Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach?

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Sartorius VZ
ISIN: DE0007165631
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Zur Sartorius VZ Aktie

Am Dienstag schoss die Sartorius-Aktie mit großem Schwung über das bisherige Rekordhoch hinaus. Doch am Mittwoch fiel die Aktie wieder darunter. Noch könnten die Bullen das ausbügeln, aber das sieht sehr nach einer Bullenfalle aus. Verkaufen?

Dass die im September in den DAX aufgestiegene Vorzugsaktie des Laborausrüsters und Medizintechnikunternehmens Sartorius eigentlich zu teuer ist, hatte ich zuletzt in der Analyse vom 19. November dargelegt. Ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 83 auf Basis der für 2021 erwarteten Gewinne ist zu hoch, falls die durchschnittliche Analystenprognose zutreffend wäre, dass das Gewinnwachstum 2022 und 2023 im Schnitt nur noch 20 Prozent beträgt.

Es ist zwar grandios, dass Sartorius den Gewinn 2020 um 45 Prozent gesteigert hat und im laufenden Jahr sogar um ca. 80 Prozent steigern wird. Aber das ist bekannt und daher im Kurs längst eingepreist. Und angesichts einer in den ersten neun Monaten 2021 erreichten EBITDA-Gewinnmarge von sagenhaften 34,6 Prozent wird klar: Viel höher kann die kaum noch steigen. Und wenn noch höhere Unternehmensgewinne allein vom Umsatz befeuert werden müssen, wären im Schnitt 20 Prozent für die kommenden zwei Jahre nach einem derart immensen Wachstum 2020/2021 schon eine starke Leistung. Aber hat dieser Ausbruch der Aktie, die am Dienstag mit in der Spitze 631,60 Euro deutlich über das vorherige Verlaufshoch von 601,40 Euro gesprungen war, nicht belegt, dass trotzdem Luft nach oben ist?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Sartorius VZ Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Dieser Ausbruch war kein Ausdruck einer jetzt auf einmal doch höheren Gewinnperspektive des Unternehmens. Diese Käufe waren eine Flucht in einen vermeintlich sicheren Hafen, also in eine Aktie, in der einige sich im Fall erneuter, umfassender Lockdowns oder gar einer Rezession sicherer wähnen als z.B. in Aktien der Autobauer. Denjenigen, die am Dienstag einstiegen, kam es nicht auf die Bewertung an, das war eine rein emotionale Reaktion. Und so etwas ist, wenn eine Aktie schon „teuer“ ist, eine wacklige Sache. Denn Emotionen sind kurzlebig. Und der Mittwoch zeigte:

Auf einmal wollten viele dort aussteigen, wo es am Vortag kein Halten gab – und ausgerechnet die konjunktursensiblen Automobiltitel waren gefragt. Da die Nachrichtenlage unstet ist, egal, ob es um die Gefährlichkeit der „Omikron“-Mutation, kommende Aktionen der Notenbanken oder das instabile, aber noch nicht wirklich wegbrechende Wachstum angeht, muss man sich darauf einstellen, dass gerade Aktien wie Sartorius, die von vielen als „sicherer Hafen“ angesehen werden, auch in den kommenden Tagen und Wochen immens volatil sein können.

Wenn man sich aber ansieht, wie immens diese Aktie im laufenden Jahr 2021 bereits zugelegt hat, die hohe Bewertung im Hinterkopf hat, die in dem Moment wieder wichtig wird, wenn sich die derzeit dünnen Nerven der Anleger wieder beruhigt haben, ließe sich das Mitnehmen der Gewinne durchaus rechtfertigen. Natürlich könnte man auch abwarten, ob die mittelfristig entscheidende Auffangzone hält und erst im Fall von deren Bruch verkaufen. Aber da diese Schlüsselzone, bestehend aus der Mai-Aufwärtstrendlinie, der 200-Tage-Linie und den Hochs der Monate Februar und April erst im Bereich 484 zu 502 Euro wartet, wäre dann natürlich schon einiges an Performance dahin. Daher könnte man hier schon argumentieren, dass es womöglich besser wäre, sich mit dem Spatz in der Hand zu begnügen, als auf die Taube auf dem Dach zu warten. Immerhin ist es ein äußerst wohlgenährter Spatz.

