Dow Jones aktuell Dow Jones: Die „Fed“ beschwichtigt, der Dow dreht

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Dow Jones
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Zum Dow Jones

Die Inflationsangst geht um … prompt versuchen einzelne Mitglieder der US-Notenbank, den Aktienmarkt verbal zu stützen, indem sie die Gefahr kleinreden. Das funktionierte. Aber auch auf Dauer?

Unmittelbar vor der Abrechnung der Optionen und Futures an der Terminbörse sauste der Dow Jones erstmals über die runde Marke von 33.000 Punkten – und fiel sofort wieder zurück. Vom Verlaufsrekord am vergangenen Donnerstag bis gestern korrigierte der Index in der Spitze um 1.200 Punkte. Was nach viel klingt, prozentual gesehen auf diesem Kursniveau aber nicht viel ist. Und das ist den Bullen ebenso klar wie all denen, die jetzt absolut keine unruhige Börse gebrauchen können. In letzterer Gruppe steht die US-Notenbank in der ersten Reihe.

Die Sorge, dass das bei der „Fed“-Sitzung vergangene Woche für 2021 projizierte Wachstum von 6,5 Prozent die Inflation aus dem Ruder laufen und damit das Szenario der schnellen Rückkehr zu stabilem Wachstum platzen lassen könnte, ist in letzter Zeit groß. Würde die US-Notenbank genötigt, gegen zu schnell steigende Preise vorzugehen, würde das Wachstum womöglich abgewürgt. Täte sie nichts und die Inflation zieht immer weiter an, wäre es der daraus resultierende Kaufkraftverlust und eine Lohn/Preis-Spirale, die dem Wachstum den Garaus machen würde. Und offenbar sehen das derzeit nicht gerade wenige Akteure so.

Denn neben der zunehmenden Volatilität am Aktienmarkt insgesamt und weiterhin im Bereich von Zwölf-Monats-Hochs rangierenden Renditen bei längeren Anleihe-Laufzeiten legt jetzt auch noch der US-Dollar zu. Auch das ist ein Zeichen, dass man am Markt mit einer Verschärfung der Geldpolitik rechnet. Ein starker US-Dollar klingt aber nur gut, de facto bräuchten die USA aber eine schwache Währung, um sich das Wachstum auch über Exportvorteile, vor allem gegenüber der Eurozone, zu sichern. Da sahen diverse Mitglieder des FOMC, des Offenmarktausschusses, der das Entscheidungsgremium der US-Notenbank darstellt, offenbar Handlungsbedarf.

Fed-Chef Powell selbst, aber auch die FOMC-Mitglieder Williams, Daly, Barkin, Bostic und Evans gaben sich am Mittwoch und Donnerstag quasi die Mikrofone in die Hand und erklärten gebetsmühlenartig, dass das Wachstum stark, die Inflation aber kein Problem sein werde.

Tageshart vom 25.03.2021, Kurs 32.619,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Das funktionierte am Donnerstag tadellos, das bullische Lager reagierte wie auf Knopfdruck und drehte den Dow Jones auf Höhe der ersten bullischen Verteidigungslinie in Form des alten Februar-Rekordhochs um 32.000 Punkte und der 20-Tage-Linie kräftig nach oben. Ist eine größere Korrektur damit vom Tisch? Wurde gestern mit diesem Aufwärts-Turnaround sogar der Grundstein für neue Rekordhochs gelegt?

Möglich ist es, zumal jetzt nicht mehr genug Handelstage im März übrig bleiben dürften, um den Ausbruch über die Hausse-Begrenzungslinie, die über die Jahreshochs 2018 und 2020 zu konstruieren ist (siehe der Chart auf Monatsbasis) noch abzufangen. Im Januar und Februar blieb der Index dort hängen, jetzt wäre er durch. Das könnte die Rallye sogar noch beschleunigen. Aber das Wort „könnte“ sollte man nicht zu klein schreiben.

