Endlich! Darauf haben viele Silber-Anleger gewartet. Mit einem 16-Prozent-Schub in den letzten fünf Handelstagen hat Silber den Ausbruch geschafft und stand am Montag so hoch wie zuletzt im September. Doch plötzlich die Ernüchterung. Im weiteren Handelsverlauf rauschte das Edelmetall über 9 Prozent in die Tiefe! Trendwende oder Einstiegschance? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer attraktiven Trade-Idee in dieser Silber-Analyse.

Rückblick: Auf Euphorie folgt prompt die Ernüchterung

Für die Silber-Anleger hätte der Start in diese Handelswoche nicht besser laufen können. Die Käufer trieben den Silberpreis weiter nach oben. Erst von 26 USD auf 27 USD und als am Montagmorgen gegen 07:00 Uhr ein neues Verlaufshoch bei 27,635 USD markiert wurde, freuten sich bestimmt viele Silber-Bullen schon über ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Doch die Euphorie sollte nicht lange andauern…

Denn plötzlich war Silber im freien Fall! Warum? Was war passiert?

Als die Silber-Anleger am Montag in der Mittagspause dann einen Blick ins Depot warfen, trauten viele ihren Augen nicht… Der Preis für eine Feinunze nur noch bei 25,12 USD? Wie bitte konnte der Silberpreis innerhalb von vier Stunden über 2,50 USD oder 9 Prozent abstürzen (vgl. Chart unten)?

Wie immer, sind große Kursausschläge eng mit den Emotionen Gier und Angst verknüpft. Letztere hat die als ansteckendere Variante des Coronavirus in Großbritannien verursacht. Die Mutation des Virus verunsichert die Investoren und löst Ängste vor noch härteren und längeren Beschränkungen aus. Ausgerechnet dann, als die Anleger die Virussorgen eigentlich schon abgehakt hatten. Schließlich geben die bevorstehenden Impfungen Grund zur Hoffnung, dass wir kurz vor einer Rückkehr zur Normalität stehen.

Die Reaktion der Aktien- und Rohstoffmärkte auf die neue Situation war eindeutig. Der DAX verlor in der Spitze über vier Prozent. Silber über neun Prozent.

In den letzten Stunden konnte sich der Silberpreis im Bereich von 26 USD stabilisieren.

Jetzt fragt man sich was folgt – eine weitere Korrektur oder die nächste Rallye-Bewegung?

Um die Lage besser einschätzen zu können, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große Chartbild einfügt.

Überblick: Abwärtstrend gebrochen

Ein Blick auf den Monatschart des Rohstoffes Silber (Kürzel XAGUSD) oben zeigt: Der Silberpreis hat in diesem Jahr den hartnäckigen Widerstand im Bereich 19 USD nach oben durchbrochen und sogar das letztjährige Hoch bei 19,65 USD übertroffen. Damit ist es offiziell: Der langjährige Abwärtstrend ist gebrochen.

Danach hat es im März aufgrund der Corona-Verkaufspanik aber noch nicht ausgesehen. Denn zu diesem Zeitpunkt signalisierte ein Kursrutsch unter die Tiefs der letzten Jahre eher fallende Kurse. Doch plötzlich kam alles anders…

Schnell wurden die runden Kursmarken bei 12, 13 und 14 USD von den Bullen wieder zurückerobert. Das war aber noch nicht das Ende der Fahnenstange! Innerhalb weniger Wochen stand der Silberpreis schon wieder bei 19 USD. Als kurz danach Preise von über 20 USD für eine Feinunze gezahlt wurden, explodierte der Silberpreis! Anfang August waren Käufer sogar bereit fast 30 USD pro Feinunze auf den Tisch zu legen. Damit verzeichnete der Silberpreis innerhalb von nur 20 Wochen einen Kurssprung von über 150 Prozent. Dies verdeutlicht den impulsiven Charakter des Trendbruchs.

Ein übergeordneter Aufwärtstrend, muss aber erst noch durch ein höheres Hoch, also mit einem Schlusskurs auf Monatsbasis, über 30 USD bestätigt werden.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Denn aktuell notiert der Silberpreis bei 25,79 USD zwischen einem möglichen Widerstand bei 27,50 USD und der letzten Unterstützung im Bereich 22 USD und befindet sich damit immer noch in der Korrektur der oben beschriebenen Bewegungswelle.

Trotzdem ist die technische Großwetterlage in Silber als „bullisch“ zu werten.

Durch den impulsiven Anstieg von über 150 Prozent, ist eine Trendbestätigung und damit eine weitere Bewegungswelle nach oben wahrscheinlich. Aus Chance-Risiko Gesichtspunkten ist es deshalb langfristig sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen.

Denn auch an den fundamentalen Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert.

Die mauen Konjunkturaussichten und die weltweite Liquiditätsflut der Notenbanken, dürften die Renditen für Staatsanleihen weiterhin gedrückt halten. Gleichzeitig schüren die milliardenschweren Konjunkturpakete der Regierungen, der damit verbundene rasante Anstieg der Staatsverschuldung und die Aussicht auf Leitzinsen nahe Null die Frucht vor der Geldentwertung. Das dürfte die Anleger weiter in die Edelmetalle treiben.

