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US-Dollar/Yuan: Die leise Waffe gegen laute Präsidenten

In China gehört es zum guten Ton, auch ernsthafte und/oder emotional gefärbte Konflikte mit vollendeter Höflichkeit auszutragen. Das heißt indes nicht, dass die Messer nicht blitzen würden. Aber sie blitzen eben dezent. Ein Mann wie Donald Trump tritt da permanent in Fettnäpfchen. Zumal er nicht versteht, dass man in China durchaus vordergründig nachgiebig wirken, de facto aber knallhart dagegenhalten kann.

Und ein tadelloses Mittel gegen zu laut polternde US-Präsidenten ist die chinesische Währung. Wie üblich tut auch China vordergründig so, als sei man über den Wertverfall des Yuan zum US-Dollar nicht erfreut, gar entsetzt. Aber natürlich ist man darüber in Wahrheit hocherfreut.

Und auch wenn Trump regelmäßig beklagt, dass China seine Währung manipulieren würde … man sollte in den USA da besser zurückhaltend sein. Denn auch der trotz steigenden US-Leitzinsen so steil fallende US-Dollar im Jahr 2017 war kein Zufall, sondern politisch zumindest freudig gebilligt.

Der Punkt ist: Je schwächer die eigene Währung, desto besser. Denn dadurch können die eigenen Exporte im Ausland günstiger angeboten werden und dennoch denselben Gewinn bringen, zugleich werden die Importe aus dem Ausland im eigenen Land teurer, was wiederum die heimischen Unternehmen unterstützt. Und das ist eine perfekte Waffe gegen Trumps Strafzoll-Keule.

Expertenmeinung: China hat den Vorteil, die eigene Währung relativ gut steuern zu können. Der Yuan ist zwar offiziell ebenso alleine den Marktkräften ausgesetzt wie alle anderen Währungen auch, aber man kann eben ein wenig „regulieren“.

Unser Chart kommt daher ohne viele Trendlinien aus, nur eine Linie zählt: Das Hoch der Jahreswende 2016/2017 bei 6,99 Yuan für einen US-Dollar. Dort ist der Kurs jetzt fast angekommen. Und stellt damit eine perfekte Gegenwehr gegen die Strafzoll-Spirale der USA dar. Dass die Relation ausgerechnet damals, Anfang 2017, als Donald Trump sein Amt übernahm, zu fallen begann, ist einerseits dem oben erwähnten, inoffiziell gebilligten Dollar-Abstieg im Jahr 2017 zu verdanken. Aber auch dem Umstand, dass China bereit war, den USA entgegenzukommen, durch einen billigeren US-Dollar einen besseren Marktzugang der US-Unternehmen zu ermöglichen.

In dem Moment, als die US-Regierung begann, sich trotzdem mit China anzulegen, hatte diese freundliche Mithilfe beim Abstieg des US-Dollars indes ein Ende. Seit den ersten ernstlichen Strafzoll-Drohungen steigt der US-Dollar, die US-Waren werden dadurch in China immer teurer oder erreichen, wenn die Unternehmen die Preise nicht erhöhen, geringere Gewinnspannen. Und gleichzeitig werden chinesische Waren in den USA billiger.

Was bedeutet: Diese Rallye des US-Dollars zum Yuan hebelt Trumps Strafzölle aus. Höhere US-Zölle auf chinesische Waren werden durch den höheren Gewinn aufgrund des für China im Wert steigenden US-Dollar kompensiert. Und zugleich werden die US-Unternehmen für ihren polternden Präsidenten bestraft, indem der teure US-Dollar ihre Waren in China immer schwerer verkäuflich macht oder alternativ die Gewinnmarge auffrisst. Sollte es jetzt zu einer weiteren Eskalation des Handelskriegs kommen, darf man vermuten, dass die US-Dollar/Yuan-Relation wie von Geisterhand über die 6,99er-Hürde laufen würde. Ein höchst subtiles Mittel gegen die aggressive US-Politik.

Chart vom 15.08.2018, Kurs 6,9436 Yuan, Kürzel USD.CNH

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