Denn der Anleihemarkt reagierte nicht allzu überzeugt. Die Renditen der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit waren zwar in den letzten Tagen etwas von den Zwölf-Monats-Hochs vom letzten Freitag zurückgekommen, aber eine Entwarnung sieht anders aus. Dort bleibt man skeptisch, daher ist zu vermuten, dass so manche große Adresse am Aktienmarkt ebenfalls eher auf der Verkaufsseite stünde. Vor allem, wenn man unverhofft wieder nahe an das bisherige Rekordhoch gespült wird und damit unerwartet gute Verkaufspreise bekäme. Denn eines wissen erfahrene Investoren natürlich: Die Notenbanker können erzählen, was sie wollen, aber sie können nun einmal nicht wirklich vorhersagen, wie sich die Inflation in den kommenden Monaten entwickeln wird.

Und es bleibt offen, was das bärische Lager, die aktiv die Kurse drückenden Akteure, tun werden. In den Tagen vor diesem fulminanten Turnaround, sogar noch am Donnerstag vor Handelsbeginn über die Futures, wurde erkennbar, dass der Dow Jones nicht nur reinen Gewinnmitnahmen ausgesetzt war. Da gab es durchaus erste, gezielte Short-Attacken. Doch wenn dann so etwas gelingt wie gestern, ein Aufwärts-Turnaround an einer Supportzone, gehen die Bären natürlich sofort in Deckung. Warum sollte man sich einer solchen Kaufwelle von mit neuem Mut erfüllten Käufern entgegenstellen? So lange der Kaufdruck hoch ist, hat es überhaupt keinen Sinn, den bremsen zu wollen. Erfahrene Short-Seller warten ab, bis die Käufe abebben, der Schwung nachlässt. Dann haben Short-Verkäufe eine größere Wirkung, der Kapitaleinsatz rentiert sich.

Fazit: Dieser gestrige Turnaround könnte die Basis für einen neuen Rallye-Impuls sein, muss es aber nicht. Daher wäre es in jedem Fall zu überlegen, sich auf der Long-Seite konsequent und eng abzusichern. Dass der Dow Jones gestern auf Höhe der Februar-Hochs und der 20-Tage-Linie drehte, ermöglicht es, Stoppkurse knapp unter diesen Level anzusiedeln. Denn sollte das US-Index-Flaggschiff in nächster Zeit doch noch klar unter 32.000 Punkten schließen, wäre der Versuch, die Gefahr kleinzureden, gescheitert und der Weg nach unten aus charttechnischer Sicht erst einmal frei.

Wochenchart vom 25.03.2021, Kurs 32.619,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Wenn ein Index charttechnische Hausse-Begrenzungen überwindet, kann das die Rallye kurzfristig beschleunigen, endet auf Sicht aber meist mit einem scharfen Abverkauf. Grundsätzlich droht das dem Dow Jones auch jetzt. Aber die Bullen haben einen Plan.

Sie sehen in den Charts, dass der Dow Jones die Hausse-Begrenzungslinie, die sich im November etabliert hatte, am Freitag überwand. Nach unten hin wirkt der Kursverlauf unstet, auf der Oberseite jedoch war diese Linie ein Anhalt, die Bullen wurden in diesem Bereich immer vorsichtig. Bis jetzt. Damit aber nicht genug, der Dow lief auch über eine andere, noch wichtigere Begrenzung: Die Hausse-Begrenzungslinie, die sich aus den beiden markanten Hochs von Anfang 2018 und Anfang 2020 erstellen lässt. Genau dort blieb er im Januar und Februar jeweils hängen, jetzt ist er deutlich darüber gelaufen. Geht das gut?

