Die Angst vor einer Rezession wächst. Das bekommt mittlerweile auch der Ölpreis zu spüren. Aktuell bekommt man ein Fass der Sorte West Texas Intermediate (WTI) für unter 104,00 USD. Im Vergleich zur letzten Handelswoche hat der Ölpreis in der Spitze fast 18 Prozent verloren. Chance zum Einstieg, oder der Start einer großen Korrektur? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer attraktiven Trade-Idee in dieser Ölpreis-Analyse.

Rückblick: Ölpreis mit heftiger Verkaufswelle

Lange konnten die aufkommenden Rezessionsängste dem Ölpreis nichts anhaben. Seit letzter Woche weht auf dem Ölmarkt jedoch ein anderer Wind. Der Preis für Rohöl ist stark gesunken.

Verantwortlich dafür ist eine Verkaufswelle, die seit vergangenem Donnerstag anhält. In der Spitze hat der Ölpreis dabei 17,9 Prozent verloren. Denn am Mittwoch wurden für einen Ölkontrakt mit Laufzeit August 2022 (Kürzel: CLQ2) im Tief nur noch 101,53 USD gezahlt. Also 22,15 USD weniger als noch letzte Woche (vgl. Chart unten).

Chart vom 23.06.2022 Kurs 105,45 Kürzel: CL Stundenkerzen | Online Broker LYNX

In gestrigen Donnerstagnachmittag konnte sich der Ölpreis im Bereich von 105,00 USD ein wenig stabilisieren.

Jetzt fragt man sich…

Ist hier der Abverkauf schon zu Ende, oder war das erst der Anfang einer großen Korrektur?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, zoomen wir erst ein wenig heraus und schauen, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Öl kämpft mit den Höchstständen aus 2011

Chart vom 23.06.2022 Kurs: 105,57 Kürzel: CL∞ Monatskerzen | Online Broker LYNX

Widerstand bei 115,00 USD ist hartnäckig

Verschaffen wir uns zunächst aus der Vogelperspektive einen Überblick. Dazu werfen wir einen Blick auf den Monatschart in der logarithmischen Darstellung. Was fällt auf?

Seit dem Corona-Tief, an dem der Ölpreis am Terminmarkt sogar negativ war, befindet sich WTI Crude Oil in einem dynamischen Aufwärtstrend. Dieser hat mit einem neuen Mehrjahreshoch bei 130,50 USD seinen bisherigen Hochpunkt markiert. Verdeutlicht wird das durch eine Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs auf der Kursachse, welche im Chart oben grün markiert sind.

Seit gut drei Monaten ist die Öl-Rallye an den Höchstständen aus dem Jahr 2011 bei 115,00 USD ins Stocken geraten. Das Verlaufshoch aus 2011 konnte bislang auf Monatsbasis nicht überwunden werden. Die relativ langen Kerzendochte der letzten Monate signalisieren die Relevanz des charttechnischen Widerstands. Falls der Markt seinen Aufwärtstrend fortsetzen sollte, dann müsste zunächst der Widerstand bei 115,00 USD fallen. Darüber wäre Raum bis zum Verlaufshoch vom letzten Monat bei 130,50 USD.

Trotz des Kursrücksetzers der letzten Tage ist der Aufwärtstrend intakt und die technische Großwetterlage als bullisch zu bewerten. Ändern würde sich das bullische Szenario, wenn wir im Chart einen Schlusskurs auf Monatsbasis unter der Marke von 62,43 USD bekämen. Dann wäre der übergeordnete Aufwärtstrend gebrochen. Bis dahin ist es aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen.

Jetzt stellt sich die Frage: Passt das technische Bild auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Rezessionsangst bringt Ölpreis unter Druck

Stark ansteigende Zinsen lassen die Kredit- und Refinanzierungskosten in die Höhe schießen. Das wiederum ist ein Dämpfer für das globale Wachstum. Die Nachfrage nach Öl könnte entsprechend deutlich zurückgehen. So, oder so ähnlich wird der Kursrutsch der letzten Tage in den Medien erklärt.

Fakt ist jedoch, die Öl-Nachfrage ist weiterhin größer als das Angebot! Denn…

Verfügbarkeitsprämie weiter hoch – Lage angespannt

Ein Blick auf die derzeitige Konstellation an der Warenterminbörse zeigt uns, dass die Lage am Ölmarkt weiter angespannt ist. Der andauernde Krieg in der Ukraine, die damit verbundene Angst vor Angebotsausfällen und mögliche Sanktionen gegen das Förderland Russland haben den Ölmarkt weiter voll im Griff.

