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Erstmals seit einem Jahr notiert die Euro/US-Dollar-Relation wieder unter ihrer 200-Tage-Linie. Zudem ist sie an einem markanten, langfristigen Kreuzwiderstand abgeprallt. Beginnt jetzt die Renaissance des US-Dollars?

Der rasante Anstieg des Euro in der zweiten Januarhälfte, durch den der Ausbruch aus der die zweite Jahreshälfte 2025 dominierenden Handelsspanne gelang, ist jetzt komplett abverkauft, d.h. der US-Dollar hat das verlorene Terrain zurückgewonnen. Doch damit stellt sich die charttechnische Lage nicht nur neutral dar, der Greenback, d.h. der US-Dollar, hat aus technischer Sicht deutlich gepunktet:
Zum einen, weil das Währungspaar dadurch genau am Kreuzwiderstand aus der oberen Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals und den Jahrestiefs 2010 und 2012 abdrehte. Zum anderen, weil der Ausgangspunkt der Januar-Euro-Rallye, der im Januar genau auf der 200-Tage-Linie lag, zwar wieder erreicht ist, der Kurs dadurch aber jetzt unter diesem gleitenden Durchschnitt notiert. Kurzfristig wäre der Weg nach unten dadurch der leichtere, ein Test der nächstgelegenen Unterstützungslinien bei 1,1469 und 1,1396 US-Dollar ein realistisches Szenario. Aber wird da auch mehr daraus, sprich wäre eine Euro-Short-Position jetzt aussichtsreich?

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Expertenmeinung: Da wären zumindest erhebliche Zweifel angebracht. Der US-Dollar zog vor allem in dem Augenblick an, als die militärische Intervention der USA im Iran begann. Kriegerische Handlungen, Unsicherheit, steigende Energiepreise: Das bedeutet Krise und in solchen Fällen gibt es seit eh und je eine Art „Reflex“ am Markt: Man „flieht“ in den Greenback. Die Frage ist jedoch, ob man in diesem Fall Kapital genau dorthin umschichtet, wo es eben nicht wirklich solide untergebracht wäre.
Denn wir sehen genau die Entwicklung, die der US-Präsident vor der Wahl nicht wollte: Keine „Abenteuer“ irgendwo in der Welt mehr. Und schon gar keine, die endlos dauern und ohne wirklichen Effekt bleiben. Doch derzeit lässt sich seitens der USA nicht erkennen, was genau man erreichen will und wie man aus der Sache wieder herauszukommen gedenkt. Und die konjunkturellen Risiken, die sich durch steigende Energiepreise und unsichere Schifffahrtsrouten ergeben, betreffen die US-Wirtschaft ebenso wie den Rest der Welt. Was auch für die Inflationsgefahr gilt, die aus den deutlich angezogenen Öl- und Gaspreisen resultiert. Dass die US-Notenbank in einem solchen Umfeld erst einmal keine Zinssenkungen riskieren dürfte, mag sein. Aber das wäre nur dann ein Pluspunkt für den US-Dollar, wenn es in Europa anders liefe, sprich sich der Zinsabstand zum Euroraum vergrößern würde. Aber das ist, da beide Währungsräume durch diese Entwicklung die gleichen Risiken vor sich haben, nicht zu erwarten.
Über diesen so typischen „Krisenreflex“ hinaus spricht daher erst einmal wenig für eine nachhaltige Wende zugunsten des US-Dollars und somit auch nicht für einen mittel- oder gar langfristigen Abstieg der Euro/US-Dollar-Relation. Und da diese ersten Reaktionen erfahrungsgemäß nur dann in Stein gemeißelt werden, wenn sich solche Argumente zeigen, wäre es womöglich keine schlechte Idee, das Thema Euro Short mit Vorsicht zu genießen und eher auf der Euro-Long-Seite auf die Lauer zu legen.
Um wieder bullisch zu werden, müsste Euro/US-Dollar zwar erst einmal ein gutes Stück steigen und über 1,1928 US-Dollar laufen. Aber je nachdem, wie sich die geopolitische Lage entwickelt, könnte das nicht nur gelingen, sondern womöglich sogar recht schnell gehen. Doch das „könnte“ muss man hier, wie bei unberechenbaren Rahmenbedingungen immer, dick unterstreichen. Einem neuen Aufwärtsimpuls des Euros vorzugreifen, wäre deshalb absolut nicht ratsam.
Aussicht: Neutral
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