Wie Gold, wurde auch Silber auf dem Terminmarkt massiv abverkauft. Seit Mai hat der Silberpreis in der Spitze über 22 Prozent verloren. Kann das Edelmetall sich von diesem Kursrutsch erholen, oder muss mit einem weiteren Abverkauf gerechnet werden? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer aussichtsreichen Trade-Idee in dieser Silber-Analyse.

Rückblick: Flashcrash – konnten Sie davon profitieren?

Zunächst Glückwunsch an alle entschlossenen Leser, die sich von meiner letzten Trade-Idee im Silber-Future haben inspirieren lassen. Diese hatte ich Ihnen in der Silber-Analyse vom 30. Juli vorgestellt. Die Short-Chance hat sich ausgezahlt. Denn nach dem Short-Einstieg am 04. August bei 25,95 USD wurde am 09. August das Gewinnziel bei 23,80 USD erreicht. Und das bei gefühlt fast keinem Risiko, denn mit dem Einstieg bei 25,95 USD wurde der Umkehrpunkt im Chart bei 26,09 USD fast punktgenau getroffen.

Mit dem Einsatz eines Silber-Futures (Symbol SIU1) hätte theoretisch ein Gewinn von ca. 10.750 USD erzielt werden können. Selbst mit dem kleineren Mikro Silber-Future (SILU1), hätten immer noch ca. 2.150 USD Gewinn verbucht werden können.

Maßgeblich dazu beigetragen hat der Flashcrash zu Beginn der der letzten Handelswoche. Innerhalb von 15 Minuten rauschte der Silber-Future mit Laufzeit September 2021 (Kürzel: SIU1) um 8,55 Prozent in die Tiefe. Denn in der Nacht auf Montag wurden im Tief für einen Silber-Kontrakt nur noch 22,295 USD bezahlt (vgl. Chart unten)

Chart vom 19.08.2021 Kurs: 23,32 Kürzel: SIU1 Stundenkerzen | Online Broker LYNX

In den letzten Handelstagen konnte sich der Silberpreis wieder etwas stabilisieren.

Jetzt fragt man sich als Anleger: Kann das Edelmetall sich weiter erholen oder sind weitere Kursverluste zu befürchten?

Um eine Antwort auf die Frage zu finden, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Ausbruch aus der Range?

Chart vom 19.08.2021 Kurs: 23,35 Kürzel: XAGUSD Monatskerzen | Online Broker LYNX

Langjähriger Abwärtstrend ist gebrochen

Ein Blick auf den Monatschart (Logarithmische Darstellung) des Rohstoffes Silber (Kürzel XAGUSD) oben zeigt: Nachdem der hartnäckige Widerstand im Bereich 19 USD letztes Jahr durchbrochen wurde, explodierte der Silberpreis. Der Preis schoss in kurzer Zeit von 20 USD auf 30 USD. Die Bilanz: Eine Kursexplosion in Silber von 156 Prozent innerhalb von nur 20 Wochen. Das verdeutlicht den impulsiven Charakter des Trendbruchs.

Ein übergeordneter Aufwärtstrend konnte bislang aber noch nicht bestätigt werden. Denn dazu muss erst noch ein höheres Verlaufshoch mit einem Schlusskurs auf Monatsbasis über 30 USD erzielt werden. Dort war der Silberpreis bereits Anfang Februar, als ein neues Jahreshoch bei 30,08 USD markiert wurde. Die Silber-Bullen konnten diese wichtige Marke aber nicht halten.

So befindet sich Silber in einer 12-monatigen Trading-Range, die durch den Widerstand bei 30 USD und die Unterstützung bei knapp unter 22 USD begrenzt wird.

Jetzt stellt sich die Frage, ob der Markt sich in einer Reakkumulation (bullish) oder in einer Distribution (bearish) befindet. Letzterer Fall würde durch einen nachhaltigen Ausbruch auf der Unterseite bestätigt werden. Ein Schlusskurs unter 21,80 USD würde die Hoffnung der Bullen auf neue Jahreshochs erstmal begraben. Im Gegenteil… nächstes Kursziel wäre dann die 20 USD-Marke.

Für Range-Trader ist es aus Chance-Risiko Gesichtspunkten derzeit sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen. Für kurzfristig orientierte Anleger könnte ein Test der unteren Range-Begrenzung eine schöne Short-Chance eröffnen.

Passt das auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Steigende US-Renditen sind Gift für die Edelmetalle

Die zuletzt veröffentlichten US-Konjunkturdaten zeigen, dass sich der US-Arbeitsmarkt überraschend robust zeigt. Im Juli wurden mehr Arbeitsplätze wie erwartet geschaffen. Die Arbeitslosenquote sinkt und liegt jetzt bei 5,4 Prozent. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gehen weiter zurück und liegen ebenfalls unter den Erwartungen.