Chart vom 01.12.2021, Kurs 588,60 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

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Anfang des Monats scheiterte der Versuch, die Sartorius-Aktie über das bisherige, im September markierte Rekordhoch zu heben. Zwar war dieser Abverkauf des 5. November eher ein „Versehen“, aber trotzdem: Nochmal darf der Ausbruchsversuch nicht scheitern!

Das war schon eine seltsame Sache, dieses Minus von 7,7 Prozent, das bei der Sartorius Vorzugsaktie am 5. November aufgelaufen war. An diesem Tag meldete Pfizer sehr gute Studien-Ergebnisse für ein Medikament zur Behandlung von Corona-Erkrankungen. Dass daraufhin die Aktien der Impfstoffhersteller fielen, könnte man verstehen, obwohl ein solches Medikament eine Impfung weder ersetzen kann noch soll. Dass Aktien von Unternehmen wie Merck fielen, die die Impfstoffhersteller mit Basisstoffen beliefern, ging da auch noch an, obgleich man schnell verstand, dass die Zahl der Impfungen auch dann nicht zurückgehen wird, wenn dieses Medikament schnell und weitreichend eingesetzt würde. Aber dass dann auch noch Aktien wie die des Medizin- und Labortechnik-Spezialisten Sartorius in Sippenhaft genommen und verkauft wurden, das war dann weitab der Logik. Die Konsequenz:

Die Aktie stabilisierte sich umgehend und noch komfortabel oberhalb der Juni-Aufwärtstrendlinie und strebt bereits wieder dem alten Rekord-Verlaufshoch von 599,60 Euro zu, das ausgerechnet an diesem 5. November mit dem neuen Rekordhoch von 601,40 Euro schon knapp überboten war, bevor diese Pfizer-Nachricht die Aktie niederstreckte. Doch dass die Sartorius-Aktie diese Zone um 600 Euro im nächsten Anlauf nimmt, ist keineswegs sicher. Denn wer da oben Verkaufsorders in den Markt legen würde, hätte durchaus ein paar gute Argumente dafür.

Chart vom 18.11.2021, Kurs 562,20 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Die Ergebnisse des dritten Quartals bestätigten den gewaltigen Lauf, den das Unternehmen 2020 begonnen hatte und 2021 noch ausbauen wird. Der Gewinn pro Aktie wird seitens der Experten momentan gut 80 Prozent über dem des Jahres 2020 gesehen … und da war er bereits um fast 45 Prozent gestiegen. Dass sich der Aktienkurs seit Anfang 2020 in der Spitze fast verdreifacht hatte, ist also gut unterfüttert. Aber so nahe am Ende eines Geschäftsjahres wandert der Blick vieler Anleger eben nach vorne.

Und für die kommenden zwei Jahre sehen die Analysten für Sartorius zwar weiter steigende Unternehmensgewinne, doch das Tempo wird abnehmen. Nach einer derartigen Ausweitung von Umsatz und Gewinn binnen zweier Jahre wäre alles andere auch eine Überraschung. Aber wenn man sich die Bewertung der Aktie auf Basis des Kurs/Gewinn-Verhältnisses (KGV) ansieht, so liegt die für 2021 bei 87. Steigt der Gewinn pro Aktie wie seitens der Experten derzeit gesehen, hieße das: Per Ende 2023 läge das KGV immer noch zwischen 60 und 65. Und das ist für ein ab 2022 nachlassendes Wachstumstempo zu hoch.

