Lufthansa Aktie aktuell Lufthansa: Sind eigentlich alle verrückt?

Aktuelle Analyse der Lufthansa Aktie

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Lufthansa
ISIN: DE0008232125
Ticker: LHA
Währung: EUR

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Zur Lufthansa Aktie

Lufthansa ist einer der weltweit operierender Luftfahrtkonzerne mit knapp 129.000 Mitarbeitern sowie 550 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften.

Das Unternehmen ist in die Geschäftsfelder Passage Airline, Logistik, Technik, Catering und Sonstige organisiert. Zum Konzern gehören auch Eurowings sowie Swiss und Austrian Airlines.

Im Endeffekt

Die Lufthansa leidet massiv unter der Corona-Krise, doch im Endeffekt lief es schon zuvor nicht rund.

Ich möchte mich nicht wiederholen, ausführliche Informationen finden Sie hier.

Boombranche²

Tourismus gehörte vor der Krise über eine lange Zeit zu den Boombranchen. Viele Akteure im Sektor verzeichneten enormes Wachstum, die Gewinne sprudelten.

Bei der Lufthansa war das nie der Fall. Der Umsatz entwickelte sich schleppend, die Margen waren miserabel, der Cashflow schwach.

Den Boom nutzen andere für sich, bei der Kranich-Airline hat es in der Krise aber auch bumm gemacht.

Kollaps

Vor wenigen Stunden hat die Lufthansa Zahlen vorgelegt und die haben es in sich.

Der Umsatz ist im zweiten Quartal von 9,6 auf 1,9 Mrd. Euro eingebrochen. Ich wiederhole es nochmal für Sie: Der Umsatz ist von neunkommasechs auf einskommaneun Milliarden Euro eingebrochen.
Eigentlich läuft nur noch die Cargo- und Techniksparte. Die Passagierzahlen sind um 96% gefallen.

Unter dem Strich musste man in nur einem Quartal einen Verlust von 1,5 Mrd. Euro schlucken. Das entspricht einem Drittel des Börsenwerts.

Die verfügbare Liquidität ist von 4,2 auf 2,8 Mrd. Euro gesunken. Die Nettoschulden sind um 10% auf 7,3 Mrd. Euro gestiegen.

Man darf sich fragen, wie lange man noch durchhalten kann.

(K)eine Perspektive

Ich hatte es in der letzten Analyse bereits für Sie durchgerechnet, wie sich Kapitalerhöhung und Hilfskredite des Wirtschaftsstabilisierungsfonds auf das Ergebnis auswirken werden.

Hier ab dem Absatz: Ist die Rettung eine Katastrophe?

Unter dem Strich bedeutet die Kapitalerhöhung dasselbe wie der Kredit: Der Gewinn je Aktie sinkt.

Selbst wenn das Geschäft ab morgen wieder normal laufen würde, würde der Gewinn je Aktie massiv einbrechen

Die Realität ist aber eine andere, der Geschäftsbetrieb liegt am Boden.

Im dritten Quartal soll die Kapazität auf der Kurz- und Mittelstrecke durchschnittlich auf rund 40%, auf der Langstrecke auf rund 20% des Vorjahreswerts gesteigert werden.
Im vierten Quartal soll die Kapazität bei durchschnittlich rund 55% (Kurz- und Mittelstrecke) bzw. rund 50% (Langstrecke) liegen.

Das Vorkrisenniveau wird man wahrscheinlich erst 2024 (!) wieder erreichen.
Die Flotte soll dauerhaft um 100 Flugzeuge reduziert werden, also um mehr als ein Zehntel.
Darüber hinaus sollen 22.000 Mitarbeiter gehen.

Berichten zufolge dürften im kommenden Jahr 300 der 760 Maschinen am Boden bleiben. Im Folgejahr könnten es noch 200 sein.

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Zwei Hälften

Eins sollte mehr als offensichtlich sein: Wenn sich die Kapazität nahezu halbiert, kann man auch nur den halben Umsatz und im utopischen Idealfall den halben Gewinn erzielen.

In Wirklichkeit ist es aber fraglich, ob die Lufthansa vor 2024 überhaupt wieder einen Gewinn erwirtschaftet.

An die Rückzahlung der Hilfskredite ist daher nicht zu denken. Die Zinsen werden dennoch fällig und kosten den Konzern das letzte bisschen Cashflow.

