Der Ölpreis ist im Rallyemodus. Fast 27 Prozent konnte das schwarze Gold seit Anfang Dezember zulegen. War das nur eine technische Gegenreaktion auf den Abverkauf im November, oder bereits der Startschuss für die nächste Kursrallye? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer attraktiven Trade-Idee in dieser ÖL-Analyse.

Rückblick: Erholung nimmt Fahrt auf

Im November 2021 bekam die 80-Prozent-Rallye einen heftigen Dämpfer. Der Grund: Eine Kurskorrektur von fast 30 Prozent in nur drei Wochen. Die Angst vor neuen Lockdowns sorgte damals für massive Verkäufe auf dem Terminmarkt. Davon war im Dezember aber nichts mehr zu spüren, denn…

Der Ölpreis kennt seit Anfang Dezember nur eine Richtung: steil bergauf! Erst wurde die Marke von 70,00 USD zurückerobert. Nach einem kleinen Rücksetzer kurz vor Weihnachten, steht der Preis für einen Öl-Kontrakt mit Laufzeit Februar 2022 (Kürzel: CLG2) wieder bei 78,87 USD. Gerechnet vom Verlaufstief bei 62,43 USD ist das ein Preisaufschlag von 16,44 USD oder 26,3 Prozent (vgl. Chart unten).

Chart vom 06.01.2022 Kurs 78,87 Kürzel: CL 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Jetzt fragt man sich…

ist das nur eine technische Gegenreaktion auf den Abverkauf im November, oder bereits der Startschuss für die nächste große Kursrallye?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, zoomen wir erst ein wenig heraus und schauen, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Aufwärtstrend intakt

Chart vom 06.01.2022 Kurs: 79,08 Kürzel: CL∞ Monatskerzen | Online Broker LYNX

Übergeordneter Aufwärtstrend signalisiert steigende Preise

Mit dem neuen Jahreshoch bei 85,41 USD, hat WTI Crude Oil den seit April 2020 laufenden Aufwärtstrend fortgeführt. Verdeutlicht wird das durch eine Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs auf der Kurs-Achse, welche im Chart oben grün markiert sind. Daran ändert auch der jüngste Kursrutsch im November noch nichts. Dieser fiel zwar heftig aus (lange rote Monatskerze im Chart oben), jedoch wurde das letzte Verlaufstief vom August nicht per Schlusskurs unterboten.

Dank des intakten Aufwärtstrends ist die technische Großwetterlage als bullisch zu bewerten. Gebrochen wäre der übergeordnete Aufwärtstrend, wenn wir im Chart einen Schlusskurs auf Monatsbasis unter der Marke von 62,43 USD bekämen. Bis dahin ist es aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen.

Jetzt stellt sich die Frage: Passt das technische Bild auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Ölnachfrage für 2022 über dem Rekordwert von 2019 erwartet

Rohstoff-Analysten erwarten für 2022 einen durchschnittlichen Verbrauch von 100 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Das liegt über dem Rekordwert aus dem Jahr 2019. Getrieben wird die Nachfrage u.a. von geringeren Covid-Risiken, einer starken Wirtschaft und einem sich weiter erholenden Flugverkehr.

Terminkurve belegt große Ölnachfrage

Öl-Kontrakte werden an der Terminbörse mit unterschiedlichen Laufzeiten gehandelt. Aufgrund der Lagerkosten kommt es in der Regel zu einem Preisaufschlag bei späteren Lieferterminen. Fehlen diese Preisaufschläge, dann befindet sich die Terminkurve in einer „Backwardation“. Hier muss, im Gegensatz zu den Haltekosten in einem Contango, eine Verfügbarkeitsprämie gezahlt werden (vgl. Grafik unten).

Chart vom 06.01.2022 Terminkurve WTI Crude Oil | Online Broker LYNX

Solange am Terminmarkt eine Verfügbarkeitsprämie gezahlt wird, sind weitere Kursanstiege wahrscheinlich.

Opec hält Ölangebot weiter knapp

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hält das Ölangebot weiter knapp. Am Dienstag wurde beschlossen, dass die Förderpolitik aus 2021 fortgesetzt werden soll. D.h. die Ölproduktion soll nur um 400.000 Barrel pro Tag angehoben werden. Bei einer Nachfrage von durchschnittlich 100 Millionen Barrel pro Tag ist das nicht viel und sorgt für eine künstliche Verknappung auf dem Ölmarkt. Das dürfte sich in den kommenden sechs Monaten auch nicht ändern, denn erst dann laufen die 2020 beschlossenen Förderbeschränkungen aus. Diese hat sich die Opec aufgrund des Ölpreiscrashs selbst auferlegt.

Lagerbestände gehen weiter zurück und heizen Nachfrage an

Trotz der Ölpreisrallye in den letzten Wochen, gehen die Lagerbestände weiter zurück (vgl. Grafik unten).

Chart vom 06.01.2022 Entwicklung Lagerbestände im WTI Crude Oil | Online Broker LYNX

Wie in den Wochen davor, sind die US-Rohölbestände auch in der letzten Woche 2021 um 2,144 Millionen Barrel gefallen. Das war der sechste Rückgang in Folge und ebenfalls ein klares Zeichen, dass die kurzfristige Nachfrage über dem Angebot liegt. Mögliche Nachfragespitzen bei sinkenden Lagerbeständen, könnten dann im Ölpreis zum nächsten Rallyeschub führen.

Machen wir uns also auf die Suche nach einem Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis für einen Long-Trade.

Ausblick: Unterstützung zum Einstieg nutzen?

Wenn wir anhand eines Tagescharts weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 77,82 USD notiert. Also knapp 9 Prozent unter dem Jahreshoch bei 85,41 USD (vgl. Chart unten). Bevor dieses Verlaufshoch getestet werden kann, müssen die Öl-Bullen den möglichen Widerstand bei 80,00 USD überwinden.