Dow Jones: Monats-Chart vom 12.03.2021, Kurs 32.778,64 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Der Monat ist noch nicht zu Ende, grundsätzlich kann der Dow also bis Ende März wieder unter diese bei etwa 31.200 Punkten verlaufende, mittelfristige Hausse-Begrenzung zurückfallen. Und auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis bewegen sich die markttechnischen Indikatoren im überkauften Bereich. Normalerweise würde ein solches Überschießen daher relativ bald Gewinnmitnahmen auslösen. Aber das bullische Lager setzt auf eine Kombination aus drei in den kommenden zweieinhalb Wochen anstehenden Faktoren, die Gewinnmitnahmen verhindern und weitere Käufe provozieren könnten:

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Große Erwartungen setzt man dabei in das jetzt verabschiedete Konjunkturprogramm, das alleine für Barschecks an die Bürger gut 400 Milliarden US-Dollar vorsieht. Viele brauchen diesen 1.400 US-Dollar-Barscheck dringend. Aber auch, wenn der nur kommt, wenn das Einkommen des Berechtigten unter 80.000 US-Dollar im Jahr liegt: Viele brauchen das Geld eben auch nicht … und man hofft darauf, dass diese Klientel das Geld in den Aktienmarkt steckt und die Kurse so noch höher laufen.

Natürlich kann diese Sache auch nach hinten losgehen. Zum Beispiel, wenn mehr Geld in die Nasdaq fließt, die zuletzt korrigiert hat, während der Dow chart- und markttechnisch heiß gelaufen ist. Oder wenn zu viele bereits im Vorfeld auf den „Barscheck-Effekt“ gesetzt haben und, sobald man erkennt, dass dieses Geld „eingezahlt“ wurde, ihre Gewinne mitnehmen wollen. Wenn da dann mehr aus dem Markt herauswollen als durch diese Umleitung der Hilfszahlungen an die Börse hineinfließt, kann es eine böse Überraschung geben. Aber:

Man hat ja noch zwei weitere Eisen im Feuer: Die am Freitag anstehende Abrechnung für Futures und Optionen mit März-Laufzeit an der Terminbörse und das Window Dressing der Fonds und Hedgefonds zum Quartalsultimo. Beides sind Termine, die die Kurse meist höher ziehen, wenn ohnehin bereits ein Aufwärtstrend vorliegt. Sicher ist das aber nie, zumal:

Dass die Kurse dann ab April „ausatmen“ dürften, das ist auch den Bullen klar. Ob eingedenk dessen alle bis zum Quartalsende warten, um ihre Gewinne mitzunehmen? Es ist möglich, aber darauf verlassen sollte man sich besser nicht. Man sollte seine Positionierung daher zumindest so dimensionieren, dass man nicht in Schwierigkeiten gerät, wenn der Dow Jones im Zuge dieses Aufwärtstrends in den Bereich der 50-Tage-Linie läuft (im Chart auf Tagesbasis blau), die zuletzt einen Bereich darstellte, in dem Rücksetzer aufgefangen wurden. Diese Linie verläuft derzeit mit 31.180 Punkten doch ein gutes Stück entfernt … und erst, wenn diese Linie nachhaltig fiele, wäre das mehr als nur ein ganz normaler Rücksetzer in einem volatilen, heiß laufenden Aufwärtstrend.

Dow Jones: Tages-Chart vom 12.03.2021, Kurs 32.778,64 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Mit Long-Trades wäre man hier weiterhin auf der sichereren Seite, aber bei einem derart stark gelaufenen Index sollte man nie ohne konsequente Absicherung unterwegs sein.

Am Mittwoch stieg der Dow Jones mit immensem Schwung auf neue Rekordhochs. Am Donnerstag jedoch verlor er mehr, als er am Vortag zugelegt hatte. Der Ausbruchsversuch wurde zur Bullenfalle. Das könnte Konsequenzen haben, die nur die Bären begeistern würden.