Jetzt stellt sich die Frage: Wo ist ein gutes Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko Verhältnis für einen Long-Trade?

Ausblick: Neuer Rallye-Schub wahrscheinlich

Wenn wir anhand eines Tagescharts weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 26,03 USD notiert. Also deutlich unter dem Jahreshoch bei 29,85 USD. Bevor dieses erneut erreicht werden kann, müssen zunächst die technischen Widerstände im Bereich von 27,50 bis 28,75 USD aus dem Weg geräumt werden (vgl. Chart unten).

Die Vorzeichen dafür stehen gut. Immerhin hat der Silberpreis mit dem Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal das erste Signal für einen weiteren Preisanstieg geliefert. Gleichzeitig wurde mit dem Ausbruch auch ein untergeordneter Aufwärtstrend bestätigt. Eine im Chart oben grün eingezeichnete Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs belegt das und signalisiert weiter steigende Kurse.

Darüber hinaus gibt es weitere Argumente, die derzeit für steigende Silberpreise sprechen:

Das Saisonale Muster im Silber

Wie an den Aktienmärkten gibt es auch beim Silberpreis eine Saisonalität. Ein Blick auf den Chart unten macht klar…

Die Wahrscheinlichkeit für einen steigenden Silberpreis ist derzeit höher als für fallende Kurse. Wenn wir uns den durchschnittlichen Kursverlauf der letzten 20 Jahre in der Grafik oben näher anschauen dann sehen wir, dass im Edelmetall statistisch gesehen von Mitte Dezember bis Mitte Februar eher mit steigenden Kursen gerechnet werden kann. So konnte der Silberpreis in den letzten 20 Jahren in diesem Zeitraum durchschnittlich um gut neun Prozent zulegen.

Der US-Dollar weiter im Sinkflug

Legte der US-Dollar zu Beginn der Krise gegenüber fast allen Währungen deutlich zu, verliert der USD seit Wochen auf breiter Front immer mehr an Wert. Die wichtige Marke von 1,20 USD zum Euro scheint nachhaltig gebrochen zu sein. Analysten der Citigroup halten im Extremfall sogar eine weitere Abwertung von 20 Prozent möglich. Da Silber in USD gehandelt wird, verbilligt ein schwächerer Dollar das Edelmetall für Anleger außerhalb des Dollarraums. Das dürfte sich positiv auf die Silbernachfrage und damit auch auf den Silberpreis auswirken.

Diese technischen Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

Erstens notiert der Silberpreis durch den Preissprung seit Anfang Dezember derzeit wieder über dem einfachen 50- und auch 200-Tage-Durchschnitt (vgl. blaue und rote Linie im Chart oben). Beide gleitenden Durchschnitte steigen an.

Diese Tatsache wird von vielen Markteilnehmern als bullisch interpretiert.

Zweitens befindet sich der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem November-Verlaufstief bei 21,96 USD gehandelten Futures-Kontrakte derzeit bei 24,67 USD. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis oft als Unterstützung bzw. Widerstand im Preischart.

Darüber hinaus könnte im Bereich des 50er SMA, des VWAPs und der oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals ein harmonisches Kursmuster vervollständigt werden. Diese Kursmuster signalisieren mögliche Umkehrpunkte im Chart und werden von mir gerne als Einstiegssignal genutzt.

Einblick: Attraktive Trade-Idee mit einem CRV von 1,97

Ein Test der oben beschriebenen wichtigen Unterstützung im Bereich 24,50 USD könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade in Silber liefern. Damit würden Sie von einer möglichen Aufwärtsbewegung im Silber profitieren (vgl. Chart unten).

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterher zu rennen.

Basierend auf über 1.000 Echtgeld-Trades weiß ich, dass ich mit den Harmonischen Preismustern über eine große Anzahl von Trades in ca. 56 Prozent der Fälle zu den Gewinnern gehöre. Gepaart mit einem Chance-Risiko-Verhältnis wie in diesem Fall von 1,97 zu 1, liefern diese Kennzahlen mir einen handfesten statistischen Gewinnvorteil.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 24,44 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 23,17 USD, also unter dem letzten Verlaufstief absichern. Damit berücksichtigen wir auch die aktuelle Volatilität im Silber-Future.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 26,95 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,97.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 25,65 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der Silber-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Silber-Futures zeigt: Eine mögliche Fortsetzung eines Aufwärtstrends auf Tagesbasis, eröffnet eine attraktive Chance für einen Long-Trade. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 24,44 USD liegen.

Falls es im Silber-Future von dort weg zu einer weiteren Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 1,97 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Risiken für die Trade-Idee bestehen vor allem darin, dass auch der Silberpreis im Rahmen eines Risk-On-Sentiments und den damit fallenden Aktienmärkten weiter unter Druck gerät.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den März 2021 Kontrakt des Silber-Future (Symbol: SIH1) dafür einsetzen. Dieser Kontrakt hat derzeit das größte Handelsvolumen. Alternativ können Sie die Trade-Idee auch in einem Silber-ETF (z.B. im ZKB Silber ETF) umsetzen.

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Andreas Fink, Futures-Händler | LYNX Börsenexperten
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