DAX aktuell DAX: Es sieht alles bullisch aus … aber der Schein könnte trügen

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Die US-Notenbank tut – vorerst – nichts und lässt die Inflation und mit ihr den Aktienmarkt laufen. Trotzdem reagierte man an der Wall Street nervös. Warum fällt der DAX nicht? Sieht man die Inflation als reines US-Problem an? Oder steckt der heutige „Hexensabbat“ dahinter?

Natürlich war man auch am deutschen Aktienmarkt im Vorfeld nervös. Immerhin stand zu befürchten, dass ein unmittelbares Handeln der US-Notenbank den fragilen Faden aus reichlich und quasi gratis verfügbarem Geld durchschneiden und dadurch den US-Aktienmarkt massiv unter Druck setzen würde. Aber diese Nervosität drückte sich nur durch immer kleiner werdende Handelsspannen und schwindende Umsätze aus. Kaum jemand wollte aussteigen.

Aber ist das überraschend? Eigentlich nicht. Denn natürlich kann man sich sagen, dass die Inflation ein reines US-Problem ist. Dort fünf, in Deutschland zweieinhalb Prozent, dazwischen liegen scheinbar Welten. Jedoch ist es absolut nicht sicher, dass die europäischen Teuerungsraten nicht nachziehen. Und da die Wachstumsdynamik in der Eurozone weit geringer ist als in den USA, wirkt auch eine schwächere Inflation relativ stark. Das allein kann also nicht der Grund sein, wieso der DAX sich so beeindruckend stark zeigt.

Monatschart vom 17.06.2021, Kurs 15.727,67 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber es gibt eben noch einen anderen Aspekt, der Stabilität bzw. Aufwärtsdrang generieren kann bzw. konnte: die heute stattfindende Abrechnung von Optionen und Futures auf Aktienindizes und von Optionen auf Einzelaktien. Kann es sein, dass die Kombination aus einem zumindest auf den ersten Blick korrekten Verweisen der Inflationsgefahr nach Übersee und diesem „dreifachen Hexensabbat“ diese Robustheit hervorruft? Das kann es durchaus.

In einem Aufwärtstrend ist das Bestreben der großen Akteure am Terminmarkt, eine Abrechnung der Indizes und der im Aufwärtstrend befindlichen Einzelwerte auf einem Niveau zu erreichen, das so hoch wie möglich liegt. Die im Vorfeld der US-Notenbankentscheidung schwachen Umsätze machten ihnen das diesmal besonders leicht, denn will man gezielt „nachhelfen“, den Markt stützen und höher treiben, kommt das bei geringen Umsätzen natürlich billiger. Und da die US-Notenbank erst einmal nichts tut, ließe sich das als Freibrief für vorerst weiter steigende Kurse ansehen. Die „Fed“ wird handeln, ja … aber vorerst eben nicht. Und wer mit kurzfristigem Zeithorizont tradet, interessiert sich nicht für ein Wochen entfernt liegendes „Vielleicht“. Aber was passiert in der kommenden Woche?

Dass die „Causa Inflation“ nicht einfach vom Tisch zu wischen ist, zeigt sich ja an der zunehmenden Volatilität der US-Börsen. Dass die Inflation allemal auch bei uns noch deutlich Fahrt aufnehmen kann, weiß man. Und da man nicht absehen kann, ob diejenigen, die in den vergangenen ein, zwei Wochen nicht aktiv wurden, gerade über Zukäufe nachdenken oder im Gegenteil bereits auf gepackten Koffern sitzen, sollte man sich besser nicht zu sicher sein, dass die Reise des DAX einfach so weiter nach oben geht. Worauf gälte es zu achten, wo lägen die charttechnischen Schlüsselzonen, die halten müssen?