Wer die zuvor verlinkte Analyse gelesen hat, dürfte sich jetzt eine ziemlich offensichtliche Frage stellen:
Die Kredite fressen perspektivisch die Hälfte eines normalen Jahresgewinns auf und durch die verringerte Kapazität sinkt der Gewinn um mindestens die Hälfte.

Was bleibt da noch? Richtig, gar nichts. Die Deutsche Lufthansa kämpft ums Überleben.

Die Aktie wird nach der Quartalsmeldung dennoch gekauft, es wird eben gezockt. Eine Erholung ist auch möglich, wie nachhaltig sie allerdings sein wird, ist eine andere Frage.

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Chart vom 06.08.2020 Kurs: 8,46 Kürzel: LHA - Wochenkerzen | Online Broker LYNX

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Tobias Krieg, Technischer Analyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Lufthansa Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Die Kurse der Deutschen Lufthansa Aktie gingen im gestrigen Handel regelrecht durch die Decke. Die Aktie konnte mehr als sieben Prozent an Wert zulegen, nachdem der Konzern ein umfangreiches Umstrukturierungsprogramm vorgestellt hatte. So sollen rund 22.000 Stellen abgebaut werden. Auch die Prämien für den Vorstand und die Geschäftsführung sollen gekürzt werden. Aktionäre zeigten sich erfreut über diese Meldung und einige Leeverkäufer dürften wohl kalte Füße bekommen haben. Die Frage stellt sich jetzt, ob dies nur ein kurzes Strohfeuer war, oder ob die Kurse sich nachhaltig erholen werden.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Lufthansa Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Bereits in meiner letzten Analyse von Ende Juli wurde ein möglicher Abverkauf auf bis zu 7.00 EUR in Aussicht gestellt. Das Kursziel konnte mittlerweile so gut wie erreicht werden. Der aktuelle Anstieg sieht aus technischer Sicht eher nach einer typischen Bärenmarktrallye aus. Häufig enden diese entweder am 20- oder in Folge am 50-Tage-Durchschnitt. Danach wird der Verkaufsdruck üblicherweise höher und die Kurse drehen erneut nach unten weg. Sollte die Aktie also die gleitenden Durchschnitte und in Folge das letzte Zwischenhoch bei 9.28 EUR tatsächlich brechen, wäre mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen. Alles darunter bleibt jedoch weiterhin in den Händen der Bären.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 05.08.2020 Kurs: 237.30 Kürzel: LHA| Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Es war lediglich ein kurzer Ausflug in Richtung Norden, welchen sich die Aktie der Deutschen Lufthansa von Mai auf Juni gönnte. Das war auch der Zeitpunkt, als wir dem Titel noch positive Aussichten mit auf den Weg gegeben hatten. Short-Seller wurden attackiert, es kam zu heftigen Leerverkaufseindeckungen und zahlreiche Anleger witterten das große Geld. Der Anstieg verlief heftig und die Kurse konnten innerhalb weniger Tage fast 80 Prozent an Wert zulegen. Gleichzeitig war es aber auch die Pflicht der Anleger, etwaige rasche Gewinne auch abzusichern, denn die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel und gerade parabolische Anstiege sind selten von langer Dauer. Der anschließende Pullback zeigte dann, ob die Erholung von Nachhaltigkeit geprägt war. Doch die wichtigen gleitenden Durchschnitte der Perioden 20 und 50 sind gefallen und wurden mittlerweile nachhaltig nach unten verletzt. Vor allem die großen roten Kerzen von Ende Juni zeigten nochmals, dass Anleger hier vorerst das Weite suchten.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Lufthansa Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Mit dem Bruch des Bodens bei 8.50 EUR ist weiterer Verkaufsdruck aufgekommen und so ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Tiefs von April abermals getestet werden. Die Luft ist quasi raus und es sieht derzeit nicht nach einer nachhaltigen Erholung aus. Solange uns der Chart vorerst keine positiven Signale gibt, müssen wir daher unsere Erwartungen auf die Aktie wieder senken. Vorsicht! Sollte zudem der Boden bei rund 7.00 EUR verletzt werden, könnte der Abverkauf sogar noch dramatische Züge annehmen.

Aussicht: NEUTRAL

Lufthansa Aktie Chart vom 28.07.2020 Kurs: 7.92 Kürzel: LHA | Online Broker LYNX

Lufthansa ist einer der weltweit operierender Luftfahrtkonzerne mit insgesamt mehr als 124.000 Mitarbeitern sowie 550 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften.

