Börsenblick

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Daimler: Darüber sollte man sich im Klaren sein

Die in Stuttgart ansässige Daimler AG zählt zu den bedeutendsten Herstellern von Premium-Fahrzeugen und ist einer der weltweit größten Nutzfahrzeug-Hersteller.
Das Unternehmen bietet auch Services im Bereich Finanzierung, Leasing, Flottenmanagement, Versicherungen und innovative Mobilitätsdienstleistungen an.
Der Konzern ist in die fünf Segmente Mercedes Benz Cars, Mercedes Benz Vans, Daimler Trucks sowie Daimler Bus und Daimler Financial Services gegliedert.

Pro

Die meisten Anleger nehmen Daimler als langweiligen Giganten wahr, bei dem eigentlich nicht viel passiert. Erstens ist das nicht richtig und diese Wahrnehmung wäre ohnehin eher ein Argument für die Aktie.

In Wirklichkeit ist der Umsatz in den zurückliegenden zehn Jahren von 98,5 auf 164,3 Mrd. Euro gestiegen. Das Umsatztief wurde 2009 bei 78,9 Mrd. Euro markiert, seitdem ging es stetig aufwärts, durchschnittlich immerhin um fast 10 Mrd. Euro pro Jahr!

Auch beim Gewinn lässt man sich nicht lumpen, denn seit 2010 hat sich der Nettogewinn mehr als verdoppelt und das Ergebnis je Aktie kletterte von 4,28 auf 9,84 Euro.

Die Dividende hat sich im selben Zeitraum fast verdoppelt und die Rendite liegt inzwischen bei 6,5% und das KGVe im laufenden Geschäftsjahr bei 6,3.

Tatsächlich war Daimler auf Basis des KGV und der Dividende in den letzten zehn Jahren nie günstiger.
Müsste man an dieser Stelle dann nicht eigentlich ein klar positives Votum abgeben?

Contra

Nun, es gibt eben auch berechtigte Gründe, warum die Aktie so niedrig bewertet wird.
Viele Anleger scheinen eine baldige Rezession zu erwarten und die Autoverkäufe sind bereits seit Monaten rückläufig. Es scheint sich zumindest ein Top am Automarkt auszubilden. Allzu großes Wachstum kann man vorerst wohl nicht mehr erwarten.

Elektro und selbstfahrend

Hinzu kommt die Gefahr durch Elektroautos. Wobei der Übergang aber Jahrzehnte dauern und die Zulieferer weitaus härter treffen wird, als die Autobauer selbst.
Bei der aktuellen Jahresproduktion würde es schlichtweg mindestens 15 Jahre dauern, alle Fahrzeuge zu ersetzen – sollten ab morgen nur noch Elektroautos gekauft werden.
Eine größere Gefahr geht tatsächlich von autonomen Fahrzeugen aus, denn dadurch könnte sich die Zahl der Vehikel insgesamt stark verringern. Schließlich stehen vor allem PkW bisher ein Großteil der Zeit nutzlos an der Straßenseite.
Besonders dramatisch könnte sich diese neue Technologie auswirken, wenn eine Nachrüstung alter Fahrzeuge möglich wird und nicht der Austausch an sich notwendig ist.

Schulden

Eines der größten Probleme ist die hohe Verschuldung. Ende des zurückliegenden Geschäftsjahres lag die Nettoverschuldung bei 105,2 Mrd. Euro.

Der Schuldenberg wird bei der Berechnung des KGV aber vollkommen ignoriert, hierzu wird lediglich der Börsenwert von aktuell 57,8 Mrd. Euro herangezogen.
Auf Basis des Börsenwerts liegt das KGV knapp über 6, bezieht man die Schulden allerdings mit ein, springt der Wert auf 17,7.

Daimler scheint plötzlich nicht mehr so günstig.
Bemüht man eine der gängigen Suchmaschinen zum Thema, melden sich auch allerlei Experten zu Wort, die vor den enormen Risiken der Daimler-Schulden warnen.

Die meisten „Experten“ haben aber leider keine Ahnung oder machen sich erst gar nicht die Mühe, Sachverhalte zu prüfen. In Wirklichkeit ist ein Großteil der Verpflichtungen auf die Finanzierungstätigkeit der eigenen Hausbank zurückzuführen, die die Kredite schlichtweg an PkW-Käufer weiterreicht.

In keinem der Artikel habe ich etwas dazu gelesen, dass knapp 80% der Verpflichtungen entsprechende Forderungen gegenüberstehen.

Bezieht man nur die eigenen Schulden in die Rechnung ein, liegt ein realistisches KGVe für 2018 bei 8,5. Also alles halb so wild.

Zwischenfazit
All die zuvor genannten Punkte werden von den Bären andauern bemüht, doch sie sind Vordergründig und führen am Kernproblem des Konzerns vorbei. Darüber hinaus sind die hinlänglich bekannt und daher eingepreist.

Die erste echte Wildcard wäre ein eskalierender Handelsstreit mit den USA, denn wer kann Trump schon einschätzen?

Cashflow

Ich hatte ihnen aber noch echte Probleme versprochen und die bekommen sie auch. Zwischen dem ausgewiesenen Gewinn und dem echten ökonomischen Gewinn sowie Cashflow klafft schlichtweg eine riesige Lücke.

Nehmen wir als Beispiel das abgelaufene Geschäftsjahr. Das Konzernergebnis lag bei zwar 10,5 Mrd. Euro. Der Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit lag allerdings bei -1,7 Mrd. Euro, es ist also in Wirklichkeit Geld aus dem Konzern abgeflossen.
Das ist zwar nicht jedes Jahr der Fall, doch der Cashflow liegt seit etlichen Jahren konstant weit unter dem gemeldeten Gewinn.

Das eigentliche Problem sind die ständig notwendigen Investitionen. Der Gewinn ist mehr Buchhaltung als zahlungswirksam und der Rest muss direkt wieder reinvestiert werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.
In den letzten 10 Jahren kommt man auf eine Summe von knapp 70 Mrd. Euro. Aber Daimler ist heute an der Börse nur 60 Mrd. Wert. Die Investitionen haben also scheinbar keinen sonderlich großen Return erbracht. Sie waren dennoch notwendig, denn Daimler hat keine Wahl.

Unter dem Strich kann man von Daimler wohl nicht viel mehr als die Dividende erwarten. Bei einer Rendite von mehr als 6% muss man das aber auch nicht.

Abschließend zum Thema ein Zitat von Charlie Munger:
“There is a class of business where the eventual “cash back” part of the equation tends to be an illusion. There are businesses like that – where you constantly keep pouring it in and in, but where no cash ever comes back… struggling with a business that never produces any cash – whether its winning or losing as a matter of accounting – is no fun”.

Charttechnischer Ausblick

Daimler hat eine größere Korrektur vollzogen und ist in die seit Jahren gültige Kaufzone zwischen 51 und 55 Euro eingetaucht. Hier dürften zahlreiche Investoren wieder zuschlagen, denn die niedrige Bewertung und hohe Dividende dürfte verlockend sein.
Gelingt in diesem Bereich eine Trendwende, besteht oberhalb von 55 Euro Potenzial bis mindestens 60 Euro. Darüber hellt sich das Chartbild nachhaltig auf.

Fällt der Wert hingegen unter 50 Euro, dürften zahlreiche Stopps ausgelöst werden. Ein derartiges Paniktief wäre für kurzfristige Trader wie auch Investoren die nächste interessante Gelegenheit.

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