Auf mittelfristiger Zeitebene steht da der Bereich 14.800/14.850 Punkte im Fokus, der im Mai zweimal starkem Abgabedruck standhielt. Fiele dieser Unterstützungsbereich, wäre auch aus mittelfristiger Sicht etwas angebrannt. Auf kurzfristiger Ebene liegt die Zone, die tunlichst nicht auf Schlusskursbasis unterboten werden sollte, sehr nahe. Da geht es um den Bereich der vormaligen Rekordhochs vom April um 15.500 Punkte. Dieser Level wurde vergangene Woche zweimal getestet und hielt. Sollte er doch noch brechen, wäre damit auch die knapp darüber verlaufende 20-Tage-Linie unterboten und der Weg aus rein charttechnischer Sicht frei bis zur vorgenannten, mittelfristig relevanten Zone 14.800/14.850 Punkte. Für den Fall, dass der schöne Schein unerschütterlicher Robustheit trügen sollte, wäre es daher kein Fehler, Long-Trades mit diesen Auffangzonen als Anhalt konsequent abzusichern.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Tageschart vom 17.06.2021, Kurs 15.727,67 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des DAX Index

Am Freitag nächster Woche steht wieder ein „dreifacher Hexensabbat“ an der Terminbörse an. In gesunden Aufwärtstrends ziehen solche Abrechnungstermine die Kurse meist höher. Können wir beim DAX darauf hoffen, dass bis zu diesem 18. Juni die 16.000 fällt?

Da die Distanz bis zu dieser nächsten, runden Marke überschaubar ist, sie dadurch für die bullischen Trader Sogwirkung entwickelt und eine solche große Abrechnung von Optionen und Futures am Terminmarkt oft „zieht“, ist die Chance nicht schlecht. Aber diesmal sollte man sich seiner Sache zumindest nicht gar zu sicher sein, denn vor diesem 18. Juni stehen noch drei Termine an, die Probleme machen könnten:

Übermorgen werden die US-Inflationsdaten für den Mai erwartet, d.h. die Verbraucherpreise. Am nächsten Dienstag, den 15. Juni, werden die US-Erzeugerpreise gemeldet. Und am Mittwoch, den 16. Juni, wird die US-Notenbank ihre Statements vorlegen. Zwar steht schon vorher, am Donnerstag, die Sitzung der EZB an. Aber wichtiger dürfte sein, was in den USA passiert, denn dort hat die Inflation Vorlauf, dort müsste die „Fed“ eher aktiv werden als die EZB, die sich immer noch damit herausreden kann, dass die Inflation bis jetzt in Bezug auf die Eurozone insgesamt „nur“ bei 2,0 Prozent liegt.

DAX: Tages-Chart vom 07.06.2021, Kurs 15.677,15 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das kritische Element dabei ist die Intensität der Teuerung. Solange sie nicht aus dem Ruder läuft, ist der negative Effekt auf den Aktienmarkt überschaubar und muss eine laufende Aufwärtsbewegung, wie wir sie beim DAX derzeit sehen, nicht ausbremsen. Sollte der Preisanstieg in den USA aber das Tempo vom März und April beibehalten, wird es eng. Denn dann säßen die Aktienmarkt-Bullen in der Zwickmühle:

Würde die US-Notenbank etwas unternehmen, würde die EZB in deren Kielwasser wohl nachziehen. Und schon ein kleiner Griff zum Geldhahn könnte die so sehr auf billiges Geld im Überfluss angewiesenen Wachstumschancen ausbremsen. Würden die Notenbanken aber weiter abwiegeln, wäre das Risiko, dass sich die Teuerung verselbständigt, mit Händen zu greifen und dies mit Zeitverzug noch negativer für das Konsumwachstum, die Unternehmensgewinne und am Ende der Reihe für den Aktienmarkt.

Es wäre zwar trotzdem denkbar, dass die großen Akteure an den Terminbörsen stark und entschlossen genug agieren, um eine negative Reaktion im Vorfeld dieses „dreifachen Hexensabbats“ am nächsten Freitag abzufangen. Aber vergessen würden die anderen Marktteilnehmer das Inflationsproblem deswegen nicht, dazu ist es zu präsent.

Ein plötzlicher Abriss stünde also, wenn die anstehenden US-Inflationsdaten die Gemüter nicht beruhigen sollten, jederzeit im Raum, so dass es sich unbedingt anbieten würde, Long-Positionen konsequent knapp unterhalb der Unterstützungszone zwischen aktuell 15.425 (die 20-Tage-Linie) und 15.502 (das April-Hoch) Punkten abzusichern.