Öl-Kontrakte werden an der Terminbörse mit unterschiedlichen Laufzeiten gehandelt. Aufgrund der Lagerkosten kommt es in der Regel zu einem Preisaufschlag bei späteren Lieferterminen. Futures-Händler sprechen hier von einem „Contango“. Derzeit ist aber genau das Gegenteil der Fall. Aus Angst vor akuten Angebotsengpässen sind Käufer aktuell bereit für Öl zum nächstmöglichen Liefertermin einen deutlichen Aufpreis, eine sogenannte „Verfügbarkeitsprämie“, zu zahlen. In diesem Fall befindet sich die Terminkurve, bei der die Preise aller Liefermonate abgebildet sind, in einer „Backwardation“ (vgl. Grafik unten).

Chart vom 23.06.2022 Terminkurve WTI Crude Oil | Online Broker LYNX

Die Verfügbarkeitsprämie ist umso höher, je größer die Preisunterschiede (engl. Spreads) zwischen den unterschiedlichen Liefermonaten sind. Wenn man sich zum nächstmöglichen Lieferzeitpunkt ein Fass Öl kauft, muss man derzeit 9,63 USD mehr bezahlen, als wenn man sich das Fass erst in sechs Monaten liefern lassen würde. Ende Mai wäre noch ein Aufpreis von 11,91 USD fällig gewesen.

Der niedrigere Aufpreis zeigt, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ein wenig abgenommen hat, aber trotz des Kursrutsches der letzten Tage weiter hoch ist. Liegt das nun an einer anziehenden Ölnachfrage oder an dem schrumpfenden Angebot?

Preistreiber China

Chinas Wirtschaft nimmt nach den jüngsten Lockdowns wieder Fahrt auf. Peking und Shanghai öffnen ihre Volkswirtschaften wieder, was zu einer Belebung der Wirtschaft und des Energiebedarfs führt. Nach einem Bericht von Reuters, hat China dabei die Rohölimporte aus Russland deutlich nach oben gefahren. Im Mai stiegen die Ölimporte aus Russland um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig hat Russland damit Saudi-Arabien als Top-Lieferant verdrängt.

Libyens Erdölproduktion bricht ein

Neben den westlichen Sanktionen gegenüber Russland, stützen auch Angebotsausfälle wie z.B. in Libyen den Ölpreis. In Libyen ist die Rohölproduktion regelrecht eingebrochen. Der Ölminister des Landes sagte vergangenen Montag, dass die Libyens Produktion auf 100.000 Barrel pro Tag gesunken sei. Das entspricht einem Rückgang von -1,1 Millionen Barrel pro Tag. Grund hierfür sind bewaffnete Regierungsproteste.

Technisch ist die Großwetterlage bullish zu bewerten. Fundamental liegt die Öl-Nachfrage trotz des Kursrutsches über dem Angebot. Wo könnte man also einen Einstieg für einen Long-Trade wagen?

Ausblick: Korrektur im Ölpreis zum Einstieg nutzen?

Werfen wir nun einen Blick auf den Tageschart, um zu sehen, wie sich die fundamentalen Rahmenbedingungen auf den Kurs des WTI Crude Oil ausgewirkt haben. Der Chart zeigt uns, dass der Ölpreis derzeit bei 104,13 USD notiert. Im Zuge von Rezessionsängsten hat sich der Preis für ein Barrel seit dem Verlaufshoch letzte Woche bei 123,68 USD in der Spitze um 17,9 Prozent verbilligt. Der Kurs des Rohstoffs formte dabei eine dynamische Abwärtsbewegung, die zu einem Trendbruch in einer untergeordneten Trendebene führte.

Chart vom 23.06.2022 Kurs: 104,13 Kürzel: CL∞ Tageskerzen | Online Broker LYNX

Übergeordneter Trend intakt

In der übergeordneten Trendebene stellt diese Abwärtsbewegung jedoch nur eine Korrektur dar. Denn dieser Trend ist weiter intakt. Erkennen können Sie das einerseits an den höheren Verlaufshochs und höheren Verlaufstiefs (vgl. grüne Kreise im Chart oben). Andererseits notiert der Ölpreis weiterhin über dem 200-Tage-Durchschnitt (vgl. rote Linie im Chart oben), der von vielen als Trendindikator verwendet wird. Klar ist jedoch…

Der übergeordnete Aufwärtstrend hat deutlich an Dynamik verloren und ist in eine, im Chart oben grau eingezeichnete, Seitwärts-Konsolidierung übergegangen. Es ist normal, dass große Kursanstiege in kurzer Zeit generell entweder über den Preis oder über die Zeit konsolidieren. Nur so können genügend Käufer für die nächsten Kursschub gefunden werden. Begrenzt wird diese Range auf der Oberseite durch die Widerstandszone im Bereich 125,00 bis 130,00 USD. Auf der Unterseite wird der Ölpreis in der Zone von 92,00 bis 95,00 USD unterstützt.