Der Januar verlief ganz und gar nicht im Sinne der Käuferseite. Der Dow Jones blieb an der 2018 etablierten Hausse-Begrenzungslinie, der Parallelen zum übergeordneten, 2009 etablierten Aufwärtstrend, hängen. Zum Ende des Februars sollte das ausgemerzt werden. Und ja, am Mittwochabend sah es so aus, als könnte da kurz vor dem heutigen Ende des Handelsmonats nichts mehr anbrennen. Doch das gestrige, kapitale Minus von 560 Punkten stellt das infrage. Denn sollte der Index nicht nennenswert über 31.000 Zählern schließen, wäre er schon wieder an dieser im Chart auf Monatsbasis zu sehenden Linie hängengeblieben. Und das könnte noch Folgen haben, aus mehreren Gründen.

Dow Jones: Tages-Chart vom 25.02.2021, Kurs 31.402,01 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Erstens hatte man am Mittwoch ohne besondere Nachrichten zur Attacke geblasen und wollte es wirklich sauber hinkriegen. Nachdem der Index zuvor zwar über das Januar-Hoch von 31.272 Punkten hinausgekommen war, sich dann aber nur müde seitwärts schleppte und tagelang immer wieder in der Zone 31.500/31.700 Punkte abdrehte, wollten die Bullen sicherstellen, dass der Ausbruch nicht knapp gelänge, sondern so deutlich, dass die Akteure gar nicht auf die Idee kommen würden, Gewinne mitzunehmen. Der Eindruck eines gerade beginnenden, dynamischen neuen Aufwärtsimpulses sollte entstehen und am Donnerstag und Freitag für Anschlusskäufe sorgen. Dass das derart schiefging, ist für das bullische Lager wie ein Tritt in die Magengrube. Es jetzt gleich noch einmal zu versuchen, wäre nötig. Aber ob jetzt noch genauso viele bereit wären, hier in Sachen Ausbruch aktiv Hand anzulegen, wie am Mittwoch, ist sehr fraglich.

Zweitens fand dieser Ausbruch in einem ungünstigen Umfeld statt. Zum einen waren die Technologietitel seit Tagen sehr schwach, das drückte auf die Stimmung. Zum anderen kam es seit einiger Zeit zu kräftig steigenden Anleihe-Renditen, was sich ausgerechnet gestern noch beschleunigte. Und das positiv zu sehen (mehr dazu in der heutigen Analyse zu den US T-Bonds) fällt schwer. Zumal zugleich auch noch Gold und die Tech-Aktien fielen. Es wirkte, als müssten große Akteure in größerem Umfang Kapital aus dem Markt nehmen, nur konnte nicht einmal die US-Notenbank bis Donnerstagabend sagen, was genau da vorgeht.

Ein nervöses Umfeld, eine kapitale Bullenfalle und dann auch noch die Charttechnik: Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie, dass der Dow Jones am Tagestief fast genau auf das Januar-Verlaufshoch aufsetzte und nicht allzu weit darüber schloss. Würde diese Linie nebst der knapp darunter, bei 31.202 Punkten, verlaufenen 20-Tage-Linie auch noch gebrochen, wäre auch noch der Ausbruch vom Februar eliminiert. Und unter 31.000 Punkten würde auch noch der gesamte Handelsmonat zu einer erneuten Pleite für die Bullen. Dann könnte sich der Index sehr schnell in der nächsten Supportzone bei 29.755/29.934 wiederfinden. Und dann hätten wir hier wirklich die „Mutter aller Bullenfallen“ gesehen, die gezielte Short-Trades anlocken würde die das Licht die Motten!

Dow Jones: Monats-Chart vom 25.02.2021, Kurs 31.402,01 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Eine Hausse lebt vom Blick nach vorne. Doch dass die bereits investierten Akteure auch immer das „Ist“ im Blick behalten und ab und an nach unten schauen, statt blind einem immer im Nebel liegenden Gipfel entgegen zu streben, liegt in der Natur der Sache. Und es scheint, dass beim Dow Jones die Zahl der Gipfelstürmer nachlässt und die der Realisten zunimmt.