Ein brummender Arbeitsmarkt gepaart mit sehr hohen Preissteigerungen zwingt die Fed zum Handeln. Was der Markt von der Fed erwartet, kann man klar an den wieder steigenden Renditen für US-Bonds ablesen. Durch diesen Anstieg wird die Realverzinsung weniger negativ. Silber, das als Investment ja keine Zinsen abwirft, wird durch den geringeren Kaufkraftverlust weniger attraktiv.

Durch die höheren Renditen für US-Bonds preist der Markt einerseits eine baldige Reduzierung der Anleihenkäufe ein. Andererseits wird auf eine früher als erwartete Zinserhöhung spekuliert. Beides sorgt für Verkaufsdruck bei den US-Bonds und somit für höhere Anleiherenditen.

US-Dollar Stärke drückt auf den Silberpreis

Die Erwartung, dass in den USA die Zinsen schon früher ansteigen könnten, beflügelt auch den US-Dollar. Denn US-Bonds werden in USD gehandelt. Eine höhere Nachfrage nach US-Bonds mit höheren Renditen, sorgt entsprechend für eine höhere Nachfrage nach USD. Denn ausländische Investoren müssen beim Kauf von US-Bonds ihre Währung in USD wechseln – sprich USD kaufen.

Messen kann man die Stärke des US-Dollars mit dem Dollar-Index (DX). Zur Erklärung: Der DX ist eine Kennzahl, die den Wert des USD gegenüber einem ausgewählten Währungskorb aus sechs Währungen (EUR, JPY, GBP, CAD, SEK, CHF) misst.

Mit Blick auf den Chart unten können Sie erkennen, dass die Leitwährung im ersten Quartal 2021 gegen den laufenden Abwärtstrend bis auf ein derzeitiges Jahreshoch bei 93 USD ansteigen konnte. Danach drehte der US-Dollar wieder nach unten und testete das letzte Verlaufstief im Bereich von 89,16 USD. Dieses wurde jedoch nicht mehr unterschritten. Denn die Käufer schafften es bereits bei 89,50 USD das Ruder herumzureißen und die Kurse im Anschluss über die gleitenden Durchschnitte an die flacher verlaufende Abwärtstrendlinie heranzutreiben (vgl. Chart unten).

Chart vom 19.08.2021 Kurs: 91,95 Kürzel: DX Tageskerzen | Online Broker LYNX

An dieser Trendlinie scheint es jetzt zu einer Entscheidung gekommen zu sein. Mit dem Bruch der Abwärtstrendlinie könnte der US-Dollar jetzt zügig in Richtung der Marke von 97 USD laufen. Schafft er es den ersten horizontalen Widerstand bei 93,50 USD nach oben zu durchbrechen, ist das nächste Kursziel die Marke von 94,70 USD.

Die Dollar-Aufwertung würde die Rohstoffpreise unter Druck bringen. Denn die meisten Rohstoffe, wie auch Silber, werden in USD gehandelt. Ein stärkerer US-Dollar würde damit das Edelmetall für Anleger außerhalb des Dollarraums verteuern. Das dürfte sich negativ auf die Silbernachfrage und damit auf den Silberpreis auswirken.

Jetzt stellt sich die Frage: Wo ist für Silber-Anleger ein gutes Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko Verhältnis für einen Short-Trade, falls der Dollar weiter aufwertet?

Ausblick: Möglichen Widerstand als Short-Einstieg nutzen?

Wenn wir anhand eines Tagescharts weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 23,23 USD notiert. Also einerseits deutlich unter den letzten Verlaufshochs bei 26,09 USD, 26,91 USD und 28,90 USD. Andererseits sehr deutlich unter dem Jahreshoch bei 30,35 USD (vgl. Chart unten).

Chart vom 19.08.2021 Kurs: 23,23 Kürzel: SI∞ Tageskerzen | Online Broker LYNX

Untergeordneter Abwärtstrend signalisiert fallende Kurse

Der untergeordnete Aufwärtstrend von April bis Mai, in dem Käufer den Preis für eine Unze Silber von 24 USD auf fast 29 USD hochgetrieben haben, ist Geschichte. Die Kursverluste der letzten Wochen haben sogar dazu geführt, dass sich ein Abwärtstrend gebildet hat. Einerseits signalisiert uns das die Abfolge von tieferen Hochs und tieferen Tiefs, welche im Preischart oben rot markiert sind. Andererseits wurde im Rahmen des laufenden Abwärtstrends der 50-Tage-Durchschnitt (vgl. blaue Linie im Chart oben) und der 200-Tage-Durchschnitt (vgl. rote Linie im Chart oben) durchbrochen. Dazu wurde noch die gestrichelte Aufwärtstrendlinie nach unten durchbrochen.