DAX: Monats-Chart vom 07.06.2021, Kurs 15.677,15 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zumal das bullische Lager auch nicht übersehen haben dürfte, dass der DAX momentan auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis in markttechnisch überkauften Terrain unterwegs ist und allein dadurch schon für Gewinnmitnahmen anfälliger wäre.

Ein Nachrichtensender meldete gestern, dass der DAX „so hoch wie noch nie“ schloss. Das ist zwar richtig, verschleiert aber, dass dieser Ausbruchsversuch eigentlich ein Fehlschlag war, der Konsequenzen haben wird, wenn die Bullen nicht schnell nachlegen.

Der DAX startete den Tag mit 15.548,29 Punkten und damit gleich über dem bisherigen, eine Woche zuvor erreichten Verlaufsrekord von 15.538,01 Zählern. Er stieg umgehend zum Handelsstart auf 15.568,60 Punkte und markierte damit einen neuen Verlaufsrekord. Und ja, auch der Schlussstand war mit 15.465,09 Punkten ein neuer Rekord. Aber der lag gerade mal 5,34 Punkte über dem bisherigen Schlussrekord vom 16. April. Und wenn man all das zusammen nimmt, war dieser Ausbruchsversuch eine Pleite, die nur geheilt werden könnte, wenn die Käufer umgehend erneut angreifen. Denn wenn ein Index auf neuem Hoch startet, dann aber gut 100 Punkte unter dem Tageshoch und auf Tagestief schließt, gesellt sich zu dem rechnerisch erreichten Schlusshoch eben auch der Hauch des Versagens.

DAX: Tages-Chart vom 25.05.2021, Kurs 15.465,09 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn wie anders könnte man es werten, wenn der deutsche Leitindex versucht, sich endlich aus der seit Anfang April laufenden Seitwärtsbewegung zu befreien und die Antwort der Marktteilnehmer nicht Käufe als Reaktion auf den Ausbruch sind, sondern Gewinnmitnahmen? Was umso schwerer wiegt, als das nicht der erste Ausbruchsversuch ist, der scheitert. Mitte April, als der bis dahin gültige Schlussrekord von 15.459,75 Punkten erreicht wurde, kam es ebenso wenig zu Anschlusskäufen wie vor einer Woche, als der DAX das bis dahin geltende Verlaufshoch bei 15.538,01 markierte. Die Zahl derer, die unverdrossen einfach den nächsten Anlauf wagen, sinkt mit jedem abgewiesenen Versuch; schließlich macht es keinen Spaß, jedes Mal zum Handelsstart „oben“ zu kaufen und zusehen zu müssen, dass andere diese Käufe als Plattform für eigene Gewinnmitnahmen nutzen.

Damit stehen die Bullen unter Zugzwang. Nur, wenn sie umgehend erneut antreten und diese scheinbare Bullenfalle durch einen Ausbruch heute oder spätestens morgen doch noch in einen Sieg verwandeln, würden diejenigen, die sich jetzt zu Recht fragen, ob das nicht doch ein Wink mit dem Zaunpfahl in Sachen Gewinnmitnahmen ist, derlei Gedanken verwerfen und im Idealfall sogar selbst kaufen bzw. zukaufen.

Dass die Käufer bislang stur geblieben sind, das aber bislang nichts gebracht hat, ist im Chart auf Wochenbasis gut zu sehen. Die beiden vergangenen Handelswochen endeten einmal als „Hanging Man“, einmal als „Umbrella Doji“. Beides Warnsignale, die mit einem Schlag vom Tisch gefegt werden, wenn man sich durch die gestrigen Gewinnmitnahmen nicht nervös machen lässt. Bleiben die Käufe aber aus, wäre ein Anlauf an das untere Ende der Handelsspanne keine Überraschung, die durch das Verlaufstief vom 13. Mai bei 14.816 Punkten definiert wird.

DAX: Wochen-Chart vom 25.05.2021, Kurs 15.465,09 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und es wäre ebenso wenig eine Überraschung, wenn diejenigen, die die letzten Rücksetzer Anfang und Ende Mai aufgefangen hatten, dann das Handtuch werfen und nicht noch einmal die Hand aufhalten. Richtig kritisch würde es zwar erst, wenn der DAX nicht nur in die im Wochenchart hervorgehobene Keilformation hineinrutschen, sondern mit Schlusskursen unter 14.500 Punkten auch nach unten aus ihr herausfallen würde. Aber sollten die Käufer jetzt wegbleiben, wäre Ovids Spruch „wehret den Anfängen“ wohl angemessen.

