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Amazon: Das hat kaum jemand auf dem Schirm

Amazon ist der weltweit führende Online-Versandhändler. Das Unternehmen, das im Jahr 1995 als Online-Buchhandel gegründet wurde, bietet heute in mehr als 150 Ländern eine breit gefächerte Produktpalette, die nahezu alle Konsumgüter abdeckt.

Über die integrierte Verkaufsplattform Marketplace können auch Drittanbieter z.B. Privatpersonen oder gewerbliche Verkäufer neue oder gebrauchte Produkte anbieten.

Disruptiv ist noch untertrieben

In Wirklichkeit reicht die Strategie von Amazon jedoch viel weiter. Das Unternehmen entwickelt sich konsequent zu einem Vollausstatter für das gesamte Leben. Eine Branche nach der anderen wird disruptiv unter Druck gesetzt und dem Konzern einverleibt.

Amazon steht an der Spitze der Smart-Home-Entwicklungen, das Kindle ist zum Standard geworden, man ist Marktführer im Cloud-Sektor. Prime Video, Musikstreaming, Amazon Basics, Pantry, Alexa, Echo, FireTv – Amazon hat ein Ökosystem für das gesamte Leben geschaffen und alles ist vernetzt.
Die Kundenzufriedenheit ist entscheidend und außerordentlich hoch, nutzt ein Kunde erst einen Service, ist es sehr wahrscheinlich, dass es bald mehrere sind. Auch Produktsuche und der Preisvergleich verlagert sich immer mehr von Google und anderen Plattformen zu Amazon.

Wie sehen die Quartalszahlen aus?

Im Hintergrund ist so viel in Bewegung, selbst die Auflistung der Quartalshighlights in der Pressemitteilung ist mehrere Seiten lang. Bricht man es auf die Zahlen herunter, sieht es wie folgt aus:

Der Umsatz ist auf Jahressicht um 39% auf 52,9 Mrd. USD gestiegen, lag aber unter den Erwartungen von 53,4 Mrd. USD.

Der Gewinn legte von 0,40 auf 5,07 USD je Aktie zu und pulverisierte die Prognosen von 2,50 USD regelrecht.

Fehlende Profitabilität ein Märchen

Doch warum sprudeln die Gewinne plötzlich? Die Bruttomarge von Amazon ist in den zurückliegenden Quartalen von 30 auf 40% gestiegen. Gemeinhin wird dem Versandhändler eine fehlende Profitabilität vorgeworfen, doch nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein.

Nehmen wir zum Vergleich einige der größten Einzelhändler der USA. Die Bruttomarge von WalMart liegt bei 25%, Target kommt auf 24% und Costco auf 13%.
Festhalten: In Wirklichkeit hat Amazon seinen Rohertrag im ersten und zweiten Quartal jeweils um einen höheren Dollarbetrag gesteigert, als die fünf größten US-Einzelhändler zusammen.

Diese Mittel wurden in der Vergangenheit aber umgehend reinvestiert. Amazon hat weltweit riesige Logistikzentren und Serverfarmen errichtet. Produkte wie Alexa, Echo, Kindle, FireTv, Prime Video usw wurden aus dem Boden gestampft. Inzwischen hat man in zahlreichen Segmenten die Marktführerschaft erkämpft. Das hat Geld gekostet. Jetzt soll Geld verdient werden.

Das Cloud-Geschäft AWS wächst weiterhin stark. Der Umsatz kletterte um 49% auf 6,1 Mrd. USD. Die hochprofitable Sparte ist inzwischen also für mehr als ein Zehntel der Konzerneinnahmen verantwortlich. Das operative Ergebnis legte stark überproportional um 79% auf 1,64 Mrd. USD zu.

Das hat kaum jemand auf dem Schirm

Zuvor hatte ich auch bereits angesprochen, dass sich die Suche nach Artikeln und den besten Preisen immer stärker von den Suchmaschinen direkt auf die Amazon-Plattform verlagert.
Sind Sie selbst Nutzer, kennen Sie dieses Phänomen vielleicht. Steuern Sie manchmal direkt amazon.de an, um ein Produkt zu suchen und überspringen die Suchmaschinen?

