Börsenblick

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Dow Jones: Ein seltsamer Deal begeistert die Bullen

Es war verblüffend, dass die US-Investoren offenbar guter Dinge waren, dass das Gespräch ihres Präidenten mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker positiv verlaufen würde, womöglich sogar ein überraschender „Deal“ dabei herauskäme. An einem Tag, an dem Boeing trotz guter Zahlen unter Druck stand und das Ergebnis von General Motors nicht das erste war das unterstreicht, dass der Bumerang-Effekt von Trumps aggressiver Handelspolitik nicht lange auf sich warten ließ. Und das, obgleich man am deutschen Aktienmarkt den Kopf einzog.

Auf Basis desselben Gespräches, mit der Befürchtung, dass das Eis danach nicht schmelzen, sondern womöglich noch dicker werden könnte. Oder war es etwas anderes, das die Marktteilnehmer in den USA dazu brachte, ein anfänglich deutliches Minus im Index-Flaggschiff Dow Jones sukzessive aufzuholen, je näher der Zeitpunkt rückte, an dem sich die Türen des Raums öffnen würden, hinter denen Trump und Juncker sich besprachen?

Das ist wahrscheinlich. Es kann sich um dieselbe Motivation gehandelt haben, mit der am Tag zuvor in Europa fleißig gekauft wurde: Der Versuch, einen Puffer zu schaffen, um sicherzustellen, dass es im Fall einer negativen Reaktion auf dieses Meeting nicht zum Bruch charttechnisch relevanter Marken kommen würde. Denn das würde den Druck durch Verkäufe von kurzfristigen Tradern bzw. deren Switch auf die Short-Seite noch intensivieren.

Da kommt es für große Adressen billiger, im Vorfeld zu kaufen, anstatt ansonsten erst auf einem deutlich tieferen Niveau aussteigen zu können. Und wer weiß, vielleicht käme der „Deal“ ja wirklich und man hätte mit diesen Käufen gleich zu Beginn einer Super-Rallye zugegriffen. Aber wissen konnte das niemand. Und die Handelszeit verstrich … bis plötzlich nur 25 Minuten vor Handelsende durchsickerte, es habe tatsächlich eine Annäherung gegeben!

In nur 15 Minuten schoss der Dow Jones um 200 Punkte höher. Es wurde kolportiert, die EU habe einer Senkung der Industriezölle ebenso zugestimmt wie höheren US-Soja-Importen. Und in der Tat, im Zuge der erst nach US-Handelsende begonnenen Pressekonferenz bestätigte Juncker das. Und nicht nur das. Er erklärte, man wolle auf weitere Schutzzölle verzichten und mehr US-Gas importieren. Und er sei ja auch mit der Absicht eines „Deals“ nach Washington gereist.

Da blieb manch einem der Mund offen stehen, denn im Vorfeld hatte er erklärt, er habe keine konkreten Vorschläge in der Tasche. Und von vielen Seiten war er aufgefordert worden, hart zu bleiben. So gesehen ist der Jubel der Investoren eventuell voreilig, denn das, was Juncker da zugestanden hat, müsste die EU insgesamt billigen. Was man bezweifeln darf. Zumal Donald Trump nichts als Gegenleistung zu bieten hatte außer, dass man zusammen an der Beseitigung der Stahl- und Aluminium-Strafzölle arbeiten werde und die Industriezölle für „Nicht-Automobil-Produkte“ sinken sollen, was klar machte:

Die Auto-Zölle und damit auch mögliche Strafzölle sind ausgenommen. Das wirkte wie ein „Umkippen“ Junckers unter dem Vorbehalt, dass die gesamte EU mit ihm umkippt. So gesehen ist auch dieser dadurch gelungene Intraday-Turnaround des Dow Jones einer mit Vorbehalt.

Chart vom 25.07.2018, Kurs 25.414,10 Punkte, Kürzel INDU

Da darf man auf den heutigen Handel gespannt sein, wenn sich das, was verkündet wurde, gesetzt hat und die Akteure sich darüber klar werden, dass Juncker nicht die EU ist, da also noch Fragezeichen bleiben. Der Index ist durch diese Rallye genau an die Widerstandszone aus den Zwischenhochs vom März und Juni (25.400/25.450 Punkte) herangelaufen. Sollte er hier abdrehen, könnte es schnell ungemütlich werden, aber erst im Fall eines Bruchs der bei 24.500 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie wäre ein wirklich markant bärisches Signal generiert.

Würde indes die aktuell angelaufene Widerstandszone bezwungen, wäre es das Zwischenhoch vom Februar bei 24.800 Zählern, das dann direkt im Visier der Bullen läge und die letzte Charthürde vor dem Allzeithoch darstellen würde. Aber um das anzupeilen, müsste sich der Schein einer Befriedung, der am Mittwochabend aus Washington auf die Märkte ausstrahlte, erst einmal zu einem belastbaren Faktum wandeln.

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