Nachdem der Versuch diese Trading-Range nach oben zu verlassen Mitte Juni gescheitert ist, haben die Bären die Gunst der Stunde genutzt und das Ruder übernommen. Mit einem Preisrutsch unter die Marke von 110,00 USD wurde der untergeordnete Trend gebrochen. Die daraufhin getriggerten Gewinnmitnahme-Orders der Trend-Trader haben die Abwärtsbewegung noch einmal beschleunigt. Die ersten Korrekturziele bei 108,30 USD und 104,68 USD wurden bereits erreicht. Sollte die Kursschwäche anhalten, ist ein erweitertes Korrekturziel im Bereich von 99,50 USD zu erwarten.

Erst mit einem Tagesschlusskurs unter 92,90 wäre der übergeordnete Aufwärtstrend gebrochen. Dann würde auch unser bullishes Szenario seinen Vorteil verlieren. Nächster Anlaufpunkt wäre dann der 200-Tage-Durchschnitt bei 91,00 USD. Falls diese nicht für genug Unterstützungskäufe für eine Preisrallye sorgt, könnte der Ölpreis schnell in Richtung 80,00 USD abtauchen.

Auf der Oberseite verhinderten in der letzten Woche Verkäufer im Bereich von 123,00 USD höhere Ölpreise. Falls dieser Widerstand überwunden werden kann, ist das nächste Kursziel das Mehrjahreshoch vom März bei 130,00 USD.

Diese technischen Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

Die Trendampel steht auf grün. Der Ölpreis befindet sich in der übergeordneten Trendebene in einem intakten Aufwärtstrend. So lange dieser Trend nicht mit Schlusskursen unter 92,90 USD gebrochen wird, sind weitere Kursanstiege wahrscheinlicher.

Das Sentiment ist neutral bis bullish. Der aktuelle Preis für einen Terminkontrakt des WTI Crude Oil befindet sich zwar unter dem 50-Tage-Durchschnitt, notiert gleichzeitig noch deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt. Dieser Trendindikator steigt weiter an, was von vielen Marktteilnehmern als bullish gesehen wird.

Sollte sich die laufende Korrektur noch etwas ausdehnen, könnte der Preisbereich um die runde Marke von 100,00 USD für Unterstützung sorgen. Einerseits verläuft hier die bereits dreimal getestete Aufwärtstrendline. Andererseits verläuft der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem Jahrestief gehandelten Futures-Kontrakte bei 99,81 USD. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis häufig als Unterstützung bzw. Widerstand im Preischart.

Darüber hinaus wird im Bereich dieser Unterstützung ein Harmonisches Kursmuster vervollständigt. Diese Muster signalisieren mögliche Umkehrpunkte im Chart und werden von mir gerne als Einstiegssignal genutzt.

Einblick: Trade-Idee mit einem CRV von 1,79 für einen Long-Einstieg in den Öl-Future

Ein möglicher Test der oben aufgezeigten Unterstützungszone im Bereich von 100,00 USD, könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade liefern. Damit könnten Sie von einer weiteren Aufwärtsbewegung im WTI Crude Oil profitieren (vgl. Chart mit logarithmischer Kursachse unten).

Chart vom 23.06.2022 Kurs: 103,92 Kürzel: CL Tageskerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen. Basierend auf über 1.000 Echtgeld-Trades weiß ich, dass ich mit den Harmonischen Preismustern über eine große Anzahl von Trades in ca. 56 Prozent der Fälle zu den Gewinnern gehöre. Gepaart mit einem Chance-Risiko-Verhältnis wie in diesem Fall von 1,79 zu 1, liefern diese Kennzahlen mir genau diesen handfesten statistischen Gewinnvorteil.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 99,51 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 88,93 USD, also unter dem letzten Verlaufstief absichern. Damit berücksichtigen wir auch die aktuelle Volatilität im ÖL-Future.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 118,51 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,79. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Ein weiteres Ziel wäre bei ca. 130,00 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 108,75 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der WTI Crude Oil-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Öl-Futures zeigt: Falls der Markt ein weiteres Korrekturziel in dem intakten Aufwärtstrend ausbildet, könnte sich eine attraktive Chance für einen Long-Trade ergeben. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 100,00 USD liegen.

Falls es im WTI Crude Oil Future von dort zu einer weiteren Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 1,79 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig. Aufgrund der hohen Volatilität ist es ratsam die Positionsgröße anzupassen.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den CL-Future (Symbol: CLQ2), den kleineren QM-Future (Symbol: QMQ2) oder den Mikro-Future (Symbol: MCLQ2) mit Laufzeit Juli 2022 dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit, hat derzeit ein ausreichend großes Handelsvolumen und steht nicht kurz vor dem First Notice Day. Bitte denken Sie daran, falls der Trade länger laufen sollte, den Future rechtzeitig zu rollen.

Alternativ können Sie auch in Öl Aktien investieren, um von einem steigenden Ölpreis zu profitieren. Hier finden Sie eine spannende Auswahl: Die besten Öl Aktien

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