Das schlägt sich auch in den Analysten-Einschätzungen nieder. Da liegt das durchschnittliche Kursziel bei 569 Euro und damit unter dem bisherigen Rekordhoch. Und nur noch die Hälfte der Experten sieht die Aktie als einen Kauf an, der Rest rät entweder dazu, zu halten oder zu verkaufen.

Sollte der Kurs in einem Rutsch über diese Hürde um 600 Euro gehen, kann er erst einmal weiter laufen, denn solange der Trend „passt“, kümmern sich viele Trader nicht um womöglich zu hohe Bewertungen. Aber dreht Sartorius dort erneut nach unten ab, sieht das anders aus. Dann wäre das Kursziel einer Korrektur der Bereich zwischen 460 und 500 Euro. Und da die Aktie dann immer noch nicht „billig“ wäre, sollte man zumindest erwägen, sich an den Gewinnmitnahmen in der Region des bisherigen Rekordhochs zu beteiligen, sofern der Kurs da nicht schnell und überzeugend durchläuft. 

Es passte einfach alles bei der Bilanz des dritten Quartals, die Sartorius am Mittwochmorgen vorlegte. Umsatz, Auftragseingang und Gewinn legen weiterhin in atemberaubendem Tempo zu. Doch als Reaktion hatte die Aktie mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen. Was ist da los?

Das sind Wachstumsraten zum Niederknien. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz des Medizin- und Labortechnik-Traditionsunternehmens Sartorius um 53,9 Prozent gegenüber den ersten neun Monaten 2020 zu. Und anders als bei vielen Unternehmen gab es da nichts aufzuholen. Denn bei Sartorius war 2020 kein „verlorenes Jahr“ wegen Corona, sondern ein Jahr mit einem Umsatzwachstum von 28 und einem Gewinnwachstum von 43 Prozent. Und jetzt legt das Unternehmen einen noch höheren Gang ein.

Denn der Gewinn legte netto überproportional zum Umsatzanstieg zu, konkret um 108 Prozent. Denn nicht nur der Umsatz wächst, es werden auch immer bessere Gewinnmargen erreicht. Und dass das vorerst auch so bleibt, deutet der Auftragseingang an, der in den ersten drei Quartalen sagenhafte 2,2 Milliarden Euro betrug, 77 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wie kann es da sein, dass die Aktie daraufhin erst einmal Gewinnmitnahmen sah, der Kurs am Tagestief bis zu 4,36 Prozent im Minus notierte?

Expertenmeinung: Was einige Marktteilnehmer umtreiben dürfte, ist die hohe Bewertung der Aktie. Denn der Kurs ist seit Anfang 2020 noch deutlich schneller gestiegen als der Gewinn, so dass sich auf Basis der durchschnittlichen Gewinnprognose der Analysten für 2021 derzeit ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 83 errechnet. Genau diese Bewertung sahen wir zwar Ende 2019 auch, aber:

Da rechnete man ja mit rasantem Wachstum, das dann auch kam. Jetzt wäre dieses hohe KGV nur opportun, wenn Sartorius in diesem atemberaubenden Tempo weiterwachsen würde. Alleine, wenn es in 2022 und 2023 im Schnitt „nur“ um 25 Prozent mit dem Gewinn weiter aufwärts ginge, wäre ein solches KGV bereits zu hoch. Und normalerweise sind Wachstumsphasen solcher Größenordnung eben endlich. Dass Sartorius die eigenen Prognosen jetzt trotz dieser starken Bilanz nicht anhob, mag vielen als Indiz gedient haben, dass die Phase, in der die Aktie wie eine Rakete zulegen konnte, vorbei sein könnte.

