Beim Handel von Silber teilen sich die Meinungen. Bis auf mindestens 100$ pro Unze sehen einige Analysten den Silberpreis in den kommenden Monaten und Jahren steigen. Andere „Experten“ sehen für das Edelmetall wenig Potenzial.

Tatsache ist, dass die Optionen auf den bekannten US-amerikanischen ETF mit dem Symbol SLV, der den Silberpreis sehr gut widerspiegelt, zuletzt einen sehr hohen Anstieg ihrer impliziten Volatilität erlebt haben.

Anstieg der impliziten Volatilität von Call Optionen auf den SLV, mit Laufzeit März 2021 (in Blau), April 2021 (in Türkis) und Januar 2022 (in Gelb)

Kann dieser Anstieg der Volatilität etwas damit zu tun haben, dass die Spekulanten von „Wall Street Bets“, die zuletzt die Aktie von GameStop exponentiell nach oben getrieben haben, jetzt Silber ins Visier genommen haben? Wir wissen es nicht, möchten aber eine Tradeidee vorstellen, wodurch ein risikofreudiger Anleger von einem massiven Anstieg vom Silberpreis profitieren würde.

Diese Tradeidee ist eine ausgetüftelte Variante der „Covered Call“-Strategie, die wir u.a. in unserem Artikel „Mit der Covered Call Strategie Kursverluste abfedern, zusätzliche Einnahmen generieren und die Dividendenrendite verdoppeln“ in ihrer traditionellen Form erklären.

Der SLV notiert aktuell um die 25$. Sollte zur Börseneröffnung am 01.02.2021 der SLV schon deutlich höher notieren, sollten dementsprechend auch für die folgende Tradeidee höhere Basispreise für die Optionen in Betracht gezogen werden.

Wir sehen anhand des oberen Charts, dass die langlaufende Option mit Laufzeit Januar 2022 eine geringere implizite Volatilität aufweist als die kurzlaufenden Optionen mit Laufzeiten März und April 2021. Diese Besonderheit werden wir uns zu Nutze machen.

Der SLV Trade wird wie folgt aufgebaut:

Wir kaufen zuerst die Call Option mit Basispreis 16$ und Laufzeit 21. Januar 2022 zu einem Kurs von ca. 9,75$. Wir handeln dabei 2 Kontrakte. Mit einer Kontraktgröße von 100 kostet uns diese Position 975$ x 2 = 1.950$.

Diese Call Option weist ein „Delta“ von 0,90 auf. Das bedeutet nichts anderes als, wenn der SLV um 1$ steigt, steigt die Call Option um 0,90$. Die 2 Call Optionen verhalten sich in ihrer Kursentwicklung also fast wie 200 gekaufte Stück des SLV ETFs, allerdings mit einem deutlich geringerem Kapitalaufwand. Der Kauf von 200 Stück des ETFs würde 5.000$ in Anspruch nehmen. Die 2 Call Optionen kosten nur 1.950$.

Nehmen wir jetzt an, dass der SLV am 21. Januar 2022 bei 30$ notiert. Ein Anleger, der die 200 Stück des ETFs gekauft hätte, würde damit 1.000$ Gewinn verbuchen. Eine Rendite von 20%. Die Call Option wäre 1.400$ wert (Differenz zwischen dem SLV-Kurs und dem Basispreis von 16$ der Call Option, das ganze mal 100). Gewinn für den Optionshändler:

2 x (1.400 – 975) = 850$. Bezogen auf den Einsatz von 1.950$ beläuft sich die Rendite hier auf 43,6%. Mehr als doppelt so viel wie mit dem Kauf des ETFs.

Nun kommen wir zum „i-Tüpfelchen“ der Strategie. Wir haben gesehen, dass die kurzlaufenden Optionen eine hohe implizite Volatilität aufweisen. Sie sind entsprechend teuer. Zusätzlich zu den 2 gekauften Call Optionen verkaufen wir 1 Kontrakt der Call Option mit Basispreis 27,50$ und Laufzeit 19. Februar 2021. Dafür vereinnahmen wir eine Prämie von rund 100$. Unser Einsatz für den Trade reduziert sich dementsprechend von 1.950$ auf 1.850$.

Jahreschart des SLV zum Zeitpunkt des Einstiegs

Der SLV bewegt sich seit Sommer 2020 seitwärts. Gelingt demnächst der Ausbruch nach oben?

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Verschiedene Szenarien können sich bis zum 19. Februar 2021 abspielen:

Szenario 1: Der Silberpreis fällt, beispielsweise auf 20$

Die 2 gekauften Call Optionen wären in Summe schätzungsweise noch 900$ wert. Der Buchverlust beläuft sich auf 1.050$. Die 1 verkaufte Call Option verfällt wertlos und die 100$ Prämie werden als Gewinn realisiert. Der offene Buchverlust beläuft sich in Summe dementsprechend auf 950$.

Zum Vergleich: Der Anleger, der 200 Stück des ETFs gekauft hätte, würde jetzt 1.000$ Buchverlust verzeichnen.

Im Anschluss können wir 1 weiteren Kontrakt einer Call Option leerverkaufen, diesmal z.B. mit einer Laufzeit bis Mitte März und mit einem Basispreis von schätzungsweise 25$.

