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Euro/US-Dollar: Ist die Wende vom Tisch?

Nach dem Regelwerk der Devisentrader wäre ein steigender Euro/US-Dollar-Kurs grundsätzlich dann fundiert, wenn es eine klare Zinsdifferenz zu Gunsten des Euroraums gibt und die Erwartung besteht, dass sich die Zinsschere zu Gunsten der Euro-Anleihen ausweitet. Der Euro/US-Dollar-Kurs steigt zwar. Aber was die Zinsdifferenz und deren Perspektive angeht, ist das Gegenteil der Fall: In den USA steigen die Leitzinsen, liegen die Anleihe-Renditen meilenweit über denen in Europa. Der US-Dollar müsste begehrt sein. Was er auch bis vor zwei Wochen war. Jetzt aber steht das Bild auf dem Kopf.

Ein anderes Argument für eine starke Währung wäre, dass sich internationale Investoren in diesen Währungsraum drängen, die Nachfrage nach Anleihen und Aktien aus diesem Raum steigt. Das hieße, die Nachfrage nach dieser Währung steigt, entsprechend zieht deren Kurs an. Aber es sind die US-Indizes, die stark steigen, die Euro-Indizes schleichen nur langsam höher. Aus dem Euroraum war man vor Kurzem noch aus Angst vor einer kollabierenden türkischen Wirtschaft und der auf die EU ausstrahlenden Ansteckungsgefahr, wegen der Sorgen um einen unkoordinierten BrExit und der Risiken eines eskalierenden Handelskriegs geflohen. Und diese Risiken sind weiterhin da. Aber es ist dennoch der Euro, der zulegt.

Das, was man normalerweise in dieser Gemengelage erwarten dürfte, ist also auf den Kopf gestellt. Aber das passiert ja nicht zum ersten Mal. Der Euro stieg seit Donald Trumps Amtsantritt über 13 Monate lang, bevor es zu einer Abwärtswende kam. Er stieg ohne fundamentalen Unterbau, aber zur Freude der US-Unternehmen. Denn je teurer die Währung der Konkurrenz, je billiger die eigene, desto mehr Gewinn erzielt man mit seinen Waren außerhalb des eigenen Währungsraums. Der Euro/US-Dollar-Kurs war ein Politikum. Aber eines, das man nicht anspricht, weil niemand sich vorwerfen lassen will, einen Währungskrieg zu führen. Erst recht nicht die USA, immerhin warf man dort China und Europa vor, die eigene Währung zu manipulieren. Da kommt es ungut, wenn man den die US-Exporteure und damit das US-Wachstum stützenden Abstieg der eigenen Währung erklären soll und nicht kann. Also wird das Thema unter den Teppich gekehrt.

Was wir im Kurs sehen, sind die entscheidenden Fakten. Nur die zählen, wenn es gilt, einem Trend folgend einen Gewinn zu erzielen. Interessant ist der Blick auf die Hintergründe dennoch. Der Abstieg des Euro, die Renaissance des US-Dollar, konnte den USA nicht recht sein, wir hatten das mehrfach hervorgehoben. Es schein nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die Gegenwehr gegen diese Dollar-Stärke kommen würde. Jetzt rücken die wichtigen „Midterm Elections“ näher (6. November). Die Republikaner müssen ihre Mehrheiten in den Kammern des Kongresses verteidigen, sonst wird Trump nahezu handlungsunfähig. Starkes Wachstum kommt da immer gut, ebenso wie eine haussierende Wall Street. Ein schwacher US-Dollar schiebt das Wachstum an, hilft auch den US-Aktien. Und die ersten Berechnungen zum Wachstum des am 30.9. endenden dritten Quartals kommen knapp zwei Wochen vor eben diesen Midterm Elections. Was bedeutet:

Chart vom 28.08.2018, Kurs 1,1696 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Ja, die Abwärtswende des Euro zum US-Dollar kann sehr wohl vom Tisch sein, denn man kann vermuten, dass die USA diesem neuen Aufwärtsimpuls höchst erfreut gegenüberstehen. Noch kämpft sich der Kurs zwar, nachdem er ausgerechnet am „Trump-Peak“ bei 1,1299 US-Dollar, dem Zwischenhoch vom Tag nach der US-Wahl vom November 2016, gedreht hatte, durch eine ganze Phalanx an Widerstandslinien. Aber dass der Kurs gestern nach der Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation auch noch die Juni-Abwärtstrendlinie überwand, begleitet von einem Kaufsignal des Trendfolgeindikators MACD, gibt den Bullen hier klaren Rückenwind. Das nächste markantere Kursziel wäre die 200-Tage-Linie bei aktuell 1,1960 US-Dollar.

Chart vom 28.08.2018, Kurs 1,1696 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

 

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