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DowDuPont: Sondersituationen sind oft auch Gelegenheiten

DowDuPont ist 2017 aus der Fusion von DuPont de Nemours und Dow Chemical hervorgegangen. Die beiden Unternehmen waren in vielen Bereichen direkte Konkurrenten und gehörten jeweils zu den führenden Chemieunternehmen der Welt.
Es ist allerdings kein dauerhafter Zusammenschluss geplant und wäre auch nie genehmigt worden. Aus DowDuPont sollen im kommenden Jahr drei eigenständige börsennotierte Unternehmen entstehen, die jeweils auf einen Bereich spezialisiert sind.

Nehmen wir als Beispiel die Werkstoffsparten beider Firmen. Sie werden zusammengefasst und arbeiten zukünftig unter dem Dach von Dow weiter. Im Gegenzug geht beispielsweise die Elektrotechniksparte von Dow an DuPont.
In gleicher Weise wird mit allen Segmenten verfahren und die Struktur somit verschlankt. Durch die jeweilige Zusammenführung und Restrukturierung der Geschäftsbereiche entstehen drei fokussierte Unternehmen und es können erhebliche Einsparungen erzielt werden. Darüber hinaus konkurriert man natürlich auch nicht mehr an allen Fronten.

Der Bereich Materials Science wird zukünftig unter dem Namen Dow weitergeführt, Agriculture unter dem Namen Corteva und Specialty Products unter DuPont.

Kurs unter Druck

Doch in den letzten Wochen war der Kurs von DowDuPont eher rückläufig, wo ist also das Problem? Vielleicht wägen Anleger nur ihre Möglichkeiten ab. Statt jetzt drei Unternehmen zu kaufen, bevorzugen einige Investoren sicherlich Dow, DuPont oder eben nur Corteva. Viele Anleger warten derzeit einfach ab oder die Gesamtsituation ist schlichtweg zu kompliziert. Alle diese Punkte üben Druck auf die Kurse aus.
Genau aus diesem Umstand könnte sich für kühle Rechner eine Chance ergeben.

Denn die Restrukturierung trägt bereits erste Früchte und die Gewinne sprudeln. Die P/E könnte im laufenden Geschäftsjahr bereits bei 15,6 liegen. In den beiden Folgejahren soll das Ergebnis dann jeweils um 12-17% zulegen. Ohne Aufspaltung im ersten und zweiten Quartal 2019 würde die P/E also recht zügig auf 12 fallen.
Die Bewertung erscheint also auf den ersten Blick durchaus attraktiv zu sein, doch schauen wir uns die Gesamtkonstellation an.

Wie sehen die drei Teile aus?

Auf Dow entfielen 2017 rund 40 Mrd. USD Umsatz, die operative Marge soll zukünftig nahe 20% liegen und die Einsparungen bei rund 100 Mio. USD pro Jahr.

Der Umsatz von DuPont lag bei 21 Mrd. USD, die operative Marge bei 25% und die Einsparungen bei 400 Mio. USD pro Jahr.

Der dann eigenständige Landwirtschaftssparte Corteva kommt auf einen Umsatz von 14 Mrd. USD und auf eine operative Marge von 15%. Die jährlichen Einsparungen liegen bei 500 Mio. USD.

Betrachten wir die drei in der Entstehung begriffenen Unternehmen, erscheint es so, als würde Dow am wenigsten profitieren. Die Profitabilität wird durch die Neuaufstellung jedoch deutlich erhöht.
DuPont wird wohl das Sahnestück, denn man hat die höchste Marge, aussichtsreiche Geschäftsfelder und beachtliches Einsparpotenzial.
Corteva ist wohl das ungeliebte Kind. Auch wenn ein Großteil der Einsparungen auf diesen Bereich entfallen, schreckt die niedrige Marge und der schwache Ausblick für die US-Landwirtschaft viele Anleger.

Die positiven Effekte werden ignoriert

Aktuell liegt der Börsenwert von DowDuPont unter dem der zuvor eigenständigen Unternehmen. Eigentlich eine paradoxe Situation, denn die Flexibilität hat sich für Anleger faktisch erhöht. Möchte man eine Sparte nicht halten, kann man sie direkt am Tag des Börsengangs verkaufen. Bisher war das nicht möglich, sowohl bei DuPont als auch Dow musste man alle Geschäftsfelder mittragen.
Darüber hinaus sollen durch Synergieeffekte zukünftig pro Jahr mindestens 1,0 Mrd. USD eingespart werden. Der Gewinn dürfte also alleine durch diese Maßnahmen deutlich zulegen. Können die Erwartungen erfüllt werden, steigt das operative Ergebnis ohne weiteres Wachstum auf über 15 Mrd. USD.

Doch DowDuPont wächst unter der Oberfläche natürlich weiter. Im ersten Geschäftsquartal konnten die fünf wichtigsten Segmente jeweils über 10% an Umsatzwachstum verbuchen. Der Ausblick sieht gut aus und der Gewinn lag mit 1,12 USD über den Erwartungen von 1,08 USD je Aktie.

Die Big Boys steigen ein

Das Gesamtfazit fällt also positiv aus. Die Unternehmen sollten zukünftig bessere Resultate erzielen, denn die Synergieeffekte sind erheblich und die Fokussierung notwendig. Die Bewertung ist durch die unübersichtliche Situation, im Verhältnis zum Potenzial, mit einer P/E von 15,7 moderat. Die Dividendenrendite liegt bei 2,3%.

Eine ganze Reihe von Valueinvestoren scheint ebenfalls zu diesem Schluss zu kommen. Third Point, Maverick Capital, Omega, Torray und Muhlenkamp halten erhebliche Positionen, deren Wert bei Hunderten Millionen USD liegt.
Bei Daniel Loeb von Third Point ist DowDuPont mit einer Gewichtung von über 7% und 900 Mio. USD. sogar die zweitgrößte Position im Portfolio.

Charttechnischer Ausblick

Die Aktie ist seit der Notierung weitgehend seitwärts gelaufen. In den letzten Wochen hat sich jedoch ein stabiler Aufwärtstrend gebildet, an dessen Unterseite die Aktie derzeit notiert. Ausgehend von der Unterstützung bei 65,00 USD könnte die Aktie jetzt wieder in Richtung 68,00 und 70,00 USD starten.
Fällt DowDuPont jedoch nachhaltig unter 65,00 USD, muss ein erneuter Rückfall bis 62,00 USD eingeplant werden.

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