Die Chance, dass die Abgaben der Zweifler kompensiert werden und die Aktie die jüngste Aufwärtsbewegung wieder aufnehmen könnte, steht aktuell jedoch gut. Immerhin gelang es noch am selben Tag, das Minus einzugrenzen – und das bullische Lager verfügt über die bessere Ausgangsbasis:

Die Sartorius-Aktie hatte gerade in der Supportzone 484/502 Euro aufgesetzt, war von dort aus erst einmal kräftig gelaufen und konnte dadurch ein neues, bullisches Signal im Trendfolge-Indikator MACD generieren. Es müsste gelingen, den Kurs über die nächstgelegene Charthürde bei 547,40 Euro hinauszutragen, dann dürfte sich die zuletzt skeptische Stimmung wieder aufhellen. Kritisch würde es nur, wenn die Aktie wieder in die gerade verteidigte Unterstützungszone zurücksetzten und diese brechen würde… was nicht auszuschließen, momentan aber der weitere Weg wäre.

Sartorius-Aktie: Chart vom 20.10.2021, Kurs 540,80 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Bereits am Dienstag in unserem LYNX Webinar hatten wir den deutschen Pharma- und Laborzulieferer genauer unter die Lupe genommen. Die Sartorius-Aktie erlebte in den Wochen davor eine tiefgreifende Korrektur, welche am 50% Fibonacci-Retracement, gemessen vom Anstieg von Juni bis September, angekommen war. Erste Schnäppchenjäger meldeten sich zu Wort und wir sahen exakt das, was wir uns erwartet haben – einen Pullback zu den gleitenden Durchschnitten der Perioden 20 und 50.

Doch ist die Korrektur schon vorbei? Aus technischer Sicht noch nicht, denn es bedarf etwas mehr als nur eine kurze Bewegung nach oben. Aktuell befindet sich die Aktie noch in einer neutralen Phase.  

Expertenmeinung: Der nächste wichtige Schritt wäre der Bruch der besagten gleitenden Durchschnitte nach oben, um den Bären wieder das Momentum aus den Segeln zu nehmen. Hierzu könnte sich im Idealfall zunächst eine Konsolidierung oder ein höheres Tief bilden, um danach mit viel Schwung wieder nach oben durchzustarten.

Vorerst heißt es also noch abwarten, wie sich der Chart in den kommenden Tagen weiterentwickelt. Noch ist die Aktie nicht über den Berg und das Tief der Woche bei 483.30 EUR darf nun keinesfalls mehr nach unten gebrochen werden. Wir bleiben vorerst bei einer neutralen Bewertung und werden uns den Chart Ende Oktober abermals zu Gemüte führen.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 13.10.2021 Kurs: 522.40 Kürzel: SRT3 | Online Broker LYNX

Werden Anleger nach einer sorglosen Phase plötzlich nervös, verkaufen sie bevorzugt Aktien, bei denen sie gute Gewinne mitnehmen können. Das trifft derzeit die Sartorius-Aktie. Aber wer darauf gewartet hat, dass Sartorius wieder günstig wird, dem kann der Druck nur recht sein.

An der Börse sind Über- und Untertreibungen völlig normal. Aktien steigen nicht selten weit höher, als es die aktuelle Bewertung und die Umsatz- und Gewinnperspektive dies hergeben würden. Aber sie rutschen dann, wenn der Aufwärtstrend erst einmal gefallen ist, nicht selten auch auf Kurslevels, die tiefer liegen, als das eine nüchterne Bewertung erwarten ließe. Da die meisten Marktteilnehmer emotional handeln, bleiben solche Situationen nicht aus. Doch wer das nutzen will, indem er/sie kauft, wenn die „Kanonen donnern“ und aussteigt, wenn die Masse gerade sorglos von der ewigen Hausse träumt, braucht Nerven und, vor allem, Geduld.