Es schien eine klare Sache für die Bullen zu sein, als der DAX gestern Früh über den bisherigen Verlaufsrekord hinaus stieg. Doch am Ende des Tages hieß es: Außer Spesen nichts gewesen. Könnte das das Ende der Fahnenstange sein?

Das könnte es in der Tat, wenn die Käuferseite nicht sofort einen neuen Anlauf startet und der diesmal nicht abverkauft wird. Denn auch, wenn der deutsche Leitindex nicht so weit zurückkam, dass das vormalige Rekordhoch vom April bei 15.502 Zählern schon außer Reichweite wäre:

DAX: Tages-Chart vom 18.05.2021, Kurs 15.386,58 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zum einen müsste der Index jetzt auch das gestrige, neue Verlaufshoch von 15.538 Punkten überbieten – und das idealerweise auf Schlusskursbasis. Damit ist die jetzt zurückzulegende Distanz schon ein wenig größer. Zum anderen ist ein solcher gescheiterter Versuch, sich aus einer Handelsspanne zu befreien, psychologisch natürlich problematisch. Nur, wenn sich umgehend genügend „Freiwillige“ finden, die es sofort noch einmal probieren und damit durchkommen, würden sich Akteure, die jetzt darüber nachdenken, nicht vielleicht doch besser den Gewinn mitzunehmen, anders entscheiden, im besten Fall sogar zukaufen.

Die Zeit drängt auch deshalb, weil das bärische Lager diesen Rückschlag jetzt relativ leicht zu seinen Gunsten nutzen könnte. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der DAX die Ende Oktober etablierte Aufwärtstrendlinie, die er Anfang des Monats noch recht souverän verteidigte, letzte Woche nur mit Müh und Not halten konnte. Diese Linie kommt täglich näher, die ebenso wichtige 20-Tage-Linie auch. Heute wird der Aufwärtstrend bei 15.200, die 20-Tage-Linie bei 15.250 Punkten liegen. Gelänge ein Schlusskurs unter diesen beiden Linien, wären die Bullen deutlich angezählt … und unterhalb des Vorwochen-Verlaufstiefs bei 14.816 Zählern wäre der k.o. nahe.

Hinzu kommt die markttechnische Situation: Der Trendfolgeindikator MACD hat auf Tagesbasis noch kein neues Kaufsignal generiert, das wäre erst dann der Fall, wenn der DAX wirklich nach oben ausgebrochen wäre. Und auf Monatsbasis sehen wir, dass der Stochastik-Oszillator längt die überkaufte Zone erreicht hat. Die Bullen sind somit zum Erfolg verurteilt.

DAX: Monats-Chart vom 18.05.2021, Kurs 15.386,58 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Chance ist immer noch da, aber die Zeit läuft gegen die Käuferseite. So betrachtet wäre es ratsam, erst dann einen Long-Trade oder einen Ausbau bestehender Long-Positionen zu erwägen, wenn der Befreiungsschlag aus der derzeitigen Handelsspanne wirklich vollzogen wurde. Dann hätte man auch die Möglichkeit, solche Trades enger abzusichern, denn danach sollte der DAX nicht mehr nennenswert in diese Trading-Range zurückfallen. Ein Stop Loss Long knapp unter der aktuell bei 15.200 Punkten verlaufenden, täglich ca. 30 Punkte steigenden Aufwärtstrendlinie wäre da eine sinnvolle Basis.

Der Versuch, den bisherigen Verlaufsrekord vom April zu überwinden, endete beim DAX-Index gestern mit einem bärischen „Island Reversal“. Aber auf der anderen Seite hielt die November-Aufwärtstrendlinie stand: Hier fallen jetzt Entscheidungen!

