zuerst die Kurse betrachtet und aus dem Ergebnis eine Begründung „bastelt“, kommen Floskeln heraus, dass die Investoren sich an den Handelskrieg längst gewöhnt hätten und/oder man damit gerechnet hatte, Trump werde die neuen Strafzölle bei 25 Prozent ansetzen, so dass man erleichtert kaufte, weil es nur zehn Prozent wurden. Aber solche Begründungen gehen ins Leere. Erleichterungskäufe hätte es dann geben können, wenn die Indizes, ob DAX oder Dow Jones, im Vorfeld in die Knie gegangen wären. Aber diese Vorab-Verkäufe gab es ja nicht. Was also hat den DAX nach oben gezogen?

Man kann all denen, die an diesem Dienstag ge- oder verkauft haben, nicht in die Köpfe schauen, ist in Bezug auf Motivation und Ziele der Akteure immer auf Indizien angewiesen. Die würden für diesen Tag lauten: Fallende Kurse hätten bei derart negativen Nachrichten eine Lawinen-Reaktion auslösen können. Da mag manch eine große Adresse, die einen größeren Abwärtsimpuls ganz und gar nicht gebrauchen konnte, gestützt haben, wo sie eine Chance sah.

Dasselbe Prinzip griff auch am Tag nach der US-Wahl: Der Abverkauf endet abrupt, weicht steigenden Kursen. Wer auf den Crash gewartet hat und Short ist, deckt überrascht und eilig ein. Effekt: Die Kurse steigen dadurch erst recht. Kurzfristige Trader sehen einen intensiven Trend starten, springen auf und intensivieren ihn zusätzlich. Und schon läuft eine Rallye, wo man mit einem Abverkauf hätte rechnen können.

Hinzu kommt der übermorgen anstehende Options-Abrechnungstermin an der Terminbörse. An der Wall Street ist das Ziel, die Index-Optionen ganz oben, am höchsten Stand seit der letzten Abrechnung Mitte August, zu erreichen, eindeutig. Die Terminbörsen-Akteure sahen mit der Wende gestern ihre Chance und zogen Dow Jones & Co. so hoch wie irgend möglich. Was nach dem Abrechnungstermin passiert, ist jedoch eine ganz andere Sache. Denn, und das gilt natürlich auch für den DAX: Negative Fakten werden nicht positiv, nur, weil die Kurse gestiegen sind.

Beim DAX hatten die großen Terminmarkt-Akteure wohl bis vor einer Woche im Visier gehabt, den DAX am unteren Extrempunkt seit der letzten Abrechnung ins Ziel zu bringen. Auch das bietet optimale Gewinne, wenn die Positionierung entsprechend ist. Aber nachdem der deutsche Leitindex in der Supportzone aus den Tiefs des ersten Quartals zwischen 11.727 und 12.003 Punkten drehte, war ein Kursrutsch nach der in der Nacht bekannt gewordenen Eskalation des Handelskriegs die letzte Chance dafür.

Chart auf Wochenbasis vom 18.09.2018, Kurs 12.157,67 Punkte, Kürzel DAX

Als die Kurse drehten, mussten diejenigen, die für Freitag mit einem DAX unter 12.000 rechneten, ihre Positionierung auf die steigenden Kurse einstellen – auch das wirkt gemeinhin kurssteigernd. Und so gelang es an diesem Dienstag sogar, den DAX über die Tiefs vom Juni und August bei 12.104 und 12.121 Punkte hinaus zu tragen. Ein aktiv überwundener Widerstand, verbunden mit einem aus der überverkauften Zone heraus ein Kaufsignal generierenden Stochastik-Oszillator: Das kann den DAX bis Freitag weiter nach oben tragen. Aber:

Bislang ist er nur auf kurzfristiger Ebene bullisch. Und ab Montag, nach dem Abrechnungstermin der Index-Optionen, ist dieses Zugpferd ausgeschirrt. Hinzu kommt, wie schon hervorgehoben: Die negativen Nachrichten bleiben negativ und eine immense Belastung für den Aktienmarkt. Dass die unmittelbare Verkaufswelle ausblieb, mag manchen verleiten, fest darauf zu setzen, dass sie auch weiterhin ausbleiben wird. Aber genau das implizierte diese wundersame Wende ins Plus nicht!

Chart auf Tagesbasis vom 18.09.2018, Kurs 12.157,67 Punkte, Kürzel DAX

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