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Linde bricht ein: Scheitert die Fusion mit Praxair?

Linde ist einer der weltweit führenden Hersteller von Industriegasen und Prozessanlagen zur Gasgewinnung. Das operative Geschäft des 1879 gegründeten Unternehmens ist in zwei Divisionen geteilt: Industriegase & Medizinische Gase sowie den wesentlich kleineren Bereich Anlagenbau.

US-Kartellbehörden funken dazwischen

Die Fusion von Linde und Praxair könnte auf der Kippe stehen. Die Federal Trade Commission (FTC) wird dem Zusammenschluss wohl nur zustimmen, wenn Linde und Praxair weitere Unternehmensteile verkaufen.
Der Schritt kommt unerwartet, hatte Linde doch bereits Teile des Amerikageschäfts für 2,8 Mrd. Euro veräußert. Ebenso hatte sich Praxair von einem Großteil des Europageschäfts mit einem Wert von 5,0 Mrd. Euro getrennt.

Dennoch verlangt die FTC jetzt weitere Veräußerungen und genau hier liegt das Problem:

Gemeinsam hatte man sich darauf geeinigt, die Fusion womöglich abzublasen, wenn man Unternehmensteile mit mehr als 3,7 Mrd. Euro Umsatz oder 1,1 Mrd. Euro an operativem Gewinn veräußern müsse. Das könnte nun der Fall sein.

Die Konzerne drücken es wie folgt aus:
Auf Basis der laufenden Gespräche mit der FTC und den sonstigen Wettbewerbsbehörden und des gegenwärtigen Kenntnisstands besteht zudem eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine Obergrenze für Veräußerungszusagen, die nach dem Business Combination Agreement von jedem Vertragspartner zu akzeptieren sind, überschritten wird.

Beide Unternehmen versuchen aber weiterhin, die Fusion erfolgreich abzuschließen. Man arbeite mit der FTC zusammen und prüfe die Bedingungen und ob man diese noch rechtzeitig umsetzen könne.

Es besteht also weiterhin die Chance auf eine erfolgreiche Fusion.

Warum reagieren die Kurse so negativ?

Die Fusion der beiden Gaskonzerne wurde sowohl von Branchenkennern als auch Aktionären auf beiden Seiten begrüßt und ergab strategisch und langfristig Sinn. Die besseren Wachstumsaussichten von Linde hätten durch die höhere Profitabilität von Praxair weiter befeuert werden können.

Dementsprechend groß wäre jetzt die Enttäuschung.
Darüber hinaus wären die bereits getätigten Verkäufe im Falle eines Scheiterns umso ärgerlicher und würden das Geschäft schwächen.

Zwei wirklich gute Unternehmen

Langfristig überzeugt vor allem die Entwicklung bei Linde, derzeit wäre es tatsächlich auch noch eine Fusion auf Augenhöhe gewesen. Bald wohl nicht mehr.
Beim Wachstum und auf Basis des Umsatzes hat Linde die Nase vorn. Jedoch sind die Margen bei Praxair höher, beim Cashflow und Gewinn ist der Abstand gering.

Dennoch hätte Linde wohl etwas mehr als 50% am gemeinsamen Unternehmen fordern können und sollen. Das zeigt der Blick auf die Zahlen.

Linde vs. Praxair

Linde hat den Umsatz in den zurückliegenden zehn Jahren von 12,7 auf 17,1 Mrd. Euro gesteigert. Das Ergebnis legte von 4,24 auf 7,72 Euro je Aktie zu.
Das Nettoergebnis lag in den letzten drei Jahren durchschnittlich bei 1,25 Mrd. Euro und der freie Cashflow bei 1,74 Mrd. Euro.

Bei Praxair kletterte der Umsatz hingegen nur von 10,8 auf 11,4 Mrd. USD und das Ergebnis von 4,20 auf 5,85 USD je Aktie.
Das Nettoergebnis lag in den letzten drei Jahren umgerechnet durchschnittlich bei 1,24 Mrd. Euro und der freie Cashflow bei 1,21 Mrd. Euro.

Linde sollte demnach höher bewertet werden und daraus resultiert natürlich, dass die Amerikaner wohl einen etwas besseren Deal gemacht haben. Welche Aktie sollte im Falle eines Scheiterns also stärker nachgeben?
Das Gegenteil ist aktuell der Fall. Linde notiert knapp 9% im Minus, Praxair vorbörslich nur bei -5%.

Fundamentale Bewertung

Die Kernfrage ist natürlich, ob die Fusion gelingt oder nicht und ob Linde kaufenswert ist.

Linde kommt derzeit auf ein KGV von 22,7 und ein KGVe von 20,3 nach durchschnittlich 23,6 in den letzten fünf Jahren. Die Dividendenrendite liegt bei 2,3%.

Das Unternehmen ist somit historisch eher günstig, im Verhältnis zum Gewinnwachstum aber eher fair bis hoch bewertet. Strategisch wäre ein erfolgreicher Abschluss der Fusion wohl die bessere Option.

Charttechnischer Ausblick

Langfristig ist die Aktie klar bullisch, das multiple Top nahe 195 Euro belastet aber durchaus das Chartbild.
Kurzfristig drohen unterhalb von 175 Euro weitere Verluste in Richtung 170 und 165 Euro. Wird die Unterstützung bei 158 Euro unterschritten, trübt sich das Chartbild nachhaltig ein.

Intraday ist es aber bereits zu einer Erholung gekommen und die ersten Panikverkäufe wurden schnell aufgefangen. Bleibt die Tageskerze ähnlich bestehen oder steigen die Kurse im Tagesverlauf noch weiter, haben die Bären ihre Chance vorerst wohl vertan.
Im Falle eines Kursanstiegs über 175 Euro würde sich die Lage entspannen und den Weg in Richtung 180 und 185 Euro freimachen. Darüber kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal.

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