Der DAX rutschte am Dienstag vom Start weg ab, wobei er den Handel bereits mit einer großen Abwärts-Kurslücke (Gap Down) begann. Auslöser waren die über Nacht unter Druck geratenen US-Futures, wo man zum Wochenstart beim Dow Jones zwar einen neuen Verlaufsrekord erzielte, der Tag aber mit einem sogenannten „Gravestone Doji“ endete. Ein Warnsignal, das viele US-Trader offenbar bewog, so schnell wie möglich Gewinne zu sichern. Das riss den DAX mit in die Tiefe. Und da wirkte ein beeindruckend starker ZEW-Index, der am Vormittag vorgelegt wurde, womöglich sogar kontraproduktiv.

Denn kaum rutschen die Kurse, kommen zuvor in den Hinterkopf verbannte Risikofaktoren wieder zum Vorschein. Neben einer recht hohen Bewertung des Aktienmarkts und der offenen Frage, ob und wenn ja wie nachhaltig Deutschland und die Eurozone wieder auf die Wachstumsschiene gebracht werden können, ist das Thema Inflation eines der aktuell brisantesten. Und ein ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für den Mai, der den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht hat, trägt natürlich dazu bei, Inflationssorgen zu befeuern.

Ob sich die Rückkehr verdrängter Risiken in weiteren Abgaben entlädt, womöglich auch mittelfristig relevante Unterstützungen fallen oder aber dieser schwache Handelstag eine Eintagsfliege bleibt wie der Dienstag eine Woche zuvor, lässt sich nicht vorhersehen. Zu sehr spielen da individuelle, emotionale Entscheidungen der Trader hinein. Aber aus charttechnischer Sicht sind die Ankerpunkte, an denen sich wichtige Signale im DAX festmachen lassen, gut definiert. Zunächst das, was für die Bären sprechen würde:

Das bullische Lager hatte, nachdem es vergangene Woche zu einem erfolgreichen Test der im Chart auf Tagesbasis zu sehenden November-Aufwärtstrendlinie kam, den Versuch gestartet, den deutschen Leitindex über sein bisheriges Verlaufshoch von 15.502 Punkten hinaus zu tragen. Doch kaum war der Index in Schlagdistanz gekommen, blieben die Käufer weg. Der DAX bildete am Freitag und Montag zwei auffällig kleine Kerzen knapp unterhalb des Rekordhochs. Durch den Gap Down gestern stehen diese beiden Kerzen isoliert im Raum – das ist, da es zuvor ein Gap Up gab, eine sogenannte Inselumkehr, ein „Island Reversal“. Ein markantes Warnsignal, vor allem, wenn sich eine solche Formation nahe eines Hochs bildet.

DAX: Tages-Chart vom 11.05.2021, Kurs 15.119,75 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das wäre eine Steilvorlage für die Bären. Auch, dass der DAX auf Tagesbasis längst ein bärisches Signal im Trendfolgeindikator MACD generiert hat und der RSI-Indikator auf Wochenebene gerade aus der überkauften Zone nach unten herausgelaufen ist, deutet auf eine Fortsetzung der Verkäufe hin, aber:

DAX: Wochen-Chart vom 11.05.2021, Kurs 15.119,75 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Dazu müsste der DAX erst einmal die November-Aufwärtstrendlinie brechen, denn die hielt vergangenen Dienstag stand – und gestern erneut. Somit müsste der Index klar unter der gestern verteidigten, runden Marke von 15.000 Punkten schließen. Dann wäre es in der Tat möglich, dass er auch in die im Chart auf Wochenbasis schwarz hervorgehobene, mittelfristig relevante Keilformation zurück rutscht und die langfristig wichtige, durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportzone im Bereich 13.500/13.800 Punkte testet. Aber erst, wenn diese Zone fiele, würde ein über das kurzfristige Zeitraster hinaus reichendes, bärisches Signal entstehen. Noch hätte das bullische Lager also seine Chance, zu kontern. Halten die Bullen den DAX über dieser November-Aufwärtstrendlinie, könnten sich die Short-Seller schnell zurückziehen. Und gelingt dann mit dem Rückenwind einer verteidigten Aufwärtstrendlinie der Ausbruch über das Verlaufshoch bei 15.502 Zählern, könnte die Rallye doch noch einmal in eine weitere Runde gehen. Die kommenden Tage werden es weisen, denn eine solche Chartkonstellation fordert zügige Entscheidungen ein!