Dementsprechend schalten auch immer mehr Händler Werbung direkt auf der Seite. In der Bilanz läuft Advertising bisher noch unter „other revenue“, doch es ist bereits zu einem riesigen Thema geworden.

In diesem Quartal wurde durch Ads ein Umsatz von 2,2 Mrd. USD erzielt, ein Plus von 129% zum Vorjahr. Die Ergebnisse des Segments werden nicht gesondert ausgewiesen, die Vermutung liegt aber nahe, dass der Bereich ebenfalls hochprofitabel ist.
Man sollte diesen Punkt nicht unterschätzen, denn Unternehmen wie Google und Facebook finanzieren sich fast ausschließlich durch Werbeeinnahmen.

Branchenkenner erwarten, dass Amazon binnen weniger Jahre zum drittgrößten digitalen Anzeigenverkäufer nach Google und Facebook aufsteigen wird.

Auch diese Aktie folgt nur Zahlen

Amazon ist meiner Ansicht nach eines der besten Unternehmen weltweit. Ich habe diese Haltung bereits in mehreren Artikeln und Webinaren zum Ausdruck gebracht. Dennoch gilt auch hier: Keine Aktie ist unendlich viel Wert.

Im letzten Artikel stellte ich daher die Frage: „Wo würde ich wieder kaufen?“

Die Antwort lautete wie folgt: „Im Zuge des jüngsten Rücksetzers, wurde bereits […] die erste Kaufzone bei 1.430 USD erreicht. […] würde ich gerne zwischen 1.300 und 1.350 USD weiter aufstocken.“

Die Aktie von Amazon hat nach der Analyse exakt bis 1.350 USD zurückgesetzt und kannte anschließend nur noch eine Richtung. Aktuell notiert der Wert bei 1.880 USD.

Doch wie bin ich zu diesem Schluss gekommen?

Da Amazon kaum einen Gewinn meldet, sondern nahezu alle Mittel reinvestiert, muss die Bewertung im Verhältnis zu anderen Faktoren erfolgen. Taucht man etwas in die Zahlen ein und vergleicht diese mit dem Aktienkurs, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Amazon bewegt sich seit mehr als einem Jahrzehnt im Gleichklang mit dem Rohertrag und dem operativen Cashflow. Auf Basis dieser Zahlen ergab sich für dieses Jahr eine „normale“ Handelsspanne von 1.000 bis 1.700 USD.
In diesem Bewertungskorridor bewegt sich die Aktie historisch. Große Ausreiser sind eher selten und erfolgen fast ausschließlich zur Oberseite. Ein Kauf in der unteren Hälfte der Spanne hat sich als erfolgreiche Strategie erwiesen. Wie auch Anfang dieses Jahres.

Aktuelle Bewertung

Seit der letzten Analyse wurden Zahlen für das erste und zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt. Diese lagen über den Erwartungen und dementsprechend ändert sich das Ergebnis der zuvor angestellten Rechnung. Das obere Ende der nach meinen Modellen „normalen“ Handelsspanne liegt inzwischen bei 1.785 USD.

Vielleicht ist an dieser Stelle aber auch ein Ausblick für 2019 angebracht. Können alle Prognosen erfüllt werden, liegt die „normale“ Handelsspanne zwischen 1.350 und 2.250 USD.

Um einen Kauf aus fundamentaler Sicht zu begründen, muss man also schon auf die Zahlen für das nächste Jahr zurückgreifen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist aktuell also nicht unbedingt optimal.

Charttechnischer Ausblick

Die Aktie ist übergeordnet klar bullisch und der Weg des geringsten Widerstands scheint weiterhin aufwärtsgerichtet zu sein.
Oberhalb von 1.850 USD kommt es zu einem Kaufsignal mit einem möglichen Kursziel nahe der psychologisch bedeutenden Marke bei 2.000 USD.

Grundsätzlich würde der Aktie aber auch eine Korrektur guttun. Unterhalb von 1.800 USD wäre Platz bis 1.750 USD und darunter bis zum Unterstützungsband zwischen 1.600 und 1.650 USD. Hier könnte man durchaus wieder über strategische Zukäufe nachdenken.

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