Wenn man fast jeden Tag von neuen Rekordhochs hört und liest, bekommt man den Eindruck, dass die Rallye im vollen Saft steht. Doch schaut man sich den Chart des US-Index-Flaggschiffs an, kommt man nicht umhin zu erkennen: Der Dow droht, eine lahme Ente zu werden. Seit dem letzten Kurs des Jahres 2020 hat der Index gerade einmal 2,78 Prozent zugelegt. Sicher, das ist für anderthalb Monate nicht unbedingt schlecht, vor allem, wenn es in diesem Tempo das ganze Jahr weiterginge. Aber dazu sollte etwas gelingen, das momentan ausbleibt:

Dow Jones: Tages-Chart vom 15.02.2021, Kurs 31.458,40 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Dieser Weg der Investoren durch diese im Nebel liegende Zukunft sollte, sobald die Phase, die man vorwegnahm, eingetreten ist, Argumente liefern, dass die Käufe der vergangenen Monate berechtigt waren. Und dass Grund besteht anzunehmen, dass solche „good news“ in regelmäßigen Abständen erneut auftauchen und rechtfertigen, dass nach „hoch“ „noch höher“ kommen muss. Da Konjunkturdaten wie die Arbeitsmarktdaten und das Verbrauchervertrauen das zuletzt nicht hergaben, hätten es die Unternehmensgewinne richten müssen. Was sie aber nicht überzeugend konnten.

Natürlich überschlug man sich in den Medien damit zu melden, dass zahllose Unternehmen die Prognosen der Analysten überboten hätten. Doch so langsam wissen die meisten Akteure, dass solche Prognosen vor allem in Krisenzeiten bewusst tief angesetzt werden, um das Feuer der Begeisterung bei den Marktteilnehmern hoch zu halten. Immer mehr Anleger vergleichen die einlaufenden Zahlen, wie es sinnvoll ist, mit denen des Vorjahresquartals. Und dann kommt es oft nicht zu einem gewaltigen Kurssprung, sondern zu Gewinnmitnahmen, weil man feststellt, dass diese Ergebnisse nicht so gut sind, wie man sie verkaufen will.

Dass der Dow Jones genau zum Start in den Februar noch einmal Gas gab, war zwar grundsätzlich bullisch, zumal es gelang, den Index in einer wichtigen Unterstützungszone nach oben zu drehen, wie der Chart auf Tagesbasis zeigt. Aber Zeit und Ort des Aufwärtsschubes identifiziert hinter diesem Aufwärts-Schwenk eben das Investieren neu zugeflossenen Sparer-Geldes zum Monatsstart seitens der großen Adressen und die Charttechnik als Motivation, nicht ein „Daumen hoch“ zuversichtlicher, erfahrener Investoren. Wäre das der Fall, wäre es nicht so schnell wieder zu einem kraftlosen Seitwärts-Geschiebe gekommen, wie man das schon nach der Kaufwelle Anfang Januar gesehen hatte. Jetzt notiert der Index nur hauchdünn über dem vorherigen, im Januar markierten Verlaufsrekord und produziert einen Doji nach dem anderen, statt dynamisch davonzuziehen.

