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Dow Jones: „all in“ – die Big Player gehen aufs Ganze

Es ging um viel an diesem Donnerstag. Schon wieder galt es, die 200-Tage-Linie beim US-Index-Flaggschiff Dow Jones (23.751 Punkte) zu verteidigen. Ein US-Notenbankstatement vom Mittwochabend, das den Eindruck erweckte, dass die „Fed“ nicht gerade mit fester Hand und planvoll agiert … ein US-Dollar, der eine markante Trendwende nach oben zu vollziehen droht und so dem ohnehin enttäuschenden Wachstum der letzten Monate den Boden der billigen, den Export stützenden Währung zu entziehen droht … und das bei manchen mulmige Gefühl, dass die Verhandlungen mit China zur Abwendung einer gegenseitigen Strafzoll-Welle keineswegs so reibungslos laufen werden, wie das bislang angedeutet wurde: All das sorgte dafür, dass viele Marktteilnehmer am Donnerstag zum Handelsstart ihr Heil in der Flucht suchten. Nach dem durchaus zutreffenden, alten Motto: Wer zuerst aussteigt, bekommt noch die besten Kurse.

Aber nicht alle können einfach aussteigen. Über die langjährige, vor gut neun Jahren begonnene Hausse hinweg sind viele Fonds und Hedgefonds derartig gigantisch geworden, dass sie nicht einmal einen Bruchteil ihrer Portfolios am Markt loswerden könnten, ohne durch ein dadurch entstehendes, massives Überangebot selbst den Kursrutsch auszulösen, vor dem sie sich in Sicherheit bringen wollen. Und will man sich über die Futures gegen fallende Kurse absichern, indem man mit größeren Positionen Short geht, drückt das die Indizes selbst genauso. Solche Situationen sind fatal. Und so ist für diese großen Adressen eine nachhaltigere Trendwende des US-Aktienmarkts keine Option, die man zulassen würde, solange es noch irgendwie zu verhindern ist. Aber wie?

Indem man die Barreserven mobilisiert, über die Futures mit Hebelwirkung Long geht und den Index damit mit der Brechstange aus der Gefahrenzone zieht. Sie sehen im 60-Minuten-Chart des Dow Jones, dass bereits nach etwa zwei Stunden Handelszeit massive Gegenwehr einsetzte, nachdem der Dow Jones im Tief bereits etwa 400 Punkte verloren hatte und keine 200 Punkte mehr vom bisherigen Jahres-Verlaufstief (23.346 Punkte) entfernt war. Der Chart zeigt, dass es gelang, sehr schnell die zur Eröffnung entstandene Kurslücke zu schließen. Der Chart zeigt aber auch, dass beim Erreichen der Nulllinie sofort die Luft heraus war. Versuche, den Dow Jones tiefer in die Gewinnzone zu heben, funktionierten nicht. Am Ende blieb ein Plus von fünf Punkten … und viele offene Fragen.

Denn das war nur eine einigermaßen gelungene Defensiv-Aktion in höchster Not. Sie sehen im Tageschart, dass nicht nur die 200-Tage-Linie, sondern auch bereits die in ihrem Winkel an das April-Tief angepasste, mittelfristige Aufwärtstrendlinie im Tagestief unterboten war. Es bleiben nur noch die Verlaufstiefs vom Februar und April bei 23.361 und 23.346 Punkten, dann wäre der Weg nach unten frei gewesen – und das hätte einen immensen Abverkauf ausgelöst. Aber solange sich kein nachhaltiger, tragfähiger Aufwärtsimpuls daraus ergibt, wird die Gefahr, dass diese Zone doch noch bricht, nur größer. Denn jeder sieht, dass die großen Adressen in der Defensive sind. Und jeder sieht, dass die Abstände, in denen die alles, was sie haben, in den Ring werfen, „all in“ spielen müssen, kürzer werden – auch die Bären.

Chart vom 03.05.2018, Kurs 23.930,15 Punkte, Kürzel INDU

Und je öfter der Index unter 24.000 Punkte und damit in die charttechnische Gefahrenzone rutscht, desto größer werden die dort gekauften, nur zur Stabilisierung gedachten Positionen. Die, davon darf man ausgehen, nicht allzu weit unterhalb des bisherigen Jahrestiefs von 23.446 Punkten über Stop Loss-Verkaufsorders abgesichert sind. Diejenigen, die gestern mit aller Macht die 200-Tage-Linie retteten, waren zwar erst einmal erfolgreich. Aber der Einsatz, den sie dafür bringen müssen, ist hoch. Und wenn es doch zu einem Selloff unter die bisherigen Tiefs käme, verlöre man das letzte, das entscheidende „all in“-Spiel doch noch. Und ein Spieler, der seine letzten Reserven einsetzt, reagiert darüber hinaus nicht so besonnen, wie er angesichts zunehmender Risiken sollte. Wir haben extrem spannende Tage und Wochen an der Wall Street vor uns!

Chart vom 03.05.2018, Kurs 23.930,15 Punkte, Kürzel INDU

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