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S&P 500: Direkt vom neuen Rekord zur runden 3.000er-Marke?

Während viele grundsätzlich bullische Analysten in den US-Medien gebetsmühlenartig wiederholen, wie billig der Aktienmarkt doch nach wie vor sei, wissen die meisten Investoren sehr wohl, dass das keineswegs der Fall ist. Nur unerfahrene Anleger oder komplette Aktienneulinge lassen sich davon blenden, dass diese Auguren, um den Markt billig zu reden, einfach die Gewinne der Zukunft hochrechnen und sie als Basis für ein angeblich günstiges Kurs/Gewinn-Verhältnis benutzen. Da werden bereits die hochgerechneten Gewinne des Jahres 2020 herangezogen. Doch nicht einmal die Unternehmen selbst könnten absehen, was sie in zwei Jahren verdienen werden. Und jeder alte Hase weiß: Einfach davon auszugehen, dass das derzeitige Momentum des Gewinnanstiegs sich fortsetzt hieße zu glauben, die Welt würde sich nicht weiter drehen.

Nimmt man beispielsweise die Berechnungsweise des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Shiller als Basis, würde man wohl umgehend vorsichtig. Der hat, um eine sinnvolle Berechnungsbasis zu erhalten, den Durchschnitt der Gewinne der letzten zehn Jahre errechnet und diesen um die Inflation bereinigt. Nach dieser Berechnung liegt das derzeitige Kurs/Gewinn-Verhältnis des marktbreiten S&P 500-Index bei 33,4. Nur kurz vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 lag es jemals höher. Vor dem Crash 1929 und dem des Jahres 1987 war es deutlich niedriger. Aber die meisten wissen auch sehr wohl, dass sie auf dünnem Eis tanzen. Die erfahrenen Entscheider bei den großen Fonds, Hedgefonds, Versicherungen und Pensionskassen sowieso. Trotzdem kauft man weiter. Warum?

Weil die Wall Street einen Risikofaktor nach dem anderen einfach weggesteckt hat. Ob es die möglichen Folgen eines eskalierenden Handelskriegs sind, die Gefahr eines Amtsenthebungsverfahrens beim US-Präsidenten, Nordkorea und Iran, ein zweitweise wieder steigender US-Dollar, die steigenden Leitzinsen und die lukrativen Zinsen am Anleihemarkt: Nichts scheint dem US-Aktienmarkt etwas anhaben zu können. Und so geht man davon aus, dass weniger erfahrene Anleger weiter in den Markt drängen werden, weil ihnen jedes Risikobewusstsein fehlt. Und sollte es doch eng werden, hofft man, zu denen zu gehören, die noch ganz oben verkaufen. Was indes umso fraglicher ist, je größer das Portfolio ist. Die milliardenschweren Portfolios der großen Fonds werden nicht imstande sein, nennenswert Positionen abzubauen. Denn sobald der Markt doch kippen sollte, wäre das Lager potenzieller Käufer natürlich leer. Wer aussteigen wollte, müsste es auf weit tieferem Niveau tun, weil darüber keine Kauforders warten. Aber solange das Momentum des Anstiegs noch vorhanden ist, wird auch das einfach verdrängt – man hat ja beim Verdrängen von Risiken Übung.

Da schwebt also eigentlich ein Damoklesschwert über dem S&P 500. Aber kurzfristig kann der Wille, hier auszusteigen, gering genug sein, um den Trend zu halten. Viele gehen davon aus, dass es zumindest bis zu den Zwischenwahlen weiter nach oben gehen wird. Die Regierung braucht gute Stimmung, wie immer vor Wahlen. Ein den Export begünstigender schwacher US-Dollar und neue Rekorde an der Wall Street sind da immer zuträglich. Und es dürfte genug geben, die alleine durch den Glauben, dass die Kurse deswegen weiter steigen, auch selbst weiter kaufen und so aus der Hoffnung ein Faktum machen. Zumal:

Sie sehen im Wochenchart, dass der S&P 500 in dieser Woche den Sprung über das alte rekordhoch vom Januar bei 2.872 Punkten vollzogen hat. Und bislang bleiben nennenswerte Gewinnmitnahmen aus. Das lässt hoffen, dass die klassischen „Rituale“ der Investoren greifen: Man versucht, eine neue runde Marke zu erreichen. Gut möglich also, dass dem neuen Rekordhoch der Anlauf an die 3.000 Punkte-Marke folgt. Die obere Begrenzung des im Mai etablierten Aufwärtstrendkanals würde diesen Punkt Anfang Oktober erreichen. Aber:

Chart vom 29.08.2018, Kurs 2.914,04 Punkte, Kürzel SPX

Wenn sich zu viele zu sicher sind, dass etwas passiert, führt das gerne mal zum Gegenteil. Denn dann kaufen diejenigen, die denken, dass der Anstieg von allein weitergeht, nicht weiter, wollen nur die Ernte weiter ansteigender Gewinne sehen und einfahren. Es kann also sein, dass dieser Hausse des S&P 500 die Käufer ausgehen. Und so etwas kann jederzeit passieren. Sobald dann das Momentum verlorengeht, werden kurzfristig Long agierende Trader schnell aussteigen, ggf. sogar ihre Positionierung auf Short drehen. Das muss nicht so kommen, aber gerade, wenn so viele jedwedes Abwärtsrisiko kleinreden, sollte man vorsichtig werden. Ein konsequenter Stop Loss zur Absicherung von Long-Trades ist gerade in solchen Phasen wichtig. Für sehr aggressive Trades würde sich die derzeit bei 2.856 Punkten verlaufende 20-Tage-Linie als Orientierung hierfür anbieten; für mittelfristige Positionen eher der Bereich knapp unter der Kreuzunterstützung aus den Hochs vom Februar und März und der unteren Begrenzung des Mai-Aufwärtstrendkanals im Bereich 2.789/2.802 Punkte.

Chart vom 29.08.2018, Kurs 2.914,04 Punkte, Kürzel SPX

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