Sollte der Silberpreis tiefer fallen, wird es immer schwieriger werden, eine Call Option zu finden, die sowohl einen hohen Basispreis als auch eine attraktive Prämie aufweist. Dieses Szenario ist das ungünstigste Szenario dieser Tradeidee. Spielt es sich ab, fährt der Optionshändler trotzdem besser als der „normale“ ETF-Anleger, da die Prämien der verkauften Call Optionen die Kostenbasis für den Trade permanent reduzieren.

Szenario 2: Der Silberpreis bleibt in der Nähe von 25$

Da die gekauften Call Optionen bereits tief im Geld sind, weisen sie nur einen minimalen Zeitwert auf (ca. 0,75$ von dem Kurs von 9,75$) und leiden nicht besonders unter dem Zeitwertverfall. Entscheidend in diesem Szenario ist die Tatsache, dass die verkaufte Call Option wertlos verfällt. Der Optionshändler kassiert die Prämie von 100$ als Gewinn. Der ETF-Anleger geht erstmal leer aus.

In diesem Szenario ist es dann möglich, 1 weiteren Kontrakt einer Call Option leerzuverkaufen, z.B. mit einer Laufzeit bis Mitte März 2021 und mit einem Basispreis von 27,50$. Eine Prämie von 100$ wäre schätzungsweise wieder möglich. Dieses Verfahren lässt sich jeden Monat wiederholen. Gelingt uns dies z.B. 9 mal bis Januar 2022, haben wir 900$ vereinnahmt und die Kosten für unsere gekauften Call Optionen praktisch halbiert.

Nehmen wir an, dass der SLV am 21. Januar 2022 weiter bei 25$ notiert. In dem Fall wären die 2 gekauften Call Optionen in Summe 1.800$ wert. Hätten wir bis dahin 900$ an Prämie durch die verkauften Calls vereinnahmt, wäre unsere Position insgesamt 2.700$ wert. Gewinn in Bezug auf den Einsatz von ursprünglich 1.850$: 850$ bzw. +46%.

Gewinn für den ETF-Anleger: 0…

Szenario 3: Der Silberpreis steigt rasant, bis auf 35$

Nehmen wir an, es entsteht eine riesige Spekulationsblase auf Silber, das binnen kurzer Zeit auf 35$ steigt.

Unsere 2 gekauften Call Optionen sind in dem Fall am 19. Februar 2021 in Summe ca. 3.750$ wert. Vermutlich wären sie noch teurer, da die implizite Volatilität nochmal gestiegen wäre, aber lassen wir das außer Betracht.

Die verkaufte Call Option ist tief im Geld und 750$ wert.

Bilanz des Trades: 3.750$ – 1.850$ – 750$ = 1.150$ Gewinn. Das sind ungefähr +62% in Bezug auf den ursprünglichen Einsatz.

Der ETF-Anleger erzielt in diesem Szenario einen Gewinn von 2.000$. In Bezug auf seinen Einsatz von 5.000$ sind es +40%. Nicht schlecht, aber erneut ist der Optionshändler im Vorteil.

Auch in diesem Szenario ist es für den Optionshändler möglich, eine weitere Call Option mit längerer Laufzeit und höherem Basispreis zu verkaufen, um eine weitere Prämie zu vereinnahmen. Dieses Verfahren lässt sich Monat für Monat oder sogar Woche für Woche wiederholen. Möchte der Optionshändler endgültig Kasse machen, kann er jederzeit seine 2 gekauften Call Optionen verkaufen und die leerverkaufte Call Option zurückkaufen. Der Trade ist in diesem Fall beendet.

In allen 3 Szenarien sticht diese Strategie mit ihren Vorteilen im Vergleich zum normalen Kauf des ETFs hervor.

Der Clou dieser Strategie auf Silber

Die Besonderheit dieser Strategie liegt an der unterschiedlichen Anzahl der gehandelten Call Optionen. Dadurch, dass wir mehr Call Optionen kaufen als wir Call Optionen leerverkaufen, lassen wir unser Gewinnpotenzial nach oben offen. Und trotzdem bauen wir einen Schutz ein, um eine Abwärtsbewegung zum Teil abzufedern. Bei der traditionellen „Covered Call“-Strategie ist der Gewinn in der Regel begrenzt.

Es gibt zu dieser Strategie unzählige Varianten. Sind wir noch mehr von der Wertsteigerung des Silberpreises überzeugt, können wir 3 Kontrakte kaufen und nur 1 leerverkaufen. Andersrum können wir auch defensiver agieren, indem wir 3 Kontrakte kaufen und 2 leerverkaufen.

Performance-Profil dieser Tradeidee

Der potenzielle maximale Gewinn der Tradeidee hat keine Grenze. Der Einsatz und der maximale Verlust sind wiederrum begrenzt.

Fazit:

Diese Tradeidee ist eine Chance, von einem Anstieg des Silberpreises zu profitieren. Sie ist aber keineswegs eine Empfehlung. Fällt der Silberpreis, drohen auch mit dieser Strategie Verluste.

Wichtig an dieser Stelle ist das Aufzeigen des Potenzials des Optionshandels im Vergleich zum traditionellen Aktien- und ETF-Handel. Mit ein wenig Einfallsreichtum lassen sich unzählige und trickreiche Optionskombinationen aufsetzen, um die eigenen Handelsideen zu verwirklichen.

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Eric Ludwig, Optionshändler | LYNX Börsenexperten
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