Börsenblick

Zurück September Weiter
Zurück 2018 Weiter

Dow Jones: Hexensabbat, Dollar-Rallye, Handelskrieg – Vorsicht!

Ob es das Chartbild ist oder die Rahmenbedingungen: In den letzten Monaten beschleicht einen Investor das Gefühl, dass das US-Index-Flaggschiff Dow Jones keine wirklich solide Struktur aufweist. Der Weg in eine Eskalation des auch und womöglich gerade die USA selbst belastenden Handelskriegs wirkt zwar vorgezeichnet, aber immer wieder steigen die Notierungen des Index rapide an, wenn die Medien die Meinung schüren, man werde sich einigen. Mit der EU, mit Kanada und Mexiko, mit China. Dass es dazu bislang nicht gekommen ist, diese Hoffnungen immer wieder neu aufgewärmt werden müssen, mag vielen nicht auffallen, weil der Index zulegt, den Eindruck erweckt, die Lage sei tadellos.

Und was die Unternehmensergebnisse zum zweiten Quartal angeht, das Bruttoinlandsprodukt, den Einzelhandelsumsatz oder den Arbeitsmarkt, sind die Zahlen in den letzten Monaten gut gewesen. Die Maßnahmen der US-Regierung scheinen „zu liefern“. Grundsätzlich wäre die Chance gut, dass der Dow Jones diese untypisch breite und nicht minder untypisch zerfahrene Seitwärtsbewegung der letzten sechs Monate beendet, indem er nach oben ausbricht, an und über das bisherige Rekordhoch von 26.617 Punkten läuft. Aber nur, wenn die Mehrheit der Akteure den schönen Schein als Grundlage ihrer Entscheidungen wählt, denn:

Dass dieser Handelskrieg gut ausgeht, zu Gunsten der USA und deren Wachstum, dafür gibt es derzeit keinerlei Belege. Nicht einmal für die angeblich so nahen Einigungen zwischen den USA und ihren zahlreichen „Gegnern“ an sich. Hinzu kommt jetzt, dass der US-Dollar erneut kräftig zulegt. Das bringt die meist in US-Dollar verschuldeten Emerging Markets in Schwierigkeiten. Aber auch ihre oft US-amerikanischen Gläubiger würden, sollte die US-Dollar-Rallye anhalten, unter ausstehenden Zins- und Tilgungsraten oder ganz platzenden Riesen-Krediten leiden. Zugleich bremst der feste US-Dollar die Exportperspektiven der US-Unternehmen aus. Und der Vorteil billigerer Rohstoffimporte relativiert sich, nachdem die USA vor allem unter Trump Riesenschritte unternommen haben, um dahingehend so autark wie möglich zu werden.

Der am Donnerstag veröffentlichte Konjunkturindex der regionalen US-Notenbank von Philadelphia ist ein interessanter Indikator für die derzeitige Lage und Perspektiven der kommenden Wochen. Dieser Indikator, der das Geschehen einer der wichtigsten Industrieregionen der USA misst, fiel für August auf den tiefsten Stand seit der US-Wahl im November 2016. Und es war vor allem der Subindex der Auftragseingänge, der immens deutlich zurückkam. Die kurzfristig starken Konjunkturdaten des zweiten Quartals wurden durch den unmittelbaren, ersten Effekt der Steuerreform befördert. Ob die US-Wirtschaft jetzt ohne diesen Anschub-Effekt weiter dynamisch wachsen wird, ist völlig offen und, mit Blick auf Handelskrieg und Dollar-Rallye, zumindest fraglich. Sollten die Investoren diesen Aspekt berücksichtigen, wäre der Weg des Dow Jones über die nahe gekommene obere Begrenzung der breiten Handelsspanne (bei 25.800 Punkten) steinig. Und eines muss man im Hinterkopf behalten:

Chart vom 17.08.2018, Kurs 25.669,32 Punkte, Kürzel INDU

Am Freitag ging wieder einmal eine Abrechnung an der Terminbörse über die Bühne. Die in den USA immens wichtigen Optionen auf Aktien und Indizes wurden abgerechnet. Wenn es zu schaffen ist, wird versucht, diese Abrechnung am oberen Ende der Index-Handelsspanne seit der letzten Abrechnung zu vollziehen. Dass der Dow Jones binnen zwei Tagen, vom Tagestief des Mittwochs bis zum Hoch des Freitags, sagenhafte 760 Punkte oder drei Prozent zugelegt hat, dürfte großenteils auf diese „Hexentänze“ im Zuge der Optionsabrechnung zurückzuführen sein. Vorher war der Index ja bereits wieder auf dem Weg nach unten. Und da der Sogeffekt solcher Abrechnungstermine mit deren Ablauf endet, ist es keineswegs beschlossene Sache, dass der Dow mit einem Schlusskurs, der hinreichend klar über 25.800 Punkten, dem oberen Ende der breiten Handelsspanne, liegt, ein bullishes Signal wird generieren können.

Chart vom 17.08.2018, Kurs 25.669,32 Punkte, Kürzel INDU

Auch interessant:

"Ein harter Brexit ist nicht ausgeschlossen." Interview mit Robert Halver | LYNX fragt nach
DAX - Trendwende oder Strohfeuer? | LYNX Marktkommentar
Smart Beta ETFs im Fokus: Wie lege ich mein Geld an? Interview mit Markus Kaiser | LYNX fragt nach
Handeln über LYNX: Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • niedrige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN