Börsenblick

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Daimler: Opfer auf dem politischen Schlachtfeld?

Am Dienstagabend war Daimler noch auf dem Sprung, die Handelsspanne der letzten Wochen nach oben zu verlassen. Am Donnerstagabend rutscht die Aktie auf einmal mit Schwung auf deren untere Begrenzung zu, droht, markant bärische Signale zu generieren. Binnen zwei Tagen wurde aus einer positiven, vielversprechenden Gemengelage eine äußerst kritische. Und in beiden Fällen stammen die Impulse aus den USA. Als China als eines der Ergebnisse der Verhandlungen mit den USA erklärte, dass die Einfuhrzölle für ausländische Automobile ab 1. Juni von 25 auf 15 Prozent gesenkt würden, legte Daimler zu. Zu Recht, denn Daimler hat in China starkes Wachstum zu verzeichnen. Und da die Reduzierung des Zolls für alle ausländischen Hersteller gilt, würde sich die Konkurrenzsituation zu den US-Autobauern nicht verschlechtern, die dadurch günstigeren Preise aber mehr Käufer anlocken. Doch dann drehte der Wind abrupt, als den USA gewärtig wurde, dass dieses Zugeständnis eben nicht nur ihnen etwas nützen würde. Der US-Präsident erklärte sich noch am Mittwoch unzufrieden mit dem, was China zugesagt habe und will neu und weiter verhandeln. Wobei sehr deutlich wurde: Dass die Europäer auf diese Weise ebenfalls „faire“ Konditionen bekommen würden, passte ihm gar nicht. Damit nicht genug:

Expertenmeinung: Donald Trump forderte das Handelsministerium auf zu prüfen, ob ausländische Automobilimporte in die USA nicht die nationale Sicherheit gefährden. Schließlich sei die US-Autoindustrie ein wichtiger Stützpfeiler für die US-Wirtschaft und damit für die Stärke des Landes. Dass das mit „Sicherheit“ nicht das Geringste zu tun hat, ist zwar jedem klar. Aber man darf vermuten, dass Handelsminister Ross seinem Präsidenten vollumfänglich Recht geben wird. Dieser absurd wirkende Weg hätte den Vorteil, dass der US-Präsident im Fall der Gefährdung der nationalen Sicherheit weitergehende Handlungsvollmachten hätte und Strafzölle gegen Daimler & Co. einfach „befehlen“ könnte. Dass Trump diesen Weg gehen will, wird deutlich. Und auch, wenn die EU dann mit einer Klage vor der WTO ohne Wenn und Aber Recht bekäme: Erstens wäre fraglich, ob Trump das Urteil der WTO interessieren würde. Zweitens wäre der Schaden da schon angerichtet. Bislang sind die Einfuhrzölle in die USA niedrig. Mit Zöllen von 25 Prozent wäre mit einem dramatischen Einbruch des Umsatzes zu rechnen, hinzu kommen die Kosten für die gesamte, dann nahezu brach liegende Vertriebsstruktur. Der Abriss der Daimler-Aktie ist angesichts dieser Entschlossenheit, die bei den Aktivitäten des US-Präsidenten durchscheint, durchaus nicht überzogen. Vor allem, wenn er es fertig bringen würde, dass China die sinkenden Einfuhrzölle doch nur auf US-Fahrzeuge beschränkt und Daimler dann auch dort Probleme bekäme. Aber einem Short-Signal vorzugreifen wäre riskant, derzeit ist die Nachrichtenlage dazu viel zu wankelmütig, auch, wenn es nach dem Abwärtsschwenk genau an der 200-Tage-Linie und dem neuen, bislang aber noch knappen Verkaufssignal im Trendfolgeindikator MACD sehr nach mehr Druck aussieht. Erst, wenn die Aktie das bisherige Jahrs-Verlaufstief bei 63,78 Euro auf Schlusskursbasis unterbietet, wäre die Trendentscheidung mit erstem Kursziel 59 Euro zu Gunsten der Bären gefallen.

DAI_2018_05_25

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