Monatelang schien es, als würde die Sartorius-Aktie nur eine Richtung kennen: aufwärts. Und grundsätzlich ging diese Hausse in Ordnung, angesichts der vom Medizin- und Labortechnik-Unternehmen selbst bereits zweimal angehobenen 2021er-Prognose, die in die Erwartung der Analysten gipfelt, dass sich der bereits 2020 deutlich gesteigerte Gewinn im laufenden Jahr beinahe verdoppeln könnte. Der Haken bei dieser Super-Hausse war:

Expertenmeinung: Dadurch hatte die gerade in den DAX aufgestiegene Vorzugsaktie am bisherigen Rekordhoch von knapp 600 Euro ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 95 erreicht. Das ginge zwar in Ordnung, wenn Sartorius seine Gewinne 2022 und 2023 erneut um jeweils 50 oder mehr Prozent steigern könnte. Aber das ist derzeit kaum zu erwarten, auch, wenn die Medizintechnikbranche boomt und von Inflation und „Flaschenhals“ weniger heimgesucht sein dürfte als die meisten anderen Branchen. Kurz: Es war zu einer Übertreibung gekommen … und die wird jetzt abgebaut.

Wer darauf wartet, eine Aktie wie diese zu einem guten Kurs einzusammeln, die abgesehen vom zu schnell zu weit gelaufenen Kurs alles zu bieten hat, was man sich von einem soliden Mittelfrist-Investment wünschen könnte, dürfte sich darüber freuen, dass ausgerechnet solche Aktien unter Druck geraten, wenn unerfahrene Anleger nervös werden. Das liegt einfach daran, dass gerade wenig erfahrene Marktteilnehmer (meist unbewusst) dazu neigen, gerade dort zu verkaufen, wo „Speck auf dem Kurs“ ist, wo sie einen Gewinn mitnehmen können, weil sich das einfach besser anfühlt, als einen Verlust realisieren zu müssen.

Dass bei Sartorius grundsätzlich alles passt, die Aktie einfach nur eine Übertreibung abbaut, deutet auch der offensichtliche Auslöser dafür an, dass sie am Freitag zum größten DAX-Verlierer wurde: Die Société Générale senkte das Kursziel für die Vorzugsaktie von 590 auf 579 Euro und veränderte die Einstufung von „Kaufen“ auf „Halten“. Das ist bei einem mittlerweile deutlich unter 579 Euro liegenden Kurs eigentlich ja nicht negativ. Und dass man auf „Halten“ wechselt, nachdem die Aktie das bisherige Ziel von 590 Euro erreicht hatte, ist nur folgerichtig.

Dünnhäutig werdende Anleger könnten die Aktie damit in eine für den Einstieg interessante Zone drücken. Aber jetzt schon die Hand aufzuhalten, das könnte schiefgehen. Denn sollte der Gesamtmarkt weiter schwächer gehen, würde sich Sartorius diesem Sog wohl nicht entziehen können. Was muss halten, was muss überboten werden, um wieder freie Bahn nach oben zu generieren?

Sollte die Sartorius-Aktie umgehend nach oben drehen, wäre das noch kein ideales Szenario. Erst bei Schlusskursen über 560 Euro wäre sie dann wieder bullisch, das wäre zu nahe am bisherigen Hoch, das zwar theoretisch auch überboten werden könnte, wenn der Markt und die in einigen Wochen anstehende Quartalsbilanz das hergeben würden, aber zu teuer wäre sie dann eben erst einmal erneut.

Erfreulich für „Schnäppchenjäger“ wäre es, wenn Sartorius in die Unterstützungszone 484/502 Euro eintauchen würde. Entweder, es gelänge dann, aus dieser Supportzone wieder nach oben hinauszulaufen – was ein taugliches, bullisches Signal wäre. Oder aber die Reise ginge weiter, in Richtung der mittelfristig entscheidenden Zone aus März 2020-Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie im Bereich 435/457 Euro. Falls diese Zone erreicht würde, könnte man angesichts eines Kurs/Gewinn-Verhältnisses, das dann mit 70 absolut akzeptabel wäre, auf jeden Fall erwägen, die Hand aufzuhalten. Und immerhin: Fast die Hälfte des Weges in diese Zone hat die Aktie in kurzer Zeit ja bereits geschafft.