Es wundert nicht. Der Index hat viel vorweggenommen in Sachen eines nachhaltigen, wiederbelebten Wachstums, das aber weiterhin noch nicht geliefert wird. Die Bewertung ist hoch, das Kurs/Gewinn-Verhältnis des Index liegt auf Basis der tatsächlich gemeldeten Gewinne jetzt bei 32,5, so hoch wie seit der letzten Rezession nicht mehr. Sicher, man könnte das auf KGVs von 20 oder 15 herunterphantasieren, indem man einfach irrwitzige Gewinnsteigerungen bei den im Dow gelisteten Unternehmen in diesem und dem nächsten Jahr unterstellt. Da aber die meisten im Dow Jones enthaltenen Unternehmen gar keinen dramatischen Gewinneinbruch im Jahr 2020 hinnehmen mussten, einige im Gegenteil sogar neue Rekordgewinne meldeten, wäre eine Verdoppelung der Gewinne dieser 30 Unternehmen in ein bis zwei Jahren ziemlich unwahrscheinlich. Und erfahrene und/oder große Investoren wissen das. Der Dow Jones müsste jetzt ein, zwei Tage dynamisch davonziehen und nicht sofort wieder zurückfallen, dann könnte das dadurch zurückgewonnene Momentum immerhin die rein chart- und markttechnisch agierenden Trader mobilisieren. Aber trotzdem wäre es realistischer, dass eine mit 2020 vergleichbare Dynamik in diesem Jahr ausbleiben wird. Hier wären Long-Trades daher auf Sicht lukrativer, wenn man diese nach Rücksetzern eingeht, in deren Verlauf wichtige Supportzonen oder gleitende Durchschnitte verteidigt wurden wie zuletzt Anfang Februar, und nicht bei neuen Hochs. Denn ja, im Vergleich zu 2020 droht der Dow in den kommenden Monaten tatsächlich eine relativ lahme Ente zu werden.

Dow Jones: Monats-Chart vom 15.02.2021, Kurs 31.458,40 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Jetzt wird sich zeigen, ob die Bullen nicht nur stark genug sind, die „magische Marke“ von 30.000 Punkten beim Index-Flaggschiff Dow Jones zu verteidigen, sondern es auch fertigbringen, den Index nachhaltig über das Rekord-Verlaufshoch vom 21. Januar bei 31.272 Punkten zu heben. Momentan wirkt es, als wäre das ein Spaziergang … aber es ist womöglich schwieriger, als manche denken. Denn es gibt jetzt drei Möglichkeiten:

Der Index, der am Freitag bis auf 20 Punkte an diese bisherige Bestmarke herankam, könnte schon nach dieser Annäherung sang- und klanglos nach unten abdrehen und die 30.000 im nächsten Anlauf deutlich durchbrechen. Er könnte die 31.272 Punkte-Marke mit Schwung überbieten und, getrieben durch das dadurch neu belebte Momentum, deutlich und schnell höher laufen. Es könnte aber auch zu einem „false breakout“ kommen, einer Bullenfalle, indem der Dow die Hürde zwar nimmt, dann aber die Anschlusskäufe ausbleiben und die Akteure deshalb umgehend den Rückzug antreten.

Dow Jones: Tages-Chart vom 05.02.2021, Kurs 31.148,24 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Die Chance, das bereits zum Wochenschluss zu entscheiden, ließen die Bullen liegen. Was nicht unbedingt überrascht, denn der potenzielle „Anschieber“ für einen Ausbruch nach oben, die am Freitag präsentierten US-Arbeitsmarktdaten für den Januar, wirkten zwar akzeptabel, aber nur, wenn man nicht genauer hinsah.

Die Konsens-Prognose der Analysten lag bei +50.000 Stellen. Mit +49.000 wurde diese Erwartung erfüllt. Und obwohl diese geringe Zahl neuer Jobs das eigentlich nicht hergab, sank die offizielle Arbeitslosenrate von 6,7 Prozent im Dezember auf 6,3 Prozent. Diese gesunkene Arbeitslosenrate war auch deswegen nicht allzu glaubwürdig, weil der im Dezember entstandene Stellenabbau im Zuge der Korrektur dieser Daten noch größer wurde: Die Anfang Januar berichteten -140.000 Jobs wurden auf -227.000 korrigiert.

Diese Diskrepanz zwischen im Saldo 178.000 verlorenen Arbeitsplätzen im Dezember und Januar und einer zugleich von 6,7 Prozent im November auf 6,3 Prozent im Januar gefallenen Arbeitslosenrate liegt zum einen darin, dass diese beiden Daten in unterschiedlichen Umfragen ermittelt werden. Zum anderen darin, dass das US-Arbeitsministerium imstande ist, die Arbeitslosenrate dadurch zu beeinflussen, dass die Partizipationsrate, d.h. der Anteil der US-Bürger, die als dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend gesehen werden, verändert wird.