Geht der DAX über die 15.500 oder rutscht er doch unter 15.000? Noch findet sich keine Mehrheit für eines der beiden Szenarien. Aber dass der Start in einen neuen Monat dahingehend keine Zeichen setzen konnte, ist eher ein Punkt für die Bären.

Neuer Monat, neues Glück: In den letzten Monaten haben wir öfter erlebt, dass die Notierungen des deutschen Leitindex in der ersten Woche eines neuen Monats kräftig Fahrt aufnahmen. Was indes noch kommen könnte: Die erste Handelswoche im Mai hat ja gerade erst begonnen. Aber wenn man sich ansieht, dass der DAX aktuell in einer engen Handelsspanne eingekeilt ist, hätten die Bullen da leicht Zeichen setzen können. Die blieben aus – ein Grund, den DAX jetzt nicht aus den Augen zu lassen.

DAX: Tages-Chart vom 03.05.2021, Kurs 15.236,47 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die zuletzt sehr oft festere Tendenz zu Monatsbeginn basierte vor allem auf dem Zufluss frischen Kapitals, das die passiv agierenden Anleger den Fonds und ETFs zukommen lassen. Doch irgendwann wird dieser Zustrom natürlich abnehmen. Wer angesichts der „Wette“ auf das Wiedererstarken der Wirtschaft am Aktienmarkt dabei sein oder seine Positionierung verstärken will, tut das nicht auf ewige Zeit. Mit einer Korrektur ist daher dann zu rechnen, wenn fast alle, die einsteigen wollten, schon drin sind und die, die langsam an Gewinnmitnahmen denken, noch drin sind. Ist dieser Moment nahe … oder sehen wir ihn gerade, so dass das Beherzigen des uralten, eigentlich längst nicht mehr sinnvollen Spruchs „sell in may and go away“ diesmal eine gute Idee wäre?

So etwas kann man nicht vorhersagen, denn es kommt recht oft vor, dass die institutionellen Investoren an den ersten ein, zwei Tagen eines neuen Monats erst einmal die Lage sondieren. Schließlich wissen auch die nicht, ob und wie viel frisches Kapital bei der Konkurrenz angekommen ist und wie man dort dann disponiert. Was spräche dafür, dass es tatsächlich eng wird für die Bullen? Die Quartalsbilanzen sind ja derzeit tadellos. Und dass die Konjunkturdaten bestenfalls gemischt ausfallen, kann niemanden wundern, immerhin hat die im Sommer/Herbst 2020 erwartete, dynamische Erholung Verspätung. Was kritisch ist, aber das wusste jeder auch schon im März oder April. Warum sollte es jetzt also Probleme geben?

Gerade deshalb. Die große Mehrheit der Marktteilnehmer dürfte bereits auf die mehrheitlich starken Quartalsergebnisse und die vielen angehobenen Prognosen reagiert haben. Und jeder weiß, dass die Rückkehr zum Wachstum nicht nur langsamer vonstattengeht, sondern auch deutlich weniger intensiv. Nur darf man bei einem DAX in unmittelbarer Nähe eines gerade erst vor zwei Wochen markierten Rekordhochs unterstellen, dass die meisten derjenigen, die sich vom Wachstum der Gesamtwirtschaft ursprünglich weit mehr erwartet haben, noch investiert sind und einfach darauf hoffen, dass der Kelch einer Korrektur an ihnen vorbeigeht.

DAX: Monats-Chart vom 03.05.2021, Kurs 15.236,47 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Was dann, zumindest vorerst, der Fall wäre, wenn die institutionellen Akteure tatsächlich im weiteren Wochenverlauf durchstarten und der DAX über 15.502 Punkten, dem bisherigen Verlaufshoch, schließt. Sollte aber die runde Marke von 15.000 Punkten fallen, dadurch die Mini-Handelsspanne der vergangenen vier Wochen nach unten verlassen werden und der Index zugleich in seinen Dezember-Aufwärtstrendkanals zurückrutschen, könnte es allemal bis hinunter an die untere Begrenzung dieses im Chart auf Tagesbasis schwarz eingezeichneten Trendkanals bei 14.000 Punkten gehen. Denn wenn zu viele nach dem Motto „ich verkaufe, wenn die anderen auch verkaufen“ handeln, ist eine Verkaufslawine oft nicht fern.