Sartorius-Aktie: Chart vom 01.10.2021, Kurs 516,20 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Sartorius hat ein herausragendes Wachstum zu verzeichnen. 2021 könnte der Gewinn zum Vorjahr um sagenhafte 90 Prozent steigen. Aber das ist kein Geheimnis, das wurde im Kurs der Aktie längst eingepreist. Und mehr als das … daher könnte ein Hoch jetzt sehr nahe sein.

Wer hätte gedacht, dass die Medizin- und Labortechnik-Branche derart massive Zuwächse sehen würde? Dass es sich bei Sartorius‘ Geschäftsfeld um einen Wachstumsmarkt handelt, ist nicht neu, der Umsatz stieg über die Jahre sehr stetig an. Aber ein solcher Anstieg, damit hatte man vor zwei Jahren nicht gerechnet, als die Aktie Anfang September 2019 knapp unter 180 Euro notierte. Gegenüber damals steht jetzt ein Anstieg von 220 Prozent zu Buche. Und so grandios das auch ist, das könnte zum Problem werden, wenn es um die Frage geht, wie viel Luft da noch nach oben sein könnte.

Expertenmeinung: Sartorius hat die eigene Prognose im laufenden Jahr bereits zweimal angehoben. Was 2022 angeht, ist noch nichts verlautbart worden, aber die Produktionskapazitäten lassen sich nicht unbegrenzt hochfahren. Und eine EBITDA-Gewinnmarge von etwa 34 Prozent, wie sie im ersten Halbjahr 2021 erreicht wurde, ist ebenso wenig noch deutlich steigerbar. Möglich, dass man den Gewinn 2022 und 2023 noch einmal um 20, 30 Prozent steigern könnte. Möglich wäre aber auch, dass da gegenüber 2021 zunächst nicht viel obendrauf zu setzen ist. Man weiß es nicht. Noch nicht.

Doch die Aktie hat bereits vorweggenommen, dass das Gewinnwachstum des Unternehmens in großen Schritten weitergeht. Denn während der Gewinn gegenüber dem ersten Halbjahr 2019, also binnen zwei Jahren, um 133 Prozent zulegen konnte, stieg die Aktie um etwa 220 Prozent. Dadurch ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis, das in den Jahren 2016 bis 2018 noch bei 50 lag, seit Ende 2019 deutlich höher, liegt derzeit bei 90. Was nur dann hinnehmbar wäre, wenn das Wachstum wirklich rasant weitergeht. Was auch nicht alle Analysten erwarten.

Sartorius Vz.-Aktie: Chart vom 01.09.2021, Kurs 571,60 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Denn derzeit liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten um 540 Euro und damit unter dem Schlusskurs des Mittwochs. Und wenngleich 9 der 14 die Aktie beobachtenden Analysten Sartorius mit „Kaufen“ einstufen – fünf tun es eben nicht, bewerten derzeit mit „Halten“ oder sogar mit „Verkaufen“. Und die sechs nach der Halbjahresbilanz aktualisierten Kursziele haben einen Schnitt von 560 Euro. Ebenfalls unter dem derzeitigen Niveau. Es kann daher nicht schaden, hier bildlich gesprochen schon einmal die Koffer zu packen, d.h. den Kurs genau zu beobachten, um zügig den Gewinn zu sichern, wenn man nicht explizit langfristig dabei sein will. Hierfür würde sich aktuell die im Chart blau gehaltene 20-Tage-Linie als Orientierung anbieten, die seit knapp drei Monaten den Leitstrahl der Rallye darstellt. Zu knapp sollte man den Stopp nicht darunterlegen, denn erst, wenn diese momentan bei 553 Euro verlaufende Linie signifikant und auf Schlusskursbasis gefallen ist, ließe sich das als kritisches Signal werten. Zehn Euro „Puffer“ sollte man da schon rechnen, d.h. derzeit wäre, aus rein charttechnischer Sicht, eine Gewinnsicherung in Form eines Stoppkurses im Bereich um die 440 – 443 Euro zu erwägen.