Dass das bullische Lager nach der erfolgreichen Verteidigung der 30.000er-Marke kurzfristig das Geschehen dominiert, dürfte bewirkt haben, dass der Dow daraufhin nicht nachgab, sondern ein kleines Plus von 0,3 Prozent ins Wochenende rettete, das ihn in unmittelbarer Reichweite des Verlaufsrekords hielt. Dass man den Index vor dem Wochenende kurz unter einem entscheidenden Widerstand „parkt“, ist durchaus nicht selten. Sofern es über das Wochenende und am heutigen Montag nicht zu nennenswert negativen Nachrichten kommt, dürfte man versuchen, den Index noch vor dem Handelsstart über den Future nach oben zu ziehen. Und meist stellt sich einem Versuch, die Anleger gleich zum Start durch ein Opening auf neuem Rekordlevel vor vollendete Tatsachen zu stellen, niemand entgegen. Aber:

Das sieht im regulären Handel anders aus. Dann wird sich sehr schnell zeigen, ob dieser Kniff Anschlusskäufe auslöst oder so viele Akteure diese Gelegenheit nutzen, um zu ideal hohen Kursen auszusteigen, dass der Angriff der Bullen zum Rohrkrepierer wird. Sollte der Dow-Future heute Vormittag nach oben laufen, dürfte das ein äußerst spannender Tag werden!

Dow Jones: Monats-Chart vom 05.02.2021, Kurs 31.148,24 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Das FBI meldete etwa zweieinhalb Stunden vor US-Handelsende, dass offenbar vor jedem einzelnen der 50 Parlamentssitze der US-Bundesstaaten in dieser Woche bewaffnete Demonstrationen geplant seien. Die Sorge, dass Donald Trump die Büchse der Pandora weit geöffnet hat und keinerlei Interesse daran hat, deren Deckel wieder zu schließen, wächst. Und jeder Investor weiß sehr wohl, dass eine solche Situation, in der Szenen wie die der vergangenen Woche immer öfter auftauchen, unmöglich an der Börse vorbeigehen können.

Dass die ganz großen börsennotierten Unternehmen, die Giganten aus dem Dow Jones, im Fall einer Verstetigung von Unruhen nicht sofort Gewinneinbrüche erleiden, mag schon sein. Aber wenn neben der Sorge hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektive, der Angst vor der zuletzt seitens des Weißen Hauses ignorierten Pandemie auch noch die stete Angst um Haus und Hof und die eigene Unversehrtheit hinzukommt, wird der Konsum das sofort zu spüren bekommen. Und von ihm ausgehend wird diese Situation die Lieferkette entlang kriechen, bis hin zu denen, die Teile und Maschinen für die Zulieferer der großen Unternehmen bereitstellen, seien es Sportartikelhersteller wie Nike, Technologieunternehmen wie Apple oder Einzelhändler wie Walmart. Aber der Dow Jones steigt. Wie kann das angehen?

Dow Jones: Tages-Chart vom 11.01.2021, Kurs 31.008,69 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Gerade die immense Dimension der Risiken löst diese Käufe aus. Sie ist so groß, dass man sie nicht mehr einordnen kann und deswegen einfach auszublenden versucht. Das haben wir schon x-mal erlebt, im Zuge der Dot.Com-Blase, der Subprime-Blase, der sogenannten „Alles-Blase“ vor dem Corona-Crash … und jetzt erneut. Natürlich klappt das Ausblenden nicht mehr, wenn die Lawine erst einmal abgegangen ist. Aber das ist sie noch nicht. Auch deshalb, weil die großen Adressen wie üblich versuchen, die Akteure zu beruhigen, indem sie aktiv kaufen, die Kurse stabil halten und, im Idealfall höher ziehen. Sehen sich Sparer mit vollen, rein Long ausgerichteten Depots zwischen den zwei Stühlen zunehmender Risiken auf der einen und weiter steigenden Kursen auf der anderen Seite, neigen die meisten dazu, sich auf die Entscheidung zu reduzieren: „Ich kann immer noch verkaufen, wenn die anderen verkaufen.“

