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L Brands: Herdentrieb + Kreditzyklus = 7% Dividende

L Brands ist ein Fachhändler für Damenunterwäsche und andere Bekleidung, Schönheits- und Körperpflegeprodukte, Raumduftprodukte und Accessoires. Am bekanntesten ist das Unternehmen sicherlich für Victoria’s Secret sowie Bath & Body Works

Ein Paradebeispiel für den Kreditzyklus

Für die Aktionäre von L Brands war das Jahr bisher alles andere als erfreulich. Doch wie kam es zum Absturz?

Schaut man sich den Kursverlauf von L Brands über die letzten 20 Jahre an, ergibt sich ein erstaunliches Bild. Bis 2014 laufen Gewinn und Aktienkurs geradezu parallel und Hand in Hand. Ab 2014 entkoppelte sich die Aktie plötzlich und die P/E stieg vom historischen Wert von 15 bis auf 30.

Man vergisst diese Tatsachen allzu schnell, aber damals brummte der Einzelhandel und das Geschäft mit Bekleidung sowie Pflegeprodukten seit Jahren. Die Stimmung war bestens, die Erwartungen stiegen immer höher.

Die Aussichten waren also gut, so zumindest die einhellige Meinung der Anleger. Also war man bereit, für Unternehmen aus dem Sektor eine P/E von 25 oder 30 zu zahlen, nicht wie über Jahre hinweg üblich eine P/E von 12 oder 15.

Die Unternehmen expandierten also, Kredite wurden bewilligt, es floss frisches Geld in die Branche.

Doch plötzlich wurde allen schlagartig klar, dass ein Großteil der neuen Flächen überhaupt nicht gebraucht wurden, nicht profitabel waren und die Konkurrenz aus dem Internet immer größer wurde.

Die Aktienkurse stürzten ab, nicht nur von L Brands. Schauen Sie sich die Kursverläufe von Hugo Boss, Gerry Weber, Fossil, Foot Locker und vielen anderen an.

Nehmen wir das Beispiel Hugo Boss: Der optimale Einstiegspunkt war der Moment der schlechtesten Nachrichten. Vom Tief legte die Aktie anschließend um mehr als 70% zu. Erfolgreiche Anleger benötigen das was Howard Marks als „Second Level Thinking“ bezeichnet.

Oft sind schlechte Prognosen und Hoffnungslosigkeit die besten Freunde des Investors und eben nicht „gute Unternehmen mit tollen Aussichten“.

Der Herdentrieb

Retrospektiv erscheinen die Vorgänge absurd. Eine ganze Branche mit Millionen Mitarbeitern, unzähligen Experten und die Masse der Anleger lagen vollkommen falsch. Warum? Herdentrieb.

Für den Kreditzyklus wie für die Börse gilt:
Die meisten Menschen schwimmen lieber mit der Masse mit. Auch wenn sie es nicht merken und auch gar nicht möchten!
Es ist emotional äußerst schwierig, sich dem Herdentrieb zu entziehen. Der Mensch möchte Anerkennung. Steigende Kurse haben etwas Magisches, sie ziehen uns in ihren Bann. Man möchte dabei sein und nichts verpassen.

Alle Menschen sind anfällig für dieses Phänomen. Doch an der Börse winken die großen Gewinne nur denen, die sich der Zyklen und menschlichen Schwächen, vor allem den eigenen, bewusst sind.

Sollten Sie sich für die Themen Risiko, Kreditzyklus und Investing interessieren, kann ich Ihnen das Buch The most important Thing” von Howard Marks nur empfehlen. Ohne jeden Zweifel einer der erfolgreichsten Investoren der letzten Jahrzehnte.

Eine Anekdote aus dem Buch bringt die Zyklen an der Börse recht gut auf den Punkt.

Ein alter Investor erklärte Marks, wie ein Bullenmarkt beschaffen sei. Er bestehe demnach aus drei Phasen. – Der ersten, in der wenige weitsichtige Investoren erkennen, dass sich die Lage wieder bessern wird.
– Der zweiten, in denen es der Masse der Anleger klar wird.
– Und der dritten, in der jeder denkt, es gehe unentwegt weiter bergauf.

Und eben umgekehrt. In diesem Sinne schließe ich mit Warren Buffett: „Be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful.“

Fundamentale Bewertung

Kommen wir zurück zu L Brands. In den Jubeljahren ist die P/E von 15 auf 30 gestiegen und dann auf 10 eingebrochen.
Es ist geradezu die Regel, dass Sektoren am höchsten bewertet sind, kurz bevor sich die Rahmenbedingen verschlechtern. Ein Großteil der Probleme ist auf den Kreditzyklus zurückzuführen. So auch hier.

Die Quartalszahlen waren zuletzt schlecht, die Prognosen mussten gekürzt werden und die Stimmung ist am Boden. Doch die Branche konsolidiert sich selbst. Einige Konkurrenten haben aufgegeben. Läden wurden geschlossen und expandiert wird kaum oder gar nicht.

Diese Fakten werden die Basis für positive Überraschungen bilden. Denn Anleger und Analysten (die ihre Berufsbezeichnung zu 95% nicht verdienen) trauen dem Sektor quasi gar nichts mehr zu.

Wir lassen Zahlen sprechen

Doch die Realität sieht wie folgt aus. In den letzten zehn Jahren stieg der Umsatz von L Brands von 9,0 auf 12,6 Mrd. USD, auch in den letzten 3 Jahren ist man durchweg gewachsen.

Gleichzeitig haben sich die Margen verbessert und man hat stetig eigene Aktien zurückgekauft. Und das mit Augenmaß, vor allem in der Finanzkrise und in den letzten beiden Jahren.

Der Gewinn legte daher von 0,65 auf 3,42 USD je Aktie zu. Auch wenn er 2016 bei 4,22 USD lag und seitdem rückläufig ist.

Der letzte Kursrutsch wurde durch eine Senkung der Prognose verursacht, für 2018 erwartet man nur noch einen Gewinn von 2,70 – 3,00 USD.

Das sollte es gewesen sein. Neue Tiefs wurden nicht mehr markiert und das ist der Punkt.

Die forward P/E liegt im schlimmsten Fall bei 11,8 nach durchschnittlich 19,7 in den letzten fünf Jahren und einem historisch normalen Wert von 15.

Die Dividendenrendite ist mit 7,5% nicht ganz unerheblich und gut finanziert.

Charttechnischer Ausblick

Wie bereits zuvor angesprochen, konnten die Bären nach den letzten Negativmeldungen keine neuen Tiefs mehr erzwingen. Kaum einer scheint mehr gewillt, unter den aktuellen Kursen zu verkaufen.

Die Unterstützung bei 30 USD hat gehalten und die Aktie wird an der unteren Trendlinie vermehrt gekauft. Es besteht nun durchaus die Chance auf eine Gegenbewegung in Richtung 35,50 und 37,50 USD. Darüber würde sich das Chartbild maßgeblich aufhellen.

Fällt der Wert hingegen unter 30 USD, haben die Bullen ihre Chance vertan.

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