Das Unternehmen ist in die Geschäftsfelder Passage Airline, Logistik, Technik, Catering und Sonstige organisiert. Zum Konzern gehören auch Eurowings sowie Swiss und Austrian Airlines.

Schon davor

Das ist zumindest in der Theorie der Fall. Durch die Pandemie kam der Flugbetrieb der Airline aber quasi zum Erliegen.
In dieser Branche ist das fatal und keiner kann mit Gewissheit sagen, wie lange die Probleme noch anhalten werden.

Wirklich Rund lief es aber auch zuvor schon nicht. Die Airline-Industrie ist ein schwieriges Geschäft, notorisch kapitalintensiv. Gleichzeitig sieht man sich der Konkurrenz der internationalen Billig-Anbieter ausgesetzt, hat mit gut organisierten Gewerkschaften zu kämpfen und kauft Flugzeuge bei einem Duopol.

Kein Wunder also, dass der Umsatz in den letzten zehn Jahren zwar von 27,3 auf 36,4 Mrd. Euro gestiegen ist, der Gewinn aber weitgehend stagniert.
Darüber ist der Cashflow schwach, die Margen sind gering.

Sinkt die Auslastung auch nur einige Zehntel Prozentpunkte, bricht der Gewinn ein.

Ist die Rettung eine Katastrophe?

Man kann sich also ungefähr vorstellen, was in den letzten Monaten bei der Lufthansa los war – auch ohne die Unternehmensberichte zu lesen.

Binnen kürzester Zeit stand man mit dem Rücken zur Wand und benötigte Kapital. Investoren ließen sich nicht finden, also musste der Staat einspringen.

Als Bürger muss man es zwar begrüßen, wenn sich Bund und Länder in solchen Situationen Aktienpakete sichern, für die Lufthansa war der Deal allerdings äußerst bitter.

Der Stabilisierungsfonds des Bundes hat sich über eine Kapitalerhöhung 20% des Unternehmens gesichert. Der Bezugspreis lag mit 2,56 Euro bei weniger als einem Drittel des damaligen Kurses.

Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) stellte 5,7 Mrd. Euro zur Verfügung, der Zinssatz steigt von anfänglich 4% auf bis zu 9,5% im Jahr 2027.

Das war vorerst die Rettung, man sollte sich aber auch die Frage stellen, was das alles bedeutet. Die Zinskosten sind bereits jetzt enorm

Warnung

Hier ein Auszug aus der letzten Analyse:

Unter dem Strich bedeutet die Kapitalerhöhung dasselbe wie der Kredit: Der Gewinn je Aktie sinkt.

Lassen Sie uns kurz nachrechnen, über welches Ausmaß wir sprechen. Der WSF-Kredit wird den Konzern anfänglich 228 Mio. Euro an jährlichen Zinsen kosten. Perspektivisch könnten es 541 Mio. Euro werden.

Die Zahl der ausstehenden Aktien steigt durch die Kapitalerhöhung von 476 auf 595 Millionen Stück.

Im Vorjahr hat die Lufthansa ein Konzernergebnis von 1,21 Mrd. Euro erzielt. Das entsprach einem Ergebnis von 2,55 Euro je Aktie.

Nehmen wir hypothetisch an, dass man im kommenden Jahr ebenso profitabel wäre. Durch die Zinskosten und die höhere Aktienzahl, läge das Ergebnis selbst dann nur noch bei 1,68 Euro je Aktie.

Da die Lufthansa auch gerne Mal zu einem KGV von 5 gehandelt wird, wäre also bereits jetzt kein Kurspotenzial mehr vorhanden.

Zum Zeitpunkt der damaligen Analyse notierte die Aktie bei 9,13 Euro. Danach ging es recht zügig auf 7,00 Euro. Es sieht nicht gut aus.

Verzehrend

Perspektivisch könnte der Kredit den halben Unternehmensgewinn aufzehren. Aktuell erscheint 2027 noch weit entfernt, doch wie soll man bis dahin einen nennenswerten Teil des Kredits tilgen?
Der freie Cashflow tendierte bereits vor Corona gegen null und Branchenexperten gehen davon aus, dass das Flugaufkommen erst 2023 wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen wird.

Der Kranich-Airline stehen also magere Zeiten bevor, in einer Branche in der Auslastung der Schlüssel ist.
Gleichzeitig wird man von Schulden erdrückt. Traurige Realität.