Die Angst davor, dass jetzt alles in sich zusammenfallen könnte, ausgelöst durch erneute, womöglich deutlich weiter reichende Unruhen, führt dazu, dass die einen, die „Großen“, aus der Angst geboren die Flucht nach vorne antreten und kaufen … und die anderen, die „Kleinen“, den Kopf in den Sand stecken. Und ja, das könnte auch gutgehen. Vorausgesetzt, es gelingt, erneute Gewaltaktionen einzugrenzen und im Idealfall großenteils zu verhindern. Aber ob das gelingt, weiß niemand. Das Risiko, dass die kommenden Tage erneut fatale Bilder bringen, ist alles andere als klein. Und damit auch das Risiko, dass der Dow Jones, der so auffällig mit aller Macht auf Rekordniveau gehalten wird, wie ein defekter Fahrstuhl in die Tiefe saust.

Wie unruhig die Kurse auf diesem Niveau sind, machen die beiden Dojis deutlich, die der Index am Freitag und Montag produziert hat. Viel Volatilität und doch kaum Raumgewinn … für beide Seiten. Und dass das US-Index-Flaggschiff zum Wochenstart das Gros vorbörslicher Verluste wieder aufholte, weil es direkt zu Beginn des regulären Handels um 15:30 Uhr zu einer Kaufwelle kam, die prompt endete, als die Kurse aus dem Gröbsten heraus waren, unterstreicht: Hier kauft die Angst. Die Angst vor bärischen Signalen, die die Lawine lostreten könnten.

Die Sache wird zusätzlich knifflig, weil da einiges an Spielraum vorhanden wäre, den der Index nach unten ausloten könnte. Selbst bis zur Generierung eines mittelfristig relevanten Short-Signals wären um die 2.200 Punkte Spielraum. Er müsste unter die Hochs der Monate September und Oktober bei 28.958/29.200 Punkten rutschen. Und mit einem Seitenblick auf die Verbindungslinie zwischen dem alten Februar 2020-Rekordhoch, den vorgenannten Zwischenhochs und der oberen Begrenzung des riesigen Gaps von Anfang November (im Chart auf Wochenbasis) müsste dieser Bruch deutlich ausfallen. Das hieße: Oberhalb von 28.800 Zählern wäre der Dow noch nicht wirklich bärisch. Auf einem Level von derzeit um die 31.000 Punkte ist das ein Wort.

Daher wäre es für Akteure, die aggressivere, kurzfristigere Long-Positionen halten, zu überlegen, sich an der einigen einigermaßen tauglichen, nahe liegenden Supportlinie in Form der 20-Tage-Linie zu orientieren, wenn es um eine Stop Loss-Absicherung geht. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass diese Linie in den vergangenen drei Wochen zweimal kurz unterboten wurde und die Bullen den Index beide Male zum Handelsende wieder auf sicheres Terrain, sprich über diese Linie, gezogen haben. Wenn das schiefgeht und der Dow Jones mindestens 200 Punkte unter dieser aktuell bei 30.380 Punkten verlaufende Linie schließt, wäre das ein erhebliches Warnsignal. Dann hätten die Bullen für alle sichtbar verloren, das kann schon reichen, um in einer Situation so sorgsam unterdrückter Angst die nächste Stufe zu zünden. Die hieße dann Panik. Und dann verkaufen auch die, die derzeit versuchen, die Deiche am Brechen zu hindern!

Dow Jones: Wochen-Chart vom 11.01.2021, Kurs 31.008,69 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX