Börsenblick

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TecDAX: Bullen auf der Flucht nach vorne?

1,66 Prozent höher, ein starker Tag für den TecDAX. Und mit diesem Anstieg ist es gelungen, die Widerstandszone 2.726/2.733 Punkte zu überwinden. Knapp, noch nicht signifikant, aber immerhin. Jetzt noch über die 20-Tage-Linie bei aktuell 2.783 Punkten hinaus und der Weg wäre wieder frei an das Mehrjahreshoch, welches der Index im Juni erreicht hatte. Aber ob das alles wirklich so einfach ist? Kann, darf man diesem Braten trauen?

Vorsicht wäre da jetzt wirklich angebracht. Alleine der Anlass der gestrigen Rallye macht das deutlich. Eigentlich ist es ja schon ein dünnes Brett, dass die Automobilaktien und die Auto-Zulieferer am Donnerstag haussierten, weil ein die Politik umgehender Vorstoß der USA über das Sprachrohr des US-Botschafters die theoretische Chance auf die Vermeidung der von Trump angedrohten Strafzölle suggeriert. Denn hinterfragt man diese Vorgehensweise, kommt man zu dem Schluss: so nicht. Eine solche „Hintertürchen-Politik“ wird die EU nicht mit sich machen lassen.

Aber noch dünner ist das Brett beim TecDAX, denn was da am Donnerstag an der Spitze der Gewinnerliste stand, hatte mit dieser Strafzoll-Problematik gar nichts zu tun. Was beim TecDAX am stärksten stieg waren Aktien, die zuvor sehr spekulative Rallyes sahen und zuletzt kräftig gefallen waren. Und das lässt den Schluss zu, dass es hier vor allem Eindeckungen von Leerverkäufen gewesen sein könnten, die den Index höher getrieben haben, d.h. das Sichern von Gewinnen auf der Short-Seite durch den Kauf zuvor leer verkaufter Aktien bei den besonders volatilen TecDAX-Titeln wie Wirecard oder Siltronic.

Wäre diese Vermutung richtig, müssten jetzt Argumente folgen, die nach Eindeckungen der Bären echte Käufe der Bullen auslösen würden. Und da wird es eben knifflig: Allzu rosig sehen die Perspektiven eben nicht aus. Genau das hatte den TecDAX seit Mitte Juni gedrückt. Und daran hat dieses so sorgsam öffentlich gemachte „Geheimtreffen“ des US-Botschafters mit den Chefs der deutschen Autokonzerne nichts geändert. Ein Argument, um die Käufe fortzusetzen gäbe es indes noch, nur hat das den Nachteil, nicht nachhaltig zu sein, denn:

So vielversprechend dieser Kursanstieg im Chart auf Tagesbasis auch wirkt, wer sich das längerfristige Bild auf Wochenbasis ansieht erkennt sofort: Mittelfristig entscheidende Unterstützungen, deren Bruch die Lage sofort in eine bärische Konstellation überführen würde, sind gefährlich nahe. Oft löst das bei großen Adressen, die fürchten, im Fall eines Kippens des Trends nicht schnell und umfassend genug aus dem Markt heraus zu können, eine Flucht nach vorne aus: Man kauft, statt zu verkaufen, um aktiv bärische Signale zu verhindern. Was oft auch funktioniert, aber beileibe nicht immer.

Chart vom 05.07.2018, Kurs 2.743,05 Punkte, Kürzel TDX

Im Moment ist die Gesamtsituation für einen tragfähigen Aufwärtsimpuls einfach nicht günstig. Dass trotzdem versucht wird, den Index von den entscheidenden Unterstützungen fern zu halten, ist normal. Aber sollten sie trotz dieser „Flucht nach vorne“ fallen, wäre reichlich Abwärtsspielraum gegeben. Die entscheidende Zone ist der Bereich zwischen der Kreuzunterstützung aus der November 2016-Aufwärtstrendlinie und der oberen Begrenzung des 2014er-Aufwärtstrendkanals bei 2.530 Punkten und der 200-Tage-Linie bei aktuell 2.609 Punkten. Die nächste charttechnische Unterstützung wäre dann das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 2.406 Punkten … und darunter käme dann erst einmal gar nichts.

Chart vom 05.07.2018, Kurs 2.743,05 Punkte, Kürzel TDX

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