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Lufthansa: Ach diese Analysten

Lufthansa ist ein weltweit operierender Luftfahrtkonzern mit insgesamt mehr als 124.000 Mitarbeitern sowie 550 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften.
Das Unternehmen ist in die Geschäftsfelder Passage Airline, Logistik, Technik, Catering und Sonstige organisiert.
Zu den bekanntesten Töchtern gehören Eurowings sowie Swiss und Austrian Airlines.

Rekordergebnisse, aber Aktie unter Druck

Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte die Lufthansa das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte und auch 2018 konnte an die Erfolge angeknüpft werden. Dennoch ist der Wert unter Druck gekommen.

In den zurückliegenden zehn Jahren ist der Umsatz von 24,8 auf 35,6 Mrd. Euro gestiegen. Gleichzeitig hat sich, vor allem seit 2013, die Profitabilität deutlich verbessert.
Das Ergebnis legte im selben Zeitraum von 1,18 auf 5,03 Euro je Aktie zu, schwankte zwischenzeitlich aber stark.

Im ersten Halbjahr erreichten die Zahl der Fluggäste und Flüge sowie deren Auslastung neue Höchststände.
Durch die erstmalige Anwendung des Rechnungslegungsstandards IFRS 15 sind Umsatz und Gewinn nur schwer vergleichbar, waren aber jeweils auf Vorjahresniveau. Das Konzernergebnis lag bei 677 Mio. nach 672 Mio. Euro im Vorjahr und das trotz deutlich gestiegener Treibstoffkosten.

Ausblick und fundamentale Bewertung

Die Deutsche Lufthansa kommt derzeit auf ein KGV von 4,5 und im laufenden Geschäftsjahr auf ein KGVe von 5,1. Die Dividendenrendite liegt bei 3,5%

Nun darf man sich natürlich fragen, warum die Bewertung derart niedrig ausfällt. Dafür scheint es vor allem drei Gründe zu geben.
Es werden keine steigenden Gewinne erwartet, Sorgen um den Ölpreis und die recht hohen Schulden.

Die ersten beiden Punkte sind stark miteinander korreliert und die Schätzungen könnten sich als zu negativ herausstellen. Denn im ersten Halbjahr ist es dem Unternehmen bereits gelungen, die höheren Kosten abzufedern.
Gleichzeitig scheint ein nachhaltig steigender Ölpreis eher unwahrscheinlich zu sein. Angebot und Nachfrage sind quasi ausgeglichen, viele Länder produzieren aber weitaus weniger als möglich wäre. Durch den Schieferöl-Boom in den USA steigt die Fördermenge aber weiter an. Dieser Effekt sollte nicht unterschätzt werden, haben sich die USA doch binnen weniger Jahre vom einem der größten Erdöl-Importeure zu einem Exporteur gewandelt.

Der Aktienkurs scheint aber sowohl einen steigenden Ölpreis zu antizipieren, als auch einen damit einhergehenden sinkenden Gewinn.

Für einen Investor ist das erfreulich, die Negativszenarien sind bereits im Preis, es ist aber nicht klar, ob sie eintreffen.

Der dritte Punkt waren die Schulden. Im ersten Halbjahr hat sich die Nettoverschuldung um 11,4% auf 2,6 Mrd. Euro reduziert, dem starken Cashflow sei Dank. Bezieht man diese Verpflichtungen in die Rechnung mit ein, steigt das realistische KGVe für 2018 auch nur auf 6,6.

Plötzlich Cashflow?

Besonders erfreulich hat sich aber vor allem der freie Cashflow entwickelt. In der Vergangenheit hatten Airlines hier anhaltende Schwierigkeiten. Doch seit 2014 geht es spürbar aufwärts.
Damals wurde noch ein Mittelabfluss von 297 Mio. Euro verzeichnet.
Im Folgejahr waren es Plus 834 Mio., dann 1,14 Mrd. und 2017 wurden bereits 2,25 Mrd. Euro erzielt.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres lag der freie Cashflow bei 977 Mio. Euro.

Die zugrunde liegenden Charakteristiken des Geschäfts scheinen sich nachhaltig verbessert zu haben. Die Aktie scheint aus fundamentaler Sicht sehr attraktiv zu sein.

Warum ist die Aktie dann abgestürzt?

Bei der Citigroup ist es zu einem Wechsel des Analysten gekommen. Der neue Luftfahrt-Analyst der Citigroup Mark Manduca stuft die Aktie auf „verkaufen“ mit einem Kursziel von 19,90 Euro.
Sein Vorgänger hatte die Lufthansa zuvor noch mit „kaufen“ und einem Kursziel von 32,50 Euro gesehen.

Am Ende sind es bedeutungslose Einzelmeinungen. Warum Anleger darauf überhaupt reagieren und warum man den Banken auch nur die kleinste Beachtung schenkt, ist mir ein Rätsel.

Die großen Geldhäuser konnten in der Vergangenheit schließlich nicht mal für sich selbst sorgen.
Darüber hinaus kann niemand wissen, welche Eigeninteressen hinter den Aussagen stehen. War man short? Will man selbst günstig einsteigen? Immer wieder wird im Eigenhandel genau das Gegenteil von dem getan, was per Rating kommuniziert wird.

Und selbst wenn das nicht der Fall ist, die Banken liegen statistisch überwiegend falsch. Sowohl was die Einstufung von Aktien angeht, als auch bei der Vorhersage der Konjunktur, Leitzinsen, Inflation usw. Dennoch reagieren die Kurse von Aktien mitunter heftig.

Ein jüngeres Beispiel für einen ähnlichen „Vorfall“ wäre Bechtle. Bei Hauck & Aufhäuser kam es ebenfalls zu einem Wechsel des Analysten, zukünftig sollte die frische Uni-Absolventin Alina Kühler für den Wert zuständig sein.
Es folgte ein Downgrade von hold auf sell. Die Aktie rauschte noch am selben Tag um 7% in die Tiefe. Insgesamt ging es von 78 auf fast 65 Euro abwärts. Wir haben den Wert dann zum Kauf empfohlen. Heute steht die Aktie nahe 90 Euro.

Die Börse muss verrückt sein. Einerseits sollte man sich wohl für die gute Einstiegsgelegenheit bedanken, andererseits könnte man sich auch aufregen.

Charttechnischer Ausblick

Das Downgrade der Citigroup kam gerade zu richtigen Zeitpunkt, um einen möglichst großen technischen Schaden anzurichten. Da psychologische Faktoren die Fundamentaldaten kurzfristig immer überwiegen, sollte man wohl weitere Verluste einplanen.

Unterhalb von 22,65 Euro droht ein Rückfall in Richtung 21,25 und 20,00 Euro. Hier würde sich ein antizyklischer Einstieg anbieten.

Prozyklische Kaufsignale ergeben sich erst oberhalb von 24,00 Euro. Darüber wäre der Weg in Richtung 25 sowie 26 und 28 Euro frei.

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