Daher bleibe ich dabei: Die Aktie könnte in den kommenden Jahren ein ebenso schlechtes Investment sein, wie in der Vergangenheit.
Heute notiert die Lufthansa-Aktie übrigens auf demselben Niveau wie 1995.

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Chart

Wer trotz all dieser Tatsachen investieren will: Seit 25 Jahren dreht die Aktie immer wieder nahe 8 Euro. Vielleicht wird es auch dieses Mal wieder der Fall sein.

Zuvor könnten aber auch noch die Tiefs von 2003 oder dem Corona-Crash angesteuert werden. Sie liegen bei 7,12 und 6,80 Euro.

Lange sollte der Kurs aber nicht unter 8,00 Euro notieren, sonst kippt der Chart komplett. In diesem Szenario drohen Kursverluste in Richtung 6,00 und 5,00 Euro. Und weniger.

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Chart vom 27.07.2020 Kurs: 7,80 Kürzel: LHA - Wochenkerzen | LYNX Online BrokerChart vom 27.07.2020 Kurs: 7,80 Kürzel: LHA - Wochenkerzen | LYNX Online Broker

Hätte die Lufthansa-Aktie das alte Rekordtief bei 6,29 Euro, das Anfang 2003 markiert wurde, in den letzten Wochen erreicht, hätte sich wohl niemand gewundert. Immerhin hatte der Vorstand der Kranich-Airline schon von Anfang an deutlich gemacht, dass der Reisestopp eine Scharte in die Kasse schlagen würde, die auszuwetzen Jahre dauern werde. Trotzdem bildete die Aktie im April und Mai knapp über sieben Euro einen Boden aus und zog rasant auf in der Spitze 12,59 Euro davon. Das war genau der Kurslevel, der im Sommer 2019 ein Zwischentief bedeutete. Zu einer Zeit also, als man von Corona noch nicht einmal etwas ahnte.

Aber diese Rallye ist bereits wieder Geschichte, die Aktie hat fast zwei Drittel dieser Distanz zwischen 7,02 und 12,59 Euro wieder abgegeben. Und gerade das deutet an, dass jetzt noch mehr Luft nach unten vorhanden wäre. Denn es ist bezeichnend, dass die Aktie nach oben schoss als klar wurde, dass das Neun-Milliarden-Rettungspaket geschnürt wurde und wohl durchgehen wird, dann aber nachgab, als es soweit war. Selling on good news … und zwar, weil man sehr genau weiß, dass die Phase der guten Nachrichten erst einmal vorbei ist.

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Expertenmeinung: Jetzt muss die Lufthansa sich erst einmal stabilisieren und langsam versuchen, eine Art von „new normal“ zu etablieren. Erst am Wochenende betonte der Großaktionär Thiele, dass die Sanierung des Konzerns fünf bis sechs Jahre dauern könne und niemand heute schon absehen könnte, wie hart dieser Weg werden würde. Diese Rallye, die fast wieder an das „Prä Corona“-Level führte, war eine emotional getriebene Kaufwelle, auch angeschoben durch panisch eindeckende Leerverkäufer. Sie traf auf diejenigen, die am Zwischenhoch Anfang Juni erkannten, welche grandiose Chance sie da bekamen, auf wieder weit höherem Niveau weitere Positionen abzubauen oder gar Short zu gehen. Es bleibt eine Aktie, die mehrere harte Jahre vor sich haben dürfte und darüber hinaus auch noch aus dem DAX abgestiegen ist.

Besonders interessant ist die Reaktion der Aktie auf das Plazet der EU und der Aktionäre am vergangenen Donnerstag. Diese Nachrichten führten zwar dazu, dass die Aktie mit einem immensen Gap nach oben startete, dieses Plus traf aber sofort auf Abgabedruck. Und der Versuch am Freitag, den Kurs wieder höher zu ziehen, wurde ebenfalls sofort mit Verkäufen beantwortet. Diese zwei langen, roten Kerzen indizieren, dass sich die Bullen „leergeschossen“ haben und das bärische Lager jetzt seine Chance bekommt, im Vorgriff auf wohl viele ernüchternde Quartalsbilanzen Druck auf den Kurs auszuüben. Dass die Aktie am Montag trotz eines insgesamt anziehenden deutschen Aktienmarkts kaum vorankam, unterstreicht, dass man momentan in ein fallendes Messer greifen würde, wollte man hier auf der Long-Seite einsteigen. Im Gegenzug wäre ein Test, ggf. sogar ein Unterschreiten des jüngsten Tiefs von 7,02 Euro zwar nicht sicher, ist aber derzeit die wahrscheinlichere Variante.