Chart vom 06.01.2022 Kurs: 77,82 Kürzel: CL∞ Tageskerzen | Online Broker LYNX

Untergeordneter Aufwärtstrend bestätigt

Aufgrund der Ölpreisrallye in den letzten Wochen scheint die dynamische Korrektur im Ölpreis von Oktober bis November beendet zu sein. Eine Abfolge von höheren Verlaufshochs und höheren Verlaufstiefs (vgl. grüne Rechtecke im Chart oben) bestätigt einen untergeordneten Aufwärtstrend. Und dieser könnte bereits den Start einer neuen Bewegungswelle im übergeordneten Trend (vgl. grüne Kreise im Chart oben) signalisieren. Wie weit diese Preisrallye läuft, bleibt abzuwarten, denn…

Ob bei Preisen um 80,00 USD die Nachfrage weiter über dem Angebot liegt, ist ungewiss. Nach einer Kursrallye von über 26 Prozent in nur vier Wochen kommt es gut und gerne auch mal zu Gewinnmitnahmen. D.h. Händler mit dicken Buchgewinnen wechseln auf die Verkäuferseite und sorgen für ein zusätzliches Angebot. Das könnten die Bären dann für eine Attacke nutzen. Ein Kursrutsch wäre die logische Konsequenz.

Aufhalten könnte den möglichen Preisverfall die charttechnische Unterstützung bei 70,00 USD. Auf diesem Kursniveau deckten sich schon Mitte Dezember Käufer mit Öl-Kontrakten ein. Außerdem verläuft hier die 200-Tage-Linie, die von Käufern gerne als Einstieg genutzt wird.

Sollte diese Kursmarke nicht halten, könnten Käufer im Bereich von 66,00 USD zuschlagen. Das es zu einem kurzfristigen Kursrücksetzer kommen könnte, zeigt uns ein Blick auf die saisonalen Daten.

Saisonales Muster im Ölpreis

Wenn wir einen Blick auf den Kursverlauf vom 06. Januar bis zum 04. April der letzten 20 Jahre werfen, sehen wir…

Chart vom 06.01.2022 Saisonalität im Ölpreis | Online Broker LYNX

Nach einem statistisch gesehen schwachen Januar, haben die Öl-Bullen ab Februar wieder statistischen Rückenwind. Denn von Anfang Februar bis Anfang Märze konnte der Ölpreis in den letzten 20 Jahren im Schnitt um fast 6 Prozent zulegen.

Schnäppchenjäger, die für ihren Öl-Einstieg ein gutes Timing suchen, sollten das im Hinterkopf behalten.

Diese technischen Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

Der Ölpreis befindet sich, wie oben dargestellt, untergeordnet und übergeordnet in einem intakten Aufwärtstrend. So lange der übergeordnete Trend nicht mit Schlusskursen unter 62,43 USD gebrochen wird, sind weitere Kursanstiege wahrscheinlicher.

Darüber hinaus befindet sich der aktuelle Preis für einen Terminkontrakt sowohl über dem 50-Tage- als auch dem 200-Tage-Durchschnitt. Letzterer steigt weiter an, was von vielen Marktteilnehmern als bullish gesehen wird.

Sollte es zu einem Kursrücksetzer im Öl kommen, könnte der Preisbereich bei 66,00 USD, wie schon im Dezember, für Unterstützung sorgen. Einerseits verläuft knapp unterhalb dieser Marke das 78,6er-Fibonacci-Retracement des untergeordneten Aufwärtstrends. Andererseits befindet sich bei 65,29 USD der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem Verlaufstief bei 33,64 USD vom 2. November 2020 gehandelten Futures-Kontrakte. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis oft als Unterstützung bzw. Widerstand im Preischart.

Zusätzlich wird knapp über dem VWAP ein Harmonisches Kursmuster vervollständigt. Diese Muster signalisieren mögliche Umkehrpunkte im Chart und werden von mir gerne als Einstiegssignal genutzt.

Einblick: Trade-Idee mit einem CRV von 1,79 für einen Long-Einstieg in den Öl-Future

Ein möglicher Test der oben aufgezeigten Unterstützungszone im Bereich von 66 USD, könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade liefern. Damit könnten Sie von einer weiteren Aufwärtsbewegung im Öl-Future profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 06.01.2022 Kurs: 77,21 Kürzel: CL Tageskerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen. Basierend auf über 1.000 Echtgeld-Trades weiß ich, dass ich mit den Harmonischen Preismustern über eine große Anzahl von Trades in ca. 56 Prozent der Fälle zu den Gewinnern gehöre. Gepaart mit einem Chance-Risiko-Verhältnis wie in diesem Fall von 1,79 zu 1, liefern diese Kennzahlen mir genau diesen handfesten statistischen Gewinnvorteil.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 65,90 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 60,35 USD, also unter dem letzten Verlaufstief absichern. Damit berücksichtigen wir auch die aktuelle Volatilität im ÖL-Future.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 75,85 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,79. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Ein weiteres Ziel wäre das Vorjahreshoch bei ca. 85 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 70,72 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der WTI Crude Oil-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Öl-Futures zeigt: Eine mögliche Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends, eröffnet eine attraktive Chance für einen Long-Trade. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 66 USD liegen.

Falls es im WTI Crude Oil Future von dort zu einer weiteren Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 1,79 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den CL-Future (Symbol: CLH2), den kleineren QM-Future (Symbol: QMH2) oder den relativ neuen Mikro-Future (Symbol: MCLH2) mit Laufzeit März 2022 dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit, hat derzeit ein ausreichend großes Handelsvolumen und steht nicht vor dem First Notice Day.

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