Erst wenn dieser Abwärtstrend per Tagesschlusskurs über 26,09 USD gebrochen würde, wäre Raum für weitere Kursanstiege. Die nächste Anlaufstelle wäre dann der Preisbereich um die runde Marke von 29 USD. Sollte hier dann nicht erneut ein hohes Angebot auf den Markt kommen, stehen die Chancen gut, dass wir ein neues Jahreshoch erreichen.

Solange jedoch der untergeordnete Abwärtstrend intakt ist, sind kurzfristig jedoch weitere Kursverluste wahrscheinlicher. Sollte der Silberpreis noch etwas in Richtung der Marke von 24 USD (ehemalige Unterstützung) ansteigen, könnten die Bären erneut zuschlagen. Das zusätzliche Angebot könnte dann für den nächsten Kursrutsch sorgen. Ziele auf der Unterseite wären dann Verlaufstiefs bei 22,295 USD und 21,81 USD.

Neben einem untergeordneten Abwärtstrend gibt es weitere technische Signale, die kurzfristig für einen fallenden Silberpreis sprechen:

Diese technischen Verkaufssignale sollten Sie auf dem Radar haben

Erstens notiert der Silberpreis aufgrund der Kursverluste in den letzten Wochen unter dem einfachen 50-Tage sowie dem 200-Tage-Durchschnitt (vgl. blaue und rote Linie im Chart oben). Dabei verläuft der 200-Tage-Durchschnitt als übergeordneter Trend-Indikator derzeit bei ca. 26 USD, der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 25,55 USD bereits darunter.

Zweitens befindet sich im Bereich von 24,00 USD eine ehemalige Unterstützungszone, die durch einen „Rollentausch“ nun Widerstand werden könnte.

Drittens verlaufen knapp unter 24 USD zwei wichtige Fibonacci Retracements. Zum einen bei 23,75 USD das 38,2er Retracement der letzten Abwärtsbewegung seit dem 04. August. Zum anderen bei 23,93 USD das 78,6er Retracement des Flash Crashs, der am 09. August bei 24,38 USD seinen Startpunkt hat. Für viele technisch orientierte Anleger sind Fibonacci-Retracements bei laufenden Trends sehr interessante Einstiegs-Niveaus. Diese Kurslevels könnten auch Verkäufer anziehen, die bisher noch an der Seitenlinie stehen und geduldig auf ein attraktives Einstiegslevel warten.

Viertens befindet sich der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem Verlaufshoch vom 04. August 2021 bei 26,09 USD gehandelten Futures-Kontrakte derzeit bei 23,94 USD. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis oft als Widerstand im Preischart.

Darüber hinaus wird in dieser Widerstandszone ein Harmonisches Kursmuster vervollständigt. Diese Muster signalisieren mögliche Umkehrpunkte im Chart und werden von mir gerne als Einstiegssignal genutzt.

Einblick: Attraktive Trade-Idee mit einem CRV von 3,34 für einen Short-Einstieg in den Silber-Future

Ein Test der oben beschriebenen Widerstandszone im Bereich von 23,75 USD könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Short-Trade in Silber liefern. Damit würden Sie von einer möglichen Abwärtsbewegung im Silber profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 19.08.2021 Kurs: 23,35 Kürzel: SIZ1 Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen.

Sollten Sie sich für einen Short-Trade entscheiden, können Sie bei 23,77 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 24,21 USD, also über dem letzten Verlaufshoch, absichern. Gleichzeitig wird damit auch die aktuelle Volatilität im Silber-Future berücksichtigt.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 22,30 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 3,34. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Ein weiteres Ziel wäre das letzte große Verlaufstief bei 21,80 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 23,20 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der Silber-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Rohstoffes Silber zeigt: Eine mögliche Erholung im untergeordneten Abwärtstrend, würde eine attraktive Chance für einen Short-Trade eröffnen. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 23,77 USD liegen.

Falls es im Silber-Future von dort weg zu einer weiteren Abwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 3,34 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Risiken für die Trade-Idee bestehen vor allem darin, dass im Falle eines schwächeren US-Dollars und einer weiter steigenden Inflation Silber wieder mehr nachgefragt wird.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den Dezember 2021 Kontrakt des Silber-Futures (Symbol: SIZ1), oder den kleineren Micro-Future (Symbol: SILZ1) dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit, hat derzeit das größte Handelsvolumen. Bitte denken Sie daran, falls der Trade länger laufen sollte, den Future rechtzeitig zu rollen.

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