Lufthansa Aktie Chart vom 29.06.2020, Kurs 9,01 Euro, Kürzel LHA | Online Broker LYNX

Drei wichtige Nachrichten gab es in Bezug auf die Lufthansa-Aktie seit Ende Mai. Zunächst wurde mitgeteilt, dass die Lufthansa-Chefetage den Auflagen für die Neun-Milliarden-Unterstützung der Regierung zustimmt. Dann kamen Mitte letzter Woche die Ergebnisse des ersten Quartals und zum Wochenschluss dann die Meldung, dass die Aktie der Kranich-Airline aus dem DAX fliegt und in den MDAX absteigt. Welche dieser Nachrichten kann dazu geführt haben, dass die Aktie am Montag den vierten Handelstag in Folge stieg und das Tempo zum Wochenstart noch äußerst zulegte?

Das dürften sich auch viele Analysten fragen. Denn seit das Unternehmen am vergangenen Mittwoch die wie erwartet gruselige Bilanz der ersten drei Monate des Jahres vorlegte, haben gleich drei Analysten ihre Einschätzungen und/oder Kursziele gesenkt. Und die drei da genannten, aktuellen Analysten-Kursziele lauten 6,75, 7,00 und 10,00 Euro, liegen also allesamt deutlich unter dem derzeitigen Kursniveau. Alle diese Experten hatten die aktuellen Fakten auf dem Tisch, ausgenommen die Analysten von Bernstein, die ihr Kursziel von 10,00 Euro bestätigten, bevor die Meldung kam, dass das Unternehmen den DAX im laufenden Monat verlassen muss. Die gleichen Fakten also, die die Marktteilnehmer offenbar so begeistern, dass sie die Aktie zum Wochenstart um gute neun Prozent nach oben trieben. Kann das gutgehen? Oder ist das so etwas wie ein Steigflug à la Ikarus, bei dem man leichtsinnig zu schnell zu hoch fliegt und der Absturz vorprogrammiert ist?

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Expertenmeinung: Es ist denkbar. Denn die Lufthansa-Aktie stand ja nicht erst durch die Corona-Krise unter Druck. Der Wettbewerb war äußerst, die Margen gerieten unter Druck, im Bereich Fracht gingen die Umsätze zurück. Die Folge war ein Abwärtstrend, der bereits im Januar 2018 seinen Anfang nahm. Und jetzt hat der Kurs durch diese aktuelle Kaufwelle bereits um die zwei Drittel des Absturzes aufgeholt, dem man dem allgemeinen Kurseinbruch durch die Pandemie zuordnen kann. Hilfspaket hin oder her, das ist allemal ein optimistischer Vorgriff auf eine Zukunft, in der bei der Airline wieder solide Gewinne erzielt werden. Und das, obwohl der Lufthansa-Vorstand immer wieder darauf hinweist, dass diese Scharte keinesfalls binnen ein paar Monaten ausgewetzt sein kann.

So gesehen stellt sich natürlich die Frage, wie viel Luft da noch wäre, bis den Käufern, der Sagengestalt Ikarus gleich, die Flügel schmelzen. Und wenn man sich den Chart ansieht, kommt der Gedanke auf: Es wird schon jetzt langsam eng. Denn der Kurs nähert sich einem markanten, doppelten Widerstand aus der 200-Tage-Linie und der im Frühjahr 2019 etablierten Abwärtstrendlinie im Bereich 13,15/13,40 Euro. Ginge die Aktie dort hindurch, wäre zwar Luft bis an die übergeordnete 2018er-Baissegerade bei derzeit 15 Euro. Aber nachdem die Analysten skeptisch bleiben, die Datenlage vorerst wacklig bleibt und die Aktie bereits so weit in so kurzer Zeit gestiegen ist, wäre es verwegen, das einfach vorauszusetzen. Hier über Gewinnmitnahmen zumindest nachzudenken, wäre sicherlich kein Fehler.

Lufthansa Aktie Chart vom 08.06.2020, Kurs 11,85 Euro, Kürzel LHA | Online Broker LYNX